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Investment-Banking-Bereich gab den Anstoß

Dresdner Bank schließt Rahmenvertrag mit Sybase

06.03.1998

Christopher Buchanan zeichnet seit Anfang dieses Jahres weltweit für die Investment-Banking-Technologie der Dresdner Bank verantwortlich. Seine Vorliebe für die Datenbank-, Tool- und Middleware-Produkte der Sybase Corp. hatte er bereits entwickelt, bevor er am Ende des vergangenen Jahres mit einem 40köpfigen Spezialistenteam die Commerzbank verließ und zur Dresdener Bank wechselte. Wie Buchanan versichert, setzen rund 90 Prozent aller Investment-Banken Sybase-Software ein, weil sich die Produkte des derzeit kränkelnden Anbieters (vgl. CW Nr. 9 vom 27. Februar 1998, Seite 12) insbesondere für die verteilte Datenhaltung eigneten.

Buchanan ist ein entschiedener Verfechter dieses Computing-Konzepts. Seiner Ansicht nach kommt zwar dem Filialbankgeschäft eine zentrale, großrechnerorientierte Struktur entgegen. Das Investment-Banking mit seinen dezentralen Strukturen erfordere hingegen kurze Reaktionszeiten und damit eine "voll verteilte Technologie".

Die Aktienhändler an den internationalen Finanzplätzen sollen also ihre Daten lokal halten und verarbeiten, aber trotzdem auf einen weltweit konsistenten Informationsbestand zugreifen. Dieser Forderung kommt die Sybase Inc. dadurch entgegen, daß sie ihre Datenbank-Management-Lösungen mit der Fähigkeit zur Datenreplikation ausstattet.

Im Gegensatz zum Two-Phase-Commit-Protokoll, wo ein Datenaustausch nur dann möglich ist, wenn alle Rechner online sind, funktioniert die Replikation auch in dem Fall, daß nur ein einziger Server arbeitet; die anderen werden automatisch auf den aktuellen Stand gebracht, sobald sie wieder am Netz sind. "Wenn ein Server erst auf einen anderen warten muß, verlieren wir in der Zwischenzeit womöglich eine Million Mark," erläutert Richard Drayton, bei der Dresdner Bank für die Investment-Banking-Architektur verantwortlich. "Der letzte, der uns mit Two-Phase-Commit kam, wurde erschossen", fügt er lachend hinzu.

Performance ist für Buchanan und Drayton "genauso wichtig wie Funktionalität". Folglich lehnen sie auch ein zentrales Data-Warehouse ab: Alle Daten in einem einzigen Speicher zu halten sei einfach zu langsam. Statt dessen betreiben sie ein "virtuelles Warehouse" mit lokalen Data-Marts, die - wiederum mit Unterstützung der Replikationsfunktionen - logisch verknüpft werden. "Die Daten zu bewegen kostet Zeit und Geld," lautet einmal mehr ihre Begründung.

Buchanan zufolge hat sich bei der Dresdner Bank in der Vergangenheit bereits ein Trend zugunsten der Sybase-Produkte abgezeichnet. Der Rahmenvertrag mit dem Software-Anbieter soll die Geschäftsmodalitäten vereinfachen und die einzelne Lizenz unter dem Strich preisgünstiger machen. Damit folgt die Dresdner Bank dem Beispiel der Federal Express Corp., die im vergangenen Jahr ein ähnliches Abkommen mit Sybase ausgehandelt hat (vgl. CW Nr. 10 vom 7. März 1997, Seite 149: "Sybase-Topf ohne Boden für Fedex").

Während der dreijährigen Laufzeit des Abkommens kann die Dresdner Bank für jeden ihrer 45000 Mitarbeiter Sybase-Produkte in unbeschränktem Umfang einsetzen. Das bedeutet aber nicht, daß der Finanzdienstleister keine Produkte der Sybase-Konkurrenten mehr fahren wird. Buchanan bekennt freimütig, daß er auch eine Oracle- oder Informix-Applikation nutzen wird, sofern sie seinen Anforderungen hundertprozentig entspricht.

Das Abkommen mit Sybase umfaßt alle existierenden Sybase-Produkte sowie deren künftige Releases. Dazu zählen alle Ausführungen des relationalen Datenbank-Management-Systems "Adaptive Server" und des Data-Warehouse-Produkts "Sybase IQ" sowie die Entwicklungs-Tools der "Powersoft"-Linie, aber auch Middleware-Produkte wie "Jaguar" und die "Connect"-Familie, mit deren Hilfe die Dresdner Bank ihre heterogene IT-Welt harmonisieren will.

In diesem Zusammenhang bemängelte Buchanan, daß Sybase einige seiner Produkte - insbesondere die Connectivity-Tools - nicht offensiver vermarkte. Zudem wüßten Datenbank- und Middleware-Leute zu wenig über das Angebot der jeweils anderen. "Das erschwert uns die Argumentation gegenüber dem Vorstand", klagt Buchanan. Die Unternehmensführung kenne naturgemäß nur DB2 und Oracle. Allerdings sei die von Sybase propagierte "Adaptive Component Architecture" ein erstes Anzeichen dafür, daß sich der Anbieter "vom Verkauf von Produkten zur Vermarktung von Lösungen bewegt".

Hocherfreut sind die Dresdner Banker, daß Sybase endlich ein Row-Level-Locking für seine Datenbanksysteme in Aussicht gestellt hat. Die Möglichkeit, den Datenbankzugriff auf einer sehr niedrigen Ebene zu sperren, werde sich unter dem Strich positiv auf die Arbeitsgeschwindigkeit auswirken.

Im Rahmen des Vertrags sichert Sybase der Dresdner Bank zu, daß sie weltweit denselben Software-Support bekommt wie in Deutschland. Offenbar ist dies keineswegs selbstverständlich. Nach Buchanans Erfahrung übernehmen die Firmentöchter und -vertretungen nur ungern Pflege- und Support-Arbeiten, wenn sie das Produkt nicht selbst verkauft haben.

Über den Preis, den der Finanzdienstleister für das Produkt- und Servicepaket zu entrichten hat, wollen beide Parteien Stillschweigen bewahren. Aus Sybasenahen Quellen verlautete aber, daß es sich um den größten Deal in der Geschichte der deutschen Niederlassung handle.