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22.08.2003 - 

Allianz-Tochter muss Kosten bis 2005 um eine Milliarde Euro senken

Dresdner Bank streicht IT-Sparte zusammen

MÜNCHEN (wh) - Die Dresdner Bank verschärft ihren Sparkurs noch einmal drastisch. Vorstandschef Herbert Walter will die Kosten bis zum Jahr 2005 um eine Milliarde Euro senken. Der IT-Bereich soll allein die Hälfte der Einsparungen tragen.

Was Walter anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen vergangene Woche ankündigte, übertraf selbst die schlimmsten Befürchtungen der Belegschaft: Innerhalb der nächsten zwei Jahre streicht das Geldinstitut weitere 4700 Stellen. Schon nach den bisher bekannten Sparplänen sollten bis Ende 2003 rund 11000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Seit der Übernahme durch die Allianz im Jahr 2001, als die Banker noch rund 51000 Mitarbeiter beschäftigten, fällt damit fast jede dritte Stelle weg.

Im Rahmen des Projekts "Neue Dresdner" setzt Walter den Rotstift vor allem in der Verwaltung an. Dabei trifft es den IT-Bereich besonders hart: Er soll rund die Hälfte der angepeilten Einsparungen von einer Milliarde Euro erbringen.

Woher die neuerlichen Einsparungen in der IT kommen sollen, ließ der ehemalige Deutsche-Bank-Manager offen. Eine Firmensprecherin erklärte, es sei noch zu früh, konkrete Zahlen zum Stellenabbau in einzelnen Abteilungen zu nennen. Derzeit liege nur eine Grobplanung vor. Im Vordergrund stehe eine Reduktion von Sachkosten; zudem strebe die Bank an, extern bezogene Leistungen verstärkt durch interne Ressourcen zu ersetzen.

Das Problem der hohen IT-Kosten ist indes nicht neu. Schon Walters Vorgänger Bernd Fahrholz hatte im Sommer 2002 "dringenden Handlungsbedarf" ausgemacht.

Er kritisierte damit insbesondere den ausgeschiedenen CIO Gerhard Barth (siehe www.computerwoche.de/go/80108532). Doch auch Barths Nachfolger Klaus-Michael Geiger gelang es nicht, die ausufernden IT-Aufwendungen in den Griff zu bekommen. Nur ein Jahr nach seinem Amtsantritt im Dezember 2001 gab er den IT-Vorstandsposten wieder ab.

Seitdem hat die Allianz-Konzernleitung die Zügel angezogen. Zunächst hievte sie Friedrich Wöbking (52), bis dato im IT-Management des Münchner Versicherers tätig, auf den CIO-Posten der Dresdner Bank. Eine Schlüsselposition für das aktuelle Sparprogramm hält seit 1. Juni ein anderer ehemaliger Allianz-Manager: Markus Müller leitet die Abteilung Chief Information Technology Office (CITO) und berichtet direkt an den IT-Vorstand Wöbking. Ihm unterstehen alle Programme und Projekte zur Kostenreduktion. Schon seit mehreren Monaten stelle er "sämtliche IT-Anwendungen auf den Prüfstand", berichten Mitarbeiter.

In diesem Kontext habe Müller bereits einige konkrete Maßnahmen angestoßen. So werde das geplante Wertpapiertransaktionssystem Geos eingestellt, weil es "nie richtig zum Laufen gekommen" sei. Mehr als fünf Jahre Entwicklungsarbeit habe die Dresdner Bank in das Großprojekt gesteckt. "Jetzt wird das alles auf den Müll geschmissen." Einsparungen erhoffen sich die Frankfurter demnach auch durch die Zusammenlegung von Support- und Serviceeinheiten. In den letzten beiden Jahren hatte das Management für Privat- und Geschäftskunden sowie das Investmentbanking jeweils eigenständige Organisationen aufgebaut. Die in diesem Zusammenhang entstandenen neuen Stellen würden nun wieder gestrichen.

Den IT-Betrieb gab die Dresdner Bank frühzeitig an den internen Dienstleister Dregis ab, der im Juni mit dem Allianz-Pendant Agis verschmolz. Nach der Zusammenlegung von Rechenzentren, Netzen und Telekommunikationssystemen erhofft sich das fusionierte Unternehmen bis 2006 Einsparungen von rund 400 Millionen Euro. Ob diese Summe in den jüngsten Vorgaben des Projekts "Neue Dresdner" eingerechnet ist, konnte eine Sprecherin der Bank auf Anfrage nicht beantworten.

Nach der weitgehenden Konsolidierung des RZ-Betriebs fürchten nicht wenige Mitarbeiter, dass der Vorstand auch im Bereich Anwendungsentwicklung die Axt anlegt. Allein am Standort Frankfurt beschäftigt die Dresdner Bank schätzungsweise 1500 Applikationsentwickler. Angeheizt werde die Diskussion noch durch die wachsende Popularität von Offshore-Modellen. Durch die Vergabe von Arbeiten in Niedriglohnländer könnte die Zukunft der internen Entwicklungsmannschaft mittelfristig bedroht sein.

Auch ein größeres Outsourcing-Abkommen für die IT ist laut unternehmensinternen Quellen "nicht auszuschließen". Zwar lägen derzeit keine konkreten Pläne auf dem Tisch. Denkbar sei aber, dass das Management zunächst die internen IT-Strukturen weiter vereinheitlicht und konsolidiert. In einem zweiten Schritt käme womöglich eine komplette Auslagerung in Betracht.