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26.01.1990 - 

US-Studie über DB-Systeme für Digitals VAX-Rechner

Drittanbieter bestücken die VAXen mit Datenbanken

Was relationale Datenbank-Systeme betrifft, ist Digital Equipment längst nicht mehr Herr im eigenen Haus. So hat das DB-System von Oracle den Hardware-Hersteller mit einem Marktanteil von 29 Prozent bereits knapp überrundet. Langfristig jedoch, so die Studie der Yankee Group*, hat DEC einen sicheren Stand gegenüber seinen Mitbewerbern.

Weit über 130000 VAX/VMS-Systeme sind weltweit installiert und mehr als 40000 amerikanische Firmen verfügen über eine oder mehrere VAX-CPUS. Bei der letzten Erhebung haben weniger als die Hälfte dieser Unternehmen Datenbank-Management-Software verwendet, wobei allerdings die Durchdringung der installierten Basis wesentlich schneller wächst als die Basis selbst.

Datenbank-Anwendungen sind die Nummer drei unter den Applikationen auf Digitals VAX-Systemen. Vor ihnen liegen nur noch Netzwerk- und Kommunikations-Steuerung sowie die Report-Erstellung. Die Digital Equipment Corporation hofft nun, daß die verbesserte Datenbank-Technologie die Akzeptanz ihrer VAX-Systeme in Großunternehmen für die Transaktions-Verarbeitung steigern wird und somit die leicht stagnierenden Hardware-Verkäufe in den USA ankurbeln kann.

Dezentrale DB-Systeme wurden immer wichtiger

Um das Problem der Insellösngen im Automationsbereich zu lösen, das durch ein gestiegenes Preis-/Leistungsverhältnis im Bereich der Microcomputer verursacht wurde, müssen dezentrale EDV-Umgebungen auf gemeinsame Datenbestände zugreifen. Verteilte relationale Datenbank-Managementsysteme (RDBMS) automatisieren den

Vorgang des Findens und Abrufens von Daten, die an physikalisch entfernten Orten gespeichert sind. Dadurch wird eine verstärkte Anwendungsentwicklung in den Anwenderabteilungen gefördert und die Entwicklungsabteilungen dementsprechend entlastet. Die Datenbank-Struktur spiegelt also die Unternehmens-Struktur wieder, indem sie die erforderliche Symmetrie in der EDV-Umgebung realisiert.

IBM und Hewlett-Packard (HP) messen ihren Datenbank-Produkten und Entwicklungsaktivitäten ebenfalls eine große Bedeutung bei. Beide Unternehmen orientieren sich an mehr und mehr dezentralisierten relationalen Datenbanksystemen. Das relationale Modell wurde inzwischen dahingehend erweitert, daß es auch objektorientierte Verarbeitung und Datenstrukturen unterstützt.

Zusammen mit Digital haben diese Hardware-Hersteller das "Multivendor-Environment", also Mischsysteme in den Unternehmen, als Realität akzeptiert und beginnen, sich um die benutzerseitige Anforderung nach Interoperation zwischen Systemen verschiedener Hersteller zu kümmern. Bedeutende Probleme müssen dabei allerdings

noch gelöst werden. Eine Marktpolitik, die die Anforderungen der Benutzer und Entwickler in einer dezentralen Umgebung erfüllen soll, verlangt einen enormen Entwicklungsaufwand.

Digital argumentiert, daß bei einem wachsenden benutzerseitigen Bedarf für den Einsatz relationaler Technologien in umfangreichen transaktionsverarbeitenden Anwendungen diese Produkte auch über verbesserte Leistungsmerkmale verfügen müssen. Diese ließen sich am besten durch auf eine bestimmte Umgebung angepaßte Datenbanksysteme erreichen, während sich die Portabilität bei den Tools und Anwendungen verwirklichen ließe.

Interoperationen zwischen den Hardware-Architekturen müssen über die Hauptdatenbanken verwirklicht werden. Einerseits geht die Yankee Group darin mit Digital konform, daß einfache Schnittstellen für DBMS nicht die zukünftigen Anforderungen der Benutzer erfüllen können, andererseits trifft diese Darstellung des Problems nicht den gesamten Themenbereich der Unternehmens. und Kostenfragen.

Digital bietet eine Reihe Datenbank-Systeme und verwandte Produkte speziell für die VAX/VMS-Umgebung an. Dazu gehören eine Netzwerk-Datenbank (DBMS) und eine relationale Datenbank (RDB), die auf einen gemeinsamen Datenbestand zugreifen.

Das Unternehmen hat die RDB in einer Weise erweitert, daß sowohl umfangreiche Transaktionsverarbeitungen als auch dezentrale Datenbanken unterstützt werden. Dabei wird die RDB stärker als die Netzwerk-Datenbank empfohlen. Digital betrachtet RDB als ein strategisches Produkt und hat daher die neueste Version des VMS-Betriebssystems mit einer Run-Time-Version von RDB ausgestattet. Außerdem sieht eine Partnerschaft mit Ashton-Tate die Priorisierung von RDB als Datenbank-Server unter VMS vor und bietet Zugriff auf Dbase unter MS-DOS, Unix und VMS auf PCs.

Drittanbieter von Datenbank-Managementsoftware für die VAX sind so bedeutende Hersteller wie Oracle und Ingres, Hersteller aus der Unix-Welt mit kleineren Marktanteilen im VAX/VMS-Segment wie Informix, Unify und andere "Flüchtlinge aus der IBM-Welt" wie Cincom, Cullinet (das von Computer Associates aufgekauft wurde) und die Software AG, die jahrelang DBMS-Software für IBM-Mainframes vertrieben hat und nun auf den VAX-Markt umschwenkt. Sybase ist ein Unternehmen, das zwar erst spät auf diesen Markt gekommen ist, aber trotzdem in dem Ruf steht, robuste und leistungsstarke relationale Online-Transaktionsverarbeitungs-Produkte (OLTP) zu produzieren.,

Ontologic und Servio Logic werden erwähnt, weil sie sich um den Markt der objektorientierten Datenbanken kümmern. Ihre Produkte befinden sich weitgehend noch in der Entwicklungsphase, da diese Unternehmen herstellerspezifische Entwicklungssprachen durch C++ ersetzen.

Oracle, Ingres, und DEC dominieren

Im US-Markt liefert Oracle rund 21 Prozent der existierenden Datenbank-Managementsysteme im amerikanischen VAX-Markt, während Ingres etwa 16 Prozent hält. DEC selbst liegt hier allerdings mit 36 Prozent an der Spitze - eine Stellung, die das Unternehmen im Markt für relationale DBMS abgeben mußte. 29 Prozent gehen hier an Oracle, DECs RDB hält 27 Prozent und Ingres ist mit 21 Prozent im Geschäft. Somit decken diese drei Unternehmen zusammen fast vier Fünftel des Marktes ab.

Die Yankee-Group und Computer Intelligence haben für März 1989 folgenden Anteile der installierten Systeme in Unternehmen mit einer oder mehreren VAX-CPUs ermittelt:

Oracle hat bereits 1985 ein portierbares und relationales DBMS-Produkt angeboten, das in mehreren Umgebungen vom Mainframe bis zum PC lauffähig war. Im Jahr darauf integrierte das Unternehmen die ersten dezentralen Funktionen und 1988 wurde im Marketing das Gewicht auf die sehr schnelle Transaktionsverarbeitung gelegt. Allerdings steht die Marketingabteilung des Unternehmens in dem Ruf, erfolgreich die Produkte der jeweils nächsten Generation zu vermerkten, bevor diese verfügbar sind.

Ingres bietet ein gleichnamiges relationales Datenbank-Managementsystem an, das auf IBM und Digital-Mainframes, einer Anzahl von Minicomputern, Workstations und PCs läuft. Die dezentrale Version dieses Produktes, ist für VAX-Netzwerke unter VMS und für einige andere Computer verfügbar.

Einen guten Ruf genießen die Ingres-Entwicklungstools. So bietet Ingres 6.1 eine Multiserver-Architektur, in der jeder Server parallele Aufrufe für eine oder mehrere Datenbanken verwalten kann. Damit soll Ingres in der Lage sein, Zeiteinsparungen bei Transaktionen von bis zu 300 Prozent gegenüber früheren Versionen dieses Produktes realisieren können.

Informix und Unify bieten für Unix an

Unternehmen wie Informix und Unify haben ihre relationalen DBMS-Produkte ursprünglich für das Betriebssystem Unix ausgelegt. Viele ihrer Produkte wurden zwar auf VAX/VMS portiert, der Marktanteil dafür liegt allerdings nur bei einem oder zwei Prozent.

Cincoms Supra-DBMS unterstützt eine Anzahl von IBM- und Digital-Umgebungen, einschließlich MVS, VSE, VM und VMS. Die Unterstützung für OS/2 soll in Kürze realisiert werden. Cincom hat Supra als das einzige relationale Datenbank-Managementsystem positioniert, das auf der von ANSI/SPARC empfohlenen "Drei-Schema-Architektur" basiert.

Cullinet positionierte sich im letzten Jahr auf dem VAX-Markt. Ihr effizientestes Produkt, Enterprise-DB versucht einen höheren Datendurchsatz mit weniger Ressourcen zu verwirklichen als die Produkte von Mitbewerbern wie Ingres oder RDB. Nach der Übernahme durch Computer Associates, kann man von der Realisierung weiterer Produkte ausgehen, die innerhalb des neuen Unternehmens aus geplanten und bereits existierenden Produkten entstehen werden.

Die Software AG bezeichnet ihr "Adabas" als erstes produktionsorientiertes DBMS-Produkt mit relationalen Fähigkeiten. Obwohl das Unternehmen im VAX-Markt bisher nur über einen kleinen Marktanteil verfügt, bedeuten ihre Erfahrungen im Bereich der IBM-orientierten OLTP einen Vorteil gegenüber Unternehmen wie Oracle, Digital und Ingres. Die Firma unterstreicht den effizienten Einsatz der Produktressourcen und die erweiterte SQL-Unterstützung sowie die Unterstützung in der Programmierung dezentraler Datenbanken.

Sybase ist bekannt für die Robustheit ihrer relationalen Datenbanksysteme und legt den Schwerpunkt auf Lösungen bei der Transaktions-Verarbeitung. Das Unternehmen unterstreicht, daß sein Produkt das erste SQL-orientierte relationale DBMS-Produkt war, das explizit für Online-Anwendungen konzipiert wurde. Ausgelegt für eine Client/Server-Architektur unterstützt es Such- und Aktualisierungs-Transaktionen in heterogenen dezentralen und vernetzten Datenbank-Umgebungen. So werden dezentrale Aktualisierungen über "Two-Phase-Commits" unterstützt.

Schließlich entwickelt Ashton-Tate - erfolgreich vor allem im PC-Sektor - eine Dbase-IV-Version für VAX-Umgebungen. Das Unternehmen hat eine Mehrheitsbeteiligung an Interbase erworben, deren DBMS-Produkte auf einer Reihe von Minicomputern verschiedener Hersteller laufen, unter denen sich Digitals VAX-Systeme und die Apollo-Rechner (Apollo wurde inzwischen von HP aufgekauft) befinden.

Es ist nicht einfach, genaue Finanzen für Datenbank-Managementsysteme in VAX-Umgebungen zu nennen, da die Industrie die Anzahl lizenzierter Anwender-Unternehmen und Unternehmen, die VAX-Systeme geleast haben, auf unterschiedliche Arten zählt. Außerdem sind die Preise für die Lizenzen sehr verschieden, da sie von der Hardware abhängen.

So gibt Oracle an, daß etwa die Hälfte der aktuellen Softwarelizenz-Umsätze im VAX/VMS-Sektor getätigt werden. Schätzungen gehen davon aus, daß das Unternehmen mit seinen Produkten in ungefähr einem Fünftel aller Unternehmen vertreten ist, die Datenbank-Software einsetzen und über mindestens eine VAX-CPU verfügen. Unter Verwendung von Daten über Umsätze und installierte Systeme in anderen Unternehmen schätzt die Yankee Group den aktuellen DBMS-Markt für VAX-Umgebungen einschließlich zugehöriger Tools auf etwa 750 Millionen Dollar. Digitals Wettbewerbs-Situation in den Bereichen Datenbank-Management und Transaktions-Verarbeitung gegenüber IBM und Hewlett-Packard ist keineswegs beunruhigend.

So hält das Unternehmen eine starke Position in den Bereichen Netzwerke und dezentrale Verarbeitung.

Die Yankee Group geht davon aus, daß Digitals Entwicklungsaktivitäten in diesen Bereichen weitergehen als die von IBM, zumal was die Verfügbarmachung von Produkten anbelangt.

Trotzdem meint die Yankee Group, daß es alle Unternehmen einschließlich DEC sehr schwer haben werden, IBMs Customer Information Control System-Produkte (CICS) durch eigene Transaktions-Verarbeitungs-Produkte zu ersetzen.

Digital kann damit rechnen, Renditen der erheblichen Investitionen in Forschung und Entwicklung in den Bereichen Netzwerke und Expertensysteme zu erzielen, wenn in den kommenden Jahren neue Produkte für das dezentrale Datenbank-Management auf den Markt gebracht werden. Es scheint auch, als liege der Hardware-Hersteller vor der IBM, wenn es darum geht, den Anwendern Interoperationen in verschiedenen heterogenen Umgebungen zu bieten. Digitals Ansatz ist der Network Applications Support (NAS), den das Unternehmen als zentralen Systemintegrator betrachtet.

Da die VAX-Architektur eine große Bandbreite von Leistungsebenen abdeckt, hat Digital sich in dieser Hinsicht das Leben leichter gemacht als IBM mit SAA. Aus diesem Grund wird die Gefahr für Digital auch eher von Oracle als von IBM oder den "Flüchtlingen der IBM-Welt" kommen, die auf den Markt der VAX-Datenbanken und der Transaktionsverarbeitung gekommen sind.

Langfristig bleibt Digitals Position gegenüber Oracle allerdings durchaus stabil. Das Leistungs-Potential für ein Produkt, das direkt in ein Betriebssystem integriert werden kann, ist naturgemäß höher. Im Augenblick muß Digital allerdings aggressiv über die Preisschiene um Marktanteile in der VAX-Umgebung kämpfen.

Durch die Vermarktung des Ingres-Toolset und das Schaffen von Mehrwert für sein eigenes Expertensystemen kann Digital lernen, bei der Entwicklung zukünftiger Tools erhebliche Kostenersparnisse zu realisieren. Und es gibt keinen Grund, warum DEC im Bereich der Interoperation nicht den Stand von Oracle erreichen könnte.

In der Zwischenzeit sollte das Unternehmen allerdings seine DBMS-Produkte auf die VMS-und ULTRIX-Betriebssysteme portieren. Dieser Absicht muß auch die Erweiterung der Produkte für eine verbesserte Funktionalität der dezentralen Datenbanken beinhalten, ebenso wie die Entwicklung eines Repositories-Konzepts, um eine Deckung mit den DV-Umgebungen in den Unternehmen zu realisieren.

Ein Trend, der sicherlich anhält, liegt in den Erwartungen der Anwender, daß die Hersteller die Fähigkeit besitzen, die technischen Produkte rechtzeitig und mit starken Leistungsmerkmalen zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört auch, wie die Anwender die Effizienz von Service und Support beurteilen.

Dieser Punkt wird in nächster Zeit immer wichtiger werden.

Was die relationale Datenbank-Technologie anbelangt geht die Yankee Group davon aus, daß sich der Datendurch-Satz erheblich steigert. Die Robustheit der Produkte wird ebenfalls zunehmen, um die benutzerseitigen Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Verfügbarkeit der Systeme zu erfüllen.

Das relationale Modell muß so erweitert werden, daß Objekt. orientierte Programmierung und Datenstrukturen eingebunden werden können. In Zukunft wird es intelligente Datenbanken auf Basis von Expertensystemen geben, die die Einhaltung von Standards gewährleisten müssen.

Schließlich geht die Yankee-Gruppe davon aus, daß die Back-Ends der DBMS-Produkte Teil der Basis-Softwareumgebung und mit dem am Markt verfügbaren Repositories verbunden werden.

Mit diesen Erweiterungen erhalten sowohl Anwender als auch Hersteller mehr Kontrolle über ihre strategischen Investitionen. Diese Entwicklung ist vor allem für Hardware-Hersteller sehr wichtig.