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Schlüsselfunktion in der Volkswirtschaft: Informationstechnik

Drohen staatliche Eingriffe?

14.02.1975

"Wer die Zukunft auf dem Gebiet von Datenverarbeitung und Ferhmeldewesen zu prognostizieren versucht, wird immer dann eine gute Chance haben, recht zu behalten, wenn er einen raschen Fortschritt in der Elektronik, eine schnelle Ausbreitung von einfachen, gut definierbaren Anwendungen zugrundelegt, die Entwicklungsaussichten komplexer und umfassender Systeme aber konservativ beurteilt." Dieses kurze Zitat aus einem Vortrag, den BMFT-Staatssekretär Dr. Volker Hauff am 4. Februar auf der OECD-Konferenz über Datenverarbeitung und Fernmeldewesen in Paris hielt, durfte wahrscheinlich der Schlüssel für die weitere Förderungspolitik der Bundesregierung auf dem Gebiet der Datenverarbeitung sein. Bereits das Förderprogramm "Information und Dokumentation", das im Dezember vom Kabinett verabschiedet wurde und noch im Februar der Öffentlichkeit vorgelegt werden soll, dürfte weitere wichtige Hinweise enthalten. Ob diese Entwicklung im Interesse der Industrie liegt, muß die genaue Analyse aller Äußerungen ergeben.

Ohne Zweifel werden dabei die Auswirkungen der Informationstechnik sehr sorgfältig analysiert werden müssen. Ob bei der Ausbreitung der Informationstechnik schwere Fehlentwicklungen vermieden werden können, hängt sehr von dem allgemeinen politischen Zustand einer Gesellschaft ab. Eine von der Technik bestimmte Zwangsläufigkeit gibt es sicher nicht.

Dieses Zitat verdient besondere Beachtung, da es zur Legitimation des staatlichen Eingriffes in die technologische Entwicklung dienen kann und wahrscheinlich auch soll. Was sind dann aber Fehlentwicklungen? Und wer kann dann sagen, welche der verschiedenen Entwicklungsrichtungen die richtige ist?

Eine Antwort auf die Fragen, die sich in diesem Zusammenhang unweigerlich aufdrängen, kann nur aus einzelnen Äußerungen des Ministeriums abgeleitet werden. Es ist daher zunächst unumgänglich, auf die weiteren sehr aufschlußreichen Ausführungen von Staatssekretär Hauff in Paris einzugehen und sie hier zur Diskussion zu stellen.

1985: 200 000 Datenstationen

Die Eurodata-Studie kommt bekanntlich zu dem Ergebnis, daß 1985 in der Bundesrepublik mit Datenübertragungsraten über das öffentliche Netz von 500 Gigabit pro Tag zu rechnen ist und daß rund 200 000 Datenstationen an Fernverarbeitungsnetze angeschlossen sein werden. Nach Ansicht des BMFT-Staatssekretärs ist dieser Datenstrom allerdings zu hoch. Und das sind die Gründe, warum Hauff die Hochrechnung der Eurodata-Studie ablehnt:

- Die Hardware wird immer billiger, damit entfallen auch die Gründe für zentralisierte Rechenzentren mit hohen Datenflüssen zum Benutzer.

- Für große Datenfernverarbeitungssysteme mit häufig sich ändernden Dateien, für die aus organisatorischen Gründen eine Zentralisierung wünschenswert erscheint werden lange Entwicklungszeiten benötigt.

- Schließlich nimmt mit wachsender Leistungsfähigkeit der marginale Datenfluß eher ab als zu.

Nach Ansicht von Hauff haben die professionellen Prognostiker von Eurodata jedoch einen Randbereich der Datenfernverarbeitung nicht berücksichtigt, obwohl er in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen dürfte, nämlich die Bürotechnik und Elektronische Textübertragung. Gemeint sind Schreibautomaten und schnelle digitale Fernkopierer, die über Nebenstellenanlagen und das öffentliche Fernsprechnetz miteinander kommunizieren. "Verglichen mit Datenfernverarbeitungssystemen zur Verarbeitung formatisierter Daten handelt es sich hier um verhältnismäßig einfache, gut definierte Systeme, die isoliert voneinander implementiert werden können." Bereits Ende dieses Jahrzehnts soll sich der massive Übergang von elektrischen Schreibmaschinen auf Schreibautomaten vollziehen, weil zu diesem Zeitpunkt der Preis von Schreibautomaten auf fünf- bis siebentausend Mark abgesunken sein dürfte. Damit ergäben sich bei einer Abschreibungszeit von etwa vier Jahren ein Aufwand für einen Schreibautomaten, der unter sieben Prozent der Lohnkosten einer Schreibkraft liegt.

Angesichts dieser Entwicklung, die das Bürosystem revolutionieren könnte, kommt das BMFT zu der Überzeugung, daß "im Jahre 1985 Schreibautomaten und Fernkopierer einen höheren Datenstrom erzeugen, als alle Datenfernverarbeitungssysteme zusammen". Eine eindeutige Abgrenzung beider Entwicklungen ist allerdings nicht ohne weiteres möglich. Im Gegenteil, Staatssekretär Hauff vermutet, daß langfristig eine Integration stattfinden wird. Aus diesem Grund darf eine "Analyse politischer Aufgaben auf dem Gebiet von Datenverarbeitung und Fernmeldewesen nicht zu eng" angesetzt werden".

Europa liegt zurück

Amerikanische Firmen der Datenverarbeitung haben sich in den letzten Jahren bereits auf dem Gebiet der Bürotechnik und elektronischen Textverarbeitung einen erheblichen Innovationsvorsprung verschafft, obwohl sie zunächst keinen großen Technologievorsprung besessen hatten. "Ich habe" - meinte Hauf in Paris" "den Eindruck, daß der Markt für moderne Bürosysteme, einschließlich rechnergestützter Nebenstellenanlagen, in absehbarer Zeit von amerikanischen Firmen dominiert und definiert werden könnte". Für die europäischen Länder ist es daher notwendig, in den nächsten Jahren erhebliche Fördermittel einzusetzen, um in der informationstechnischen Industrie wettbewerbsfähig zu bleiben.

"Staatliche Unterstützung ist jedoch immer nur als zeitlich begrenztes Instrument sinnvoll einsetzbar. In diesem Sinne sind gezielte staatliche Förderungsmittel auch ein Instrument der Investitionslenkung." Sie sind somit zugleich ein Zeichen dafür, daß Staat und Wirtschaft bei der Modernisierung der Volkswirtschaft aufeinander angewiesen sind.

"Zu einer zukunftsorientierten Politik gehört heute die Erkenntnis, daß der Informationstechnik, der Technik der Verarbeitung, Speicherung und Übertragung von Informationen mit Hilfe der Elektronik eine Schlüsselfunktion in der Modernisierung unserer Volkswirtschaft zukommt.

Chancen und Risiken der Anwendung der Informationstechnik in unserem demokratischen Staat zu analysieren, kann aber nicht allein Aufgabe des BMFT und des Parlaments sein. Auch die Industrie ist dazu aufgerufen.