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14.01.1977 - 

Das Gehirn von der Technik überlistet:

Droht das DV-Bildschirmsyndrom?

Vor Jahren, als das Fernsehen noch neu war, wurde von Medizinern davor gewarnt, Kinder allzulange in die Röhre gucken zu lassen. Gewarnt wurde nicht wegen der Gefahr der geistigen Verblödung, sondern vor Augenschäden.

Jetzt wird allenthalben die Humanisierung der Terminalarbeitsplätze gefordert (CW-Nr. 46 vom 12. 11. 76: "Wir wollen die Brille als Standesabzeichen der Bildschirmbediener nicht"). Indes: Weder die Größe der Schrift noch die - vielleicht mangelnde - Helligkeit des Daten-Bildschirms ist "Stein des Anstoßes", vielmehr das "Flimmern" des Bildes.

Flimmerei belastet

Um zu verstehen, woher die Flimmerei kommt und was es mit dem, ruhigen Bild auf sich hat, hier die Erklärung: Das Fernsehbild und auch das übliche Bild der Datensichtgeräte flimmert, weil es zu keinem Zeitpunkt jemals vollständig vorhanden ist. Der Mensch sieht nur ein zusammenhängendes Bild, weil seine Augen träge sind, weil der Lichtreiz, der auf einen Sehnerv ausgeübt wurde, für einen Moment im Gehirn gespeichert bleibt. S Vom Fernsehbild ist nun "in Wirklichkeit" immer nur ein Punkt vorhanden, und der ist sehr hell, so daß er einen bleibenden Eindruck hinterläßt. Erst die (für 1/10 Sekunde) bleibenden Eindrücke werden dann als zusammenhängendes Bild wahrgenommen.

Genauer betrachtet ist die Wahrnehmung eines Fernsehbildes mit einer Überlastung des Auges und der zugehörigen Nerven- und Gehirnteile verbunden. Der wesentliche Grund dafür ist, daß der Regelmechanismus der die Iris steuert, von der Technik überlistet wird. Da ja in Wirklichkeit nie ein komplettes helles Bild vorhanden ist, "meint" die Irissteuerung, es ist dunkel, und öffnet sich weiter, als für die Belastung des Sehorgans durch die Punkthelligkeit angemessen wäre.

Ganz anders und viel natürlicher sind die Sehbedingungen vor dem Bildschirm eines Mikrofilmgerätes. Hier nimmt das Auge zu jedem Zeitpunkt das gesamte Bild wahr; die Iris ist also auch der Punkthelligkeit, die einen einzelnen Sehnerv erreicht, richtig angepaßt.

Nur der Vollständigkeit halber sei der Kinofilm erwähnt: Da immer vollständige Bilder projiziert werden, sind die Verhältnisse wesentlich günstiger als beim Fernsehen, wegen der Dunkelpausen zwischen den Einzelbildern aber doch nicht so günstig wie beim stehenden Bild des Mikrofilms oder der Umgebung.

Was ist also zu folgern? Für das Unterhaltungsfernsehen bringt die eingeschaltete Raumbeleuchtung schon eine kleine Besserung, da die Irissteuerung nicht mehr einen so großen "Hub" ausführen muß. Sie muß nicht mehr zwischen ganz hell und dunkel hin- und hersteuern, sondern nur zwischen hell und heller.

Zwischentöne fehlen

Beim Daten-Bildschirm liegen die Verhältnisse etwas ungünstiger, weil einerseits der Betrachtungsabstand geringer ist - der Schirm füllt das Blickfeld von aus und andererseits der Helligkeitsanteil geringer ist - die Zwischentöne fehlen. Demnach bringt die helle Bürobeleuchtung auch nicht die gleiche Besserung wie die Zimmerbeleuchtung beim abendlichen Fernsehen.

Was ist also zu tun? Eine Beschränkung der "Expositionszeit", also der Zeit, in der der flimmernde Bildschirm betrachtet werden muß" ist unbedingt nötig. Eine andere Frage ist allerdings, ob das einfach durch Tarifvertrag zu regeln ist oder besser durch technische Maßnahmen. Eine technische Maßnahme ist der Speicher-Bildschirm.

Auf dem Speicherbildschirm flimmert das Bild nur so lange, wie es "geschrieben" oder geändert wird. Soll das Bild längere Zeit betrachtet werden, so wird auf Speicherung" umgeschaltet und der wandernde Elektronenstrahl abgeschaltet. Dafür "glüht" die Schicht des Bildschirmes an den Stellen, wo vorher der Elektronenstrahl die Schrift hervorgerufen hatte. Auf diese Weise entsteht ein vollständiges Bild des Textes, das dauernd an allen Stellen zugleich vorhanden ist. Die Irissteuerung der Augen kommt zur Ruhe und wird nicht stärker belastet als beim Lesen der Zeitung.

Wenn man bedenkt, daß die Betrachtungszeit von Daten-Schirmbildern mit Sicherheit immer mindestens zehnmal so lang ist, wie der Elektronenstrahl braucht, um das ganze Bild vollzuschreiben, so bietet sich hier eine hervorragende Möglichkeit an, den "Humanisierungsbestrebungen" von zu entsprechen.

Heinz Laass ist Fachjournalist und Technikschriftsteller