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25.05.2009

Druck am Arbeitsplatz ist Gift für das Betriebsklima

Wenn Vorgesetzte die Mitarbeiter mit den wachsenden Aufgaben allein lassen, schrumpft die Verbundenheit mit dem Unternehmen.

Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Erhebung der Frankfurter Goethe-Universität. Schuld an der schlechten Stimmung ist demnach vor allem, dass der ökonomische Druck der vergangenen Jahre zu psychischen Problemen bei den Beschäftigten geführt hat. Ein Großteil der Chefs gibt den Druck häufig nur noch nach unten weiter und wälzt die Verantwortung auf die Mitarbeiter ab.

Die Solidarität unter Kollegen schwindet

Weil die zu bewältigenden Arbeitsmengen in vielen Firmen nicht geringer, sondern eher größer werden, lassen sowohl Kollegialität als auch Solidarität nach. Der ökonomische Druck sowie der daraus resultierende, immer neue Reformzwang hätten den Forschern nach zu einer "höchst problematischen ,Blase` sich verdichtender Probleme" geführt. Die sei laut dem Sozialpsychologen und Studienautor Rolf Haubl lange Zeit nicht wahrgenommen worden.

Endstation Berufsunfähigkeit

"Den Trend können wir seit über 15 Jahren in der gesamten Europäischen Union beobachten. Zeit- und Termindruck nehmen unvermindert zu und können bei dauerhaften Belastungen bei Angestellten schwere Überlastungen auslösen, die nicht selten in der Invalidität enden", warnt Michael Lenert, Arbeitspsychologe bei der Arbeiterkammer Wien.

Keine Identifikation mit der Firma

Weil sich viele Unternehmen derzeit turbulent verändern, ist es für die Beschäftigten kaum noch möglich, den permanenten Umbau nachzuvollziehen und sich anzupassen. Viele Angestellte können sich kaum noch mit ihrem Arbeitgeber identifizieren. Laut der Studie müssen Arbeitnehmer auch professionelle Standards bewusst verletzen, um kurzfristige ökonomische Ziele zu erfüllen. "Hier müsste man auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Die Politik müsste Rahmenbedingungen schaffen, die Kontrollen ermöglichen", so Lenert.

Unternehmenslenker und leitende Angestellte entwickeln sich unter wachsendem Druck der Studie zufolge zu "hart drängelnden ‚ÄöChange-Agents`". Die Beschäftigten sind daher der Meinung, dass Chefs oft nicht die Führungskompetenzen mitbringen, um den Wandel für die Mitarbeiter erträglich zu machen.

Ausgelöst wird dies dadurch, dass Manager vermeintlich profitable Veränderungen durchsetzen, dabei aber selbst kein Verständnis dafür haben, welche Ressourcen für das Gelingen unentbehrlich sind. Unter den Beschäftigten bilden sich Gruppen, und die Kollegialität leidet, so das Fazit der Studie. (hk)