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03.04.1992 - 

Vertrieb einiger Migrationsmodelle wird eingestellt

Druck auf zögernde IBM-Kunden: 3090 zur Auslauf-Serie deklariert

MÜNCHEN (j) - Deutsche 3090-Anwender erhielten im Februar einen blauen Brief: Darin teilt ihnen die IBM mit, daß sich Big Blue kurzfristig "vom Vertrieb der Prozessormodell-Aufrüstungen IBM ES/3090 in die Modellgruppen J, T und in die Prozessoren IBM ES/9000" zurückziehen wird.

Nach Ansicht von Branchenkennern versucht die IBM damit, Druck auf Anwender auszuüben: Sie sollen auf die im September 1990 angekündigten und teilweise seit Ende 1991 ausgelieferten neuen Mainframes der Enterprise-Systems-Reihe wechseln.

Anwender, die dazu befragt wurden, äußerten sich verärgert: Durch diesen Schachzug bleibe ihnen in Zukunft nur noch die Alternative, unter hohen Investitionen auf neue Systeme zu wechseln oder mit ihren installierten 3090-Großrechnern veraltete Technologie zu nutzen mit dem Risiko, sowohl softwareseitig als auch entwicklungstechnisch keine Zukunftsperspektiven mehr zu haben.

Nach dem der CW vorliegenden Text des Briefes (siehe Kasten auf Seite 2) aus der ES-Enterprise-Deutschland-Abteilung in der Stuttgarter IBM-Zentrale und eines beigefügten Anhangs ist für Benutzer von 3090-Basis-Modellen sowie der Systeme E, S und J ab 30. September 1992 der Prozessor-Migrationsweg auf die leistungsstärkeren 3090J-Modelle versperrt. Ab 31. Dezember l992 haben darüber hinaus alle Anwender von 3090-9000T-Systeme - also die Transitionsmodelle 15, 17, 18, 25 und 28 - wechseln wollen, keine Aufrüstpfade mehr. Zum gleichen Zeitpunkt gehen für alle Benutzer der J- und T-Modelle, die auf die ES/9000-Großrechner wechseln wollen, die Lichter aus.

Diejenigen 3090-Benutzer, die auf den ES/3090JH-Rechner migrieren wollen, haben dem 11. Mai 1993 das Nachsehen.

Weiter weist Big Blue darauf hin, daß die genannten Modellaufrüstungen nur noch beschränkt lieferbar sind. Im Klartext heißt das, auch wer vor den genannten Schlußverkaufs-Daten Aufträge für Prozessoraufrüstungen nach Stuttgart schickt, kann sich nicht sicher sein, ob er erhält, was die IBM in Hochglanzprospekten noch vor einigen Monaten versprochen hat, nämlich "einen Aufrüstpfad, der die Umrüstung und Erweiterung vorhandener IBM ES/3090- und bestimmter ES/9370-Modelle ... auf die Leistungspalette der IBM ES/9000-Prozessoren mit deren etwa 100facher Wachstumsmöglichkeit erlaubt". Denn Aufträge werden nur noch "auf Basis der Verfügbarkeit bestätigt".

Blühender Handel mit gebrauchten 3090ern

Zwar gibt sich die IBM scheinbar konziliant, wenn sie allgemein gültiges Geschäftsgebaren auch auf sich angewandt wissen will - "Aufträge, für die die IBM bereits geplante Lieferdaten bekanntgegeben hat, werden erfüllt". Doch keinem dieser Auftraggeber sollte es einfallen, eine Verschiebung des Liefertermins zu wünschen: Dann behält sich die IBM nämlich vor, erst einmal zu prüfen, "ob wir diesen Auftrag zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführen können".

Der RZ-Leiter eines Unternehmens aus einem deutschen Kernindustriebereich kann über IBMs neuerliche Rochade denn auch nur den Kopf schütteln: Wenn die IBM ihre Migrationshilfe einstelle, habe de 3090-Anwender nur noch die Alternative, gleich auf ein neue ES/9000-System umzusteigen, oder er sei gezwungen, auf dem Stand weiterzuarbeiten, der mit dem Ende der Migrationsdienstleistungen erreicht sei. "Da sitzen Sie dann fest mit allen Risiken, die aus solch einer Situation entstehen."

Man könne dann kein Neuerungen mehr einführen, und man sei möglicherweise nicht mehr in der Lage, auf dem bestehenden System weiterzuentwickeln: "Sie haben dann keine Zukunftsperspektive mehr." Der DV-Manager fragt sich, ob die IBM nicht auf den Gedanken kommen könnte, künftige Betriebssystem-Versionen so auszulegen, daß sie auf alten 3090-Rechnern nicht mehr eingesetzt werden können.

Dieses Damoklesschwert sieht auch Ulrich Dickamp, Unternehmensberater für Informationstechnologie und für die Berliner Treuhand technischer Berater bei der Privatisierung der ehemaligen DDR-DV-Zentren. Der Ex-ECS-Mann, der die blaue Großrechnerwelt kennt wie seine Westentasche, winkt zunächst ab, als ihm die Frage gestellt wird, ob Big Blue versuche, mit der Kappung der Migrationsstränge einen Nachfragedruck auf die neuen ES/9000-Rechner zu erzeugen: Er sehe IBMs Vorstellung vom Dienst an König Kunde nicht so dramatisch.

Technologisch sicherlich nicht notwendig, wolle die IBM mit der Marketing-orientierten Maßnahme ihre Mainframe-Anwender wohl eher darauf hinweisen, daß es im Hause Big Blue mit einigen der ES/9000-Systeme eine neue Technologie gebe, und diese möge man doch bitte schön auch nutzen.

Dickamp sieht indes in der Zukunft einen blühenden Handel am 3090-Gebrauchtmarkt. "Dies zumindest solange", legt er darin allerdings den Finger in die Wunde, "wie die Software-Umgebungen der neuen und alten Technologien der IBM-Mainframe-Umgebung gleich sind." Er fährt fort: "Wenn die IBM allerdings auf die Idee kommt, die Software so zu ändern, daß sie nur noch auf den ES/9000-Systemen läuft, dann wird die Sache wirklich kritisch."

Brief der IBM Deutschland GmbH

Betrifft: Zurückziehung vom Vertrieb der Prozessormodell-Aufrüstungen IBM ES/3090 in die Modellgruppen -J, -T und in die Prozessoren IBM ES/9000

Sehr geehrte Damen und Herren, Sie haben eine oder mehrere der nachstehenden Maschinen installiert:

IBM 3090 Modell 150 bis 400,

IBM ES/3090 Modellgruppe -E, -S, -J,

IBM ES/3090-9000T.

Diese Prozessorfamilien wurden bereits in den Jahren von 1985 bis 1989 eingeführt und durch das seit über einem Jahr erfolgreiche und wesentlich leistungsfähigere Nachfolgesystem IBM ES/9000 abgelöst. Mit Einführung des funktional und technologisch erheblich erweiterten Systems IBM ES/9000 im September 1990 war auch der Übergang durch einfachen Umbau zu der neuen Systemgeneration möglich.

Sieben Jahre nach Ankündigung der IBM 3090 werden wir nun den Vertrieb der Modellaufrüstungen innerhalb der IBM-3090-Systeme am 30. September 1992 und von IBM-3090-Systemen nach IBM-ES/9000-Systemen am 31. Dezember 1992 einstellen. Diese Modellaufrüstungen sind nur noch beschränkt lieferbar. Aufträge für diese Produkte, die vor dem 30.9.1992 bzw. 31.12.1992 bei uns eingehen, werden auf Basis der Verfügbarkeit bestätigt. Aufträge, für die wir bereits geplante Lieferdaten bekanntgegeben haben, werden erfüllt. Falls Sie die Verschiebung des Liefertermins eines bestehenden Auftrages wünschen, prüfen wir die Lieferfähigkeit der Produkte. Sollte in diesem Fall die Verfügbarkeit der Produkte nicht gegeben sein, werden wir Sie darüber umgehend informieren und mit Ihnen alternative Lösungen erarbeiten.

Die Wartung der Produkte und andere entsprechende Dienstleistungen sind von dieser Zurückziehung vom Vertrieb nicht betroffen.

Der für Sie zuständige Vertriebsbeauftragte wird mit Ihnen Kontakt aufnehmen, um Sie eingehender zu informieren, und wird Sie gerne bei Ihren Planungsschritten unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen