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18.05.1984 - 

Trotz "eingebauter Intelligenz" noch immer Probleme mit der Peripherie:

Drucker als Stolpersteine bei Mikro-Anwendung

Auf dem Druckermarkt für Arbeitsplatzcomputer findet man heutzutage nur noch Geräte mit integriertem Mikroprozessor. Dessen ROM-Software verleiht den Druckern ein hohes Maß an Intelligenz. Nicht immer können die angebotenen Leistungsmerkmale voll genutzt werden.

Ein Drucker, der etwas auf sich hält, kann mit mehreren Schriftarten, Schriftgrößen und Zeichensätzen arbeiten. Außerdem verfügt er über alle Schnittstellen.

Steht nun der Karton mit solch einem guten Stück auf dem Tisch des stolzen Erwerbers, so braucht er nur noch der Herstellerwerbung zu folgen: "Auspacken und losdrücken". Das kleine Mißgeschick, daß der Stecker des beiliegenden Kabels kein passendes Gegenstück am Rechner findet, ist bald vergessen. Schließlich wird doch schon nach drei Wochen und nach nur vier Telefonaten das passende Kabel nachgeliefert. Daß es eine Vielzahl von unterschiedlichen Kabeln gibt, beweist die universelle Anwendbarkeit des Geräts.

Geduld wahren

Nun kann hoffnungsfroh eingeschaltet werden, doch auf dem Fuße folgt die Enttäuschung: Der Drucker ist sprachlos, der Rechner aus Solidarität auch.

Vom Händler ist jetzt zu erfahren, daß er als Fachmann noch niemals von einer solchen Panne gehört habe und daß das "irgendwie am Handshake liegen" müsse. Leider sei der zuständige Know-how-Mann momentan unerreichbar.

Irgendwann später, nach Stunden oder Wochen, gelingt es, den Drucker (der inzwischen den Namen Sch...kiste trägt) zum Leben zu erwecken. Bis dahin hat der Benutzer von den in seiner Not zu Rate gezogenen Gurus gelernt, daß zwei Schnittstellen mit dem gleichen Namen nicht immer die gleiche Sprache sprechen, geschweige denn den gleichen Dialekt. Er hat auch erfahren, daß man die Eigenschaft "von kompatibel" mit "nicht ganz inkompatibel" gleichzusetzen hat. Und schließlich hat er eingesehen, daß er keine ausreichende Dokumentation erwarten darf. Dafür ist es seine Aufgabe, nach der Methode "trial and error" einzelne Drähtchen im Stecker umzulöten und versteckte kleine Schalterchen in den Geräten nach entsprechender Demontage zu bedienen. Und was die paar Dutzend geheimnisvollen Bytes angeht, die in Zukunft jedesmal nach dem Einschalten eingetippt werden müssen, die kann sich ein intelligenter Mensch doch wohl merken!

Aber noch lauern weitere Stolpersteine am Weg. Der erste längere Text bringt es an den Tag: Die Umlaute Ä, Ö, Ü mag der neue Drucker nicht besonders. Beharrlich verwandelt er sie in Klammern und griechische Hieroglyphen. Will er etwa mit seinen zig Zeichensätzen prunken? Des Rätsels Lösung: Man hat fälschlicherweise mit dem Zeichensatz "deutsch" statt mit dem Zeichensatz "german" gearbeitet. Bei "german" kommt dann auch richtig ä, ö, ü, nur das "ß" ziert sich noch. Nun noch schnell einen kleinen Druckertreiber programmiert, und siehe da: Auch Nippons Drucker beherrscht die Sprache Goethes und Schillers. Wozu hat er schließlich einen ladbaren Zeichengenerator?

Nach all der Mühe und Plage soll jetzt der Rechner wieder seine eigentlichen Aufgaben übernehmen und nicht länger Testdaten für den Drucker produzieren. Endlich lassen sich die hervorragenden Eigenschaften des vorhandenen teuren Textverarbeitungsprogramms Wordy ausnutzen: fettgedruckte Überschriften, Unterstreichungen, hoch- und tiefgestellte Zahlen in Formeln, Proportionalschrift und was dergleichen Leckerbissen mehr sind. So denkt zumindest unser Benutzer. Doch es tritt ein, was nicht zu hoffen, leider aber zu erwarten war: Mit Wordy benimmt sich der Drucker schon wieder daneben. Die Umlaute verändert er, und von den gewünschten anderen Schriftarten ist keine Rede.

Der wiederum befragte Experte erklärt, inzwischen leicht unmutig, das sei doch klar. Jeder wisse, daß Wordy, wie alle guten, teuren Programme, einen eigenen Druckertreiber besitzt und mit diesem hinter dem Rücken des Betriebssystems arbeitet. Das Urteil des Experten: Da muß die Disk gepatcht werden.

Allerdings warnt er vor Beginn dieser Operation den offensichtlich äußerst optimistisch eingestellten Benutzer. Die Proportionalschrift zum Beispiel wäre zwar erzeugbar, doch mit dem Blocksatz von Wordy sei es dann Essig, da "der Rechner nichts von den unterschiedlichen Zeichenbreiten des Druckers weiß".

Am Ende bleibt die Frage, wie denn die Herstellerwerbung zu verstehen ist, wonach "eingebaute 10-KB-ROM-Intelligenz zu überlegenen Leistungsmerkmalen, leichter Bedienbarkeit und Ersparnis von Programmierkosten führt".

Aber zum Glück ist es ja alles gar nicht so schlimm. Von den zwanzig möglichen Dingen, die Enttäuschung bereiten könnten, treten ja nie mehr als zwei zugleich auf: Triumph der Technik!

Aus microcomputerwelt 2/84