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11.10.1985 - 

Lärmpegel beeinträchtigt immer noch Konzentration und Kreativität:

Drucker: Nicht nur für's Auge, sondern auch für's Ohr

Maßgebend fiir die Gehörschädlichkeit von Lärm am Arbeitsplatz und ebenso in der Freizeit ist der jeweilige Beurteilungspegel, gemessen in dBA.

Der Beurteilungspegel nimmt zu, wenn:

- die Schallstärke erhöht wird,

- mehr hohe Frequenzen (Töne) vorhanden sind,

- zum Betspiel durch Schlaggeräusche Schallimpulse vorliegen,

- die tägllche Einwirkdauer erhöht wird.

MÜNCHEN (lo) - Einige Hersteller versprechen den lautlosen Drucker. Andere relativieren: Er muß so leise arbeiten, daß man ihn kaum hört. Entgegen allen Beteuerungen beeinträchtigt häufig das "impact"-Betriebsgeräusch auch weiterhin den "geistigen Arbeiter". Neue Techniken - auch in der Arbeitsplatzorganisation - können Abhilfe schaffen.

Wer sich heute einen Drucker anschafft, ist nicht unbedingt in einer beneidenswerten Situation. Eine Flut von Modellen in allen Formen, mit den verschiedensten Fähigkeiten zu sehr unterschiedlichen Preisen stehen zur Auswahl. Kluge Anwender filtern - mit Hilfe einer Checkliste - aus den Werbeversprechen der Produzenten und den Herstellerangaben, diejenigen Daten heraus, die den eigenen Anwendungsvorhaben am besten entsprechen.

Häufig jedoch bleibt dabei eine Komponente unberücksichtigt, die sich später um so mehr von selbst und auf Dauer in das Blickfeld rückt - oder besser zu Gehör bringt: das Betriebsgeräusch der Hardcopy-Einheit. Macht es sich am Arbeitsplatz oder beim Arbeiten bemerkbar, heißt es schlicht Lärm. Allerdings gibt es subjektive Auffassungen über einzelne Lautstärken. Arbeitsmediziner sind sich jedoch darüber einig, daß speziell bei der Möglichkeit eines Gehörschadensrisikos die subjektive Beurteilung keine Rolle mehr spielt. Dann zählt allein die objektiv meßbare Höhe des Schallpegels.

Jeder Schall, der auf das menschliche Hörorgan trifft, entsteht durch Schwingungen. Sie rufen je nach Wellenlänge hohe oder tiefe Töne mit vielen oder mit wenigen Bewegungen hervor. Für jedes Geräusch läßt sich sowohl Höhe als auch Intensität messen. Die Schwingungsfrequenz wird in Hertz festgestellt; die Intensität der Töne, also ihr Schallpegel, in Dezibel. Diese physikalische

Einheit ist ein logarithmisches Maß. So bedeutet etwa 3 dB die doppelte Energie, 6 dB die vierfache und 30 dB rund die tausendfache Energie. 10 dBA stellen die doppelte, 20 dBA die vierfache, 30 dBA die achtfache und 40 dBA die sechzehnfache Lautstärke dar, gemessen an dem für die Empfindlichkeit des Ohrs orientierten Schalldruckpegels.

Je lauter die Töne und je intensiver die Schallwellen, um so stärker werden die Nervenenden im Innenohr - die Haarzellen - strapaziert. Bis (...) einem Schallpegel von 85 dBA können sie sich meist ohne Schaden wieder aufrichten, übersteigt der Lärm allerdings 90 dBA, können diese Zellen funktionsuntüchtig werden. Defekte Haarzellen ersetzt der Organismus nicht mehr, dauerhafte Schädigungen durch Lärmschwerhörigkeit treten ein.

Lärm im schädigenden Bereich wirkt indes nicht nur auf das Innenohr. Das gesamte vegetative Nervensystem ist betroffen. Als Folge kann es zu Blutdrucksteigerungen,Übelkeit, Nervosität und Kopfschmerzen sowie zu weiteren streßbedingten Erkrankungen kommen. Arbeitsmedizinische Untersuchungen ergaben außerdem, daß Lärm Ermüdungserscheinungen begünstigt.

Drucker mit traditioneller Technik erreichen indes die 55-dBA-"Schallgrenze" kaum. Der lauteste unter ihnen mit der "impact"-Technik - dem mechanischen Anschlag - ist der Typenraddrucker. Durch seine gute Druckqualität findet er bisher vor allem in der Texterstellung mit Ansprüchen an hohe Schriftqualität ("Schönschrift") etwa bei Korrespondenzen häufige Anwendung. Sein Standort ist demnach in aller Regel der Arbeitsraum. Bei einem dBA-Wert von über 60 müssen hier Schallschluckhauben Abhilfe schafen.

Allgemeines Urteil über den Gebrauch dieser Hauben lautet jedoch: unbequem zu handhaben. Tintendrucker unter 50 dBA sind etwas "freundlicher". Neue Ink-Jet-Entwicklungen - oder Tintenstrahldrucker - , die auf einem kontinuierlichen Tintenfluß basieren, erfüllen neben Vollzeichenqualität auch Ansprüche eines leisen Druckers. Ebenso zählen Thermodrucker wie auch andere nichtmechanische Drucker zu dieser Kategorie.

Besonders aber der Laserdrucker zeigt neben einer Reihe außerordentlicher Leistungen auch sein Talent als "stiller Mitarbeiter". Die "lautesten" Teile dieser "Leisetreter" sind die mechanisch bewegten Teile vor allem für den Papiereinzug.

Normalerweise sollte an jedem Arbeitsplatz Ruhe herrschen. Besonders bei hochkonzentrativen Arbeiten bleibt eine Störung oft nicht ohne Folgen: Der gedankliche Zusammenhang geht verloren, die Kreativität, sogar die Motivation des Beschäftigten leidet.

Die Arbeitsstättenrichtlinien des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf nennen deshalb bestimmte "Lärmwerte" . So darf der Beurteilungspegel am Arbeitsplatz bei überwiegender geistiger Tätigkeit nur kleiner oder gleich 55 dBA sein. Dabei sind von außen einwirkende Geräusche bereits eingerechnet. "Dies ist ein Kompromiß", der "ausgehandelt" wurde, so Dr. Bodo Pfeiffer vom Institut für Arbeitssicherheit in Sankt Augustin. "Es steht außer Frage, daß dieser Wert schon zu hoch angesiedelt ist", sagt Professor Gerd Jansen, Leiter des Instituts für Arbeitsmedizin der Universität in Düsseldorf und Mitglied VDI-Kommission Lärmminderung über die Verträglichkeit bei "hochkonzentrativen" Arbeiten. Unter diese Kategorie fallen Tätigkeiten, bei denen eine hohe Konzentration erforderlich ist sowie schöpferisches Denken gefordert wird oder Entscheidungen mit besonderer Tragweite zu treffen sind.

Die VDI-Richtlinien konkretisieren: "Kreativität als geistige Tätigkeit im engeren Sinn, bei der aus der Idee oder dem Einfall etwas Neues zu entwickeln oder darzustellen ist". Hier wären schon leise Geräusche störend.

Damit können verbunden sein: ständig hoch angespannte Aufmerksamkeit bei ununterbrochener langanhaltender Zuwendung zu einem zu beobachtenden Arbeitsgegenstand oder -ablauf, rasches Überlegen, Entscheiden und Handeln mit meist weitreichenden Folgen für Menschen und/oder bedeutende Sachwerte.

Als Beispiele für solche Tätigkeiten können laut VDI etwa angesehen werden: die Teilnahme an Besprechungen, Sitzungen, Verhandlungen oder Prüfungen; Lehren an Schulen und in Hörsälen; weiter zählt das Durchführen technisch-wissenschaftlicher Berechnungen sowie Kalkulations- und Dispositionsarbeiten mit entsprechendem Schwierigkeitsgrad dazu; ebenso das Entwickeln von Programmen und Systemanalysen, auch als Dialogarbeiten an Datenprüf- und Datensichtgeräten; ein Beispiel ist auch das Entwerfen, Aufnehmen und Korrigieren von schwierigen Texten.

"Druckerlärm ist auch ein organisatorisches Problem", sagt Siegfried Jud, Geschäftsführer der VDI-Kommission Lärmminderung. Um Abhilfe zu schaffen, müßten traditionelle Wege verlassen werden. Das Problem "Lärmbelästigung" liege in den Unternehmen hauptsächlich im Bereich der Mischarbeitsplätze. Dort arbeiten Beschäftigte teilweise mit "geistiger Zuwendung", teilweise an Routinearbeiten zusammen. Durch die gemischten Tätigkeiten seien für hohe geistige Anforderungen Leistungseinbußen zu erwarten. Auch die Sprachverständigung könne schon bei 55 dBA deutlich leiden.

Unter dieser Marke existiere weiterhin noch eine "Grauzone", in der man Beeinträchtigungen nur "ahnen" könne.

Gerade bei der Organisation der Arbeitsräume sei es daher wichtig zu versuchen, möglichst wenig Mischarbeitsplätze entstehen zu lassen. Probleme könne es möglicherweise bei der Teilzeitregelung geben. Beschäftigte mit unterschiedlichen Tätigkeitsprofilen am gleichen Arbeitsplatz - Job-sharing - nutzen mit großer Wahrscheinlichkeit diese Räume dann auch unterschiedlich. Die Fülle der Kombinationsmöglichkeiten böte zugleich aber wiederum die Chance, bessere Anordnungen zu treffen.

Vordringlich sei gerade die Frage zu prüfen, ob der Drucker tatsächlich am Arbeitsplatz stehen müsse. "Ein paar Schritte in den Nachbarraum schaden keinem", kommentiert Siegfried Jud. Der Geschäftsführer der VDI-Kommission sieht weiter die positive Möglichkeit, den Ablauf - etwa in Form der Stapelverarbeitung - zu automatisieren.

Zudem solle man die Bewertung von Arbeit und Produkt neu überdenken. Häufig könnten nämlich auch gestalterische Elemente das Druckerzeugnis ergänzen oder ersetzen und auch leise Geräte erzeugten mittlerweile Schönschrift. Die Erfahrung zeige darüber hinaus jedoch, daß ein Mitarbeiter, der sich für die Bequemlichkeit des Druckers am Arbeitsplatz entscheide, dann auch den Nachteil der Lärmemissionswirkungen bereitwillig hinnähme.

Raum für einen separaten Stellplatz des Druckers freilich sieht Siegfried Jud in den meisten modernen Büros. Dort ließe sich durch Umschichtung und Umstellung in vielen Fällen eine Geräuschentlastung erreichen.