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26.03.2013 - 

Studie zur Produkthaltbarkeit

Druckerhersteller wehren sich gegen Grüne-Vorwürfe

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Ein von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten soll belegen, dass Hersteller bewusst Schwachstellen in ihre Produkte einbauen, um Kunden zu Neukäufen zu zwingen. Auch die Druckerindustrie wird an den Pranger gestellt.
Wer ist schuld an wachsenden Elektroschrottbergen? Die Grünen schieben den Herstellern den Schwarzen Peter zu.
Wer ist schuld an wachsenden Elektroschrottbergen? Die Grünen schieben den Herstellern den Schwarzen Peter zu.

Ein von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten soll belegen, dass Hersteller bewusst Schwachstellen in ihre Produkte einbauen, um Kunden zu Neukäufen zu zwingen. Auch die Druckerindustrie wird in dem Papier an den Pranger gestellt.

Das Gutachten, das ChannelPartner vorliegt, ist eine Auflistung von Einzelfällen, in den mangelnde Produktqualität zum frühzeitigen Ableben von Produkten geführt haben soll. Mangelnde Produktstabilität hat zur Folge, dass zum einen Ressourcen für die Produktion verschwendet werden und zum anderen durch defekte Produkte der Müllberg wächst. "Die gängigste Methode, voll funktionsfähige Produkte nicht mehr funktionieren zu lassen, ist, einzelne Teile einzubauen, die vorzeitig den Geist aufgeben, also der Einbau gezielter Schwachstellen", schreiben die Autoren Stefan Schridde und Christian Kreiß in ihrem Gutachten "Geplante Obsoleszenz".

In der Berichterstattung und der durch die Bundestagsfraktion der Grünen angestoßenen Diskussion zum vorzeitigen Verschleiß von Produkten wird nun dieses Gutachten, häufig als auch als "Studie" bezeichnet, als Beleg dafür angeführt, dass Hersteller nicht nur billigend in Kauf nehmen, dass ihre Produkte kaputt gehen, sondern dies auch bewusst und geplant herbeiführen. Den Beweis kann das Gutachten aber nicht erbringen, denn die Aussagen sind nur mit Einzelbeispielen belegt und nicht mit belastbarem Zahlenmaterial. Selbst der Auftraggeber des Gutachtens, die Bundestagsfraktion der Grünen, räumt dies ein: "Da quantitativ verlässliche und wissenschaftlich belegte Zahlen für diesen Effekt nicht verlässlich verfügbar sind, liefert das Gutachten basierend auf den Konsumanteilen der einzelnen Produkte im Warenkorb und Erfahrungswerten zum vorzeitigen Verfall Abschätzungen zu den unnötigen gesellschaftlichen Kosten - die im mehrstelligen Milliardenbereich liegen", heißt es in einem Kommentar zum Gutachten.

Auch die These, dass die Produkthaltbarkeit abgenommen habe, kann nicht belegt werden, was die Autoren unumwunden zugeben: "Was man aber eigentlich bräuchte, wäre ein Vergleich über einen längeren Zeitraum hinweg: Wie war die Haltbarkeit derselben Produkte in den 1960er Jahren? Wie in den 70er Jahren? Wie ist sie heute?", fragen sie sich und mit ihnen die Leser des Thesenpapiers.

Druckerhersteller am Pranger

Neben zahlreichen anderen Beispielen wird auch Druckerherstellern vorgeworfen, durch eingebaute Zählerstände den Verbraucher zu früh zum Wechsel des Verbrauchsmaterials zu zwingen oder gar die gesamte Lebensdauer von Druckern künstlich zu verkürzen. "Der in der Studie beschriebene Vorgang beschreibt eine gerätespezifische Drucker-Thematik, bei welcher nicht von geplanter Obsoleszenz die Rede ist, sondern lediglich auf einen erforderlichen Service hingewiesen wird, welcher den Drucker sogar länger am Leben hält", entgegnet Canon-Sprecherin Katja Völker. Laut Canon erfolgt die Fehlermeldung zum Schutz des Kunden, denn sollte der Auffangbehälter überlaufen bleibt es im günstigsten Fall bei Verschmutzungen im Gerät, im ungünstigeren Fall kann die Tinte aus dem Gehäuse auslaufen oder gar Kurzschlüsse verursachen. "In der Tat gibt es diverse Zähler innerhalb unserer Drucker. Diese sind aber nicht dazu geeignet, die Lebenszeit des Druckers zu verkürzen. Ganz im Gegenteil sind diese Zähler sogar notwendig, um die Geräte vor Beschädigung zu schützen", bestätigt Brother-Sprecher Theo Reinerth. "Auch den in der Studie aufgeführten Zählmechanismus bei Tonergeräten gibt es bei Brother-Geräten. Auch hier dient er der Lebensverlängerung des Gerätes", meint Reinerth. Aufgrund der großen Hitze, die im Laserdrucker zum Fixieren des Toners auf dem Papier benötigt werde, sammle sich im Gerät verstärkt Papierfasern an, die vom Papier abgerieben werde. Diese vermische sich mit dem Resttoner, der von der Transfereinheit wieder zurück in die Kartusche geführt wird. Im Laufe der Zeit nehme die Verunreinigung des Toners zu, was zu einem unbefriedigenden Druckbild und im weiteren Verlauf zu einem Defekt der ganzen Fixiereinheit führen kann.

Kundenabwanderung als Strafe

Die im Gutachten aufgestellt These, dass "die Strategie der allmählichen Qualitätsverschlechterung (…) von den Märkten normalerweise in Form niedrigerer Kosten, steigender Umsätze und damit steigender Gewinne belohnt statt durch Kundenabwanderung bestraft" werde, können die Druckerhersteller nicht nachvollziehen. "Unser Erfolg im Markt beruht auf der Zufriedenheit der Kunden mit unseren Lösungen", erklärt Schahin Elahinija, Leiter Marketing bei Epson. Dazu gehöre auch eine lange Lebensdauer der Produkte.

Die Druckerhersteller können gar kein Interesse daran haben, dass ihre Produkte frühzeitig den Geist aufgeben, denn sie wollen weiterhin durch den Verkauf von Verbrauchsmaterial profitieren, ist die einhellige Meinung der Hersteller.

Die angesprochen Druckerhersteller bestätigen durch die Bank, dass sie von den Verfassern der Studie nicht kontaktiert und mit den Vorwürfen konfrontiert worden sind. So bleibt bei der eigentlich sinnvollen Diskussion über Produkthaltbarkeit und Ressourceneinsatz der fahle Nachgeschmack eines mangelhaften Gutachtens. (awe)

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