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22.02.1980 - 

Mixed Hardware im Adreßbuchsektor:

Druckreife Erfassung kombiniert mit TV

Der internationale Telexverkehr ist in den letzten 30 Jahren explosionsartig gewachsen. Mit ihm stieg die Nachfrage nach Nachschlagewerken, die die international angeschlossenen Telexteilnehmer enthalten. Der Telex-Verlag Jaeger + Waldmann in Darmstadt hat es sich seit 1952 zur Aufgabe gemacht, die Anschriften und Telexdaten der rund 900 000 Teilnehmer im In- und Ausland jedes Jahr zu aktualisieren und zu verwalten, um aus dem Bestand umfangreiche Verzeichnisse herauszugeben. Um 900 000 Adressen nach verschiedenen Kriterien zu erfassen, zu speichern und auszuwerten, bedarf es einer recht aufwendigen Organisation, die ohne EDV nicht wirtschaftlich sinnvoll arbeiten könnte.

Eingesetzt wird bei dem Verlag als Zentralrechner eine IBM 370/115-II, angeschlossen sind zwei Harris-Terminalsysteme 8180, ausgelegt für insgesamt 16 Bildschirme, von denen die acht des einen Systems online und die acht des anderen umschaltbar online/offline arbeiten. Außerdem enthalten die Systeme Plattenspeicher mit einer Kapazität von 770 Millionen Bytes, so daß alle Daten online bereitstehen können. Eine Digiset-Lichtsatzmaschine sorgt für den schnellen Satz der Verzeichnisse.

Die Entscheidung für das System fiel aus Gründen wie der Möglichkeit, bei Ausfall des Hostrechners beziehungsweise in Spitzenzeiten der Hostrechner-Belastung weiterarbeiten zu können (Queued Transaction Handling), der Speicherung von Hostrechner-Masken für die drei Arbeitsgebiete Redaktionsdaten, Auftragswesen und Fakturierung im Terminalsystem (Local Format Storage), der Zwischenspeicherung erfaßter Daten auf Platten und der gesteuerten Druckausgsbe zu Zeiten geringer Leitungs- und Hostrechner-Belastung (Spooled Print).

Außerdem können die im Erfassungs-und Änderungsdienst so wichtigen Plausibilitätskontrollen, Prüfungen und Fehlerkorrekturen durchgeführt werden, ohne damit den Hostrechner belasten zu müssen. Die vielseitigen Möglichkeiten der Terminals werden dem Verlag eine drastische Verkürzung der Arbeits- und Antwortzeiten bringen, da vieles direkt am Terminal erledigt wird, was früher den Host belastete.

Auch beurteilt Jaeger + Waldmann die Bildschirme an sich sehr positiv. Neben selbstverständlichen ergonomischen Voraussetzungen, wie separater Tastatur, blendfreiem Schirm, fallen die geringen Abmessungen der Terminals bei großen, gut lesbaren Zeichen (24 Zeilen a 80 Zeichen) auf. Sie können als Arbeitsinstrumente auf normalen Schreibtischen Platz finden und stören nicht den Blickkontakt der Mitarbeiter untereinander.

Natürlich erschöpft sich ein solches Terminalsystem nicht in den Hardware Funktionen. Gerade die Software-Unterstützung spielt eine erhebliche Rolle. Das Betriebssystem der 8180 bietet Flexibilität in der Möglichkeit, mit bestehenden Anwendungsprogrammen weiterarbeiten zu können. In diesem besonderen Anwendungsfall haben Anwender und Hersteller zusätzlich eine flexible Felddefinition entwickelt und realisiert. Ein Feld umfaßt quasi den gesamten Inhalt der Maske und kann individuell begrenzt werden durch spezielle Zeichen, die an beliebigen Stellen gesetzt werden (so F für das Firmenadreßfeld, O für den Ort). Die Feldlänge entspricht dem jeweiligen Bedarf. Bei der Verarbeitung sucht das Programm die Definitionen, um sie genauso wie bei fester Feldlänge zu behandeln. Einsatzgebiete der beiden Terminalsysteme sind die drei Bereiche redaktionelle Daten und Änderungsdienst, Auftragsbearbeitung bei bezahlten, also hervorgehobenen Eintragungen, sowie die Fakturierung.

Alle Änderungen, die einzeln von den jeweiligen Fernmeldegesellschaften gemeldet werden, werden online am Bildschirm erfaßt.

Alle Neumeldungen werden hintereinander offline eingegeben. Ein Datensatz umfaßt sämtliche Informationen, die zu einem Telexteilnehmer gehören; über besondere Schlüssel kann er nach verschiedenen Kriterien (alphabetisch, nach Branche und nach Namensgeber zur Entschlüsselung der Absender eingehender Fernschreiben) ausgegeben werden.

Gleichfalls bei der Erfassung und Bearbeitung können Lichtsatz-Steuerzeichen am Bildschirm eingegeben werden. Vorher definierte standardisierte Satzanweisungen in Form von Makros im Datensatz werden dabei im Großrechner in Befehlsketten umgesetzt, die die Satzherstellung steuern. Ein vom Großrechner erstelltes Magnetband enthält Text und Steuerzeichen. Es wird in die Setzmaschine eingelesen, die ihrerseits die Texte spaltenweise ausgibt; diese werden anschließend zusammen mit den Firmen-Logos zu Seiten montiert.

Bei der Auftragserfassung werden alle Zusatzwünsche der Telexkunden - die werblichen Eintragungen - registriert. Dazu gehören neben Verwendung der Originallogos der werbenden Firmen auch Hinweise auf deren Produktspektrum, Versal- und Fettdruck und ähnliches. Die Auftragsformulare werden in die Fakturierung weitergeleitet. Dort werden die spezifischen Daten unter Verwendung der aus der Textbearbeitung vorhandenen Datensätze eingegeben.

Angelika G. Loewenheim ist freie EDV-Fachjournalistin.