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02.11.1979 - 

Trotz Kurskorrektur nicht die Kurve gekriegt:

DSS-Spezialist Inforex in Schwierigkeiten

FRANKFURT (CW) - Die Inforex Inc. (Burlington/Massachusetts), Anfang der 70er Jahre als Lochkarten-Killer groß auf den Markt gekommen und mit dem Distributed Processing etwas ins Abseits gedrängt, befindet sich in akuten Schwierigkeiten. Gerüchte über Zahlungsunfähigkeit kursieren, nachdem das Unternehmen in den USA den Schritt zum Gericht machte. Allerdings nicht, wie Peter Heinz Tremmel, regionaler Manager für den deutschsprachigen Raum bei der Inforex GmbH, Frankfurt, betonte, um Konkurs anzumelden, sondern um den nach dem US-Recht ("Chapter eleven") möglichen Gläubigerschutz für sich in Anspruch zu nehmen.

Mitte 1978 hatte sich die Company entschlossen, mit erweitertem Management vom kontrollierten Wachstum auf einen Kurs mit stärkerer Expansion überzugehen, erläuterte Tremmel den Verlust aus dem zweiten Quartal dieses Jahres und die angekündigten roten Zahlen aus dem dritten Quartal. Die Strategie eines aggressiven Vertriebes hätte auch Erfolge gezeigt, jedoch in der neuentwickelten Produktgruppe von Datensammelsystemen 3100/3200, nicht aber bei den Online-Systemen für Dateiverwaltung und -management 5000 und dem 7000er-Modell für Distributed Processing, bei denen die Produktion ausgeweitet wurde. Der unplanmäßig ausgefallene Verkaufsschwerpunkt führte dann zu Lieferengpässen, zu Unruhe am Aktienmarkt in den USA und bei den Lieferanten.

Am 24. Oktober bat das Unternehmen in den USA das Gericht zur Sicherung seiner Wirtschaftskraft um Schutz, damit nicht alle Gläubiger ihre Forderungen einklagten. Am gleichen Tag wurde in den USA das Top-Management abgelöst. An die Stelle traten bisher erfolgreiche Vice Presidents aus dem internationalen Geschäftszweig des Unternehmens, führte Tremmel aus.

Zur Durchführung von Sanierungsmaßnahmen nahm das Unternehmen von sich aus Kontakt mit möglichen Kooperationspartnern auf. Ins Auge gefaßt wurden nach den Ausführungen von Tremmel finanzkräftige Firmen mit kompletären Leistungen, nicht aber direkte Konkurrenten am Markt. Die Verhandlungen könnten in einer Fusion oder der vollständigen Übernahme von Inforex Inc. ihren Abschluß finden. Inforex würde dabei das Vertriebssystem und die weltweit ausgebaute technische Organisation stellen, der Partner, rein theoretisch, das Know-how und vor allem das für die Konsolidierung in den USA notwendige Kapital. Für eine Ausweitung der Produktpalette im Vertrieb seien ausreichend Kapazitäten vorhanden. Wenn sich aber kein geeigneter Partner finden ließe, erklärte Tremmel, seien Schwierigkeiten absehbar.

Der wirtschaftliche Schutz für Unternehmen nach Chapter eleven werde nur solchen Unternehmen gewährt, die schutzwürdig seien. Bei Inforex tragen Tremmel zufolge die ausländischen Töchter und Distributoren rund die Hälfte zum Umsatz bei, auf die Bundesrepublik entfielen 35 Prozent, auf Europa zwischen 40 und 45 Prozent. Im außeramerikanischen Raum, so betonte Tremmel, sei bisher ein Umsatzwachstum von mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen.