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Beim GFW-Desktop-Publishing-Seminar mangelt es an Grundlagen:

DTP auch für Fachleute noch-Neuland

01.05.1987

Dreieich (CW) - Lohnt sich das Arbeiten mit Desktop-Publishing(DTP-)Programmen, war Fragestellung eines Seminars der Gesellschaft für Führungskräfte in der Wirtschaft (GFW), Stuttgart. Zumindest für Einsteiger blieb das Thema DTP ein Rätsel, vermißten sie doch ausreichende Grundinformationen. Deshalb ihr Urteil zumindest über die GFW-Aktion: nicht lohnend.

Von dem DTP-Boom wollen auch Schulungsinstitute profitieren. In einem Zwei-Tages-Kurs für rund 800 Mark wollte die GFW den Anwendern Entscheidungshilfen bei der Auswahl eines DTP-Programms geben. Ihr Referent stellte sich als "Mann der Praxis" vor: gelernter Schriftsetzer, Maschinensetzer, Studium an der Fachhochschule Druck, Stuttgart. Seit einiger Zeit ist der Diplom-Wirtschaftsingenieur als Unternehmensberater tätig. Er setzte für das Seminar drei Themenschwerpunkte: Hardware, Software und Vorstellung einiger DTP-Programme sowohl in Theorie als auch in Praxis.

Die Gruppe der etwa zwanzig Teilnehmer kam aus den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern: Schriftsetzer wie auch Geschäftsführer hatten sich eingefunden, um sich über die "Druckerei auf dem Schreibtisch" informieren zu lassen. Nach einem Abriß über die PC-Entwicklung wurden Grundlagenkenntnisse über Rechner, Betriebssysteme und Prozessortypen vermittelt. Bei der Erläuterung technischer Voraussetzungen beschränkte sich der GFW-Referent auf den Hinweis, daß DTP-Programme mindestens ein Megabyte Speicherkapazität benötigen. Hinweise auf Eingabegeräte beispielsweise vernachlässigte er. Im Programmteil Software ging es zunächst um die Begriffsklärung "DTP". Der Referent definierte kurz und prägnant: "Publizieren am PC." Nach Rückfragen bestätigte er, daß Autoren- und Satzprogramme ebenso dazu gehören wie Layout- und Umbruchprogramme. Abgrenzungen zu am Markt gängigen Textverarbeitungsprogrammen vermißten die Teilnehmer. Die Frage, worin sich die angebotenen DTP-Programme eigentlich unterscheiden, beantwortete der Referent ebenfalls nicht.

Auch auf die im Programm angekündigte Checkliste "für die Auswahl eines Desktop-Publishing-Systems" werteten die Seminaristen vergebens. "Der Arbeitsaufwand dafür ist zu groß", so die Begründung der Veranstalter. Die inhaltlichen und organisatorischen Mängel riefen den Unmut der Lernwilligen hervor. Ihrem Ärger machte eine Teilnehmerin in der Pause mit den Worten Luft: "Der Referent ist doch gar nicht vorbereitet!" Fragen nach Tabellen- und Formelsatz im Bereich des DTP seien, so der Unternehmensberater, "ein leidiges Thema", da dies die Programme noch nicht leisteten Danach sollten die Firmenvertreter nicht gefragt werden. Eine Diskussion zu diesem Aspekt zwischen ihnen und den Teilnehmern wurde damit von vornherein unterbunden.

Die Vorführung der sieben von zehn angekündigten Programme konnte die Schulungswilligen nur wenig besänftigen, ließ doch die Sachkenntnis einiger Referenten zu wünschen übrig: Ihr DTP-Know-how reichte nicht aus, um die Integration einer Grafik in einen Text zu zeigen. Fehlende Grundinformationen - wie der Begriff "WYSIWYG" (What you see is what you get) - machten es den Seminarteilnehmern schwer, sachgerechte Fragen zu stellen und die demonstrierten Programme einzuschätzen.

Auch Informationslücken ließen sich mit Hilfe der Seminarunterlagen nur schwer schließen. Das Material war unzureichend oder sogar fehlerhaft: "Marginalien: Das sind Großbuchstaben, die die Höhe von Kleinbuchstaben haben", so ein Beispiel. "Lohnt sich der Einsatz eines DTP-Systems?" Diese Frage konnten viele Newcomer zum Thema DTP auch nach Beendigung des Seminars nicht beantworten. So wurde der Kosten Nutzen-Aspekt nicht erwähnt. Für GFW-Seminarleiter Michael Dömer aber haben sich die zwei Seminartage indes ausgezahlt: "Wir sind mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden."