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27.09.1996 - 

Vergleich von DTP-Paketen für technische Dokumention

DTP: Praxistest trennt die Spreu vom Weizen

Fünf der populärsten DTP-Systeme hat das itl genauer unter die Lupe genommen: "Ventura 5.0 für Windows", "Framemaker 5.0.1 für Windows", "Interleaf 6.2 für Windows 95 und NT", "Pagemaker 6.0 für Windows 95" sowie "Word 7.0 für Windows 95". Nicht getestet wurden hingegen die Programme "Quark Xpress", "Wordperfect", "Wordpro" und "Starwriter". Quark eignet sich itl zufolge nicht sonderlich für technische Dokumentationen. Wordperfekt wiederum sei nach der ersten Windows-Version "kaputtprogrammiert" worden und weise seit der Akquisition durch Corel gravierende Fehler auf. Wordpro und Starwriter fehle es hingegen an der nötigen Marktdurchdringung.

Die Ergebnisse vorweg: Interleaf eignet sich itl zufolge am besten für strukturierte Dokumente, Framemaker für gemischte Anforderungen. Pagemaker wiederum nutzt Anwendern bei der Erstellung kreativer Seitenlayouts und kurzer Dokumente. Word für Windows ohne Fehler wäre das brauchbarste System für Anforderungen im Büroalltag.

Lange, strukturierte Dokumente

Obwohl für die Erstellung langer, strukturierter Dokumente konzipiert, bietet Ventura in dieser Disziplin ein zwiespältiges Bild. Die Buchfunktion des Pakets ermöglicht eine hervorragende Kontrolle eingebundener Dateien und umfangreiche Features für die Erstellung von Listen, Inhalts- und Stichwortverzeichnissen. Hinzu kommt eine gelungene Funktionalität zur automatischen, dokumentübergreifenden Numerierung und zur Automatisierung von Kolumnentiteln. Eine zentrale Layoutsteuerung ist unter Ventura aber nur für Absatzformate möglich. Die Querverweisfunktionalität und die Rahmenverankerung sind zu umständlich. Tools für Gliederungen oder zur Versionsverwaltung existieren überhaupt nicht.

Framemaker wiederum unterstützt das Arbeiten mit umfangreichen Publikationen durch eine gute und benutzerfreundlich gestaltete Buchfunktion sowie durch ausgefeilte automatische Numerierungs- und Querverweisoptionen. Unübertroffen, geht es um die Erstellung langer, strukturierter Dokumente, präsentiert sich Interleaf. Das Paket besticht durch sehr benutzerfreundlich gestaltete Buchfunktion. Darüber hinaus lassen sich Templates zur zentralen Layoutsteuerung einsetzen und Numerierungs- sowie Querverweisfunktionen verwenden, die im Gegensatz zu Framemaker ohne Codierung auskommen.

Pagemaker eignet sich nur bedingt für umfangreiche Dokumente. Zwar ist es möglich, Inhaltsverzeichnisse oder Indices zu erstellen, jedoch fehlen hier die automatischen Numerierungs- und Querverweisfunktionen. Als nahezu unbrauchbar für lange Dokumente hat sich Microsofts Winword erwiesen. So ist etwa die zentrale Layoutsteuerung nur für die Neuerstellung von Dokumenten einsetzbar. Die enthaltene Buchfunktion läßt sich für den strukturellen Aufbau eines typischen Dokuments aus dem technischen Bereich kaum effektiv verwenden.

Kreatives Seitenlayout

Das kreative Seitenlayout ist nicht unbedingt die Stärke von Ventura. Dem Anwender stehen zwar Features für die Plazierung von Texten und Grafiken zur Verfügung, dafür muß er allerdings auf strukturorientierte Features verzichten. Framemaker stellt Benutzern hingegen eine überraschend gute Funktionalität für das kreative Layout von Seiten bereit. Schlecht wurden jedoch Features für die Farbseparation, das Überdrucken und die Darstellungsgenauigkeit am Bildschirm implementiert.

Recht mühsam gestaltet sich auch das kreative Seitenlayout mit Interleaf. So ist es beispielsweise nicht möglich, alle Elemente nach dem Muster des Klebelayouts auf der Seite hin- und herzuziehen. Der Grafikeditor jedoch offeriert dank Funktionen wie Drehen, Scheren, Textrotation gute Ansätze. Pagemaker hat sich zum Seitenlayoutprogramm per se gemausert. So lassen sich Texte und Grafiken in allen denkbaren Anordnungen plazieren. An ein kreatives Seitenlayout ist mit Word für Windows in professioneller Weise praktisch nicht zu denken.

Vektorgrafik- und Pixelgrafikeditor

Der integrierte Grafikeditor von Ventura enthält nur einige rudimentäre Funktionen. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Farbverläufen, Füllmustern und ähnlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Während Venturas Importfähigkeiten keinen Grund zur Beanstandung geben, arbeiten die meisten Filter von Framemaker nicht sonderlich zufriedenstellend. Unterschiedlich ist auch die Funktionalität der großen Anzahl von Filtern in Interleaf und Pagemaker: Manche arbeiten sehr gut, manche sind schlicht unbrauchbar.

Für Grafiken, die sich aus einfachen Einzelelementen zusammensetzen lassen, läßt Framemaker keine Wünsche offen. Für die Entwicklung perspektivischer Darstellungen jedoch, existieren keine Funktionen. Interleafs Grafikeigenschaften enthalten Paletten und Funktionen für isometrische Projektionen. Mit dem Grafikeditor von Pagemaker lassen sich einfache grafische Elemente wie Linien, Rechtecke oder Kreise erzeugen. Nur als ergänzendes Hilfswerkzeug präsentiert sich das Modul "Word-Grafik" von Winword. Es reicht lediglich für Nachbearbeitungen von Importen.

Tabelleneditor

Die in Ventura enthaltene Tabellenverarbeitung offeriert Usern keine übergreifenden Tabellenformate, so daß jede Tabelle für sich gestaltet werden muß. Ferner erweist sich die Bedienung der Gestaltungsmöglichkeiten des Produkts als zu umständlich. Ganz anders hingegen Framemaker: Das Programm enthält einen exzellenten Tabelleneditor. Neben automatischer Kopf- und Fußzeilenwiederholung und Fortsetzungshinweisen lassen sich auch Tabellenstriche bearbeiten. Über ein integriertes Werkzeug (DBlink) lassen sich Abfragen erstellen, deren Daten in automatisch generierte Tabellen einfließen. Während Pagemaker über keinen integrierten Tabelleneditor verfügt, reicht das Tabellen-Feature von Winword für die meisten Fälle aus.

Layout, Typografie

In Sachen Layout und Typografie zeigt sich eines ganz deutlich: Bei Word für Windows handelt es sich lediglich um eine mit DTP-Funktionen erweiterte Textverarbeitung. Positionsrahmen sind so instabil, daß sie etwa beim Seitenwechsel nicht selten selbständig und unkontrolliert auf Wanderschaft gehen. Ventura andererseits läßt bei der typografischen Gestaltung kaum Wünsche offen. Die innen- und außenbündige Ausrichtung von Texten funktioniert ebenso wie bei Framemaker und Interleaf problemlos. Lediglich Pagemaker mangelt es an dieser Funktion.

Schwachpunkte zeigen sich bei Ventura und Framemaker in puncto Rahmenpositionierung. Pagemaker enthält die für typografische Anforderungen ausgefeiltesten Funktionen, weshalb sich das Paket vor allem für den professionellen Einsatz bei der Herstellung farbiger Publikationen eignet.

Farbe

Unschlagbar präsentiert sich Venturas Farb-Management, mit dem sich Profile mit Kalibrierungsmöglichkeit für Bildschirm, Drucker und Scanner erstellen und optimieren lassen. Auch die Farbseparation kann sich sehen lassen. Ärgerliche Mängel weist hingegen Framemaker auf, das keine getrennte Farbzuordnung zwischen Umrandung und Füllung aufweist und an fehlerhafter Farbseparation krankt. Ähnliche Kritik muß sich Interleaf gefallen lassen. Hier fehlt es an der Unterstützung für die Generierung von Farbauszügen. Das Feature "Vierfarbseparation" ist zur Zeit nur in der Unix-Version vorhanden. Pagemaker bietet Farbfunktionen für den professionellen Einsatz. Außer Ventura reicht keines der getesteten Programme an die von Pagemaker in diesem Bereich gebotene Vielfalt heran. Winword tischt Anwendern in Sachen Farbe nur Magerkost auf.

Hypertext-Unterstützung

HTML erweist sich für Ventura als absolutes Fremdwort. Framemaker hingegen enthält eine abgespeckte Variante des Qudralay-Webworks-Filters "Lite". Er zeigt sich allerdings kaum brauchbar, da er nur ein Standard-Mapping von Absatzformaten auf entsprechende HTML-Tags offeriert. Keine direkten Exportmöglichkeiten in das HTML-Format stehen Benutzern von Interleaf zur Verfügung. Eine Quasi-Schnittstelle besteht allerdings zu "Cyberleaf", einem HTML-Konvertierungsprogramm. Das Pagemaker-Plug-in "HTML-Autor" stellt nur einen Konverter für die Satzdateien der Anwendung dar. Um professionell Seiten für das WWW zu erzeugen, ist dieses Plug-in nicht ausreichend. Word für Windows unterstützt HTML-Konvertierung nur über die im Lieferumfang nicht enthaltene Freeware "Internet Assistant for Microsoft Word Version 2.0z".

Systemintegration

Ventura wurde speziell für Windows for Workgroups (WfW) 3.11 konzipiert. Eine Windows-95-Variante existiert bislang noch nicht. Das Paket läuft sowohl unter WfW als auch unter Windows 95 äußerst instabil. Unter WfW kämpft Framemaker mit gravierenden Speicherverwaltungsproblemen und läuft ebenso wie Ventura sehr instabil. Unter Windows 95 unterstützt die Anwendung die langen Dateinamen nicht. Als 32-Bit-Anwendung ist Interleaf weitgehend in die Oberflächen von Windows 95 und NT integriert. Noch nicht ausgereift erweist sich jedoch die Schriftenverwaltung. Außerdem ist das Programm inkompatibel zu langen Dateinamen. Pagemaker läßt sich vollständig in Windows 95 integrieren, ebenso wie Winword. Pagemaker wurde als OLE-2.0-Client konzipiert, kann allerdings nicht als OLE-2.0-Server eingesetzt werden. Als einziges Programm bietet Winword eine besondere Dokumentverwaltungs-Schnittstelle.

Preise

Ventura 5.0 (Computer 2000, München) ist zu einem Preis von rund 350 Mark erhältlich. Framemaker 5.0.1 (Adobe GmbH, Unterschleißheim) kostet knapp 1800 Mark. Für Interleaf 6.2 (Interleaf GmbH, Eschborn) müssen Interessenten etwa 3000 Mark, für Pagemaker 6.0 (Adobe GmbH, Unterschleißheim) knapp 1800 Mark bezahlen. Der Straßenpreis für Word für Windows 7.0 (Microsoft GmbH, Unterschleißheim) beläuft sich auf zirka 900 Mark.