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20.09.1996 - 

Erste Eindrücke von Corel Ventura 7.0

DTP-Upgrade vollzieht einen Technologiesprung

Ventura 5 vermochte weder die traditionellen Anwender zu begeistern noch von den Vorzügen modernen Farb-Publishings zu überzeugen. Einzig die Nähe zu Corel Draw konnte als Pluspunkt im Wettbewerb zu Pagemaker, Framemaker oder Quark Xpress gelten. Venturas Problem lag im Programmcode, an dessen hoffnungslos veraltetem Zustand seit dem ersten Versuch, ihn von GEM auf Windows zu portieren (1991), offenbar nichts mehr zu ändern war.

Von Grund auf neu programmieren, lautete daraufhin der Entscheid in Corels Chefetage. Das führte dazu, daß es seit Ventura 5 (Anfang 1995) keine neue Version mehr gab. Doch auch die vorliegende Betaversion von Ventura 7 zeigt, daß es bis zum offiziellen Start gegen Ende dieses Jahres noch einiges zu tun gibt.

Die Neuprogrammierung bringt zahlreiche Änderungen und Zusatz- Features mit sich hier einige Highlights:

Ventura 7 verfügt im Rahmen einer an Corel Draw 6.0 angeglichenen Oberfläche über ein "Multi-Document-Interface": Es lassen sich so viele Dokumente gleichzeitig öffnen, wie es der Speicherausbau zuläßt. Es können beliebige Objekte einschließlich Absatzformate und Layoutvorlagen von einem Dokument in ein anderes gezogen werden.

Außerdem besteht nun die Möglichkeit, Anwenderaktionen mit Hilfe eines Skripteditors aufzuzeichnen und als Makro abzuspeichern. Der Skripteditor verfügt auch über eine eigene Sprache zur freien Makroprogrammierung. Wem das nicht genügt, der kann über ein API andere Programme aus C oder Visual Basic einklinken.

Das DTP-Paket arbeitet mit einem sogenannten intelligenten Cursor. Das heißt, das Programm wechselt in Abhängigkeit von der Cursor- Position automatisch das Werkzeug und die Optionen in der neuen Kontrollpalette. Steht der Mauszeiger beispielsweise im Text, sind Textwerkzeuge und Textoptionen in der Kontrollpalette aktiviert.

Neu im Programm sind auch die 99 Undo-Redo-Level. Die Oberfläche ist individuell anpaßbar: Gitter, Hilfslinien und mehrfache Musterseiten fehlen nicht mehr.

Mit der katastrophalen Dateiverwaltung bisheriger Ventura- Dokumente räumen ein "Navigator" und die "Library" auf. Im Navigator wird die gesamte Datenstruktur nach Art des Windows- Explorers grafisch dargestellt. Die Library ähnelt den Quark- Xpress-Bibliotheken und beinhaltet Dokumentenstrukturen wie Absatzstile und Musterseiten. Hinzu kommt die freie Wahl, ob ein Text oder ein Bild in den Ventura-Code aufgenommen beziehungsweise nur auf die externe Datei verwiesen werden soll.

Stilvorlagen lassen sich nicht mehr ausschließlich auf komplette Absätze, sondern auch auf einzelne markierte Textstellen anwenden. Texte können mit Hilfe einer umfangreichen Rechtschreib-, Grammatik- und Terminiprüfung bearbeitet werden. Zu den erweiterten Grafik-Tools gehören Bezierkurven, Knotenbearbeitung und ein "Text-am-Pfad"-Werkzeug, so daß der Anwender relativ unabhängig von zusätzlichen Grafikprogrammen arbeiten kann. Für mehrsprachige Publikationen wurden "Konditionen" eingeführt, die es ermöglichen, bestimmte Teile eines Dokuments anzuzeigen oder auszublenden. Außerdem lassen sich mit "Corel Memo" gesondert Notizen erstellen und an das Dokument anheften.

Internet-fähiges Cross-Media-Publishing

Corel nimmt das Cross-Media-Publishing ernst und bietet mehr als nur eine deutlich beschleunigte Druckausgabe. Ventura-Dokumente können direkt in das Acrobat-PDF oder in das Envoy-Format exportiert werden. Internet-Seiten lassen sich auf zweierlei Weise in Ventura 7 erzeugen: Durch Konvertieren in das HTML-Format werden die Ventura-eigenen Textauszeichnungen (Tags) in HTML-Tags übersetzt und Bilder automatisch in GIF oder JPEG umgewandelt.

Wesentlich weiter geht die Ausgabe für "Barista", einen Java- basierten Netviewer. In diesem Fall werden auch Layout- und Typografiemerkmale beibehalten, die selbst weit über die HTML-3.2- Fähigkeiten hinausreichen. Dazu werden neben den HTML-Tags Aufrufe für die benötigten Java-Applets in die Dokumente hineingeschrieben. Geplant ist schließlich, daß die Ventura- Endfassung auch die Integration von Film- und Tondateien in Multimedia-Rahmen erlaubt.

Der neue Programmcode in Ventura 7 stellt in der Summe einen deutlichen Gewinn für das Produkt dar. Das User-Interface ist modern, in einigen Punkten vorbildlich und der Konkurrenz überlegen. Ein DTP-Paket zu erhalten, dessen erweiterte grafische Fähigkeiten und Cross-Media-Features kaum zusätzliche Produktinvestitionen erfordern, ist sicherlich von Vorteil. Aber allein aus diesem Grund dürften tra- ditionelle Pagemaker-, Framemaker- oder Xpress-User kaum in das Ventura-Lager überwechseln. Neueinsteiger dagegen, die vielleicht in erster Linie gar keine Printmedien mehr im Auge haben, könnten durchaus von Ventura überzeugt werden.

Ventura 7

Ventura 7 wird ausschließlich unter Windows 95 und NT laufen. Der Lieferumfang von Corel-Produkten ist wie immer üppig. In diesem Fall sind es außer den bislang bekannten Zusatzkomponenten ein Scanmodul, ein Skripteditor für die Makroprogrammmierung, Corel- Software zur Dokumentenverwaltung und -archivierung sowie das komplette Textprogramm Wordperfect und der Corel-CD-Creator.

Entsprechend sind die Systemanforderungen: Benötigt wird ein Pentium-Rechner mit 32 MB RAM, der für Ventura zwischen 65 und 242 MB Plattenkapazität bereitstellt. In den USA soll das Vollpaket etwa 650 Dollar kosten, das Update um die 260 Dollar. Die deutschen Preise stehen noch nicht fest. Distributoren hierzulande sind unter anderem Macrotron und C 2000 in München.