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24.12.1993

Duell Microsoft gegen IBM bestimmt das Rezessionsjahr Big Blues Niedergang hat den DV-Markt veraendert (Teil 1)

Das Jahr 1993 stand im Zeichen einer weltweiten Konjunkturflaute, von der auch die IT-Welt nicht verschont blieb - wenngleich es ihr besser erging als manch anderer Branche. IBMs wirtschaftliche und personelle Schwierigkeiten, Microsofts Auseinander- setzung mit den Kartellbehoerden sowie die Initiative der Unix-Anbieter, die als Antwort auf Windows NT erstmals ernsthafte Anstrengungen unternehmen, ihre Plattformen zu vereinheitlichen - das waren Themen, die sich wie ein roter Faden durch die Berichterstattung des vergangenen Jahres zogen. CW-Redakteur Heinrich Vaske blickt zurueck.

Ein Thema beherrscht die Diskussionen in der DV-Branche: Wie tief faellt die IBM. Ursachenforschung ist angesagt, abenteuerliche Spekulationen schiessen ins Kraut - andere Ereignisse gehen fast unter. Dabei sind sie keineswegs uninteressant. So kuendigt Novell an, die AT&T-Tochter Unix System Laboratories (USL) zu uebernehmen. Der Netzwerk-Multi schwingt sich damit zum Herrscher ueber das Unix-Reich auf.

IBMs Systems Application Architecture (SAA) wird fuer blaue Anwender zum roten Tuch, ebenso das Software-Entwicklungskonzept AD/Cycle. Bei den CASE-Partnern setzt sich derweil der Aderlass fort: Nach Intersolv verlaesst nun auch die schwer angeschlagene Bachman Corp. den Kreis der AD/Cycle-Partner. President Arnold Kraft erklaert, er wolle den Weg in Richtung Client-Server- Entwicklungs-Tools einschlagen - ohne die IBM. Treue beweist dagegen Big-Blue-Partner Knowledgeware. Das Softwarehaus verleibt sich alle europaeischen Niederlassungen des Exklusiv-Distributors Ernst & Young CASE Services ein.

Wachstum ist auch das Ziel der Ruesselsheimer Opel-Tochter EDS: Der DV-Dienstleister nimmt der Hoesch AG eines der aeltesten deutschen Softwarehaeuser ab, die Dortmunder mbp GmbH. Waehrend fuer DV- Serviceanbieter - einmal abgesehen vom Debis Systemhaus, das noch immer mit seiner Restrukturierung beschaeftigt ist - die Geschaefte recht gut gehen, muss sich die erfolgsverwoehnte Muenchner DEC- Filiale Sorgen machen. Nach 29 Jahren schreibt die Digital Deutschland GmbH erstmals rote Zahlen. Auch die SAP AG geraet in die Schlagzeilen: Ein jaeher Sturz des Aktienkurses, hervorgerufen durch ein unerwartet schwaches letztes Quartal im Vorjahr, schadet dem Ruf des einstigen Boersenlieblings.

Selbst IBMs AS/400-Anwendern vergeht zum Jahresbeginn die gute Laune: Telefonische Hotline-Dienste, so kuendigen die Stuttgarter an, sind ab Juli 1993 gebuehrenpflichtig. Nicht nur hier wittert die eingeschworene Midrange-Gemeinde Verrat. Warum kuendigt die IBM an, ihre Standardsoftware MAS/90 auch auf die Unix-Rechner der RS6000-Reihe zu portieren? Steht ein grundsaetzlicher Strategiewechsel in Richtung Offenheit bevor? Und noch etwas irritiert die Anwender: Gegen IBM-Chef John Akers hat ein Kesseltreiben ohnegleichen eingesetzt.

Muss Akers den IBM-Thron abgeben? Am wenigsten interessiert diese Frage deutsche Eltern. Sie sorgen sich vielmehr um ihren "Super- Mario"-versessenen Nachwuchs: Ein englischer Schueler war beim Spielen mit seinem Nintendo-Gameboy tot zusammengebrochen. Zeitungen in aller Welt diskutieren die Frage: Koennen bestimmte Lichtimpulse Epilepsieanfaelle ausloesen?

Sorgenfrei, so scheint es, ist im Januar 1993 nur einer: Microsoft-Chef Bill Gates. Waehrend er Rekordumsaetze meldet, leiden selbst PC-Softwarehaeuser wie Borland, Lotus oder Symantec unter einem eher schwachen Jahresergebnis.

Es ist vollbracht: Der bis dahin hoechste Jahresverlust in der amerikanischen Industriegeschichte - knapp fuenf Milliarden Dollar - fuehrt dazu, dass Chief Executive Officer John Akers im fuer IBM- Verhaeltnisse zarten Alter von 58 Jahren seinen Stuhl raeumen muss. Bis ein Nachfolger gefunden ist, darf er aber noch weiterwursteln. Sein Traum: die IBM in kleine schlagkraeftige Einheiten zerlegen. Sein Alptraum: Massenentlassungen. Edmund Hug, zu diesem Zeitpunkt Chef der IBM Deutschland Informationssysteme GmbH, kuendigt unmissverstaendlich an: "Von Mitarbeitern, die nicht mitziehen, muessen wir uns trennen."

Lange Gesichter auch bei Olivetti, Wang, Bull, Norsk Data und vielen anderen Traditionsanbietern, die ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen nicht erfuellt sehen. Vor allem aber bei der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) haengt der Haussegen schief: Rund 900 Arbeitsplaetze sollen am Standort Augsburg abgebaut werden. Der Konzern hatte fuer das Geschaeftsjahr 1991/92 mehr als eine halbe Milliarde Mark Verlust ausweisen muessen.

Hochstimmung herrscht dagegen beim erfolgreich restrukturierten Unisys-Konzern und bei PC-Cloner Compaq, der unter der Fuehrung von Eckhard Pfeiffer wieder zu alter Staerke zurueckgefunden hat. Pfeiffers Rezept: Neue Produkte, Billigpreise und die Erschliessung neuer Vertriebskanaele. Dass er damit eine neue Runde im PC- Preiskampf einlaeutet, laesst ihn kalt. Dagegen kaempft PC-Hersteller Tandon mit groessten Problemen.

Besonders nahe geht den Yuppies der DV-Szene das Schicksal des schwarzen Designerwuerfels von der Next Inc. Steven Jobs zieht sich aus dem Hardwaregeschaeft zurueck. Der extreme Preisverfall und die zu spaete Reaktion auf den Trend in Richtung RISC-Technologie werden als Gruende genannt. Fortan will Next nur noch sein objektorientiertes Betriebssystem Nextstep an den Kunden bringen.

Auch hierzulande haben DV-Unternehmen Anlass zur Sorge. Zu radikalen Sparmassnahmen sieht sich etwa die Ploenzke AG gezwungen - sie schreckt vor Entlassungen nicht mehr zurueck. Ueberhaupt scheint die deutsche Softwarelandschaft in Bewegung: So verabschiedet die Muenchner Alldata GmbH ihren Geschaeftsfuehrer Michael Krings - ohne allerdings von einer Krise zu sprechen. Dennoch ist bekannt: Alldata hat schwer an der Sanierung dreier uebernommener Datenverarbeitungszentralen in den neuen Bundeslaendern zu schlucken. Ein vorzeitiges Ende wird dem Consulting-Unternehmen AD/Vice beschert, einem Gemeinschaftsunternehmen von IBM und der GMO. Dessen Ziel sollte die Unterstuetzung von Anwendern bei der Umsetzung des AD/Cycle- Konzepts sein - doch IBM-Kunden zeigen kein Interesse mehr.

Trotz ihrer bisher schwersten Krise bleibt die IBM fuer Ueberraschungen gut. So schlaegt die Meldung, man werde fuer Mainframes keine Listenpreise mehr herausgeben, wie eine Bombe ein. Auch rieben sich viele Anwender angesichts folgender Nachricht die Augen: "Die AS/400 soll offen werden." Um die Rechnerreihe als offene Server-Plattform zu positionieren, sollen diverse Netzstandards unterstuetzt werden. Bis 1995 stehe eine Posix-Schnittstelle zur Verfuegung, ausserdem werde der Rechner wichtige X/ Open-Spezifikationen beruecksichtigen.

Mit zunehmendem Downsizing-Interesse wird das Thema System- Management heterogener DV-Umgebungen wichtiger. Um in diesem Markt erfolgreich zu sein, schliessen sich Legent, Hewlett-Packard und Tivoli zusammen. Konsortien sind in. Ein anderes hat sich um Apple, Motorola, Sony, Matsushita, Philips und AT&T gebildet. Sie wollen gemeinsam Standards fuer den Markt der Personal- Communicator-Produkte setzen.

Im CeBIT-Monat interessiert vor allem eine Frage: Was hat Siemens- Chef Heinrich von Pierer dem "Wall Street Journal" wirklich erzaehlt? Die Wirtschaftszeitung zitiert den Siemens-Chef mit der Aussage, man suche fuer die Tochter SNI einen "strategischen Partner". Es folgte eine "Klarstellung" seitens der Muenchner Pressestelle, in der behauptet wird, diese Aussage habe es niemals gegeben.

Hohen Unterhaltungswert haben auch die Spekulationen um die Nachfolge von John Akers. Gute Chancen werden unter anderem dem ehemaligen US-Praesidentschaftskandidaten Ross Perot eingeraeumt. Auch Branchengurus wie Apples John Sculley, George Fisher von Motorola oder Compaq-Retter Eckhard Pfeiffer sind im Gespraech. An einen Keks-Fabrikanten denkt noch niemand.

Den Anwender interessieren diese Fragen nur marginal, denn er bereitet sich auf das Jahresereignis schlechthin vor: Die Umstellung der Postleitzahlen. Spekulationen, nach denen sich der Stichtag fuer die Einfuehrung, der 1. Juli 1993, verschieben soll, fuehren dazu, dass viele Unternehmen die Umstellung ihrer Adressbestaende hinauszoegern.

Ein Grossereignis bahnt sich im Unix-Lager an: Als Antwort auf Microsofts Ankuendigung des Betriebssystems Windows NT schliessen sich die sechs Hersteller Hewlett-Packard, IBM, SCO, Sunsoft, Univel und USL zur COSE-Initiative zusammen. Im Rahmen eines "Common Open Software Environment" wollen die Hersteller unter anderem ein Set von Programmier-Schnittstellen entwickeln, das die Portierung von Programmen zwischen verschiedenen Unix-Derivaten einfacher machen soll. Ohne es zu wollen, schafft Bill Gates, was Millionen von Anwendern in den letzten 20 Jahren nicht gelungen ist: Er bewegt die Hersteller zur Durchsetzung eines Unix- Standards. Zu spaet?

In Krisenzeiten, so zeigt sich auch im Maerz, blueht das Dienstleistungsgeschaeft. Outsourcer EDS zieht mit den ostdeutschen Leuna-Werken, dem groessten Chemiekonzern der neuen Laender, einen besonders dicken Fisch an Land. Derweil ueberrascht SNI seine Kunden mit einer bisher nicht gekannten Offenheit: Die Comet- Version 3.0 wird auch auf Unix-Rechnern von Hewlett-Packard und IBM laufen, teilen die Muenchner mit. Auch SAP steht wieder in den Schlagzeilen. R/2-Kunden glauben, Hinweise darauf zu haben, dass das R/3-Engagement der Walldorfer zu ihren Lasten geht.

Und die CeBIT? Sie findet statt wie immer, und fast alle gehen hin. Sehen und gesehen werden ist wie in jedem Jahr das Motto, doch die Geduld einiger Anbieter geht angesichts der rezessiven Wirtschaftslage zur Neige. Das "Disneyland der Branche" ist fuer manches Unternehmen zu einem ueberfluessigen Spektakel geworden.

Kein Aprilscherz: Der neue IBM-Chef war zuletzt in vergleichbarer Position beim Lebensmittel- und Zigarettenkonzern RJR Nabisco taetig. Sein Name: Louis Gerstner. "Erfahrungen in Information- und High-Tech" sollte der neue Chairman laut IBM eigentlich mitbringen, aber diese Eigenschaft ist nur eine von vielen und beileibe kein Knock-out-Kriterium - erfaehrt der erstaunte Leser der "Financial Times". Das Wirtschaftsblatt hatte ein Interview mit dem einflussreichsten Verwaltungsratsmitglied James Burke gefuehrt. Eines wird nach wenigen Wochen der Gerstner-Regentschaft klar: Von einer Zersplitterung des Konzerns haelt der Chairman wenig.

Wirtschaftliche Sorgen hindern IBM nicht daran, sich auf einen grossen Coup vorzubereiten: Die Uebernahme des franzoesischen Softwarehauses Compagnie Generale d'Informatique S.A. (CGI). Derweil macht sich Systemsoftware-Spezialist Sterling Software an die Systems Center Inc. heran. Die Uebernahme ist beschlossene Sache, der Termin, so wird sich spaeter zeigen, faellt auf den 1. Juli 1993. Auch bei der Gartner Group in Stamford tut sich etwas: Die Dun & Bradstreet Corp. beteiligt sich mehrheitlich an dem renommierten Marktforscher.

Fuer diese Dinge haben deutsche IBM-Mitarbeiter wenig Aufmerksamkeit uebrig. Bernhard Dorn kuendigt an, in Deutschland wuerden nicht wie vorgesehen 3000, sondern sogar 4000 Stellen gestrichen. Eine Ergebenheitsadresse an den neuen Boss? Ihre Produktion verteilt IBM auf vier Tochtergesellschaften.

Nicht nur bei Big Blue, auch bei der europaeischen MAI-Gruppe werden in diesen Tagen die Weichen neu gestellt. Ein aus sieben Banken bestehendes Konsortium erlaesst der US-Muttergesellschaft Verbindlichkeiten in Hoehe von 80 Millionen Dollar und erhaelt dafuer saemtliche Anteile der europaeischen MAI-Gesellschaften. Die Banken fassen die europaeischen Gesellschaften unter einer Holding namens Application Systems Inc. zusammen. Wenige Wochen spaeter muss sich die kalifornische Muttergesellschaft unter Chapter eleven begeben.

Hierzulande sorgt derweil Softlab fuer Aufsehen. Der deutsche CASE- Anbieter wird in den Kreis der "International Alliance Members" der IBM erhoben. Als Entwicklungs- und Marketing-Partner soll die BMW-Tochter zur Entwicklung des angekuendigten "LAN-Repositories" beitragen. Ob allerdings blaue Kunden ihrem Haus- und Hoflieferanten in Sachen Software-Entwicklung noch trauen, scheint fraglich.

An der Unix-Front ueberschlagen sich die Ereignisse. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen, welche grafische Benutzeroberflaeche denn nun Standard werden soll, erklaert COSE- Mitglied Sunsoft die eigene "Open-Look"-Oberflaeche zum Auslaufmodell und wendet sich dem konkurrierenden OSF-Produkt "Motif" zu. Der Gegner von Sun - wie von den meisten Unix- Anbietern - heisst nur noch Microsoft. Mit der Gates-Company streitet sich Sun wegen der "Windows Application Binary Interface" (Wabi) fuer das PC-Unix-Derivat Solaris x86 herum: Sun moechte Windows-Anwendungen unter Solaris laufen lassen, ohne dafuer Lizenzgebuehren an Microsoft zu entrichten.

Das oeffentliche Interesse an Microsoft steigt, je naeher die Auslieferung des sagenumwobenen Windows NT bevorsteht. Klagen ueber fehlende Produkte fuer die Systemverwaltung raeumt das Unternehmen schnell aus dem Weg, indem es eng mit der Computer Associates Inc. kooperiert und sich die Zugriffsrechte auf deren "Unicenter"- Produkte sichert. Auch mit der SAP vollzieht Microsoft einen Schulterschluss: Die Walldorfer wollen ihre betriebswirtschaftliche Standardsoftware R/3 auf Windows NT verfuegbar machen - und zwar nicht nur als Windows-Front-end, sondern auch als Plattform fuer Datenbank- und Anwendungs-Server.

Dass Microsoft auch fuer grosse Anwender ein ernstzunehmender Player geworden ist, demonstriert das Beispiel der Koelner Kaufhof Holding AG, die im Rahmen eines gigantischen Rightsizing-Projektes PCs unter Windows zu strategischen Anwendungs- und Entwicklungsplattformen ernennt.

Bei den groessten deutschen Anwendervereinen ist die Stimmung im Keller. Juergen Dostal, Chairman der IBM-User-Group Guide, riskiert im CW-Interview eine ungewoehnlich kesse Lippe: "Nach meinen Beobachtungen stand IBM kaum einmal an der Spitze der technischen Innovation." Big Blue habe seinen Kunden das Gefuehl der Investitionssicherheit und der Aufwaertskompatibilitaet vermittelt - daher ruehre die Herstellertreue. Nun sei der Konzern allerdings dabei, sich im Netz seiner grossen Kundenbasis zu verheddern.

Aehnlich mutig prescht Joachim Zeiler, Chef der SNI- Anwendervereinigung Save, nach vorn. Er aergert sich ueber das neu eingefuehrte Servicekonzept der SNI, das dazu fuehre, dass jedesmal ein anderer SNI-Mitarbeiter beim Kunden aufkreuze: "Es hat sich bei SNI anscheinend noch nicht herumgesprochen, dass die Wartung einer BS2000-Installation anders organisiert werden muss als die einer Waschmaschine." Doch SNI hat zur Zeit andere Sorgen: In der ersten Haelfte des Geschaeftsjahres 1992/93 ist nicht nur der Umsatz, sondern auch der Auftragseingang dramatisch gesunken.

Erfolg hat, wer auf Client-Server setzt - diese Faustregel scheint zumindest fuer die Software-Industrie zu gelten. Unternehmen wie Sybase, Powersoft oder Gupta freuen sich ueber enorme Steigerungsraten. Dass Client-Server das Thema der Zukunft ist, bestaetigen auch Umfrageergebnisse der Information Builders GmbH: Demnach geben 95 von 100 deutschen Grossanwendern an, sie kennten sich mit dem Thema gut aus. Nahezu die Haelfte der Befragten sieht einen aktuellen Handlungsbedarf.

Microsoft hofft, von dieser Euphorie zu profitieren und ins "Large-Account-Business" einzusteigen. Das Softwarehaus akquiriert Systempartner, um kuenftigen NT-Kunden vernuenftigen Support bieten zu koennen. Zu den Auserwaehlten gehoeren bisher DEC, SNI und Krone. Im COSE-Lager formieren sich derweil die Gegner: Die Koordinierung der gemeinsamen Aufgaben soll die X/Open uebernehmen - noch einmal erhaelt das zwischenzeitlich fluegellahm gewordene Gremium eine wichtige Aufgabe.

Aufregung in Italien: Carlo De Benedetti hat oeffentlich zugegeben, Olivetti sei in einen Bestechungsskandal verwickelt. Um Auftraege von der italienischen Post zu bekommen, wurden ueber vier Jahre Politiker geschmiert - mit insgesamt 6,8 Millionen Dollar. Aufregung auch in Frankreich: Industrieminister Gerard Longuet hatte zu einem kraeftigen Rundumschlag gegen die heimische DV- Industrie ausgeholt, insbesondere gegen Groupe Bull und SGS Thomson. Bull-Chef Bernard Pache wird ultimativ aufgefordert, ein Konzept vorzuweisen, mit dem sich der Konzern vom staatlichen Subventionstropf loesen kann.

Eher kurios als existenzbedrohend sind dagegen die Probleme des Netzwerkgiganten Novell. Juristische Scharmuetzel mit einem kleinen Berliner Softwarehaus hatten dazu gefuehrt, dass das Unix-Derivat "Unixware" aus namensrechtlichen Gruenden zeitweilig gar nicht oder nur als "Novell Unix V 4.2" verkauft werden konnte. Das Unix- Softwarehaus Uniware hatte eine einstweilige Anordnung durchgesetzt. Inzwischen ist eine Einigung erzielt worden.

Ein blaues Auge handelt sich auch die deutsche Telekom ein. Die Konkurrenz wirft den Deutschen vor, mit Einnahmen aus Monopol- Dienstleistungen ihr X.25-Netz zu subventionieren. Mit Dumping- Preisen wuerden private Carrier aus dem Datex-P-Geschaeft gedraengt.

Rund zwei Millionen Dollar hat Datenbankhersteller Informix in den auf objektorientierte Entwicklungs-Tools spezialisierten Anbieter Intellicorp investiert. Der Grund fuer die Uebernahme von 15 Prozent der Aktien: Intellicorp entwickelt im Auftrag von Informix Werkzeuge und sollte daher finanziell abgesichert werden.

Auf ungewohntem Oeffnungskurs befindet sich die Apple Inc.: Macintosh-Technologien und -Dienste, so teilt das Unternehmen mit, sollen bald auf den fuehrenden Unix-Plattformen zur Verfuegung stehen. Ausserdem wird der Mac kuenftig als Front-end fuer die SAP- Produkte R/2 und R/3 einsetzbar sein.

Die Fruehjahrs-Comdex geraet in diesem Jahr zu einem reinen Microsoft-Spektakel. Gates verkuendet die in wenigen Wochen bevorstehende Freigabe von NT. Derweil wird hierzulande die bevorstehende Systems zum Konjunkturbarometer hochstilisiert. 1993, so meint Diebold-Chef Gerhard Adler anlaesslich einer Pressekonferenz im Vorfeld der Messe, ist fuer DV-Anbieter und - Anwender das "Jahr des Nachdenkens".

Nachdenken - das tun in diesen Tagen viele Anwender, allerdings weniger darueber, wie sie mit Hilfe der DV wettbewerbsfaehiger werden koennen. Thema Nummer eins sind die Postleitzahlen. Gigantische Adressbestaende sind umzustellen - in manchen Unternehmen werden Grossprojekte auf Eis gelegt, um diese Herausforderung zu meistern. "Die deutsche Wirtschaft hat auf die Umstellung der Postleitzahlen nicht gewartet. Sie muesste eigentlich ganz andere Probleme bewaeltigen", aergert sich ein Neckermann- Mitarbeiter im CW-Gespraech.

Dramatische Entwicklungen am Arbeitsmarkt zeichnen sich ab: Unter RZ-Konsolidierung und Downsizing-Trend leiden vor allem aeltere Mainframe-Spezialisten. Fuer Aufregung sorgt ein Stuttgarter Arbeitgeber, der einigen Mitarbeitern zum letztmoeglichen Termin per Telefax kuendigt.

Ein Unternehmen aus der Pfalz laesst seine Angestellten die Kosten fuer Weiterbildungsmassnahmen selbst zahlen. Insider erwarten eine Entlassungswelle, wie sie die Branche nie zuvor gesehen hat.

Der Trend vollzieht sich weltweit: In den USA sind im ersten Quartal des Jahres rund 18 000 Arbeitsplaetze in der Elektronikindustrie weggefallen. Tendenz: steigend. Seit 1989 hat die Branche in der Neuen Welt 325 000 Jobs gestrichen. Auch hierzulande sind Freisetzungen an der Tagesordnung. Ein Beispiel stellt die Triumph-Adler AG dar: Das Unternehmen zieht personelle Konsequenzen aus einem Rekordverlust von knapp 162 Millionen Mark.

Geschichtstraechtig ist der 14. Juni 1993 - der Tag, an dem erstmals in Deutschland ein Unternehmen der Computerbranche bestreikt wurde. Getroffen hat es zunaechst die Digital-Equipment- Niederlassung in Berlin, spaeter folgen weitere fuenf Filialen. Die Mitarbeiter wollen einen Haustarifvertrag durchsetzen, um ihre Arbeitsplaetze vor Rationalisierungsmassnahmen zu schuetzen.

Wer schluckt wen? Auch hier gibt es im Juni einiges zu berichten. Die CPV Datensysteme GmbH, Norderstedt, uebernimmt den in Konkurs gegangenen X.25- und ISDN-Spezialisten Stollmann GmbH Telecommunication. Der amerikanische PC-Hersteller AST unterzeichnet eine Absichtserklaerung, Teile des PC-Geschaefts von Tandy zu kaufen.

Rund 290 Millionen Dollar laesst sich Lotus den Datenbankhersteller Approach kosten. Storagetek, Anbieter von Speichersubsystemen, bekundet offenes Interesse am Wettbewerber Amperif Corp. Novell will sich die Serius Corp., eine Anbieterin objektorientierter Entwicklungs-Tools, einverleiben.

Computer Associates uebernimmt dagegen niemanden. Wozu auch? Ein Umsatzwachstum von 22 Prozent und ein Gewinnzuwachs von 57 Prozent (1,84 Milliarden Dollar) ruecken das Geschaeftsjahr 1992/93 in Rekordnaehe.

"Kein Geld fuer Umschulungen" - diese Meldung schockiert die Bildungstraeger. Die Bundesanstalt fuer Arbeit genehmigt - zunaechst fuer ein halbes Jahr - staatlich gefoerderte Fortbildungen nur noch in Ausnahmefaellen.

Eine Vision praesentiert Microsoft mit der "Windows-for- Washmachines"-Idee: Die Microsoft-at-Work-Architektur sieht vor, Windows zur Bedienoberflaeche fuer eine Vielzahl von Produkten zu machen - vom Haushaltsgeraet ueber Spiele bis hin zu Telefon und Kopierer. Waehrenddessen sind die COSE-Unternehmen weiter auf dem Vormarsch. Nach anfaenglichem Zoegern hat sich auch DEC in die Phalanx der Unix-Verfechter eingereiht.

Nach Compaq-Chef Eckhard Pfeiffer erobert ein zweiter deutscher Topmanager den Thron eines der grossen US-Unternehmen: Michael Spindler, vormals Chief Operating Officer, loest Apple-Chef John Sculley ab.

(wird fortgesetzt)