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07.01.1994

Duell Microsoft gegen IBM bestimmt das Rezessionsjahr Big Blues Niedergang hat den DV-Markt veraendert (Teil 2)

Verluste, Konkurse, Entlassungen, Uebernahmen - schlechte Nachrichten ueberwogen in der zweiten Haelfte des abgelaufenen Jahres. Dennoch war auch einiges zu berichten, was Anlass zur Hoffnung gibt. Dazu zaehlt etwa das rasant gestiegene Interesse der Anwender an der Dezentralisierung ihrer Datenverarbeitung sowie die Hinwendung zu offenen, Client-Server-basierten Architekturen. Auch sind die DV-Anbieter dem Wunsch vieler Kunden, auf breiter Ebene Standards zur Verfuegung zu stellen, ein ganzes Stueck naeher gekommen - nicht zuletzt durch den engen Schulterschluss der Unix- Anbieter.

Von Sommerloch keine Spur - zu sehr schreckt der Konkurs der GMO AG die deutsche DV-Branche auf. Unternehmensgruender Hasso Wien hat eine Erklaerung fuer den Niedergang parat: "Die unkontrollierte Akquisitionspolitik" des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Niklaus Dobler sei schuld. Analysten sehen als Hauptproblem der GMO eher die traditionell enge Bindung an die schwer angeschlagene IBM .

Diese orientiert sich nun an den Gewinnern der Branche. Eine enge Partnerschaft vereinbart Big Blue mit der SAP AG, dem laut Luenendonk-Liste inzwischen groessten deutschen Softwarehaus. Im Gegensatz zu SNI erhaelt Big Blue jedoch keine Lizenzrechte an den Produkten der Walldorfer.

Inzwischen hat sich auf der DV-Weltbuehne Wichtiges ereignet: Die Novell Inc. wird - wie zum Jahreswechsel angekuendigt - 100prozentige Eignerin der Unix System Laboratories (USL) und gibt dafuer drei Prozent ihrer Ak-tien an deren Muttergesellschaft AT&T ab.

Auch der PC-Markt ist in Bewegung. Compaq-Chef Eckhard Pfeiffer springt ueber seinen Schatten und gibt die PC-Reihen Contura, Prolinea und Deskpro/i fuer die Vermarktung in den nunmehr 130 deutschen Niederlassungen der Vobis AG frei. Waehrend Compaq traumhafte Umsatz- und Gewinnentwicklungen meldet, steht die deutsche Tandon GmbH vor einem Scherbenhaufen. Ueberschuldet muss das Unternehmen Konkurs anmelden. Wenige Monate spaeter feiert Tandon auf der Systems '93 mit der alten Mannschaft Wiederauferstehung.

Auch bei Apple sieht es nicht gut aus: Rund 2500 Arbeitsplaetze will der soeben inthronisierte CEO, der Deutsche Michael Spindler, weltweit abbauen.

Unterdessen schreiten die Sanierungsmassnahmen bei Big Blue voran. Geruechten zufolge sollen bis Ende 1993 bis zu 70 000 Mitarbeiter weniger auf der Payroll stehen. Ausserdem raeumt der neue Chef Louis Gerstner im Board of Directors gruendlich auf. Diverse Mitglieder hatten Zweifel an ihrer IT-Fachkompetenz aufkommen lassen. Innerhalb der neugegruendeten Power-Personal-Systems-Division bereitet IBM die Vermarktung von Desktop- und Portable-PCs mit Power-Chip vor. Ausserdem wird in den USA die Tochtergesellschaft Ambra gegruendet, deren Aufgabe die Vermarktung von Low-cost-PCs ist.

Outsourcing ist in aller Munde - vor allem die arg gebeutelte Automobilindustrie beschaeftigt sich mit diesem Thema. Die Stuttgarter Kautt & Bux GmbH waehlt EDS zum Servicepartner. Derweil erhaelt die IBM Deutschland GmbH ihren ersten Grossauftrag von der angeschlagenen FAG Kugelfischer AG.

Schlecht geht es nicht nur den Schweinfurtern, schlecht geht es auch einer Reihe von Schulungsanbietern. So muss das Computer Data Institut (CDI), groesster DV-Bildungstraeger in Deutschland, Schulungsstandorte aufgeben und Stellen streichen. Schliesslich kuendigt Integrata an, das Seminargeschaeft von CDI zu uebernehmen.

Ein weiteres Opfer der Misere am Schulungsmarkt ist die SPC International, die mitsamt ihrer Muenchner Tochter SPC Computer Training GmbH Konkurs anmelden muss. Die Situation der Ausbildungsstaetten spiegelt die der Industrie wider, in der Stellenabbau an der Tagesordnung ist. So reiht sich Tandem in die Liste der Hersteller ein, die wegen massiver Verluste ihre Belegschaft reduzieren muessen.

Aehnliches gilt fuer die Groupe Bull, die nach herben Rueckschlaegen im ersten Quartal 1993/94 bis Ende naechsten Jahres 6500 Arbeitsplaetze abbauen will. Die Franzosen denken nun offen ueber eine Intensivierung der Partnerschaft mit NEC nach. Linderung soll ausserdem ein Buendnis mit dem amerikanischen PC-Hersteller und - Discounter Packard Bell schaffen, an dem sich Bull mit 20 Prozent beteiligt hat.

Auch die deutsche NCR muss im ersten Halbjahr 1993 mit einem Umsatzrueckgang um drei Prozent auf rund 400 Millionen Mark fertig werden. Einem Strategiewandel im PC-Geschaeft sollen rund 230 Arbeitsplaetze im Augsburger Werk geopfert werden. Zu den wenigen Unternehmen, die auch in schlechten Zeiten gute Ergebnisse vorweisen koennen, gehoert Hewlett-Packard.

Angesichts der Krise in der DV-Industrie mag bei amerikanischen und europaeischen Anbietern ein wenig Schadenfreude aufkommen: Auch Japans Anbieter laesst die Nachfrageschwaeche am Weltmarkt nicht ungeschoren. Betroffen sind vor allem die unter dem Verfall des Grossrechner-Business leidenden Companies Fujitsu, Hitachi und NEC.

Bei der IBM nimmt die Sanierungswelle ungeahnte Ausmasse an. Ende 1994 will Big Blue nun seine Gehaltsliste auf 225 000 Namen zusammengestrichen haben. Das bedeutet den Abbau von rund 85 000 Arbeitsplaetzen weltweit - und die Investition von rund sechs Milliarden Dollar in die Abfindung ausscheidender Mitarbeiter. Aufsehen erregt IBM-Chef Gerstner mit dem Statement: "Das letzte, was IBM braucht, ist eine Vision". Benoetigt wuerden marktbezogene, effiziente Strategien fuer jeden Geschaeftsbereich. Kritiker werfen dem IBM-Obersten eine Buchhaltermentalitaet vor.

Aerger mit dem Gesetz hat sich wieder einmal Microsoft eingehandelt. Zwar hat der Softwaregigant von der amerikanischen Antitrust-Behoerde Federal Trade Commission (FTC) traditionell wenig zu befuerchten, doch schalten sich jetzt erstmals die US- Justizbehoerden ein. Nun geht es nicht mehr nur um die bekannten wettbewerbsrechtlichen Querelen.

Zwei neue Anklagen wegen Verletzungen des Patentrechts stehen im Raum, die sich Bill Gates von Stac Electronics und Wang Laboratories eingehandelt hat. Wang bezweifelt die Microsoft- Abstammung der OLE-Technik und Stac behauptet, der Softwarekroesus habe fuer sein DOS-6.0-Produkt "Doublespace" Technologie der Kompressionssoftware "Stacker" entliehen.

Ueberhaupt beherrscht Microsoft im August die Schlagzeilen. PC- Gazetten behaupten, MS-DOS sei tot. Entsprechende Geruechte werden dadurch genaehrt, dass der Hersteller bestimmte Applikationen im DOS-Umfeld nicht mehr weiterentwickeln will. Wozu auch? Chicago (Windows 4) wird ohne die Grundlage DOS laufen. Dennoch wird das DOS-Sterben offiziell dementiert. Auf die fehlerhafte Version 6.0 reagiert Microsoft mit dem "Major-Upgrade" 6.2, das in Wirklichkeit eine Nachbesserung darstellt.

Hiebe muss Bill Gates auch fuer das einstecken, was er unzaehligen Unternehmen vorab als Windows NT anbietet. "Wir halten es fuer derzeit unzumutbar, Software auf NT-Basis einzusetzen, da die Stabilitaet der Betriebssystem-Plattform im Moment schlichtweg zu gering ist", urteilt Ulrich Dietz, Geschaeftsfuehrer der Gesellschaft fuer Technologietransfer (GFT). Sowohl als Server- als auch als Client-System, so zeigt eine Befragung von US-Testern, gibt NT Grund zur Beanstandung.

Gedaempfte Stimmung herrscht im Unix-Camp: Lange Jahre hatte die Herstellerorganisation Unix International Corp. die reine Unix- Lehre verkuendet, jetzt versagen die Sponsoren dem Gremium ihre Unterstuetzung. Fuer die Vereinheitlichung von Unix ist nun die COSE-Initiative zustaendig, in der gleichermassen ehemalige Unix- International- und OSF-Mitglieder vertreten sind. Als ausfuehrendes Organ ist die X/Open vorgesehen - fuer Unix International gibt es keine Aufgabe mehr.

Auch die EG befasst sich nach einer Beschwerde von Novell mit den Geschaeftspraktiken von Microsoft. In den USA versuchen derweil die Justizbehoerden zu klaeren, ob die mehrmaligen Versuche von Bill Gates, die Novell Inc. zu uebernehmen, ein kartellrechtlich unzulaessiger Versuch der Monopolbildung waren. Der September ist auch der Monat, in dem sich der Microsoft-Chef persoenlich die Muehe macht, nach Deutschland zu reisen, um dort Windows NT sowie den Advanced Server freizugeben. NT steht nun nicht mehr fuer "Not there", wie Kritiker zuletzt gespoettelt hatten.

Auch scheint die IBM an ihre These, bei NT handele es sich um einen "Nice try", selbst nicht mehr zu glauben - darauf laesst zumindest Big Blues Engagement in der COSE-Gruppe schliessen. In New York verbruedern sich 24 Computerfirmen, darunter neben den Initiatoren IBM und Hewlett-Packard auch AT&T, DEC und Novell, um im Rahmen der COSE-2-Initiative ein Superset von Programmier- Schnittstellen zu entwickeln.

Ob nun mit Unix oder NT - die Anwender wollen Client-Server- Loesungen realisieren. Grosse Aufmerksamkeit erregt eine Studie von Dun & Bradstreet, aus der hervorgeht: Unklarheiten ueber die Einfuehrungskosten und Skepsis des Topmanagements sind die Hauptursachen dafuer, dass noch mit der Realisierung von Client- Server-Strukturen gezoegert wird. Dennoch scheint in diesem Markt ein grosses Wachstum vorprogrammiert zu sein. Laut Input sind im Client-Server-Softwaremarkt jaehrliche Steigerungsraten von 70 bis 80 Prozent realistisch. X/Open-Untersuchungen bei Anwendern belegen diesen Trend ebenfalls.

Input macht sich auch ueber die europaeische Software-Industrie Gedanken. Die Branche habe die Talsohle erreicht, 1993 duerfe mit einem Wachstum von sechs Prozent gerechnet werden. Im naechsten Jahr gehe es wieder aufwaerts, lautet die Prognose.

Ob dies auch fuer die IBM gilt, bleibt dahingestellt. Fuer Louis Gerstner nehmen die Sorgen jedenfalls kein Ende. Eine Reihe von Topmanagern wirft das Handtuch. Dennoch findet der ehemalige Nabisco-Chef noch genug Fuehrungskraefte, um ein "Executive Committee" zu gruenden. Ziel der zehnkoepfigen Fuehrungs-Crew ist es, die Beziehungen zwischen den einzelnen Geschaeftsbereichen zu verbessern. Kein Zweifel, Gerstner arbeitet an der Rezentralisierung der IBM.

Die New Yorker Finanzberater von Moody's Investors Service beurteilen die Bonitaet der IBM deutlich schlechter als in den Jahren zuvor. Dennoch: Was die Technologie betrifft, geht es mit der IBM voran. Erste Workstations und Server-Systeme werden vorgestellt, die auf der Power-RISC-Architektur basieren.

Hierzulande erregt IBM mit einem Wechsel im Management Aufmerksamkeit. Hans-Olaf Henkel, bisher Vorsitzender der IBM Deutschland GmbH, wird Praesident der Europa-Niederlassung in Paris, wo er Renato Riverso abloest. Henkels Position in Deutschland uebernimmt sein bisheriger Stellvertreter Edmund Hug.

IBM-Partner SAP muss aufpassen, dass ihm die hollaendische Baan Holding B.V. am internationalen Markt nicht das Wasser abgraebt. Die von der Gartner Group als ernstzunehmender Widersacher der Walldorfer beurteilten Softwerker uebernehmen ihren Hannoveraner Vertriebspartner Space GmbH zu 60 Prozent.

Auch bei den grossen Hardware-Anbietern tut sich einiges. Neuen Schwung will der kalifornische PCMer Amdahl mit der Einfuehrung von Profit-Centern in das lahmende Geschaeft bringen. Olivetti bestaetigt Geruechte, die bereits seit Jahresbeginn in Umlauf sind: RISC-Workstations der Italiener laufen kuenftig nur noch mit dem Alpha-Chip von Digital. Die Mips-Linie von Silicon Graphics soll aufgegeben werden. Der Grund fuer diesen Wandel liegt auf der Hand: Bis Jahresende will DEC seine gegenwaertig vier Prozent der Anteile am Olivetti-Aktienkapital verdoppeln.

Windows NT ist da - aber wer braucht es? IDC hat 500 europaeische Unternehmen befragt. Davon kalkulieren nur sechs Prozent bis einschliesslich 1994 mit NT als Server-System. Auf Client-PCs werde NT dagegen erfolgreicher sein. Mit einer schnell steigenden Nachfrage rechnet offenbar auch die SAP AG, die anlaesslich der Systems '93 bekanntgibt: R/3 laeuft schon im Maerz 1994 unter NT - ein halbes Jahr frueher als vorgesehen.

Je groesser die NT-Euphorie, desto aktionistischer gibt sich die Unix-Gemeinde. Mit Erfolg uebt sie Druck auf Novell aus, das Unix- Markenzeichen an die X/Open abzutreten. Die Herstellerorganisation darf kuenftig bestimmen, welches Betriebssystem sich Unix nennen darf. Erfolge meldet auch die COSE-Gruppe, die ihre einheitliche Benutzerumgebung Common Desktop Environment (CDE) nahezu fertigstellt.

Auf Kooperation setzt die Darmstaedter Software AG, die nach einer Marketing-Partnerschaft mit NCR nun ebenfalls eine enge, weltweit gueltige Allianz mit Apple eingeht. Erklaertermassen wollen die Partner Anwenderunternehmen einen Weg vom Mainframe in die verteilte Client-Server-Welt bahnen.

Apple, wegen seiner Newton-PDAs in aller Munde, wartet im Oktober noch mit weiteren Ueberraschungen auf. So soll das Macintosh- Betriebssystem kuenftig auch fuer andere PC-Umgebungen freigegeben werden. Und: Chairman John Sculley laesst sich seinen Abgang versilbern, nachdem er drei Monate zuvor den Chefsessel fuer Michael Spindler raeumen musste.

Am PC-Markt verschaerfen sich die Fronten. IBM vermarktet PCs ueber Inmac, einen der grossen amerikanischen Direktvertreiber. Fuer OS/2 strebt Big Blue eine Vertriebsallianz mit der Vobis AG an. Der Discounter kuendigt seinerseits zur Systems an, kuenftig auch Novell-Produkte zu vermarkten.

Novell unterstreicht derweil seine Absicht, mit der PC-Unix- Variante Unixware offensiver als bisher in den Intel-Markt zu draengen. Offenbar will Ray Noorda seinem Kontrahenten Bill Gates den Markteintritt mit Windows NT so schwer wie moeglich machen. Im Gegenzug drueckt Microsoft die Preise fuer den Windows NT Advanced Server unter den des Netware-Betriebssystems von Novell.

Viel Aerger hat sich das Frankfurter PC-Softwarehaus KHK mit seinen Haendlern eingehandelt. Zankapfel ist das Softwarepaket "Classic Line", dessen fehlerhafte Version 7.0 den Fachhandel in arge Verlegenheit gebracht hatte, zumal sich KHK offenbar erst sehr spaet bereit fand, noetige Korrekturen durchzufuehren.

Unberuehrt von all den Scharmuetzeln im PC-Markt denkt Olivetti- Chairman Carlo De Benedetti an das grosse Ganze. Die europaeische DV-Industrie koenne nur ueberleben, wenn die Subventionierungen im DV- und Telekommunikationsbereich aufhoerten. Ferner sei es dringend an der Zeit, sich Gedanken ueber die Herstellung einer europaeischen Netzinfrastruktur zu machen. Ein "Information Highway" fuer Europa muesse her.

Vor der eigenen Tuer kehrt dagegen Bernard Pache, Chef der Groupe Bull. Er legt ein Sanierungskonzept vor, das einen strategischen Wandel des Unternehmens vorsieht. Partnerschaften mit NEC, Cisi, Packard Bell und der IBM sollen Bull dabei helfen, den Ausstieg aus der Mainframe-Welt zu schaffen und ein modernes PC-, Software- und Dienstleistungsgeschaeft entstehen zu lassen.

Doch all diese Massnahmen nuetzen dem gluecklosen Pache nichts mehr, er muss seinen Platz fuer Nachfolger Jean-Marie Descarpentries raeumen - wie Pache kein Fachmann in DV-Fragen. Der Neue erhaelt von Industrieminister Gerard Longuet alle Vollmachten, um eine moeglichst schnelle Privatisierung der mit 2,7 Milliarden Mark verschuldeten Groupe Bull durchzufuehren.

Schlecht sind auch die Nachrichten, die sich ueber Digital-Kienzle verbreiten. DEC plant den Abbau von 1300 Arbeitsplaetzen - betroffen ist vor allem der Standort Villingen. Auch der SNI AG macht die anhaltend schwache Geschaeftsentwicklung zu schaffen. Sie zieht personelle Konsequenzen und macht Robert Felix Hoogstraten zum neuen Vertriebsvorstand. Der ehemalige Tandem-Manager loest das Duo Otto-Hermann Grueneberg und Heinz-Dieter Wendorff ab.

Bei Grossanwendern haeufen sich die Faelle, in denen die zentrale Mainframe-DV einer modernen Client-Server-Konzeption auf PC- und Workstation-Basis weichen muss. Prominentes Beispiel ist die Muenchner Knorr Bremse AG, die bis 1995 nicht nur den Grossrechner, sondern bis zu 4000 individuelle Assembler-Anwendungen ausmustern will. Statt dessen soll Standardsoftware von Ask und SAP eingesetzt werden.

Einen grundsaetzlich anderen Weg waehlt der Hannoveraner Reifenhersteller Continental AG: Gemeinsam mit der IBM Systeme und Netze und der Preussag-Tochter Gesis beschliesst Conti die Gruendung einer Betreibergesellschaft, die RZ- und Netzwerkaktivitaeten uebernehmen soll. Outsourcing ist auch bei der Lufthansa ein Thema. Die Fluggesellschaft vergibt Entwicklung und Wartung ihres Abrechnungssystems an die Hamburger PU-Holding, eine gemeinsame Tochter von Preussag und BHW.

Am Dienstag, dem 2. November 1993, wird gegen Olivetti-Chairman Carlo De Benedetti Haftbefehl erlassen. Der Grund wird offiziell nicht genannt, man geht jedoch davon aus, dass es die bereits im Fruehjahr erhobenen Korruptionsvorwuerfe sind, denen sich der italienische Wirtschaftsmogul nun stellen muss.

Aufatmen bei der IBM. Bislang musste Big Blue fuer jede verkaufte OS/2-Lizenz Gebuehren an Microsoft entrichten, weil das Betriebssystem MS-DOS- und Windows-Code enthielt. Das wird nun anders. Zur Comdex stellt Big Blue eine OS/2-Variante vor, die ohne Microsoft-Code auskommt.

Nur die PC- und die Service-Unit sorgen bei der IBM gegenwaertig fuer positive Schlagzeilen. Ansonsten deuten stagnierende Umsaetze und der fuenfte Quartalsverlust in Folge darauf hin, dass Gerstner die Probleme noch nicht im Griff hat. Besorgniserregend sind aus IBM-Sicht vor allem Geschaeftsrueckgaenge bei den RISC-Rechnern der RS/6000-Reihe und bei den AS/400-Maschinen. In Deutschland macht IBM-Mitarbeitern die Ankuendigung Sorgen, dass bis Ende 1995 weitere 6000 Arbeitsplaetze wegfallen sollen.

Als ersten Schritt in die Welt der Parallelverarbeitung werten Insider Big Blues Praesentation der neuen "S/390 Parallel Query Server" und "S/390 Parallel Transaction Server". Es handelt sich um Vorschaltrechner fuer ES/9000- und einige ES/3090-Systeme, die auf vergleichsweise preiswerter CMOS-Technologie basieren und besonders fuer Parallel- und Datenbankverarbeitung geeignet sind.

Mit enttaeuschten Entwicklern muss sich unterdessen Microsoft herumschlagen. Unruhe ist entstanden, weil Windows NT als Front- end zu hohe Leistungsansprueche an die Client-Plattform stelle. Ausserdem wollen Anwender wissen, ob sie mit NT oder den Zukunftsprodukten Chicago und Cairo planen sollen. Amuesiert beobachtet die Branche das Verhalten der COSE-Gruender IBM und Hewlett-Packard, die ankuendigen, Windows NT werde auch auf Power- RISC-Rechnern von Big Blue beziehungsweise auf PA-RISC-Systemen von HP laufen.

Unter der weltweiten Rezes- sion leiden besonders die Hardwarehersteller. So muss die Tandem Inc. Gehaelter kuerzen und mit 1000 Mitarbeitern mehr Personen freistellen als urspruenglich vorgesehen. Siemens-Nixdorf faehrt 1992/93 wie erwartet Verluste ein, die allerdings mit 419 Millionen Mark um gut 18 Prozent unter denen des Vorjahres liegen. Trotzdem macht sich SNI weiter Sorgen: Der Auftragseingang geht um sieben Prozent, der Umsatz gar um neun Prozent (11,9 Milliarden Mark) zurueck.

Groesste Schwierigkeiten haben auch die PCMer: Rund 1800 Arbeitsplaetze will Amdahl abbauen. Ein Grund: Im dritten Quartal 1993 wurde bei stark ruecklaeufigem Umsatz ein Rekordverlust von mehr als 275 Millionen Dollar gemacht.

Wirbel gibt es auch in Mannheim und Neu-Isenburg: Comparex und Hitachi Data Systems (HDS) teilen den europaeischen Markt neu unter sich auf. Pro Nation soll nur noch einer der beiden Anbieter aktiv sein. Fuer Deutschland heisst das: Die BASF-Tochter Comparex uebernimmt die Betreuung der rund 150 installierten HDS-Systeme - zum Aerger vieler Anwender.

Zu den Management-Schlagworten des Jahres gehoeren "Business Re- Engineering", "Geschaeftsprozessorientierung" oder auch "Business Transformation". Dahinter steckt in der Regel die Neuorganisation der Geschaeftsablaeufe mit dem Ziel, schnellstmoeglich auf Markttendenzen reagieren zu koennen und den Kunden in den Mittelpunkt aller Bemuehungen zu ruecken.

Diese Entwicklung fuehrt dazu, dass die Informationstechnologie eine andere Wertung erfaehrt. Eine repraesentative Umfrage der Duesseldorfer Droege & Comp. GmbH zeigt: Wichtigste Aufgabe der IT ist die Verkuerzung von Durchlaufzeiten. Ferner soll sie eine groessere Kundennaehe gewaehrleisten und die Reaktion auf Marktveraenderungen beschleunigen helfen.

Eine heftige Diskussion entspinnt sich, ob diese Ziele mit den bisher genutzten DV-Mitteln zu erreichen sind? "Das Reverse- Engineering von Cobol-Anwendungen muesste verboten werden", lautet die provokative These von Jan Baan, President des gleichnamigen hollaendischen Softwarehauses.

Was lange waehrt, wird endlich gut - zumindest bei der OSF, die endlich ihr Distributed Management Environment (DME) freigibt. Allerdings laesst die Software fuer das System-Management noch wichtige Netz-Komponenten vermissen, darunter die Einbindung der De-facto-Standardprotokolle SNMP und CMIP.

Outsourcing ist in - ob voruebergehend, wie bei der Colgate Palmolive GmbH, oder auf Dauer, wie bei der Lufthansa. Waehrend sich Colgate mit der IBM fuer einen begrenzten Zeitraum einigt, um eine verteilte AS/400-Umgebung einzufuehren, plant die Fluggesellschaft gemeinsam mit dem Ruesselsheimer Serviceanbieter EDS die Gruendung eines Systemhauses e la Debis.

Spektakulaer ist auch ein Outsourcing-Deal, den EDS Scicon mit den englischen Finanzbehoerden abschliesst und dessen Wert auf zwei bis drei Milliarden Mark beziffert wird. Englands Steuerzahler bewegt nun die Frage: Wie laesst sich garantieren, dass sensible Daten nicht in die falschen Haende geraten? Gluecklich schaetzen darf sich auch EDS-Wettbewerber CSC, der mit der British Aerospace Plc. einen Vertrag von aehnlichen Dimensionen abschliessen kann.

SAP und Hewlett-Packard erregen als Lieferanten von Schluesseltechnologien fuer ein Mega-Downsizing-Projekt beim US- Konzern Chevron weltweit Aufsehen. Ebenso redet die Branche ueber Sunsoft: Das Unternehmen will als erster Unix-Anbieter eine objektorientierte Benutzerumgebung auf den Markt bringen. Die Nextstep-Oberflaeche von Steven Jobs wird zum strategischen Produkt bei Sun.

Fuer Deutschland registriert Diebold ein Missverhaeltnis zwischen dem, was IT-Abteilungen an Dienstleistungen anbieten, und dem, was die Anwender in den Fachabteilungen fordern. Das "dezentrale Chaos" drohe, weil sich die DV-Chefs noch zu sehr mit ihren althergebrachten DV-Aufgaben in der zentralen DV beschaeftigten.

Microsoft reagiert auf Anwenderkritik zu Windows NT und verspricht, noch in der ersten Haelfte des naechsten Jahres eine nachgebesserte Version der Server-Variante zu liefern. Geschwindigkeit und Speicheranforderungen sollen deutlich optimiert werden - beides reichte den Benutzern nicht aus.