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10.01.1975 - 

In den USA:

Düstere EDV-Ausschitten für 1975

MÜNCHEN/USA - Amerikas EDV-Manager schlagen ihre Mantelkrägen hoch und ziehen die Hüte tief ins Gesicht - als ob sie in einen langen, kalten Winter hineinmarschierten.

Hauptgrund für diese Anwandlungen sind nicht etwa besorgniserregende Wettervorhersagen als vielmehr düstere Budget-Aussichten. Im Durchschnitt werden die EDV-Budgets nur um etwa 10,5 Prozent steigen - das entspricht annähernd der gegenwärtigen Inflationsrate in den USA.

Demgegenüber stehen allgemeine, rapide Kostensteigerungen, wie beispielsweise die für Papier und für Gehälter. Es ist keine Ausnahmeerscheinung, wenn amerikanische EDV-Leiter in diesem Jahr allein 20 bis 30 Prozent ihres Etats vorsorglich für Papierkosten einplanen. Zwischenzeitliche Steigerungen um 150 Prozent, von 50 000 US-Dollar auf 125 000 US-Dollar pro Jahr, das zeigt sich am Beispiel des EDV-Zentrums einer großen US-Universität, sind nicht mehr ungewöhnlich.

Das Bestmögliche herausholen

So fürchten die US-Top-Datenverarbeiter, daß in ihren Budgets nicht mehr viel "Luft" für die Anschaffung neuer, teurer Hardware und die Übernahme neuer, kostenintensiver Anwendungsbereiche bleiben wird. Stattdessen hoffen sie, durch die Konsolidierung und Verfeinerung bestehender EDV-Verfahren das Bestmögliche herauszuholen.

Bezeichnend für das sich ausbreitende, strenge Kostendenken ist folgende, sarkastische Bemerkung eines EDV-Direktors: "Meine Herren waren jahrelang gewohnt, stets den neuesten, teueren EDV->Schrei< mitzumachen. Jetzt machen sie einen Lernprozeß durch und fragen sich zuerst, wie steht es mit dem Kosten-Leistungs-Verhältnis einer Anlage?"

Von der 370 auf die 360 zurückgehen

Nicht wenige amerikanische Anwender sprechen jetzt ernsthaft davon, ihre IBM 360-Anlage zu vergrößern bzw. die bestehende unverändert bis zur kommenden Computer-Generation beizubehalten. Andere beabsichtigen sogar, von ihrer neuen 370 auf eine 360 zurückzugehen und gegebenenfalls notwendige Aufstockungen durch die Anmietung von second-hand-Peripherievorzunehmen.

Morgenluft wittern jetzt unabhängige Verkäufer und Vertriebs-Gesellschaften:

Erstmalig sollen bisher hartnäckige IBM-Anwender bereit sein, die Marke zu wechseln. . .

Auf neue Kunden hoffen auch Mikrofilm-Hersteller. Durch die exorbitanten Papierpreise geschockt, wollen es einige EDV-Manager jetzt mit Mikrofilm versuchen.

Unis erwarten Budget-Kürzungen

Insbesondere EDV-Org-Bosse der staatlichen Universitäten machen sich Sorgen, ob sie auch 1975 in der Lage sind, die Leistungen ihrer EDV-Zentren auf dem selben Stand zu halten wie in den vorangegangenen Jahren. "Die Öffentlichkeit ist in zunehmendem Maße ernüchtert von unseren, wie sie meint, noch unzureichenden Leistungen", stellt der EDV-Direktor einer Universität bitter fest. Etwas gutes habe die gegenwärtige ernste Lage jedoch: "Die Mitarbeiter sind eifriger als früher bemüht, ihre Stellungen nicht zu verlieren. Und sie werden dafür produktiver sein müssen." Das werde den EDV-Zentren an den amerikanischen Universitäten die Aufgabe erleichtern, trotz der wahrscheinlichen Budget-Kürzungen den EDV-Service in einem vertretbaren Niveau beizubehalten.

Von bevorstehenden Entlassungen, so betonen die meisten EDV-Manager, könne keine Rede sein. Allerdings werde zukünftig schärfer geprüft, ob bei natürlicher Fluktuation Ersatzbeschaffung notwendig sei. Dagegen sind die Stimmen ganz eindeutig in der Minderheit, die von beträchtlichen Neueinstellungen sprechen.

Erträglicher Inflationsausgleich

Trotz der geringen Neigung, jetzt neue Leute anzuheuern, sind die US-EDV-Bosse durchaus bereit, ihren Mitarbeitern in Form von Gehaltserhöhungen einen einigermaßen erträglichen Inflationsausgleich zuzubilligen. Für die ersten 10 000 US-Dollar eines Jahres-Brutto-Gehaltes können das im Durchschnitt zehn Prozent sein, 7,5 Prozent für die nächsten 6 000 US-Dollar und fünf Prozent für jede weiteren 5 000 US-Dollar.

"Es hat doch keinen Sinn, den EDV-Bereich jetzt auszuhungern. Dann ist der ganze Laden schwach, wenn die Geschäfte wieder besser gehen", erklärt der Operations- und Software-Manager einer großen Anwender-Firma.