Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Heinrich-Hertz-Institut veröffentlicht Studie über Textdarstellung auf Bildschirmen:


25.10.1985 - 

Düstere Zukunft für Texte in starken Farben

BONN (sch) - Neue Zeichen bei der Textdarstellung auf Bildschirmen setzen möchte das Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik. Eine kürzlich veröffentlichte einschlägige Studie der Berliner Forschungsstätte nimmt insbesondere das Btx-System unter die Lupe. Zwei Highlights dieser Expertise: Gefordert werden mehr ungesättigte Farben für die Textgestaltung und weniger fest gerasterte Schriftzeichen.

In dem vier Jahre dauernden, vom Bundesministerium für Forschung und Technologie unterstützten Projekt des Heinrich-Hertz-Instituts wurde zunächst die "objektive Eignung" der in Frage kommenden gestalterischen Maßnahmen untersucht. Als Leistungsmaße dienten dabei unter anderem der Zeitbedarf und die Fehlerquoten. Darüber hinaus flossen aber auch mit Hilfe von Fragebögen und Interviews ermittelte subjektive Beurteilungen in die Expertise mit ein.

Thematische Schwerpunkte bildeten im Rahmen dieser Forschungen die Schriftgestaltung, die Eignung von Farben, die Verwendung von Piktogrammen sowie die Gestaltung der Nutzerführung. Im Hinblick auf Größe und Form von Schriftzeichen kristallisierte sich zum Beispiel heraus, daß eine experimentell optimierte Proportionalschrift festgerasterten Schriftzeichen nach dem derzeitigen Btx-Standard (Cept-Norm) vorzuziehen ist.

Die individuellen Zeichenbreiten der Proportionalschrift führen laut Studie zu geschlosseneren Wortkonturen und verbessern in Verbindung mit einem ausreichenden Zeilenabstand den Lesekomfort beträchtlich. Die gewählte Schrifthöhe von neun Bildzeilen pro Halbbild trägt den Angaben des Berliner Instituts zufolge auch dem für Fernsehgeräte üblichen Betrachtungsabstand Rechnung. Und der Übergang von einer festgerasterten Schrift zur Proportionalschrift steigere das Lesetempo um über sechs Prozent. Eine Vergrößerung dieser Schrift gegenüber der Btx-Schrift könne bei bestimmten Programmteilen wie Suchaufgaben sogar Leistungssteigerungen von über 20 Prozent bewirken.

Orange und Purpur ungünstig

In den durchgeführten Farbuntersuchungen konnte nachgewiesen werden, daß nur schwach gesättigte Farben für Textdarstellungen auf dem Bildschirm in Frage kommen. Besonders gut schnitt laut Projektleiter Sigmund Pastoor die Kombination von einer weißen Schrift mit einem dunklen cyanblauen Hintergrund ab. Hochgesättigte Töne wie beispielsweise die Knallfarben Orange und Purpur verschlechterten die Lesbarkeit von Texten hingegen deutlich. Aber auch mit einem gesättigten Grün könne man keinen Staat einlegen.

Man solle vielmehr die im Rahmen des neuen Cept-Standards gegebenen Möglichkeiten zur Farbaufhellung nutzen. Einschränkend fügt Pastoor jedoch hinzu: "Reine Schwarz-weiß-Darstellungen haben übrigens bei den Untersuchungen auch nicht schlechter abgeschnitten als gut bewertete Farbkombinationen." Farben hätten für die Textdarstellung also nur einen begrenzten Nutzwert.

Was bei einer Textgestaltung die Übersichtlichkeit von Informationsverzeichnissen beziehungsweise Menüs betrifft, so könnten hier Piktogramme eine Verbesserung von über 40 Prozent erbringen. Für gelegentliche Benutzer empfehle es sich, bei Informationsrubriken Bild und Text zu kombinieren. Bei der Gestaltung von Bedienungshinweisen stellt sich - so das Berliner Institut in seiner Expertise weiter - auch die Frage nach einer günstigen Markierung und Anordnung sowie nach der Verwendung von bildhaften Symbolen. Empfehlenswert seien schwache Markierungsformen wie zum Beispiel ein leichter Helligkeitskontrast bei der Hintergrundfarbe oder eine Trennlinie zwischen Hinweisfeld und Informationsbereich.

Systemmeldungen sollten nach Möglichkeit in die unterste Bildschirmzeile und permanent vorhandene Hinweise unmittelbar darüber angeordnet werden. Für Systemmeldungen sei es zur Steigerung der Aufmerksamkeit ratsam, Bildsymbole zu verwenden.

Aus der Sicht der Berliner Forscher wurden sämtliche Ergebnisse durch die subjektive Beurteilung der befragten Informationsnutzer eindrucksvoll bestätigt. Je nach Themenschwerpunkt zog das Heinrich-Hertz-Institut dabei zwischen 20 und 50 Personen für die Interviews heran. Dazu nochmals Sigmund Pastoor: "In der Regel wurden keine Btx-Benutzer gefragt, sondern Personen, die keine besonderen Vorkenntnisse hatten." Etwas bedauerlich fand es der Projektleiter übrigens, daß die Ergebnisse des Projekts für das Btx-System "im Grunde genommen etwas zu spät kamen, denn einige Sachen hätten dort bestimmt besser gemacht werden können".

Die Studie "Textdarstellung auf Bildschirmen" gliedert sich in einen Teil mit allgemeinen Empfehlungen und einen zweiten Teil mit ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Experimente. Sie kann beim Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik Berlin, Einsteinufer 37, 1000 Berlin 10, bezogen werden.