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PC-Unterlegenheit häufig im ergonomischen Bereich


25.10.1991 - 

"Dumme Terminals" haben ihre Daseinsberechtigung behalten

Organisationsspezialisten und DV-Experten erklären bereits seit Jahren daß in einer modernen Arbeitsplatz -Umgebung das dumme Standard-Terminal keine Existenzberechtigung mehr hat, sondern zukünftig durch Bildschirmsysteme mit eigener Intelligenz, beispielsweise durch PCs, ersetzt wird. Allen Unkenrufen zum Trotz blieb das prophezeite Terminal-Sterben bislang jedoch aus.

Im Zuge der wachsenden Konkurrenz durch die zunehmende Bedeutung der Standardisierung bei gleichzeitig steigenden Qualitätsansprüchen der Bediener - insbesondere bezüglich der Ergonomie - geriet der Terminal-Markt in den 80er Jahren heftig in Bewegung.

Einige Anbieter von Low-cost-Produkten, die den ergonomischen Mindestanforderungen nicht gerecht werden konnten, verschwanden sogar völlig von der Bildfläche. Zu Beginn der 90er Jahre läßt sich jedoch feststellen: Anstelle stagnierender oder gar

rückläufiger Absatzzahlen können bei Bildschirm-Terminals noch immer Zuwachsraten verbucht werden.

Ursächlich bedingt ist diese Entwicklung im wesentlichen durch die ständig wachsende Zahl der mit intelligenten oder dummen Bildschirmen ausgestatteten Arbeitsplätze. Immer mehr Menschen profitieren täglich in den verschiedensten Situationen, Problemstellungen und Aufgabengebieten von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der DV.

Enorme Variationsbreite individueller Ansprüche

Die enorme Variationsbreite der individuellen Anforderungen an den jeweiligen DV-gestützten Arbeitsplatz kann qualitativ unmöglich durch ein und denselben Bildschirmtyp erfüllt werden. Hieraus resultiert die prinzipielle Daseinsberechtigung für intelligente und unintelligente Terminal-Arbeitsplätze.

Bei der Auswahl des optimalen Bildschirmtyps für den jeweiligen Benutzer spielen die spezifischen Bedürfnisse des betreffenden Arbeitsplatzes die primäre Rolle. Global betrachtet werden unintelligente Standardbildschirme auch weiterhin an Arbeitsplätzen zum Einsatz kommen, an denen Daten für zentrale Anwendungen eingegeben, dargestellt und überarbeitet werden. Für Benutzer, die DV-gestützt ausschließlich Vorgänge bearbeiten, die sich in zentralen Dateien befinden, sind intelligente PCs überflüssig.

Je stärker der Anwender aber eine Weiterverarbeitung von Datenuntermengen benötigt und je stärker rechenintensive und planerische Tätigkeiten wie Text-, Grafik- oder Tabellenverarbeitung gefordert werden, desto sinnvoller ist der Einsatz von lokaler Intelligenz in Form von PC-Arbeitsplätzen.

Bei zusätzlicher Berücksichtigung der historischen Entwicklung eines Bildschirm-Arbeitsplatzes in einem gewachsenen Unternehmen sprechen jedoch oftmals auch Aspekte wie Gewöhnung und räumliche Gestaltung bei der Neuanschaffung eines Gerätes eine

wichtige Rolle.

Weitestgehende Kompatibilität gefordert

Der Benutzer selbst arbeitet eventuell schon seit Jahren mit einem unintelligenten Bildschirm und wünscht sich von seinem neuen Gerät nichts mehr als weitestgehende Kompatibilität zum Vorgängermodell. Dies bezieht sich sowohl auf die Anordnung der einzelnen Tasten als auch auf die gewohnte Login-Prozedur.

Die vorhandenen Arbeitstische bieten möglicherweise ausreichenden Raum für ein kleines, platzsparendes Bildschirm-Terminal, nicht aber für einen Desktop-PC mit entsprechend umfangreicher Zentraleinheit.

Diese Argumente spielen natürlich beim DV-Neueinsteiger eine untergeordnete Rolle. Er orientiert sich eher an Marktstandards und zukünftigen Entwicklungsaspekten, die deutlich für einen intelligenten Arbeitsplatz-Rechner sprechen.

Einsteiger in die DV-Welt stehen außerdem nicht unter dem Zwang, bestehende Hardware-Installationen in neue Konzepte einzubinden und veraltete Software-Applikationen und zentrale Datenbestände komplett übernehmen zu müssen. Sie sind in der Lage,

ohne Rücksicht auf plattformorientierte Aspekte die präferierte Lösung in den Vordergrund zu stellen und ein maßgeschneidertes DV-Konzept vom Markt zu fordern. Außer in den neuen Bundesländern bietet sich jedoch kaum einem innovativen Unternehmen die Chance, losgelöst von bestehenden Strukturen und ohne Rücksicht auf die gewohnte DV-Umgebung, den Einsatz neuer Technologien ohne Probleme zu meistern.

Durch den enormen Preisverfall bei Personal Computern während der 80er Jahre sind Low-cost-PCs in den Anschaffungs- und Wartungskosten durchaus mit den erforderlichen Aufwendungen für unintelligente Standard-Terminals vergleichbar.

Prinzipiell Gültigkeit hat aber ohne Zweifel die Faustregel: "Je intelligenter der Bildschirm-Arbeitsplatz, desto höher die Anforderungen an den Benutzer."

Beim Einsatz von Standard-Terminals ist eine umfangreiche Schulung der Anwender - auch neuer Mitarbeiter - nicht notwendig.

Weniger Zeit- und Schulungsaufwand

Eine kurze Einweisung in die Login-Prozedur und in die wenigen Tastenkombinationen, die zum Dialog mit dem zentralen Rechner erforderlich sind, reicht aus, um neue Bediener mit dem Gerät vertraut zu machen und ihnen die tägliche Arbeit damit zu ermöglichen.

Da bei einem intelligenten Arbeitsplatzsystem wie einem PC die Vielfalt der möglichen Anwendungsgebiete sehr breit ist, müssen die Benutzer entsprechend geschult werden. Soll der Anwender beispielsweise neben der normalen Kommunikation mit dem zentralen Rechner per PC als emulierendes Terminal auch eigenständige Programme wie Textverarbeitung, Grafikapplikationen und Tabellenkalkulation auf seinem intelligenten Arbeitsplatzsystem nutzen, ist eine umfangreiche und zeitintensive Schulung unerläßlich.

Darüber hinaus sind für den PC-Benutzer Grundkenntnisse des Betriebssystems, der Diskettenorganisation und der Datensicherung von wesentlicher Bedeutung. Aus den umfangreichen Ausbildungsmaßnahmen und damit verbundenen zusätzlichen Aufgaben, die

der Anwender später an seinem PC übernimmt, resultiert ein Arbeitsplatz-Profil, das Über die eigentlichen tariflichen Anforderungen an einen Sachbearbeiter weit hinausgeht.

Neben dem hohen Zeit- und Schulungsaufwand entstehen in der Folge auch deutlich höhere Personalkosten. Eine Betrachtung der Personalkosten spricht oftmals deutlich für den Einsatz dummer Terminals. Standard-Bildschirme ohne eigene Intelligenz sind technisch einfacher konzipiert als PCs und folglich auch ausfallsicherer. Da sie nicht über Diskettenlaufwerke oder Festplatten verfügen, können an diesen Hardwarekomponenten auch keine Defekte auftreten. Dies spielt vor allem an Standorten eine Rolle, wo die Belastung für mechanische Teile durch Staub und andere Verschmutzung besonders hoch ist, wie beispielsweise in Produktions-, Lager- und Wartungshallen.

Sollte im schlimmsten Fall einmal der zentrale Rechner ausfallen, so beweist der PC wiederum seine besondere Stärke: Während der unintelligente Bildschirm ohne die Verbindung zum Host absolut wertlos ist, können auf dem intelligenten Terminal-Arbeitsplatz die lokalen eigenständigen Anwendungen wie Textverarbeitung, Grafikapplikationen und Tabellenkalkulation weiterhin betrieben werden. Betrachtet man allerdings ausschließlich den Arbeitsplatz isoliert, so sind die Fehlerquellen - sowohl in bezug auf die Technik als auch unter dem Aspekt der Handhabung - bei Standard-Terminals wesentlich geringer als bei intelligenten Bildschirm-Systemen.

Positiver Aspekt ist die Hardware-Ergonomie

Ein weiterer positiver Aspekt, der für den Einsatz dummer Terminals spricht, ist die Hardware-Ergonomie. PCs, die in den Anschaffungskosten den unintelligente Bildschirmen entsprechen, erfüllen in der Regel nicht die gängigen ergonomischen Mindestanforderungen und Standards, die sich mittlerweile am Terminal-Markt durchgesetzt haben.

"Bildschirme soll man sehen, nicht hören" - getreu diesem Anspruch verzichten Terminals heute auf einen Ventilator zur Eigenkühlung. Vermieden werden hierdurch auch die beiden wesentlichen Störfaktoren: der ständige Luftstrom und das permanente Rauschen.

Ermöglicht wurde dies durch die Miniaturisierung der elektronischen Bauteile und durch die geringen technischen Anforderungen an den Standard-Bildschirm.

Der gängige PC hat hierbei mit seiner Zentraleinheit größere Probleme: Zur Kühlung von Prozessor, Festplatte, Kommunikations-Boards und Grafikkarte ist ein Ventilator unerläßlich. Wenn man sich ein Großraumbüro mit über hundert intelligenten Bildschirm-Arbeitsplätzen und der damit verbundenen Geräuschentwicklung vorstellt, versteht man, warum der PC in diesen Bereichen noch keinen Durchbruch auf breiter Front erzielen konnte.

Ein Low-cost-PC verfügt oftmals nicht über einen qualitativ hochwertigen Monitor, der den Anforderungen eines ergonomischen Bildschirm-Terminals entspricht. Für Terminal-Arbeitsplätze empfehlen sich heute oft Monitore, die über eine Bildwiederholungsfrequenz von 70 Megahertz zur Vermeidung von Flimmern und Flackern der dargestellten Zeichen und über eine weiße Positivdarstellung verfügen. Durch die Positivdarstellung werden schwarze Zahlen auf weißem Hintergrund dargestellt, so daß einerseits Reflexionen von Fenstern, hellen Wänden und Tisch- sowie Schrankflächen entfallen und andererseits der natürlichen Darstellungsform augenschonend entsprochen wird. Mit Overscan-Technik läßt sich die gesamte Bildschirmfläche weiß ausleuchten, wodurch ein schwarzer Trauerrand, der zu Irritationen und Reflexionen führen könnte, vermieden wird.

Datenschutz ist ein Entscheidungskriterium

Natürlich werden am Markt auch PCs mit ergonomischen Eigenschaften, die einem qualitativ hochwertigen Standard-Bildschirm entsprechen, angeboten. Die Anschaffungskosten für einen solchen PC liegen aber auch deutlich höher als für ein unintelligentes Terminal gleicher ergonomischer Qualität.

Bei der Auswahl des optimalen Bildschirm-Arbeitsplatzes ist auch der Aspekt des Datenschutzes ein wesentliches Entscheidungskriterium.

Die lokalen Massenspeicher von intelligenten Arbeitsplätzen am Host stellen ein besonderes Risiko dar. Sollte jemand beispielsweise unerlaubt sensitive Daten aus einer Organisation herausschleusen wollen, so ist dies per Filetransfer und Diskettenspeicherung am unauffälligsten möglich.

Natürlich wird diesem Risiko mittlerweile verstärkt Rechnung getragen. Es ist zum Beispiel möglich, auf Host-Systemen jeden Filetransfer beziehungsweise den Verursacher festzustellen. Solche Schutzmechanismen sind jedoch immer mit einem erhöhten

Programmieraufwand verbunden, der bei unintelligenten Standard-Bildschirmen in diesem Umfang entfällt.

PC-Host-Kommunikation birgt oft Viren-Risiken

In diesem Zusammenhang ist zudem die Gefahr der Infektion des Host-Rechners durch Viren, die von PCs übertragen werden, zu berücksichtigen.

Es kann nur unter großen Schwierigkeiten verhindert werden, daß ein PC-Benutzer seinen Bildschirm-Arbeitsplatz beispielsweise in der Mittagspause zum Laden von Spielprogrammen, die möglicherweise verseucht sind, nutzt.

Diese Viren können bekanntermaßen auch auf die Dateien und Programme des Host-Rechners gelangen und diese angreifen oder zerstören. Die Praxis hat gezeigt, wie zerstörerisch sich derartige Viren auswirken können und daß es im schlimmsten Fall nicht mehr möglich ist, die defekten Dateien wieder zu rekonstruieren.

Auch diese Gefahr wurde erkannt und kann durch Viren-Suchprogramme und einen Hardware- oder Softwareschutz des PCs vermieden werden. Dies bedeutet einen großen Zeit- und Kostenaufwand, der bei Standard-Bildschirmen ohne eigene Intelligenz nicht erforderlich ist.

Der Einsatz eines intelligenten Terminal-Arbeitsplatzes verlangt vom Anwender also neben der entsprechenden Qualifikation auch ein wesentlich höheres Maß an Verantwortungsbewußtsein als ein unintelligenter Standard-Bildschirm.

Trotz des erforderlichen Aufwands in Personal-, Schulungs-, Anschaffungs- und Betriebskosten und trotz der höheren Risiken werden sich intelligente PCs immer mehr verbreiten. Besonders in Aufgabengebieten, die lokale Intelligenz und hostunabhängige Anwendungen erfordern, führt am PC kein Weg vorbei.

Der Einsatz eines dummen Bildschirms durch einen PC wird aus den beschriebenen Gründen niemals spontan und leichtfertig, sondern ausschließlich gezielt und wohlüberlegt stattfinden. Da auch - insbesondere durch den enormen Absatzmarkt der neuen Bundesländer - die Zahl der DV-gestützten Arbeitsplätze über die 90er Jahre hinaus ständig wächst, besteht keine Ursache, daß Aussterben der "Dummen" zu befürchten.