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24.07.1981 - 

Lehrprogramm "Plato" noch nicht am Ende seiner Entwicklung:

Durch Abwesenheit glänzen und doch lernen

Es gibt keinen Zweifel mehr: Die kommenden Jahre werden als das Zeitalter der Information und Kommunikation in die Geschichte eingehen. Unsere Arbeitsplätze werden mit allen Arten von Kommunikationsgeräten geschmückt sein, mit Terminals für den Mensch-zu-Mensch-Dialog und den Mensch-Maschine-Dialog. Bei letzterem wird auf die Speicher- oder auf die Verarbeitungskapazität der Maschine zugegriffen oder beides gleichzeitig. Die Systeme werden zentrale und dezentrale Speicher- und Verarbeitungskapazitäten haben, aber alle werden kommunikationsfähig untereinander sein.

Wenn hier von Arbeitsplätzen die Rede ist, dann ausdrücklich nicht nur von Büroarbeitsplätzen, sondern auch von Werkstätten, Fabrikhallen etc. Soll aus der verbesserten Verfügbarkeit detaillierterer Informationen wirklicher Nutzen für ein ganzes Unternehmen beziehungsweise für eine ganze Volkswirtschaft gezogen werden, dann muß die Information so breit wie möglich gestreut werden. Wir alle, oder doch fast alle, werden also in Zukunft mit wesentlich mehr Information zu tun haben. Wir werden gezwungen sein, sie auch sinnvoll zu nutzen.

Sind wir dazu überhaupt in der Lage, sind wir dafür ausgebildet, sind wir von unserer Konstitution her überhaupt fähig dazu, zum Informationsverarbeiter zu werden? Der zweite Teil der Frage ist eindeutig mit ja zu beantworten: Das Leben, nicht nur das menschliche, basiert darauf, daß ständig auf Reize reagiert, daß also Informationen interpretiert und zur Grundlage einer Handlung gemacht werden, die dann ihrerseits für andere Lebewesen zur Information wird, die der Interpretation, also der Verarbeitung unterliegt.

Was aber sind das für Informationen? Doch sicher ganz anderer Art, als die, die wir an unseren Arbeitsplätzen zu verarbeiten haben. Und die Verarbeitungs- und Kommunikationstechniken sind ebenfalls ganz anders. Darauf zielt der erste Teil der Frage. Wir sind gewiß von unserer Ausbildung her nicht in der Lage, das Informations- und Kommunikations-Instrumentarium optimal zu bedienen. Wir müssen also noch viel lernen.

Lernen heißt: Schulen besuchen, an Kursen und Seminaren teilnehmen, mit Büchern büffeln. Wirklich? Wie eh und je.

Aufnehmen, speichern, verwenden

Was ist eigentlich Lernen? Lernen ist Information aufnehmen und so speichern (einordnen), daß sie bei Bedarf zur Verfügung steht und zur Gestaltung von Aktionen oder Reflektionen verwendet werden kann.

Zu dieser einfachen Definition sind drei Punkte anzumerken: Erstens ist der Lernstoff doch offensichtlich Information, ein Lernprogramm ist ein Stück Information. Zweitens muß diese Information vom Informationsträger (Lehrer, Buch, Film etc.) zum Lernenden kommuniziert werden, der diese Information dann in seinem Gehirn speichert. Und drittens wird diese Information bei Bedarf vom Speicher abgerufen und verarbeitet.

Ein gutes Lernprogramm (sei dies ein Vortrag, ein Kapitel eines Lehrbuches oder ein individualisiertes Lernmodul) unterscheidet sich von einem normalen Stück Information also nur durch seine besonders hohe Benutzerfreundlichkeit. Ansonsten wird kommuniziert, gespeichert, abgerufen verarbeitet, die Ergebnisse wieder gespeichert. Alles ganz normale Informations- Verarbeitungsvorgänge, mit der Besonderheit, daß Speicherung statt in einem elektronischen Speicher im menschlichen Gehirn stattfindet. Und gerade die Speicherfähigkeit ist die schwächste Seite des Gehirns, hier sind ihm elektronische Speicher millionenfach überlegen.

Die Zukunft des Lernens

Was ist aus diesen knappen Überlegungen für das Lernen der Zukunft zu folgern?

Erstens: Das Lernen (wir reden hier ausdrücklich nicht vom Erziehen) muß keine isolierte, in sich abgeschlossene Veranstaltung sein. Warum soll man eine Woche lang auf einen Kurs gehen und Informationen aufnehmen, die man sich mit geeigneten Systemen auch am Arbeitsplatz beschaffen könnte.

Zweitens: Ein wesentliches Element des Lernens ist das Behalten, also das Speichern. Das aber können elektronische Speicher viel besser als menschliche Gehirne. Daraus folgt daß der zu behaltende Stoff sinnvollerweise nicht mehr lückenlos ein ganzes Wissensgebiet abdeckt, sondern nur noch aus Ordnungswissen, Überblickwissen, Einsichten bestehen darf Gekonnt sein muß dann allerdings das Auffinden von Informationen.

Drittens: Diese sinnvolle Nutzung des Fortschritts der Informationsverarbeitung setzt besonders benutzerfreundliche Informationssysteme im Sinne von Ausbildungssystemen voraus. Diese Systeme werden sich der individualisierten Ausbildungsmethoden bedienen müssen, bei der der Lernende, und nur er, die Lerngeschwindigkeit und gegebenenfalls die Lerntiefe und -breite bestimmt. Diese Methode bedient sich verschiedener Medien, des gedruckten Textes, audio- und audiovisueller Medien und des Computers in Form des computerunterstützten Unterrichts.

Hier sind in nächster Zeit einige neue Systeme zu erwarten. Im Augenblick erfüllt zum Beispiel das von Control Data entwickelte und vertriebene System "Plato" die Anforderungen, die an ein computerunterstütztes System des neuen Lernens in bezug auf Benutzerfreundlichkeit und didaktische Vielseitigkeit gestellt werden müssen. Was die Einfachheit von Lehrprogrammerstellung und die Integrationsfähigkeit in bezug zu anderen Informationssystemen betrifft, so ist auch "Plato" sicher noch nicht am Ende seiner Entwicklung.

Nicht anwesend, aber dabei

So sehr die neue Art des Lernens von der technischen Beschaffenheit von Informationssystemen mitbestimmt wird, so sehr muß erkannt werden, daß das Hauptproblem organisatorischer Natur ist. Die leichtere Transportierbarkeit von Information, auch von Lernprogrammen, macht den Transport von Menschen weniger notwendig. Man muß nicht mehr anwesend sein, um dabei zu sein. Kontrollprobleme tun sich auf, die Leistungsmessung bedarf neuer Methoden, aber auch die Motivation muß andere Wege beschreiten. Eins jedoch ist sicher: Dadurch, daß die Information leichter transportiert werden kann, ist sie potentiell für eine größere Anzahl von Menschen verfügbar. Das eröffnet auch politisch neue Dimensionen: Die Information, das Wissen und Können muß nicht länger das Monopol von wenigen sein, sondern daran können nun viele teilhaben. Großunternehmen haben nicht länger große Know-how- und Informationsvorteile, der Mittelstand, der Klein- und Kleinstunternehmer hat wieder eine Chance, mitzureden und Gehör zu finden.

Auch wenn wir an die Dritte Welt denken und uns klarmachen, daß die Probleme dort weitgehend auf einem Know-how-Defizit beruhen, dann eröffnet die medienunterstützte, informationssystembezogene Art des Lernens neue Dimensionen der Entwicklungshilfe durch Wissenstransfer.

*Dr. Roland Henssler ist Leiter der Division Education der Control Data GmbH und Direktor des Control Data Instituts, Frankfurt/M.