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23.05.1980

Durch Bildschirm den Streß loswerden

Mit Robert Grob, Leiter der Abteilung Arbeitswirtschaft bei der Siemens AG, München, sprach Karin Groth

þHerr Grob, die Ergonomie ist heute eines der heiß diskutierten Tagesthemen, das sich vor allem auf den Bildschirm konzentriert. Als Leiter der Abteilung Arbeitswirtschaft im Zentralbereich Technik der Siemens AG in München bitte ich Sie, mir Ihre Aufgabenstellung zu umreißen.

Zu meiner Fachabteilung Arbeitswirtschaft gehört die Abteilung Angewandte Arbeitswissenschaft. Diese Abteilung, die zuständig ist für die Bearbeitung arbeitswissenschaftlicher Probleme im gesamten Hause, befaßt sich mit mehreren Themenschwerpunkten. Einmal mit den ergonomischen Grundlagenuntersuchungen, zum zweiten mit der ergonomischen Produktgestaltung und der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen. Dabei haben wir zwei Untersuchungsfelder, einmal das der Werkstätten und zum zweiten das Untersuchungsfeld Büro. In den Werkstätten haben wir seit Jahren Erfahrungen in der reinen, ergonomischen Gestaltung und in der Gestaltung der Arbeitsorganisation, die in den letzten Jahren unter dem Schlagwort Arbeitsstrukturierung bekanntgeworden ist. In den Büros befassen wir uns heute mit dem Themenschwerpunkt Bildschirmarbeitsplätze.

þWie erklären Sie sich die Bedeutung, die den Bildschirmarbeitsplätzen heute in der Diskussion zukommt?

Der Bildschirmarbeitsplatz wird in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Zum Teil verläuft die Auseinandersetzung unserer Ansicht nach leider sehr emotionell und nicht so sachlich, wie wir es eigentlich gerne hätten. Weil damit zu rechnen ist, daß er in Zukunft für die Ausstattung unserer Büros, für die Abläufe, eine sehr große Bedeutung haben wird, steht die Bildschirmdiskussion heute an zentraler Stelle. Für uns Arbeitswissenschaftler ist der Bildschirmarbeitsplatz zunächst einmal ein Arbeitsplatz wie viele andere auch. Wir

betrachten und behandeln ihn auch mit den arbeitswissenschaftlichen Methoden, die uns von anderen Arbeitsplätzen her bekannt und geläufig sind.

þAuf welche Schwerpunkte konzentriert sich die Kritik an den Bildschirmen ?

Die Schwerpunkte der Kritik beziehen sich in erster Linie darauf, daß mögliche Schädigungen der Augen vermutet werden.

þWarum sollen die Augen hierbei mehr in Mitleidenschaft gezogen werden als bei der Arbeit mit direktem Kontakt zum Papier?

Da haben Sie vollkommen recht, ich sagte auch, es ist nur ein Schwerpunkt der Kritik. Vom Stand der Arbeitsmedizin her besteht eine solche Schädigung der Augen nicht. Das heißt, der Sehapparat kann weder durch das dauernde Starren auf den Bildschirm noch durch andere Sehaufgaben geschädigt werden, das heißt, dauerhaft angegriffen werden. Anders ist es mit der Überbelastung des Sehapparates. Hier kann tatsächlich eine Überbelastung sowohl durch das Lesen eines Buches oder andere Dinge wie auch das Betrachten des Bildschirmes auftreten, sofern die Verhältnisse nach ergonomischen Grundsätzen nicht günstig gestaltet sind. Nicht ergonomisch heißt hier, wenn es Spiegelungen, Reflexe, Blendung und ähnliche Dinge gibt. Der dritte Schwerpunkt der Kritik bezieht sich auf eine mögliche körperliche Überbeanspruchung, die sich in Rücken- und Nackenschmerzen ausdrückt. Hierzu ist zu sagen, daß es auch an Bildschirmarbeitsplätzen - wie an anderen Arbeitsplätzen - zu derartigen Überbeanspruchungen kommen kann, wenn die Gestaltung der Arbeitsplätze nicht nach ergonomischen Erkenntnissen erfolgt ist. Das heißt, wenn Tische, Stühle, Fußstützen, Beleghalter und ähnliche Utensilien am Arbeitsplatz nicht entsprechend ausgesucht und angeordnet sind. Als vierten Schwerpunkt der Kritik befürchtet man psychische Überforderungen, die sich in Form von Streß oder nervösen Beschwerden äußern können. Dieser Vorwurf richtet sich in erster Linie an die Adresse der Arbeitsorganisation, der Ablauforganisation. Hier muß man sehr wohl unterscheiden zwischen den verschiedenen Arten von Bildschirmarbeitsplätzen. Man tut immer so, als gäbe es den eindeutig definierten Bildschirmarbeitsplatz. Wir müssen in jedem Fall unterscheiden zwischen mindestens drei Typen: den reinen Dateneingabeplätzen, den Auskunftsplätzen und den Dialogplätzen.

þWarum soll die psychische Belastung an Bildschirm größer sein als zum Beispiel die Arbeit an der Schreibmaschine?

Eine höhere Belastung könnte beispielsweise erfolgen, wenn vom Gerät her ein taktmäßiger Zwang ausgeübt wurde, wenn man also vom Computer er gezwungen würde, bestimmte Taktzeiten einzuhalten. Dies hätte zur Folge, daß der Mensch am Gerät in einen bestimmten Arbeitsdruck hin eingebracht würde, wie man es von bestimmten, taktabhängigen Werkstattfertigungen her kennt. Dies ist aber bei den heutigen Formen der Arbeitsorganisation im Büro nicht zu befürchten.

þWas müßte denn ein Anwender beachten, wenn er einen Bildschirm für seinen Betrieb auswählt?

Zunächst einmal müßte der potentielle Anwender genau seine Aufgabe definieren. Entsprechend den Arbeitsaufgaben wäre der Gerätetyp auszusuchen, und zwar einmal von der Hardware her wie selbstverständlich auch von der Software, des heißt, von der Information her, die er braucht.

þEr müßte also unterscheiden nach den drei Typen von Arbeitsplätzen, die Sie vorhin genannt haben?

Das ist ein Unterscheidungsmerkmal. Es gibt noch eine Reihe anderer Kriterien, beispielsweise die Dauer er Arbeit am Bildschirm. Man kann bei Auskunftsplätzen, die von einer Reihe von Personen kurzfristig benutzt werden, auf die letzten Feinheiten ergonomischen Gestaltung verzichten. Das heißt, an reinen Auskunftsplätzen können durchaus Kompaktstationen eingesetzt werden und auch vom ergonomischen Gesichtspunkt her zulässig. Macht jemand beispielsweise in einem Reisebüro pro Stunde eine, zwei oder drei Buchung an einem Gerät, ist es durchaus angebracht, vielleicht sogar günstig, die Tastatur Festangebot am Gerät zu haben.

þWelche Farbwerte in den Bildschirmen wird der Anwender gescheiterweise auswählen? Wird er grün auf schwarz auswählen, braun auf gelb oder anders gefragt, hell auf dunkel, dunkel auf hell?

In Zukunft werden wir eine DIN-Norm haben, in der auch über die Farbe etwas ausgesagt wird. Im Grunde genommen ist es so, daß alle Farben zulässig sind, daß man aber die beiden Enden des Spektrums, also blau und rot, nicht gerne benutzt.

þUnd warum arbeitet man dann an Schwarz-Weiß-Bildschirmen, wobei der Hintergrund weiß ist?

Das ist die neue Entwicklung, die sogenannte Negativdarstellung. Es gibt bei der Arbeit an Bildschirmplätzen folgendes Problem: Sie haben auf der einen Seite einen Bildschirm, der einen dunklen Hintergrund hat mit hellen Schriftzeichen, zum anderen in der Regel Belege, auf denen schwarze oder dunkle Zeichen auf einem hellen Untergrund erscheinen. Das kann dazu führen, daß dadurch die Umadaption des Auges, das heißt, die Umstellung von hell auf dunkel, erschwert wird, beziehungsweise zu groß ist. Und deshalb verspricht man sich von einer Darstellung von dunklen Zeichen auf hellem Hintergrund des Bildschirms eine vereinfachtere Adaption des Auges.

þWie groß sollte ein Bildschirm sein ?

Auch darüber gibt es keine einheitlichen Aussagen, es ist durchaus denkbar, daß ein Bildschirm, der nur von Kontrolle von Dateneingaben dient, sehr klein ist: Ein Schirm,

der vielleicht ein, zwei oder drei Zeilen umfaßt. Auf der anderen Seite braucht man zur

Textverarbeitung, braucht man zur Programmierung Schirme, die mindestens eine DIN

A4-Seite manchmal auch mehr, erfassen. Die Größe des Bildschirmes ist also abhängig

von der jeweiligen Arbeitsaufgabe.

SYMBOL 183 \f "Symbol"° Wird die Einführung des Bildschirms oder die vermehrte Nutzung des Bildschirms im Büro Einfluß auf die Arbeitsorganisation haben?

Mit Sicherheit. Wir erwarten und können zum Teil bereits durch Erfahrung belegen, daß wir über die Bildschirme die Computerleistung wesentlich näher an den Arbeitsplatz heranbringen können. Die Mitarbeiter haben dadurch einen wesentlich rascheren Zugriff auf Daten aller Art. Sie sind also jetzt in der Lage, sich auf andere Tätigkeiten zu konzentrieren und müssen nicht einen Großteil ihrer Arbeit damit verbringen, Daten zu suchen und aufzubereiten. Sie benutzenden Bildschirm, der Computer, um sich die entsprechen Unterlagen für Entscheidungsprozesse heranzuholen. Wichtig ist natürlich, daß man für derart in erster Linie höherwertige Tätigkeiten auch die entsprechenden Mitarbeiter bekommt. Sie müssen dazu einmal bereit und zum anderen in der Lage sein, diese Tätigkeiten auszuführen.

SYMBOL 183 \f "Symbol"° Nachdem, wie Sie den Sachbearbeiter darstellen, führt dieser arme Mensch nur noch qualifizierte Tätigkeiten aus. Er wird am Abend total geschafft sein, denn er hat überhaupt keine Ausrede mehr sich von seinem Schreibtisch zu entfernen und umherzugehen. Wie hält er den Streß aus?

Derartige Tätigkeiten, glaube ich, gibt es Gott sei Dank Nicht und wird es Gott sei Dank auch nicht geben. Wir haben wegen einer anderen Untersuchung einmal festgestellt, wieviel kreative Tätigkeiten es in einzelnen Bereichen eigentlich gibt. Dabei stellen wir fest, daß erstaunlicherweise auch bei solchen Leuten wie Entwicklern, Chefkonstrukteuren, Managern nur ein geringer Teil der Arbeit in derartigen, hochkreativen Tätigkeiten besteht. Ein großer Teil der Verrichtungen ist immer noch Routinearbeit.

SYMBOL 183 \f "Symbol"° Aber die Anzahl der qualifizierten Tätigkeiten in der Zeiteinheit, qualifizierte Tätigkeit vielleicht gleichbedeutend mit Entscheidungen, wird durch die Bildschirmarbeit zunehmen?

Ja, man kann davon ausgehen, daß uns der Computer eine Reihe von dem abnimmt, was wir bisher, zum Teil zähneknirschend, machen müssen. Dazu zählen laufend Daten suchen, zusammensuchen, sammeln oder Akten wälzen. Daß wir einmal auch durch den Bildschirm de Streß loswerden, warten zu müssen. Wir müssen auf Daten warten, die wir brauchen, um unsere Tätigkeit fortzuführen. Diese bekommen wir sehr schnell unmittelbar an den Arbeitsplatz geliefert. Denken Sie an das Telefon. Auch da kann man sagen, durch das Telefon ist uns jetzt das hochqualifizierte Schreiben von Briefen abgenommen worden. Auf der andere Seite wissen wir, wie wohltuend es ist, schnell zum Telefon zu greifen, uns eine Information zu holen und direkt verwenden zu können. So ähnlich sage ich bewußt, wird es auch sein mit dem Computer am Arbeitsplatz.