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10.02.1995

"Durch das Net aendern sich die Regeln"

CW: Obwohl es bereits seit etlichen Jahren verfuegbar ist, verzeichnete das Internet erst 1994 ein phaenomenales Wachstum. Warum nicht schon frueher?

Negroponte: Die exponentiell steigende Verbreitung von PCs hat eine kritische Masse geschaffen, die noch vor drei Jahren nicht existierte. Fuer Firmen wie IBM und Apple gab es 1990 den Heimmarkt noch gar nicht. Heute werden fast 70 Prozent aller PCs in dieses Segment geliefert. Wie Andy Grove (CEO von Intel, Anmerkung der Redaktion) sagt, werden in den naechsten zwei Jahren genauso viele PCs produziert, wie bis heute existieren. Ich schaetze, dass im Jahr 2000 eine Milliarde Nutzer Zugang zum Net - oder wie immer man es nennen will - haben werden. Wir wissen noch gar nicht, was da auf uns zukommt.

CW: Kann man das Internet als Information-Highway sehen?

Negroponte: Ob das heutige Internet der Information-Highway ist oder nicht, ist weniger wichtig als die Tatsache, dass es ein exzellentes Modell dafuer abgibt. Das gilt vor allem fuer drei Punkte:

- Es unterliegt keiner zentralen Kontrolle.

- Es hat sich (bisher) gut ausbauen lassen.

- Es weiss nicht, dass Sie ein Hund sind. Noch muessen alle moeglichen Dinge wie Verifikation, Schutz der Privatsphaere und digitales Geld entwickelt werden, bevor das Net wirklich zum Highway werden kann, aber das wird sehr schnell gehen.

CW: Das Wachstum der Nutzergemeinde hat kuerzlich einen neuen Hoehepunkt erlebt. Welche Auswirkungen hat diese ungebremste Expansion?

Negroponte: Das Wachstum ist nicht zufaelliger als das Verhalten einer Gaenseschar, wo es keine Leitgans gibt. Das ist gut so. Der Teil, der sich verrueckt anhoert, weil ihn keiner von uns richtig versteht, ist das dahinterstehende wirtschaftliche Modell. Es stellt das auf Werbung basierende Konzept in Frage, das fuer Fernsehunterhaltung als fundamental begriffen wird, bei Buechern aber beispielsweise fehlt. Der Zukunftsforscher George Gilder liebt es, Buecher Medien "der Wahl" zu nennen, und da liegt er richtig.

CW: Bietet das Internet fuer Unternehmen Gewinnaussichten?

Negroponte: Natuerlich sollten Firmen das Netz als kommerziell nutzbares Medium betrachten. Das trifft vor allem dann zu, wenn sie Bits herstellen und keine Atome. Durch das Netz aendern sich die Regeln, es ist weder freundlich noch feindlich. Ploetzlich koennen sich kleine Unternehmen wie grosse verhalten. Gross zu sein hat nicht mehr die Vorteile wie frueher. Der Begriff des intellektuellen Eigentums veraendert sich. "Nicht mehr lieferbar" gibt es nicht mehr.

CW: Was koennen wir in fuenf Jahren im Internet machen? Home- Shopping? Filme herunterladen?

Interaktives Video? Fuenfhundert Fernsehkanaele? Sicherheit fuer zu Hause?

Negroponte: All das und noch mehr. Nicht 500 Kanaele, sondern fuenf Millionen. Das Net wird die Angebotstechniken von heute, wie wir sie aus Zeitungen, Magazinen und Fernsehen kennen, in die Nachfragetechniken von morgen ueberfuehren. Dann koennen Leute mit Hilfe ihrer "intelligenten Agenten" sich das herausholen, was sie wollen. Heute tun sie das mit den Internet-Browsern, morgen werden es Agenten sein.

CW: Verhindert dieses Medium nicht die persoenliche Kommunikation?

Negroponte: Jedes elektronische Medium, das die Beschraenkungen von Zeit und Raum aufhebt, hat einen sehr positiven Einfluss auf die direkte Kommunikation. Amerika koennte 50 Prozent produktiver sein, wenn Konzerne 90 Prozent ihrer Meetings abschaffen wuerden. Vieles liesse sich viel besser im Cyberspace erledigen.

CW: Glauben Sie, dass der Wachwechsel in Washington den Information-Highway beeinflusst?

Negroponte: Washington hat keinen grossen Einfluss darauf. Das Net wird trotz Regulationsbemuehungen populaerer werden, es braucht auch keine Werbung. Die Hilfe der Regierung bringt die Sache ein bisschen voran, und fehlende Unterstuetzung schadet ein bisschen. Dabei liegt die Betonung auf "bisschen". Es handelt sich um ein globales Phaenomen, kein nationales, und inzwischen ist es fuer eine Umkehr zu spaet.

Negroponte ist Direktor des renommierten Media Lab im Massachusetts Institute of Technology. Das Interview fuehrte Computerworld-Redakteur William Brandel - via Internet.