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30.03.1979

"Durch den Emulator Hardware-Vorteile wieder auf eins gesetzt"

Mit Klaus Hübner, Geschäftsführer der Datenverarbeitung Klaus Hübner GmbH, Stuttgart, sprach Dieter Eckbauer

- Herr Hübner, Sie werben damit, daß Sie auch ausgefallenste Kundenwünsche bei Gebrauchtcomputern erfüllen können. Auf welche Kunden zielen Sie?

Ich nehme einen aktuellen Fall, die Lieferung einer IBM 444. Das ist ein Uraltgerät, das in den fünfziger Jahren gebaut wurde. Das Ding wiegt knapp eine Tonne. In dem Beispiel kennt der Unternehmer nur dieses Gerät und will damit bestimmte Aufgaben selber lösen. Das ist sein Hobby, und das hat ihn fast 20 000 Mark gekostet.

- Verstehe ich Sie richtig: Erfahrung mit nur einem System zwingt dazu, bei diesem bestimmten Maschinentyp zu bleiben?

Genau. Das wäre das eine, das Know-how. Das andere sind die Programme, Sie können eben nicht von heute auf morgen auf ein neues System umsteigen, selbst wenn es unter Umständen um die Hälfte billiger wäre.

- Dann profitieren Sie also davon, daß die Hersteller zu alten Anlagen inkompatible neue Serien ankündigen?

Meistens hat der Kunde eine Entscheidung für ein neues System gefällt, ohne dabei zu berücksichtigen, daß er bestehende Programme unter Umständen ändern muß. Das kann darin gipfeln, daß seine Programme vollkommen neu geschrieben werden müssen. Doch das vergessen die Kunden immer, daß es nicht damit getan ist, eine Maschine zu kaufen oder zu mieten. Darauf soll ja anschließend etwas laufen. Das sind meines Erachtens viel ernstere Kostenfaktoren als die Hardware. Wenn sie heute sehen, daß sie für bald 200 000 Mark Großsysteme kriegen, die vorher eine Million und mehr gekostet haben. Da drängt sich die Frage auf: Wo sind denn die anderen Kosten geblieben, die ein Hersteller natürlich irgendwo wieder hereinkriegen muß?

- Meinen Sie, das wäre Hersteller-Absicht, die Dinge ein bißchen zu vernebeln?

Das würde ich sagen. Warum macht man es sonst?

- Ist nicht der Benutzer selbst schuld, wenn er sich ein System anschafft, mit dem er später nicht zurechtkommt?

Das würde ich bejahen. Wenn der Kunde bei mir ein gebrauchtes Gerät erwirbt, dann weiß er mit Sicherheit eines: Der vorherige Benutzer gibt das Gerät aus bestimmten Gründen ab - in der Regel, weil es ihm kapazitätsmäßig nicht mehr ausreicht. Da helfe ich jedem Kunden und sage ihm, was der Vorbesitzer damit gemacht hat. Da kann er sehen, warum dieses System zu klein war. Das heißt. man kann aus dem Angebot von gebrauchten Geräten schon erkennen, welche Anlagen für welchen Betrieb sinnvoll sind. Denn damit hat der Vorbesitzer schon Erfahrung gesammelt.

- Kommen bei Ihnen Kauf, Miete oder Leasing in Frage?

Sowohl als auch. Ich vermiete selbst und refinanziere über eine Bank: Das ist natürlich auch leasen und der Kunde hat eben die echte Leasing-Möglichkeit, daß man beispielsweise den Restwert festschreibt. Obwohl ich da die tollsten Dinger erlebt habe. Da werden Leasingverträge mit 30 Monaten Laufzeit angeboten, obwohl auch der Hersteller mit Sicherheit weiß. daß der Kunde im 30sten Monat mit der Anlage nicht mehr arbeiten kann. Und dann wird bezahlt. Das ist bei kleinen Systemen haarsträubend und halsbrecherisch für den Kunden.

- Trotz allem bleibt bei mir der Eindruck, daß Sie mit Ihrem Gebraucht-Computer-Angebot doch nur einen kleinen Teil der Anwender ansprechen können.

Das würde ich verneinen. Sagen wir mal so. ich spreche im Grunde alle Anwender an. Natürlich spreche ich nicht den Anwender an, der unbedingt ein neues System will. Der kauft kein gebrauchtes. Das ist grundsätzlich so. Deshalb sehe ich mich auch nicht in dem Sinne als Konkurrent zu den Herstellern neuer Geräte. Ich biete gebrauchte Systeme an. Selbst wenn eines drei Jahre alt oder noch älter ist und eben den Stand der damaligen Technik repräsentiert

- Dieses Adjektiv, "gebraucht", hat ja hier eine andere Bedeutung als üblich. Gebraucht steht hier nicht für Verschleißt, sondern für die technische Veralterung.

Ja, und zudem gab's meist den Wandel hin zu kleineren Einheiten. Aber wenn Sie die Peripherie nehmen, den Drucker, das ist immer noch dasselbe Prinzip. Auch der Kartenleser ist nicht mehr schneller geworden. Sicher, die Zentraleinheiten sind leistungsfähiger geworden, eben kleiner vor allen Dingen und damit billiger. Weil eine andere Technik drin steckt.

- Lassen Sie dabei außer acht, daß sich die Datenverarbeitung selbst gewandelt hat? Daß sie benutzernäher geworden ist und daß die dafür erforderlichen Betriebssysteme nur mit der neuen Hardware geboten werden?

Das ist klar. Das ist ja auch wieder so ein Spielchen, damit Sie einen Kunden mit etwas Neuem ködern können. Wenn Sie das OS eben nicht weiterentwickeln, dann mußte der Kunde irgendwann das neue Betriebssystem nehmen. Und wenn sich die Kunden dann fragen, was kostet beispielsweise eine Änderung vom OS in das DOS, dann fallen die Anwender auf das Kreuz und bleiben, meistens vor Schreck, beim alten System. Denn diese Umstellung geht gleich in die Hunderttausende. Das soll man nicht vergessen. Zugegeben: Diese neuen Betriebssysteme bringen mit Sicherheit Vorteile. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, um auf einer älteren Anlage genauso elegant zu arbeiten.

- Wir sind uns einig, daß eine Änderung sehr aufwendig wird, wenn man, bloß um die neue Hardware zu nutzen, die Software umstellen muß. Aber ist das nicht genauso kostspielig, das alte System lauffähig zu halten?

Bei der Hardware würde ich es verneinen, denn durch die ständige Wartung - wenn ich den Hersteller beim Wort nehme - wird immer wieder ein neues Teil eingebaut. Das heißt, die Maschinen gehen eigentlich nicht kaputt oder könnten unter Wartung gar nicht zu Schrott werden

- Warum kauft dann überhaupt jemand neu?

Das ist halt wie beim Auto. Der Bedarf an Neuem ist einfach vorhanden. Der muß auch da sein, sonst würde nichts mehr entwickelt, nichts mehr produziert werden.

- Widersprechen Sie sich da nicht selbst?

Nein, das bezieht sich nur auf neue Systeme. Wenn Sie entsprechende Interpreter haben, dann können Sie jedes in einer höheren Programmiersprache geschriebene Programm eins zu eins übernehmen . . .

- . . . Sie müssen nur alle Steuerkarten ändern.

Der Hersteller sagt, du hast dir das System gewünscht, ich liefere es ich gebe dir alles Handwerkszeug mit. Deine Anwenderprogramme stelle ich dir gerne um, aber bei mir kostet die Stunde eben 154 Mark. Das ist im Mietpreis nicht drin.

- . . . die Frage ist nur, ob das korrekt ist. Schließlich handelt es sich um eine betriebssystembedingte Manipulation, die der Anwender nicht zu verantworten hat.

Das ist es ja, was ich eingangs sagte. Was nutzt der billigste Preis für die Hardware, wenn Sie dann hinterher feststellen, was Sie das Ganze tatsächlich kostet. Das ist etwas, was die Kunden gar nicht so schnell entdecken. Sie sehen nur die paar Steuerkarten - das ist ja nicht viel. Wenn sie dann mal gezählt haben, wieviel Programme sie überhaupt haben - das wissen ja die wenigsten - dann stellen sie fest: Jedes Programm zu ändern, zu übersetzen, zu prüfen, das wäre zu aufwendig . . .

- . . . und ich bleibe bei meinen alten Programmen. Also bietet der Hersteller Emulatoren an, damit die alten Programme auf der neuen Maschine weitergefahren werden können. Nur dazu bräuchte man eigentlich keine neue Hardware.

Sie sagen es. Denn dann haben Sie im Grunde den Vorteil, den die neue Technologie bietet, durch den Emulator wieder auf eins gesetzt. Da haben Sie keinen Vorteil, außer, daß sie vielleicht ein paar Platten dranhängen können. Aber heute muß ja überall ein Bildschirm stehen. Haben Sie keinen Bildschirm im Büro, fehlt lhnen ein Statussymbol. Nach einem Jahr gehen Sie halt zum Augenarzt.

- Jetzt wird's philosophisch.

Im Gegenteil, ich bin da ganz pragmatisch. Ich sage mir: Die Rechnung muß halt geschrieben werden - egal wie. Und meine Überweisungsträger müssen gedruckt werden. Aber eigentlich brauche ich dazu nur einen Drucker- oder ein Schreibwerk - und dann noch irgend etwas, was die Rechnungen produziert. Wenn ich dann sehe, was da für Riesenmaschinen in den Firmen stehen und was die kosten, dann weiß ich nicht, ob das nun in der DV-Entwicklung der Weisheit letzter Schluß ist.