Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

24.05.2002 - 

Desktop-Strategien/Neue Diskussion um Thin-Client-Konzepte

Durch dick und dünn am Desktop

Das Konzept der Thin Clients hat mit Linux wieder an Aktualität gewonnen. Viele sehen es als geradezu prädestiniert für den Einsatz am schlanken PC. Ob Thin oder Fat Clients bei einer Linux-Migration Einzug in die Unternehmens-IT halten, sollte jedoch gut überlegt sein. Von Thomas Sprickmann Kerkerinck*

Die Diskussion um Thin und Fat Clients am Arbeitsplatz ist nicht neu. Als Thin Clients werden alle Rechnertypen bezeichnet, die ohne Festplatte ihr Betriebssystem von einem Server oder einer Flash-ROM-Karte beziehen und die selbst keine Applikationen zur Verfügung stellen. Heute wird der Einsatz solcher Systeme häufig als Server-based Computing beschrieben, da die Applikationen auf Servern zur Ausführung gelangen und die Thin Clients nur eine Art Bildschirmausgabe dieser Applikationen zur Verfügung stellen.

Zum Fat Client wird ein Rechner per Definition, wenn er über eine Festplatte verfügt, auf der Applikationen vorgehalten werden, die auf dem Client selbst zur Ausführung kommen. Klassischer Vertreter dieser Gattung ist der Personal Computer (PC) mit dem Microsoft-Betriebssystem "Windows", das laut IDC einen Marktanteil von rund 95 Prozent für sich verbuchen kann. Mit Linux ist in die Diskussion um das Für und Wider beider Client-Konzepte ein neuer Mitspieler getreten, der für frischen Wind hinsichtlich der Lösungsangebote für beide Bereiche sorgt.

Warum gibt es die beiden Konzepte? Die Entwicklung der Computer und ihr Einsatz am Arbeitsplatz haben einen langen Weg hinter sich. Begonnen hat die elektronische Datenverarbeitung mit zentralen Rechnern, die als Arbeitsplatz einfache Terminals zur Verfügung stellten. In der Regel lief eine Applikation auf dem Zentralrechner. Für Aufgaben wie zum Beispiel Briefeschreiben kam die Schreibmaschine zum Einsatz.

Mit der Leistungssteigerung der Rechner änderte sich auch das Arbeitsplatzsystem. Die vielfältigen Ausprägungen der heutigen Desktop-Systeme macht es den Unternehmen mit einer Vielzahl an Arbeitsplätzen heute schwer, den Betrieb mit vertretbarem Aufwand zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund hat sich der Thin Client entwickelt, der zwar die grafische Oberfläche bis zum Arbeitsplatz bringt, aber in seinem Funktionsumfang starken Einschränkungen unterliegt.

Die Vorteile eines Thin Client sind seine einfache Installation und Wartung, da keine Applikation auf dem Rechner installiert werden muss. Zusätzlich sind die Anschaffungskosten für die Hardware geringer, weil die Leistungsanforderungen zur Darstellung der auf dem Server ausgeführten Anwendungen deutlich geringer sind als bei Fat Clients. Die Halbwertszeit der Thin-Client-Hardware wird auch nicht mehr durch den Update-Druck bestimmt, bei dem alle zwei bis drei Jahre neue Softwareanforderungen schnellere Hardware benötigen.

Ein Nachteil der Thin Clients besteht in der beschränkten Auswahl an Applikationen, die mehrbenutzerfähig sind und über den Server mehreren Thin Clients zur Verfügung stehen. Zudem ist höhere Leistungsfähigkeit bei Netzwerk und Server gefordert. Auch das Drucken verlangt in der Regel einen erhöhten technischen Aufwand, da der Client die Druckaufbereitung nicht selbst steuert.

Linux hat aufgrund seiner Stabilität und Genügsamkeit in puncto Hardware sowie wegen des Lizenzmodells einige Basiseigenschaften, die es für jeden, der ein System administrieren muss und der die Kosten dafür zu tragen hat, als interessante Alternative erscheinen lassen. Dabei ist der Einsatz als Betriebssystem auf Thin Clients keine technische Herausforderung für den Einsatz am Arbeitsplatz. Da die Applikationen auf dem Server laufen, spielt das Betriebsystem im Thin Client-Ansatz für den Benutzer eine untergeordnete Rolle. Also sind die Investitionsentscheidungen pro oder kontra Linux innerhalb eines Thin-Client-Konzepts aus technischen oder finanziellen Aspekten zu betrachten.

Die Entscheidung, eine Thin-Client-Umgebung im Unternehmen einzuführen, bedeutet jedoch eine Beschränkung der Anwender und führt nicht selten zu Akzeptanzproblemen und der langfristigen Einschränkung von Flexibilität am Arbeitsplatz.

Anders ist dies bei der Überlegung zu Linux auf Fat Clients. Hier bestimmt das Betriebssystem über die einsetzbaren Applikationen. Der User entscheidet mit seiner Akzeptanz und das Unternehmen letztendlich nur über die Kosten, welches Betriebsystem zum Einsatz kommt.

Linux ist seit langer Zeit mit zahlreichen technischen Eigenschaften ausgestattet, die für den Einsatz auf Fat Client besonders geeignet sind. Die Fernadministration und die Eigenschaften des Multi-User-Betriebsystems erlauben einen effektiven Support der Arbeitsplatzsysteme und die Einschränkung der Benutzereingriffe am System auf das im Unternehmen gewünschte Maß.

Problem der User-Akzeptanz

Die Softwareverteilungseigenschaften einiger Distributionen (etwa Debian) erlauben auch die bequeme Verteilung von Applikationen auf die einzelnen PCs von zentraler Stelle aus. Die Anzahl der Applikationen, die nativ auf dem Betriebssystem Linux einsetzbar sind, wächst rasant, auch wenn die Fülle der mit der Zeit entstandenen Applikationen im Windows-Umfeld noch nicht erreicht ist.

Doch heute kommt Linux nicht mehr auf die grüne Wiese im Unternehmen, sondern in eine mehr oder weniger gut konzeptionierte und konfigurierte IT-Landschaft. Die technischen Aspekte einer Umstellung von Microsoft zu Linux als Desktop-Betriebssystem lassen sich in den meisten Fällen gut lösen. Jedoch hat der Wechsel des Betriebssystems für die Anwender nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf die gewohnten Arbeitsabläufe. Dabei ist nicht gesagt, Linux und darauf zum Einsatz kommende Applikationen seien umständlicher zu bedienen. Vielmehr führt der Verlust an gewohntem Aussehen, an gewohntem Umgang, zu Verunsicherung der Benutzer und zu Akzeptanzproblemen. Wer Linux als Betriebssystem in seinem Unternehmen oder seiner Organisation einführt, sollte diesen Umstand mit in seine Planung einbeziehen. (js)

*Thomas Sprickmann Kerkerinck ist Geschäftsführer der Natural Computing GmbH in Dortmund.