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17.02.1984

Durch die "blaue" Brille

Man kann nicht rundweg sagen, daß es eine stete Wonne ist, Chefredakteur der COMPUTERWOCHE zu sein. Zu den positiven Aspekten gehört sicher, herauszufinden, ob sich die Leser für unsere journalistische Arbeit interessieren und wie sie den redaktionellen Output bewerten. Angesichts der vielen Leserbriefe zu unserem Beitrag über Software für Frühwarnsysteme ("Computer können militärische Sicherheit gefährden") sind wir schon ein bißchen stolz. Der Bericht von CW-Redakteurin Ina Hönicke wurde inzwischen von mehreren Publikationen nachgedruckt.

Keineswegs unglücklich, um beim Wonnepunkt zu bleiben, sind wir über Kritik - wenn sie den Kern trifft und wir uns an die eigene Nase fassen müssen. So bemängelte kürzlich ein Leser, wir würden zu lange Blabla-Artikel bringen, Spaltenfüller ohne fachlichen Tiefgang. Das Problem ist erkannt - doch woher qualifizierte Fremdbeiträge nehmen, wenn nicht aus den Schreibtischen der DV-Experten bei Anwendern, Herstellern, Softwarehäusern und Beratungsunternehmen stehlen? Deshalb unsere Bitte an alle unabhängigen Know-how-Träger: Schreiben Sie Exklusivbeiträge (keine PR-Meldungen!) für die CW.

Die Chronik der Lesermeinungen - und jetzt sind wir bei den Wermutstropfen - verzeichnet aber auch Rüffel, dahingehend etwa, die COMPUTERWOCHE sei IBM-feindlich, in ihren Big-Blue-Recherchen voreingenommen, nicht objektiv. Muß die CW-Redaktion diesen Vorwurf ernst nehmen? Und, wenn ja: Gibt es, was IBM-Watching betrifft, überhaupt den goldenen Mittelweg? Mit dieser Frage beschäftigen wir uns permanent - nicht ganz freiwillig, zugegeben. Denn die CW versteht sich als "Spiegel des Marktes". Nach dem Stand der Dinge - wem sagen wir das - ist Big Blue nicht zu übersehen. Die IBM beherrscht Immerhin, dies macht die jüngste IDC-Studie deutlich (siehe Seite 1: "Mikros schlagen Mainframes"), fast drei Viertel des amerikanischen Universalrechner-Marktes, will - nach eigenem Bekunden - gar mehr: "We want all the business if we can get it" (Francis Rodgers, Vice President IBM).

Daß der Marktführer den Erfolg gepachtet zu haben scheint, verdirbt einem die Freude am Redaktionsgeschäft nicht. "Wettbewerb" heißt das Spiel im Computer-Busineß - und die IBM hat natürlich das Recht, alles zu tun - oder zu unterlassen - , was den Erfolg ihrer Produkte beeinflußt. Größe kann man IBM nicht vorwerfen. Wir sind keineswegs so borniert, die Power des blauen Zeichens zu leugnen. Es ist aber auch nicht von vornherein in Frage zu stellen - und auf diese Aussage kommt es an - , ob Nicht-lBM-Produkte überhaupt mit dem Angebot des Marktführers konkurrieren können. Genau dies tut ein großer Teil der US-Wirtschaftspresse. Da wird, scheinbar äußerst objektiv, der Überlebensstatus jedes einzelnen Computerherstellers analysiert. Die Mikrobranche ist von der Todsagerei am meisten betroffen. Nach der Osborne-Pleite ging es mit dem Survival-Ranking erst so richtig los. Da schrieb beispielsweise "Business Week": "And the Winner is ... IBM!" Zulässige Interpretation: Der alleinige!

Jetzt ist Commodore, Nummer eins bei Heimcomputern, in diesen Zusammenhang gerückt worden. Die Verbraucher finden es aber offenbar gar nicht gut, nur IBM Personal Computer in den Regalen zu sehen. Sie kaufen, mehr denn je, Commodore-Computer. Und widerlegen damit die Business-Week-Prognose. Wenn die CW den Markt transparent machen karm und damit dem Anwender nützliche Informationen liefert, ist der Vorwurf der "IBM-Blindheit" - in dieser oder jener Richtung - zu verschmerzen.