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15.03.1985 - 

Wie integriert man unterschiedliche Arten des Datenverbundes:

Durch Hyperintegration zum Overkill

MÜNCHEN (CW) - Genauso, wie "Automatisierung" viele Jahre lang der Schlachtruf von Anwendungsentwicklern war, heißt das Schlagwort heute "Integration". Obwohl dieser Begriff nur vage definiert ist und häufig falsch verwendet wird, ist es offensichtlich, daß die Benutzer großer Computer heute in zunehmendem Maße nach neuen Möglichkeiten suchen, Daten zu betrachten und zu manipulieren.

Es reicht nach Meinung eines Forschungsdirektors bei der New Yorker Diebold Group, Inc., David Dell nicht mehr aus, eine Anwendung für einen einzigen Zweck zu entwickeln und dann zu erwarten, daß sie auf Dauer auch so funktioniert. Man müsse im voraus erkennen daß Informationen möglicherweise für Zwecke benötigt werden, für die die Anwendung ursprünglich nicht ausgelegt ist.

Was aber Integration ist und wieviel Eingliederung der Benutzer braucht, das sind zwei heikle Themen. Integration in einfacher Form ist schon seit einigen Jahren bekannt, aber viele Experten stimmen darin überein, daß die Technologie noch nicht ausgereift ist. Ein Hindernis auf dem Weg zu echter Integration sind die Ursprünge vieler Anwendungssysteme in den Stapelprozessen der Vergangenheit.

Nach Ansicht von Dell wurden Anwendungsprogramme ursprünglich entwickelt, um eine Aufgabe gut zu erfüllen. Heute konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die Vorteile der Integration in Zusammenhang mit der Senkung der Kosten für die Auslegungscodierung, der Produktivitätssteigerung und der Möglichkeit des effizienten Austauschs von Informationen zwischen Anwendungen.

Das Umrüsten ist jedoch von Stapelverarbeitungssystemen zur Einbeziehung integrierter Funktionen ein langsamer, und schwieriger Prozeß. Da die Technologie sich rasch weiterentwickelt, sei bisher noch kein Integrationsstandard entstanden, meint Dell gegenüber der Computerworld. Nicht nur Softwarehäuser betätigen sich auf dem Gebiet der Integration, sondern auch Datenbankhersteller und führende Hardwareanbieter stellen eigene Standards auf.

Der Anwender wünscht im Normalfall die Integration verschiedener Funktionen sowie zwischen Mainframe und Mikro. Hinzu kommen die Komplikationen durch verschiedene Integrationslösungen einzelner Hersteller, so daß sich schließlich die Frage stellt: "Wie integriert man unterschiedliche Arten der Integration?"

Aus zwei Gründen hat das Thema Integration in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen: die Notwendigkeit einer höheren Produktivität der Programmierer und der Wunsch des Endbenutzers, einige der interessanten Techniken von Mikrocomputern auch, auf große Datenbanken von Unternehmen anzuwenden.

Der Markt versteht jetzt, daß der Turmbau zu Babel sehr kostspielig ist. Die Benutzergemeinde ist darüber hinaus stark engagiert und nicht bereit, 13 unterschiedliche Befehlsstrukturen für 13 verschiedene Anwendungen zu lernen. Der Benutzer also zwingt zur Integration und zur Bereitstellung der Techniken.

Die Softwareunternehmen haben hierauf mit mehreren neuen Ansätzen reagiert, und von jedem einzelnen heißt es, er sei in jeder Hinsicht integriert. Kenner der Szene allerdings geben zu, daß das Marketing bei weitem mehr anbietet, als tatsächlich geliefert werde. Die Anbieter können sich besser artikulieren, als sie liefern. "Wir selbst sind unsere größten Feinde."

Die Anbieter hätten in dem Bemühen, ihre Produkte voneinander abzuheben, eine Situation geschaffen, die die Sache für potentielle Käufer verwirrender macht. Durch die Behauptung der Integration suggerieren die Manufakturen, daß die Dinge sehr eng verzahnt ablaufen und daß Daten gemeinsam genutzt werden. In den meisten Fällen erfolgt jedoch lediglich eine Weitergabe. Jede Anwendung besitzt immer noch einige Dateien. Es liegt ein sehr erheblicher Unterschied zwischen integrierten und verbundenen Anwendungen.

Integration findet auf zwei Arten statt

Die verschiedenen Wege zur horizontalen Integration lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Datenbank-I integration und Datenzugriffs-Integration. Der integrierte Zugriff ist die bei weitem beliebteste Lösung auf dem Markt. Dieses Konzept basiert nicht auf einem bestimmten Datenbank-Managementsystem, sondern erlaubt einheitliche Operationen über Dateien hinweg.

Bei der Millennium-Technologie, die vom Softwarehaus McCormack & Dodge (MeD) eingesetzt wird, ist die Fähigkeit des Benutzers zum Dialog mit dem System identisch. Daten können aus mehreren Dateien abgerufen, über Kreuz editiert und geprüft, aktualisiert und wieder in die Dateien zurückgeschrieben werden wobei die Dateien ständig synchron aktualisiert werden.

Die meisten Anbieter, die nach dieser Methode vorgehen, haben die Onlineteile ihrer Software verändert, um diese Einheitlichkeit widerzuspiegeln, ohne die Stapelmodulen vollständig neu zu schreiben. Der Stapel führt jedoch keine echte Verarbeitung zwischen den Programmen aus.

Eine engere Integration läßt sich erzielen, wenn Anwendungen mit einem einzigen Entwicklungssystem um ein gemeinsames Datenbank-Managementsystem herum erstellt werden. Dieser Lösungsansatz wird von Datenbank-Herstellern wie Cullinet Software, Inc., propagiert. Die Cullinet-Module teilen sich beispielsweise eine gemeinsame IDMS-Datenbank, was höhere Funktionalität und bessere Leistungswerte durch eine Verringerung des erforderlichen Datenverkehrs bietet. Cullinet versucht damit, sowohl die Steuerungs-Hilfsmittel für die Datensteuerung als auch für die Erstellung von Online- und Stapelanwendungen zu kontrollieren. Dies ist ein weitergehender Lösungsansatz für die Integration.

Andererseits ist das Datenbankkonzept aufwendiger, denn es erfordert die Festlegung auf einen bestimmten Anbieter sowie den Kauf und die Pflege eines Datenbank-Managementsystems und der zugehörigen System-Software. Kritiker behaupten auch, daß die Datenbank-Integration abgesehen von der Verarbeitung umfangreicherer Datenmengen keine weiteren Funktionen für die erheblich höheren Kosten bietet.

Eine dritte, jedoch immer seltenere Option schließt die Schaffung von Schnittstellen zwischen vorhandenen Softwaremodulen ein, um einige rudimentäre Formen der Datenweitergaben zu übernehmen. Diese Option ist bei weitem die preiswerteste und bedingt die geringste Festlegung auf einen Hersteller. Allerdings ist sie von echter Integration auch meilenweit entfernt.

Obwohl viel über die unterschiedlichen Integrationsansätze geredet wird, sind sich viele Beobachter darin einig, daß eine grundlegende Frage außer acht gelassen wird: "Wieviel Integration braucht der Benutzer wirklich? Es besteht sogar eine Tendenz, den Usern von einer unmittelbaren Integration abzuraten, denn es besteht ein gewisser Trend zur Überintegration, der nicht lohne.

US-Berater haben zudem festgestellt, daß die Kundenwünsche gemessen am wirklich Möglichen im allgemeinen unrealistisch sind. Die Integration im großen Stil erfordert meist eine fast vollständige Überarbeitung der vorhandenen Software.

Aus diesem Grund sind sich Experten einig, daß die Unternehmen ernsthaft überlegen sollten, wieviel Eingliederung sie wirklich brauchen.

Diese Entscheidung ist nach Ansicht von Unternehmensberatern derzeit die wichtigste Frage, und im Moment gäbe es keine richtige oder falsche Antwort. Häufig überschätzten die Benutzer ihre Möglichkeiten, den gewünschten Integrationsgrad zu realisieren. Und dieser ist meist auch noch teurer als erwartet. Nur selten sind die Anwender in der Lage, den hierzu erforderlichen Aufwand an Zeit und Mitteln zu investieren, so die Beobachtung. Integration erhält man nicht einfach durch den Kauf von Software. Im Idealfall müßte ein Unternehmen in der Lage sein, eine Zeitlang zu schließen und seine Geschäftsstrategien zu analysieren, um auf dieser Grundlage eine Informationsarchitektur und Systemstrategien zu erarbeiten.

Danach würde die Software von einem Super-Analytiker entwickelt, der mögliche künftige Verwendungen der Informationen genauso wie die bestehenden berücksichtigt. Aber dieses Szenario ist in sich nicht schlüssig. Es hilft jedoch, diesen Prozeß zu durchdenken und zu überlegen, was man verwirklichen würde.

Die Beschäftigung mit der Integration muß damit beginnen, zu betrachten, wie verschiedene Gruppen die gleichen Informationen auf unterschiedliche Weise verwenden. In einer Produkt-Datenbank bedeutet Integration das Nachdenken über das Produkt, die Feststellung, was das Unternehmen darüber wissen muß, und die Entwicklung eines Datenmodells, daß es mehreren Benutzern gestattet, das Produkt zu betrachten, so als seien sie die einzigen, die sich damit befassen.

Alternative Integration: Erweiterung der

vorhandenen Software

Nach Ansicht von Experten könnten Organisationen viele Vorteile der Integration zu deutlich geringeren Kosten erzielen, indem sie die vorhandene Anwendungssoftware nach oben um Produkte erweitern, die einen einheitlichen Datenzugriff erlauben.

Zu den verfügbaren Produkten gehören Abfragesprachen, Listenschreiber, Sprachen der vierten Generation, Anwendungsgeneratoren, Entscheidungsunterstützungssysteme und Mikrocomputer-Mainframe-Verbindungen. Wie David Dell, Forschungsdirektor bei der Diebold-Gruppe in New York, erläutert, setzen einige ihrer Kunden PC/Focus (von Informations Builders, Inc.) als Vorprozessor für ihre Anwendungen ein, um so eine gewisse Integration zu erreichen. Sie brauchten dann das Personalsystem nicht vollständig zu überarbeiten, sondern konnten durch Ausfüllen von Lücken einiges von dem zusätzlichen Wert der Integration erhalten. Sie erzielten eine ausreichende Integration für eine Aufgabe, ohne wesentliche Änderungen am Programm vornehmen zu müssen.

Daniel Pfau, leitender Mitarbeiter bei Index Systems, Inc., einem Beratungsunternehmen aus Cambridge, Massachussetts, glaubt, daß viele Integrationsprojekte fehlschlagen, weil sich die Firmenleitungen zu sehr auf die Technologie und zu wenig auf den benötigten Integrationstyp konzentrieren.

Neuere Technologien wie die Programmiersprachen der vierten Generation können zur Lösung einiger kleinerer Probleme eingesetzt werden: dies ist besser, als danach zu trachten, ein großes integriertes System zu erhalten, das alle möglichen Probleme lösen könnte. Wenn man entscheiden kann, welche Form der Integration sich bezahlt macht, ist es immer noch Zeit genug, sich um die Technologie zu kümmern.