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26.09.1986 - 

Wirtschaftlichkeit von IKS nur schwer festzustellen (Teil 2):

Durch integrierte Gesamtplanung Unheil vermeiden

Zentralisierung versus Dezentralisierung: Um diese Frage dreht sich der zweite Abschnitt des Beitrags von Ulrich Busch. Bei dieser Betrachtung senkt sich die Waagschale zugunsten von dezentralen Organisationen, denn zentral geführte Unternehmen bergen immer die Gefahr der Unübersichtlichkeit in sich. Der Autor beschreibt des weiteren die Sackgasse, in der die meisten Unternehmen mit ihrem zentralen DV-Konzept stecken: Die Budgets der DV-Konzept stecken: Die Budgets der DV-Abteilungen steigen von Jahr zu Jahr, ohne daß beim Endbenutzer eine Gesamtwirtschaftlichkeit nachgewiesen werden kann. Zudem zeigt ein Vergleich mit der Industrialisierung, daß die informationstechnische Automatisierung noch in den Kinderschuhen steckt.

Im Rahmen der Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit von IKS können strategische Komponenten, die die Aufbauorganisation und das Führungssystem der Unternehmung betreffen, nicht außer acht gelassen werden. Die Frage nach Zentralisierung oder Dezentralisierung ist ein wesentlicher Faktor zur Bestimmung des Erfolgs einer Unternehmung.

Zentral geführte Organisationen erfordern ein hohes Maß an Koordination und Kontrolle und müssen durch entsprechende IKS unterstützt werden. Das Funktionieren einer so komplexen Organisation ist auf ein störungsfreies, automatisiertes IKS angewiesen. Fällt das IKS ganz oder teilweise aus, dann ist die Unternehmung arbeitsunfähig. Weitverzweigte Netze haben heute insbesondere in multinationalen Unternehmen die organisatorischen Landesgrenzen geöffnet und den Gesamtkonzern zu einer Organisationseinheit werden lasen. Nicht selten ist die Arbeitsteiligkeit sowohl in der Produktion als auch in den übrigen wichtigen Unternehmensbereichen/-funktionen auf den Gesamtkomplex verteilt. Das führt zum Beispiel zu komplexen Logistiksystemen, die ohne eine hohe Verfügbarkeit der Kommunikationsnetze nicht funktionsfähig sind. Da in einem derartig vernetzten Systemen unter Umständen bereits die Störung eines Gliedes das gesamte Kommunikationsnetz zum Erliegen bringen kann, sind außerordentlich scharfe Maßstäbe an die Sicherheitsanforderungen anzulegen. Das wiederum kann die Wirtschaftlichkeit solcher Systeme in Frage stellen. Im Einzelfall kann dies bedeuten, daß die mit der Arbeitsteiligkeit innerhalb einer zentral geführten Organisation beabsichtigen Wettbewerbsvorteile - zum Beispiel durch Massenfertigung oder geringere Lagerbestände - durch eintretende Negativeffekte aufgehoben werden.

Im Gegensatz zu komplexen, unübersehbaren Organisationseinheiten stehen Keine, überschaubare, relativ autonome Einheiten, die sich bei Störungen der Ablauforganisation sehr schnell selbst organisieren und damit ihre Funktionstüchtigkeit erhalten. Die Eigenschaft, sich schnell an veränderte Situationen anpassen zu können, führt folglich zu einem flexiblen Reaktionsvermögen bei veränderten Marktverhältnissen und sichert so gegenüber schwerfälligen Organisationseinheiten erhebliche Wettbewerbsvorteile. Kleine, überschaubare Organisationseinheiten benötigen weniger formalisierte Informationen, da die Notwendigkeit für Koordination und Kontrolle gering ist. Der Grad der Arbeitsteiligkeit ist niedriger, der Grad der Multifunktionalität höher.

Weltweit zeichnet sich ein Trend ab, der sowohl im Fertigungsbereich als auch im Büro- und Verwaltungsbereich zu multifunktionalen Leistungseinheiten beziehungsweise Funktionsträgern führt. Im Fertigungsbereich sind es die Universalmaschinen in Kombination mit hochtechnisierten Handhabungsgeräten und Robotern, die zu hoher Flexibilität der Fertigungseinheiten führen und damit auch bei kleinsten Losgrößen wirtschaftliche Fertigung ermöglichen. Dagegen ist es im Büro- und Verwaltungsbereich das Office-Equipment mit der Möglichkeit der ganzheitlichen Vorgangsbearbeitung, das die Arbeitsteiligkeit reduzieren hilft.

Ein Problem ergibt sich aus den jeweils erforderlichen Managementprofilen, die in den beiden genannten Organisationsformen unterschiedlich sein müssen:

Zentral geführte Unternehmen bergen immer die Gefahr der Unübersichtlichkeit in sich. Diese kann nicht in jedem Fall durch entsprechende IKS ausgeliehen werden, weil IKS in der Regel lediglich den formalen Ablauf- oder Führungsrahmen eines Unternehmens unterstützen, nicht jedoch den oft ebenso gewichtigen informellen Bereich. Unübersichtlichkeit und eine straffe zentrale Lenkung aber führen zum Verlust unternehmerischen Denkens und Handelns und damit zum Verlust von Innovationen und Synergieeffekten. In zentral geführten Unternehmen entwickelt sich zwangsläufig der Managementtyp "Administrator" zur dominierenden Funktion, gepaart mit relativ hohen Verwaltungskosten. Der Rest des Managements beschäftigt sich ausschließlich mit dem Vollzug beziehungsweise der Einhaltung von Richtlinien, ohne deren positive oder negative Wirkung auf den Unternehmensertrag betrachten zu dürfen.

Innovatoren oder unternehmerisch veranlagte Manager hingegen werden binnen kürzester Zeit auf natürliche Weise als "Störenfriede" entlarvt und als "Fremdkörper" ausgeschieden.

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von IKS stellt sich daher auch in besonderem Zusammenhang mit dem im Unternehmen vorhandenen Managementprofil. Ein Innovator/ Unternehmer benötigt für seine Entscheidungen andersartige Informationen als ein Administrator. Für die Lebensdauer von IKS muß dies bedeuten, daß ein Wechsel der Managementprofile, zum Beispiel ausgelöst durch die Aufweichung einer zentralen Führung, zu völlig neuen Anforderungen an das IKS und damit unter Umständen zum Lebensende des bisher als völlig ausreichend bezeichneten IKS führt. Dies trifft auch auf den umgekehrten Fall zu. Ein Administrator wird sich nicht mit dem Informationsbedarf eines Unternehmers zufriedengeben. Da er stets auf Kontrolle bedacht ist, wird sich sein Informationsbedarf schwerpunktmäßig auf die Festlegung von Budgetzielen (Planungsdaten) und deren strikte Einhaltung beschränken. Planabweichungen, auch wenn sie selbsterklärend sind, bedürfen umfangreicher Kommentare und Analysen.

Entwicklung des IKS ist strategische Entscheidung

Wer aber kann im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für ein neu zu entwickelndes IKS Sinn und Nutzen derartiger Informationsbedarfe zu ermitteln? Weder die Steigerung der Produktivität noch der Lieferservicegrad dem Markt gegenüber werden durch die Deckung des vorgenannten Informationsbedarfs positiv beeinflußt. Auch an dieser Stelle wird deutlich, daß die Entwicklung ökonomischer IKS eine strategische Unternehmensentscheidung ersten Ranges ist. Das bedeutet, daß ein IKS sich stets aus übergeordneten Anforderungen ableitet und keinesfalls von Informationstechnologen in stiller Abgeschiedenheit und fernab von der Mitwirkung des strategischen Managements entwickelt werden darf, auch wenn dies eine seit Jahrzehnten geübte Praxis ist.

Die Restriktionen auf dem informationstechnologischen Sektor scheinen in der Vergangenheit bei den meisten Unternehmen zum zentralen Datenverarbeitungskonzept geführt zu haben.

Seit Jahrzenten geübte Praxis

Integrierte Anwendungssysteme erfordern den Zugriff auf dieselben Datenbestände, die heutzutage am wirkungsvollsten in Großrechnern unter Zuhilfenahme von zentraler Datenbanksoftware realisiert werden. Unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten wurde und wird dieser Weg von den meisten Großunternehmen aufrechterhalten. Die Lieferanten unterstützen dieses Konzept durch die Entwicklung immer größerer und leistungsfähigerer Rechner einschließlich externer Speicher. Während die heutigen kommerziellen Rechner an der oberen Leistungsgrenze etwa 20 Mips (Millionen Instruktionen pro Sekunde) leisten, sind bereits neue Großrechner angekündigt, die bis zu 200 Mips verarbeiten können.

Ein weiterer Grund für die Aufrechterhaltung dieses Konzeptes liegt in der Personalstruktur des Datenverarbeitungsbereichs. Das Personal besitzt sein Know-how beim Einsatz des Zentralrechners und sieht keine Veranlassung, diesen Weg zu verlassen, da schließlich auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückgeblickt werden kann. Die Hardwarelieferanten - soweit es die potentiellen Mainframer betrifft - sehen ebenfalls kaum Anlaß, das Zentralrechnerkonzept aufzugeben, da ihnen schließlich der außerordentliche Markterfolg recht gibt, das heißt ihr Konzept wurde als richtig bestätigt.

So ist es nicht eben verwunderlich, daß Hardwarehersteller selbst geringfügige Veränderungen der Hardwarearchitektur als weitere Verkaufsargumente für höhere Leistung des Zentralrechners benutzen und sich diesen Leistungsanstieg mit hohen Softwarekosten für ein neues Betriebssystem bezahlen lassen. Dem RZ-Leiter kommen diese Bemühungen sehr gelegen, da jegliche Erweiterungen der Anwendungssysteme in einer voll integrierten Softwareumgebung - mit Zugriff auf dieselben Datenbestände (Datenbank) im Realtimebetrieb - keine anderen Lösung zulassen, als permanent die Zentralrechner aufzurüsten, also mit höherer Leistung zu versehen. Leider liegt es in der Natur der Dinge, daß das immer günstiger werdende Preis-Leistungs-Verhältnis der Hardware nur geringfügig an dem Endverbraucher weitergegeben werden kann.

Immer komplexere Rechensysteme bedürfen aufwendiger Steuerungssoftware. Die Sicherungsverfahren für derart integriert ablaufende Prozesse erfordern entsprechende Hard- und Softwareressourcen, die freilich zu Lasten des Gesamtwirkungsgrades des Rechnereinsatzes gehen müssen. Dadurch erklärt sich, weshalb die laufenden Budgets des Bereichs Datenverarbeitung von Jahr zu Jahr steigen, ohne daß man durch entsprechende Einsparungen bei dem Endbenutzer eine Gesamtwirtschaftlichkeit nachweisen kann.

Ein weiteres, noch gravierenderes Problem stellt sich für die Sicherheit des Unternehmens. Das außerordentlich komplexe Handling von vielen Batch-Programmen, die zusätzlich zu den Online-Anwendungen täglich laufen, erfordert weitere Steuerungssoftware im RZ-Betrieb. Das wiederum geht zu Lasten des Gesamtwirkungsgrades der installierten Rechner. Die darüber hinaus vorhandene Führung redundanter Datenbestände bedeutet zwangsläufig Update-Abhängigkeiten, die bei hochintegrierten IKS zu außerordentlichen Engpässen im Rechnerbetrieb führen.

Batch- und Online-Programme, die durch entsprechende Update-Routinen tagesaktuell gehalten werden müssen, führen zu Problemen in der Zeitplanung. Diese lassen sich ohne gravierende Eingriffe in das Softwaredesign bei den heute vorhandenen Hardwareressourcen in Unternehmen mit Meßdaten kaum noch bewältigen. Da die Programme wegen der Update-Prozesse in einer logischen Konsequenz ablaufen müssen, nützt auch die Aufstockung mit zusätzlicher Hardware nichts; denn die Programme greifen auf Datenbestände zu, die in vorangegangenen Schritten aktualisiert wurden. Abhilfe kann in solchen Fällen nur ein verändertes Softwaredesign bringen, das heißt, daß eine Reihe von Batch-Routinen durch Online-Routinen abgelöst werden müssen. Das wiederum kann bei hoher Tagesnachrichtenrate während der Haupt-online-Verarbeitungszeit zu weiteren Engpässen beziehungsweise schlechten Terminalantwortzeiten führen. Schlechte Antwortzeiten kosten jedoch dem Endbenutzer wertvolle Zeit.

Wie aber sollen diese Zusammenhänge innerhalb einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung den zu entwickelnden IKS zugerechnet werden, zumal die konkrete Ausprägung dieser Wirkzusammenhänge häufig mangels Kenntnis der jeweiligen Auslöser zum Zeitpunkt der Wirtschaftlichkeitsüberlegungen noch nicht bekannt ist? Im konkreten Einzelfall führt die Frage der Wirtschaftlichkeit neuer IKS zu einer integrierten Analyse aller relevanten Faktoren. Das wiederum ist kaum nachvollziehbar, je größer die Systemunabhängigkeiten als Folge der Zentralisierung der Datenverarbeitung sind. Da die Entwicklung neuer IKS einerseits viel Zeit und Ressourcen bindet, andererseits die Integration in den Unternehmen teilweise erst am Beginn steht, wird in einigen Unternehmen erst nach Jahren sichtbar, welche Konsequenzen sich für die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der realisierten Verarbeitungskonzepte ergeben.

Das besondere Problem besteht jedoch darin, daß es für diese Unternehmen dann kaum noch ein Zurück gibt. Jeder Eingeweihte weiß, daß Softwareumstellungen in einem hochintegrierten Umfeld mangels Zeit, Manpower und Finanzmittel kaum zu bewerkstelligen sind. Daher genügt es nicht, Jahr für Jahr neue Systementwicklungen zu genehmigen und sich diese durch ausgefeilte Einzelwirtschaftlichkeits-Untersuchungen begründen zu lassen. Erforderlich ist vielmehr eine gründliche, detaillierte Bestandsaufnahme der bestehenden Verarbeitungssituation. Erst auf dieser Basis wird eine Hochrechnung für Anwendungserweiterungen möglich. Diese Hochrechnung darf sich in keinem Fall auf die Ermittlung von Hardwarekapazitäten beschränken. Der Schwerpunkt der Vorausschau muß auf den Fragestellungen der Systemsicherheit, also auf dem Gesamtverarbeitungsdesign, liegen.

DV-Fachleute geben altes Konzept nicht auf

Solange die Hersteller in der Lage sind, den zusätzlichen Hardwarebedarf durch immer größere Rechner zu befriedigen, werden die DV-Fachleute in den betroffenen Unternehmen nur schwer davon zu überzeugen sein, dieses Konzept aufzugeben.

Wenngleich die Komplexität des hier angesprochenen Problems unvergleichbar groß ist, scheint doch eine Analogie zum Antriebsversorgungssystem in der industriellen Geschichte zulässig. In den frühen Jahren der industriellen Automation verfügte der Industriebetrieb meist nur über eine Antriebsmaschine in Form einer Dampfmaschine mit weitverzweigtem Transmissionssystem. Die dezentral angeordneten Verarbeitungsmaschinen wurden durch ein kompliziertes Antriebswellen- und Riemensystem zentral versorgt. Schritt für Schritt vollzog sich der Trend zu dezentral angeordneten Antriebsmaschinen, die im Zuge der flächendeckenden Elektrifizierung zu integrierten Fertigungseinheiten zusammenschmolzen.

Ein Vergleich mit dem heutigen Stand des Versorgungssystems für Informationen, also mit dem Computer, läßt erkennen, daß wir uns offenbar erst in den Gründerjahren der informationstechnischen Automatisierung befinden. Es scheint an der Zeit, sich auf dem Gebiet der Informationsverarbeitung, -speicherung und -übertragung an die Entwicklung im industriellen Fertigungsbereich zu erinnern.

Abgeleitet aus diesen Überlegungen und Ergebnissen ist es Aufgabe des Gesamtmanagements, auf Erstellung eines Alternativkonzepts für die Gesamtverarbeitung zu bestehen. Die Dezentralisierung der Datenverarbeitung ist mit Sicherheit ein Weg zur Bewältigung der genannten Probleme, deren Aufzählung keinesfalls vollständig ist und deren Auswirkungen sich in der Praxis wesentlich komplexer darstellen. Die Dezentralisierung von Datenverarbeitungsfunktionen, also die Rückführung der Verarbeitung an den jeweiligen Arbeitsplatz oder zumindest in den organisatorischen Verantwortungsbereich - wie zum Beispiel in eine abgeschlossene Fertigungsstätte oder einen Geschäftsbereich, Kostenstelle beziehungsweise Abteilung - bietet über die angesprochene Problematik hinaus weitere Vorteile, auf die hier noch kurz eingegangen werden soll.

Zentralisierung führte zur Entmündigung des Endbenutzers

Die Zentralisierung der Datenverarbeitung führte in der Vergangenheit bei vielen Unternehmen zur Entmündigung des Endbenutzers. Entwicklung, Implementierung und Durchführung der DV-Systeme oblagen ausschließlich einem zunächst kleinen, sich dann jedoch rapide ausweitenden Spezialistenpools. In vielen Fällen bestimmte dieser Pool sowohl die Entwicklungsprioritäten als auch die Systemleistung. Die stets zu knapp bemessenen Spezialisten-Ressourcen führten zu hohen Entwicklungsrückständen und damit zur Frustration der Endbenutzer. Als Folge davon wurden zwar häufiger Org./ DV-Leiter ausgewechselt; das eigentliche Problem wurde damit jedoch nicht gelöst.

Zwangsläufig halfen und behelfen sich die Endbenutzer mit entsprechenden Ersatzorganisationen, wie zum Beispiel mit der Schaffung automationsunabhängiger Routinen oder der redundanten Führung von Datenbeständen mit verbesserter Aktualität. Derartige Eigenhilfemaßnahmen der Endbenutzer können unter Umständen - bei gleichzeitigem Einsatz preisgünstiger Kleinrechner bis hin zu den Personal Computern - zu einem unkontrollierten "Wildwuchs" von Insellösungen führen, wenn sie nicht ausreichend koordiniert werden.

So sind zwei wesentliche Forderungen an ein dezentralisiertes Hardwarekonzept zu stellen:

1. Installation eines zentralen Datenmanagements (Datenbeschreibung einschließlich Datenhandling für mehrfach verwendbare Daten);

2. Kommunikations-Netzmanagement (Sicherung der Kompatibilität der im Kommunikationsnetz installierten Verarbeitungseinheiten).

Unkoordinierte Eigenentwicklungen des Endbenutzers können zwar kurzfristig zu Rationalisierungserfolgen und Wirkungsgradverbesserungen der Organisation führen, bergen jedoch auch mögliche kurz- und mittelfristige Wirkungsgradverluste in sich. Um derartige Verluste zu verhindern, ist es erforderlich, eine sorgfältig erarbeitete Langfristplanung vom Topmanagement verabschieden zu lassen, die als Grundlage für die stufenweise Realisierung dient. Ohne die Unterstützung des Topmanagements wird sich kaum ein Kurswechsel in der Hardwarelandschaft eines Unternehmens durchsetzen lassen.

Ideal wäre die Entwicklung eines dezentral orientierten Datenverarbeitungskonzeptes unter Einbeziehung der Zentralverarbeitung, verbunden mit einem Realisierungsplan und entsprechender Führungsstrategie. Je nach Sachlage könnte das Konzept im Übergangszeitraum aus einer sich ergänzenden Kompromißlösung aus zentraler und dezentraler Verarbeitung bestehen, da eine kurzfristige Ablösung der auf dem Mainframe installierten Anwendungen in der Regel nicht möglich ist. Synchron mit der Realisierung des neuen Konzeptes sollte ein sekzessiver Know-how-Transfer aus dem Spezialistenpool in die Bereiche des Endbenutzers stattfinden, das heißt der Pool sollte sich entsprechend der sich vollziehenden Dezentralisierung auf ein Mindestmaß reduzieren, und zwar durch eine personelle Versetzung in die jeweiligen Endbenutzerbereiche.

Bezüglich des Einsatzes von Personal Computern sollten dem Endbenutzer weitestgehende Freiheiten gewährt werden. Die Anbindung des PC an die Datenbestände des Mainframe sollte erst in späteren Stufen erfolgen. So bietet sich zum Beispiel für die Nutzung der PCs folgender Stufenplan an:

- Isolierte Nutzung des PC für eigenständige Problemstellungen unter Verwendung der auf dem Markt verfügbaren Standardprogramme "Werkzeuge" ohne Unterstützung durch den traditionellen EDV-Spezialisten.

- Kopplung der PCs im Rahmen eines Computerverbundes über ein lokales Netz (LAN) unter Einbeziehung zentral geführter Datenbestände auf dem Mainframe.

- Sukzessiver Transfer der zentral geführten Datenbestände auf dezentral verfügbare Datenbanken, soweit dies unter Berücksichtigung der Zugriffe durch mehrere Endbenutzer technisch möglich ist.

Das genannte Konzept sollte unter Einschluß dedizierter und/oder General-Purpose-Computer mittlerer Größenordnung realisiert werden. Die Rechnergröße sollte grundsätzlich von der jeweiligen geschlossenen Anwendung bestimmt werden. Je nach Anwendungsbreite und -tiefe wird vorübergehend auch der Mainframe-Anwendung eine entsprechende Rolle im Gesamtkonzept zukommen.

Allerdings sollte die Entwicklung noch erforderlicher Mainframe-Anwendungen - weil technisch nicht anders lösbar - dem Endbenutzer eröffnet werden. Die inzwischen auf dem Markt verfügbaren Programmiersprachen der vierten Generation und die benutzerfreundlichen Abfragesprachen eröffnen auch dem interessierten DV-Laien ein schnelles Erlernen der notwendigen Werkzeuge. Auf diesem Weg wird es einerseits möglich, die in den Endbenutzerbereichen vorhandene Kapazität für Systementwicklungen zu nutzen und damit zu schnelleren und vor allem vom Benutzer akzeptierten Problemlösungen zu gelangen.

Endanwender kann nicht selbst pflegen

Andererseits kann der Endanwender die spätere Verfahrenspflege selbst durchführen, soweit nicht ohnedies entsprechende Standardsoftware eingesetzt wird. Die Wirtschaftlichkeit von IKS-Entwicklungen inklusive IKS-Betrieb wird also auch von der möglichen Nutzung der Endbenutzerkapazitäten bestimmt.

IKS-Entwicklungen sind als Bestandteil einer global zu sehenden Organisationsentwicklung zu verstehen. Organisationsentwicklung aber ist nur unter Einbeziehung eines jeden einzelnen Funktionsträgers im Unternehmen wirtschaftlich möglich. Erfolgt dies im Rahmen eines abgestimmten Gesamtkonzeptes für die Entwicklung integrierter IKS, abgeleitet aus dem Unternehmensgesamtplan, dann ist ein wesentlicher Schritt zur Erreichung wirtschaftlicher Problemlösungen getan.