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01.07.1994

Durch Transaktionsmonitore ist Unix hoffaehig geworden

Inge Wilmes

Mitglied der Geschaeftsleitung, Delta Software GmbH, Ismaning

Ueber die Abloesung der zentralen durch die dezentrale DV muss nicht mehr sinniert werden, dieser Prozess ist - nicht zuletzt wegen des wachsenden Kostendrucks - unumkehrbar. Hardware soll billig sein, da verlockt natuerlich die Preis-Performance-Ueberlegenheit von Workstations und dedizierten Server-Maschinen.

Mit dem Austausch der Hardware und dem Aufbau eines Netzwerks ist es jedoch nicht getan. Vor allem die Umstellung der Software, die zu portieren oder sogar neu zu entwickeln ist, schlaegt kraeftig zu Buche. Hier zu sparen waere sicher der falsche Ansatz, denn Software ist die zentrale Komponente der Datenverarbeitung, auch im dezentralen Umfeld - eine Lektion, die viele der hardwarezentrierten Unix-Gurus nur langsam lernen.

Geredet wird meist lediglich ueber MIPS und Netztopologien und natuerlich ueber preiswerte Hardware. Hardware-Freaks werben mit Rechenleistung und billigen Backup-Systemen, Plattenspiegelung und aehnlichen technischen Anreizen. Diesen Lockungen stehen Anwender, vor allem Grossanwender, die neben einem hohen Datendurchsatz auch sehr grosse Benutzerzahlen zu verwalten haben, ueberaus kritisch gegenueber. Sie interessiert vor allem die Frage, wie es um die Transaktionsverarbeitung unter Unix bestellt ist.

Weil die Geschaeftstaetigkeit grosser Unternehmen oft auf einer schnellen und sicheren Transaktionsverarbeitung beruht, machen sie einen grossen Bogen um das Unix-Betriebssystem. Mit Hardwarekonzepten allein, so ihr Argument, kann eine Bank ihre bis zu 30000 Transaktionen pro Stunde nicht sicher fahren. Aber nicht nur die Unternehmen der Finanzbranche, sondern auch der Handel oder Logistikeinheiten der produzierenden Industrie sind typische Transaktionsverarbeiter.

Langsam, aber sicher setzt sich nun auch in Unix-Kreisen die Erkenntnis durch, dass die Zukunft offener Konzepte vor allem durch Software bestimmt wird. Die unabhaengigen Software- und Service- Provider spielen die zentrale Rolle fuer Anwender, die sich nicht mehr allein auf die Kistenschieber verlassen moechten.

Transaktionsmonitore (TP-Monitore) fuer Unix stehen endlich bereit. Sie sind das Herzstueck der Transaktionsverarbeitung und ermoeglichen nicht nur die notwendigen Kommunikationsmechanismen fuer den geregelten Zugriff vieler Anwender und Anwendungen auf die Daten und zentralen Services, sondern entlasten auch die Anwendungsentwicklung ganz entscheidend, da sie System- und Anwendungssoftware entkoppeln.

Zunehmend werden neue TP-Monitore auf den Markt gebracht, von denen sich die meisten nicht nur am Quasistandard Tuxedo orientieren, sondern gleich einen Tuxedo-Kernel enthalten. Das ist eine ueberaus begruessenswerte Entwicklung, die mit der zunehmenden Interoperabilitaet der "Unixe" - das Wort "Standard" fliesst einem in diesem Zusammenhang noch immer schwer aus der Feder - einhergeht.

Natuerlich verbrauchen die Kommunikationsmechanismen, ob Zwei- Phasen-Commit oder asynchrone Kommunikation, erhebliche Ressourcen und belasten das Netz mit ihren staendigen Messages. Aber dieser Verwaltungs-Overhead gewaehrleistet Datensicherheit und -integritaet auch bei noch so exotischen Fehlern auf Systemebene oder bei Hardware-Crashs.

In dem Mass, in dem auch fuer heterogene Netze leistungsfae- hige Transaktionsmechanismen verfuegbar sind, die fuer viele Anwender den noetigen Grad an Sicherheit bieten, wird der Rueckzug von einer zentralen DV ueberhaupt erst moeglich. Dass dabei die Performance nicht geopfert werden muss, ist wiederum ein Vorteil der preiswerten Hardware, die eine Leistungssteigerung des Gesamtsystems nicht mehr zur millionenschweren Investition macht.

Durch den Erfolg von TP-Monitoren werden die Kostenvorteile der dezentralen DV-Architektur fuer viele Anwender erst nutzbar. Nicht zuletzt spielt dabei die Entkoppelung von Systemsoftware, Datenbestaenden und Anwendungen eine wichtige Rolle, die durch TP- Monitore deutlich vereinfacht wird. Das kommt auch der Anwendungsentwicklung zugute und sorgt gleichzeitig fuer eine grosse Transparenz, so dass heterogene Netze einfacher zu verwalten sind.

In Anbetracht der schleppenden Entwicklung von Alternativen zu Unix und der mittlerweile zur Verfuegung stehenden TP-Monitore wird diese Kombination das "Winning Team" der in Gang kommenden Umstrukturierungen der DV werden. Die Hardware-Orientierung vieler Unix-Protagonisten hat die Verbreitung des Systems fuer die unternehmenskritische DV in den letzten Jahren massiv behindert. Das Beharrungsvermoegen der Anwender, mitunter als Sturheit und Unflexibilitaet kritisiert, hat letztlich dazu gefuehrt, dass eine Loesung entwickelt wurde, mit der alle Seiten zufrieden sein koennen.