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10.05.1991 - 

Informationstechnisches Traineeprogramm in einem Systemhaus

Durch umfassende Ausbildung Karrierefehlstart vermeiden

10.05.1991

Obwohl die Chancen für Hochschulabsolventen mit überdurchschnittlichen DV-Kenntnissen als gut zu bezeichnen sind, bieten dennoch einige Unternehmen für diese Berufsanfänger Traineeprogramme an. Dagmar Patt plädiert für diese Form des Berufseinstiege, weil er eine umfassende informationstechnische, an der Praxis orientierte Zusatzausbildung mit sehr guten Karriereperspektiven garantiert. Vorteil ihres Traineeprogramms war, einen Teil der Ausbildung im Ausland absolviert zu haben.

Schon während meines Studiums der Mathematik mit Nebenfach Versicherungswissenschaften habe ich viereinhalb Jahre als Werkstudent in der Funktion einer Mathematisch-Technischen Assistentin gearbeitet und erste Erfahrungen in der Informationsverarbeitung gesammelt. Somit stand für mich nach Abschluß meines Studiums fest, in der DV-Branche tätig zu werden. Ein Trainee-Programm schien mir der beste Start von der Hochschule in die Praxis zu sein.

Aus den folgenden Gründen habe ich mich für den Berufseinstieg bei EDS entschieden:

- EDS bietet als DV-Dienstleistungsunternehmen für das integrierte Informationsmanagement vielfältige Einsatzmöglichkeiten auf den Gebieten der Anwendungs-Entwicklung, der Systemplanung, Programmierung, Wartung, Verfahrensentwicklung, Projektarbeit und Anwendungsunterstützung in den Bereichen Engineering Information Systems, Plant Systems, CAD/CAM-Systeme, Information/Automation, Manufacturing Systems, Verkaufssysteme und kommerzielle Systeme.

- Auf die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern, wird besonderer Wert gelegt.

- Führungspositionen werden möglichst aus den eigenen Reihen besetzt.

- EDS bietet als Unternehmen mit Schwestergesellschaft in über 27 Ländern Einsatzmöglichkeiten im In- und Ausland.

EDS bietet Chancengleichheit: so waren zum Beispiel 60 Prozent der Neueinstellungen 1988 im Trainee-Bereich weiblich.

Am 1. Juli 1985 habe ich mit dem System Engineering Development (SED)-Programm, das in drei Phasen aufgeteilt ist und zwischen 18 und 24 Monaten dauert, begonnen. Phase eins des SED-Programms verbrachte ich bei EDS in Rüsselsheim in der Abteilung Materials Management, die zentrale Verfahren der Material- und Produktionskontrolle für die europäischen, General Motors Werke entwickelt und wartet. Jeder SED lernt auf diese Weise die einzelnen EDS-Bereiche wie Account (Kundenbetreuung, Angebotserstellung), Account Operations (Wartung, Beratung) und Central Development Group (Entwicklung neuer Systeme) und deren Aufgaben kennen und wird in die tägliche Arbeit, zu der Programmierung, Planung, Testen von Programmen, Angebotserstellung und Hardware-Einkauf gehören, miteinbezogen. Während der Ausbildung ist der SED in einer oder mehreren Kundenabteilungen tätig und hat so die Möglichkeit, das Kundengeschäft wie auch die späteren Ansprechpartner auf Kundenseite kennenzulernen. Bereits innerhalb der Phase eins besucht der Trainee darüber hinaus Kurse, die das technische Verständnis und die Kommunikationsfähigkeit erweitern: TSO, JCL, Pseudo Code und Lehrgänge über EDS-Standards sind nur einige davon.

Heute bietet EDS zu Beginn der Phase eins zusätzlich eine einwöchige Schulung in einer europäischen Niederlassung an, in der hauptsächlich Pseudo Code und Präsentations-Techniken gelehrt werden. Hierdurch erhält man eine bessere Vorstellung von Phase zwei und lernt schon spätere Mitstreiter aus anderen Ländern kennen.

Arbeitszeit abhängig von der eigenen Leistung

Die Phase zwei meiner EDS-Ausbildung habe ich in London absolviert, dem damaligen Ausbildungszentrum für EDS International, das heißt für EDS außerhalb Nord-Amerikas. Heute wird die Ausbildung für alle EDS-Niederlassungen in Dallas, USA durchgeführt.

Phase zwei ist eine zehnwöchige DV-technische Basisausbildung, zu der Trainees aus aller Welt zusammenkommen. Man wird zu zweit in Wohnungen in der Nähe des Ausbildungszentrums untergebracht, wobei nach Möglichkeit keine Trainees derselben Nationalität zusammenwohnen. Dadurch wird der kosmopolitische Charakter des Programmes hervorgehoben und Kommunikation und Teamgeist der Teilnehmer verstärkt.

In dieser Phase erhalten die SEDs eine sechswöchige Cobol-Ausbildung, deren Ziel es ist, die notwendigen theoretischen Kenntnisse zu vermitteln, um die Themengebiete TSO, JCL, Problemlösungs-Techniken, Cobol, VSA und CICS in der Praxis einsetzen zu können. Danach schließt sich eine zweiwöchige Assembler-Ausbildung an. Nach deren Abschluß ist jeder Teilnehmer in der Lage, Assembler-Programme selbständig zu schreiben.

In den ersten acht Wochen erhalten die Trainees drei JCL-, drei Technical Designs (Structure Chart und Pseudo Code)-, vier Cobol-, zwei CICS und vier Assembler-Aufgaben, die nach dem Unterricht mit einer begrenzten Anzahl Läufe gelöst werden müssen. Da die Anzahl der Läufe beschränkt ist, muß man sehr konzentriert programmieren und lernt mit Ressourcen vorsichtig umzugehen. Die Aufgaben müssen selbständig und ohne Hilfe anderer Trainees gelöst werden. Bei ernsthaften Problemen stehen die Trainer und Assistenz-Trainer zur Verfügung.

Die geschriebenen Programme werden zur Bewertung der Trainees herangezogen. Dabei ist nicht nur die Richtigkeit der Ergebnisse von Bedeutung, sondern auch eine strukturierte und gut dokumentierte Programmierung entscheidend. Dies erleichtert eine für alle EDS-Niederlassungen einheitliche Struktur und Dokumentation der Programme. Die Abgabetermine der Aufgaben sind so gesetzt, daß sie, wie später in der realen DV-Umgebung auch, immer zeitkritisch sind. So ist die Arbeitszeit abhängig von der eigenen Leistung, einer guten oder schlechten, eigenen Zeitplanung und der Fähigkeit, erlerntes Wissen schnell in die Praxis umzusetzen.

In den letzen zwei Wochen wird eine Account Simulation durchgeführt. Als "Account" wird der Bereich beziehungsweise die Abteilung bezeichnet, die einen bestimmten Kunden betreut. Anhand praktischer Beispiele erhält der Teilnehmer Einblick in die Organisation und Struktur eines Accounts und übt in der "Praxis" die bereits erlernten Fähigkeiten. Die Klasse wird hierzu in Gruppen mit Gruppenführen aufgeteilt. Jede Gruppe betreut ein bestehendes Batch- und Online-System. An diesem System sollen von den einzelnen Gruppenmitliedern Veränderungen aufgrund von "Kundenanforderungen" vorgenommen werden. Hierbei kommt es auf gute Teamarbeit, Koordination und Absprachen mit dem Kunden an. Außerdem müssen regelmäßig Systemabbrüche von der Gruppe geklärt werden. Hierbei wird eine EDS-Philosophie in der Praxis geübt: die Zufriedenheit des Kunden zu erhalten.

Während der -gesamten zehn Wochen steht man unter starkem Streß, der dem während einer realen Systemimplementierung in der Praxis ähnelt. Die Phase zwei ist ein Zeitabschnitt, den ich nicht missen möchte. Es ist eine gute Erfahrung, einmal an seine Leistungsgrenzen zu stoßen. Man lernt, auch unter großer Belastung effektiv zu arbeiten und in einem fremden Land selbständig, ohne die Hilfe von Freunden, mit Problemen fertig zu werden. Man lernt hierbei seine Stärken und Schwächen genau kennen, und das gibt wiederum Selbstvertrauen. Obwohl in den ersten acht Wochen jeder allein arbeiten muß, erfährt man auch in dieser Zeit die Regeln für eine gute Teamarbeit. Daß Arbeiten mit anderen auf engem Raum, öfters auch nach neun Uhr, ist ohne den nötigen Teamgeist nicht möglich.

Ein weiterer positiver Effekt dieser Zeit ist, daß man Trainees aus aller Welt kennenlernt und so im späteren Arbeitsleben Ansprechpartner in nahezu allen Niederlassungen besitzt.

In Phase zwei der SED-Ausbildung, die wieder in Deutschland stattfindet, werden die erlernten theoretischen Kenntnisse aus den Phasen eins und zwei in die Praxis umgesetzt.

Den zweiten Teil meiner Phase drei verbrachte ich wieder in meiner Phase eins-Abteilung in Rüsselsheim, wo ich sowohl zur Programmierung als auch zur Planung von Projekten eingesetzt wurde. Mit Kursen wie Projektplanung, IMS oder Datenbank-Organisation wurde ich während dieser Zeit auf meine Aufgabenstellung vorbereitet.

Nach einer Stelle als Assistentin des Bereichsleiters für GM-Zentraleuropa leite ich heute als Account Operations Manager die Gruppe, die den Opel-Finanzbereich betreut.

Als Resumee läßt sich heute sagen, daß jeder, der in der komplexen Informationstechnologie oder im Informationsmanagement seine Zukunft sieht, ein gutes Trainee-Programm als Einstieg in die engere Wahl ziehen sollte. In Deutschland bietet EDS jährlich etwa 60 bis 80 Hochschulabsolventen einen solchen Einstieg an.