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17.07.1998 - 

Interview

"Durch Zukauf neue Kunden gewinnen"

CW: Als Soft M 1995 Aktiengesellschaft wurde, hatten Sie noch nicht vor, an die Börse zu gehen. Nun sind Sie doch ab Mitte Juli am Neuen Markt in Frankfurt notiert.

Merten: Im vergangenen Jahr wollten wir zunächst nur unsere Mitarbeiter über Aktienpakete beteiligen. Angesichts der Dynamik im Neuen Markt haben wir uns dann im zweiten Halbjahr 1997 kurzfristig entschlossen, den Schritt zu wagen. Es wäre gegenüber dem Unternehmen fahrlässig, die zusätzlichen Möglichkeiten in puncto Kapitalbeschaffung, Imagegewinn und Mitarbeitermotivation nicht zu nutzen.

CW: Das Jahr-2000- und das Euro-Problem täuschen ein wenig darüber hinweg, daß sich der Standardsoftware-Markt auf abflachende Wachstumskurven vorbereiten muß.

Merten: Das sehe ich anders. Der positive Trend wird sich langfristig fortsetzen, auch wenn es zeitweilig Rückgänge geben mag. Manche Marktbeobachter sagen sogar, daß heute eher verhalten in Anwendungssoftware investiert wird, weil die Kunden nicht genügend Luft haben, um eine Standardsoftware sauber einzuführen. Statt dessen flicken sie erst einmal ihre Cobol- und Assembler-Bestände, die sie später ohne Druck auswechseln.

CW: Wie sehen Ihre Wachstumspläne konkret aus?

Merten: Wir haben am deutschen Markt für AS/400-Standardsoftware einen Anteil von vier Prozent. Der Wert dieses Marktes liegt bei etwa einer Milliarde Mark. Wir wollen unseren Anteil verdoppeln. Um regional besser präsent zu sein, bauen wir zur Zeit unsere kleineren Gesellschaften deutlich aus. Außerdem werden wir unsere Vertriebs- und Beratungsaktivitäten weiter ausdehnen.

CW: Brauchen Sie frisches Kapital, um Ihren Vertrieb zu erweitern?

Merten: Nein, hier investieren wir schon seit drei Jahren. Das Kapital benötigen wir, um unsere Geschäftsaktivitäten auf den Währungsraum Euro auszurichten. Wir meinen, daß wir in diesem Wirtschaftsraum in Zukunft voll präsent sein müssen.

CW: Der Shake-out im Standardsoftwaremarkt führt dazu, daß größere Anbieter kleinere Häuser mit geringer Perspektive schlucken können. Ist das Ihre Absicht?

Merten: Ganz klar, wir wollen mit den Börsenmitteln das Wachstum untermauern und durch Zukauf unterstützen. Es geht vor allem darum, zusätzliche Kunden zu gewinnen. Die werden wie bisher weiterbetreut, aber mit der eindeutigen Perspektive, auf Soft-M-Software umzusteigen.

Wir werden auf keinen Fall die Software eines gekauften Unternehmens weiterentwickeln, es sei denn, sie paßt zu unserem Produktportfolio. Denkbar wäre es auch, daß wir ein Softwarehaus akquirieren, um unsere regionale Präsenz in einem bestimmten europäischen Gebiet zu verbessern.

CW: Ihre Software ist noch in RPG geschrieben, keine sehr moderne Grundlage...

Merten: Wir schreiben zur Zeit sämtliche Dialoge in Visual Basic und Microsoft-Komponententechnik neu. Dafür kaufen wir Objekte zu, die wir einbinden. Die Neuentwicklung der Benutzeroberfläche unter Windows 95/98 beziehungsweise NT ist schon weit gediehen. Unsere Dialoge laufen grafisch und sind vom Server entkoppelt.

Wenn das abgeschlossen ist, können wir die Server-Seite auch auf NT umstellen. Das ist zwar ein Schubladenplan ohne Termin, es laufen aber konkrete Versuche. NT ist ein hochsensibles Thema, wir können unseren AS/400-Milliarden-Markt nicht wegen NT links liegenlassen.

CW: Warum nicht? Der NT-Markt ist erheblich größer.

Merten: Das Personal setzt uns Wachstumsgrenzen. Wir brauchen jeden Mann, um das AS/400-Geschäft auszureizen.

CW: Soft M ist ein Unternehmen mit einer langen AS/400-Tradition, kontinuierlich gewachsen, aber im Vergleich zu Börsen-Newcomern wie Intershop unspektakulär. Warum glauben Sie, daß Ihr Börsengang ein Erfolg wird?

Merten: Weil wir eine solide Geschäftsbasis haben. Wir werden den Gruppenumsatz von 1997, der bei 42 Millionen Mark lag, in diesem Jahr auf 63 Millionen steigern. Das sind 50 Prozent. Es gibt natürlich in der Softwareszene immer wieder Anbieter mit Raten von 100 oder 200 Prozent. Dazu werden wir nie gehören. Aber wir planen im nächsten Jahr ein ähnliches Wachstum wie in diesem. Der Ertrag wird entsprechend mitwachsen. Bei Intershop müssen die Leute daran glauben, daß irgendwann die Gewinne kommen. Bei uns sind sie schon da.