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27.04.1995

Durchgaengige Auftragsabwicklung Variantenfertiger integriert PPS-System mit Konstruktion

MUENCHEN (ue) - Die Kopplung von CAD-Paketen mit Systemen zur Produktionsplanung und -steuerung (PPS) gilt derzeit noch als Pionierarbeit. Eine Schnittstellen-Loesung wurde nun bei der Schaefer GmbH aus Sigmaringen, Variantenfertiger von Bedien- und Anzeigengeraeten fuer Aufzuege, realisiert. Das mittelstaendische Unternehmen verfuegt damit ueber eine durchgaengige Auftragsabwicklung innerhalb eines PC-LANs, bei der die grafische Bearbeitung und Definition von Variantenmerkmalen in "Autocad" erfolgt und die Daten anschliessend in "VPPS" fuer den Produktionsauftrag weiterbearbeitet werden.

Die Produktpalette bei Schaefer umfasst Aufzugstableaus zur Anwahl der Etagen und zum Ruf des Fahrstuhls sowie die zugehoerigen optischen und akustischen Einrichtungen. Der Schwerpunkt liegt in Sonderanfertigungen etwa mit exklusivem Design oder als behindertengerechte Ausfuehrungen fuer Krankenhaeuser. Das Spektrum der weltweit rund 800 Kunden reicht von grossen Aufzugsbauern wie Thyssen, Otis, Haushahn und Schindler bis hin zu kleineren Firmen wie technischen und Architekturbueros.

Schaefer arbeitet mit einer grossen Fertigungstiefe, bei der fast ausschliesslich Rohmaterialien eingekauft werden. Die Produktion umfasst die komplette Metallbearbeitung, Kunststoffertigung, Spritzguss und die Montage elektronischer Bauteile. Die Produktpalette ist vom Materialeinsatz, den Fertigungsarten und der Anzahl der Varianten her sehr umfangreich.

Auftragsvielfalt fuehrt zu Inkonsistenzen

Allein fuer einen Standardtaster mit seinen unterschiedlichen Gehaeusen, Sockelanschluessen, Mikroschaltern und Kappenformen gibt es rund 6000 Ausfuehrungen.

Die Fertigung erfolgt ausschliesslich auftragsbezogen, wobei die Auftragsbearbeitung bislang noch ueberwiegend manuell durchgefuehrt wurde. Ordner mit technischen Layouts mussten aufwendig aktualisiert werden und waren unter Umstaenden nicht bei allen Sachbearbeitern auf dem neuesten Stand, so dass es zu Unklarheiten und Rueckfragen in der Fertigung kommen konnte. Die Kalkulation gestaltete sich insbesondere bei variantenreichen Tableaus schwierig, da die entsprechenden Preislisten ueber die einzelnen Arbeitsplaetze hinweg nur schwer konsistent zu halten waren und eine Kalkulation deshalb oft zeitraubend und kompliziert wurde.

Das Ziel der kompletten Reorganisation war die DV-Unterstuetzung saemtlicher betrieblichen Bereiche innerhalb eines Netware-LANs mit rund 35 Stationen (486 PCs). Ausserdem sollte fuer etwa 20 Arbeitsstationen die PPS-Loesung VPPS von der saarlaendischen Infor GmbH, Neunkirchen, eingefuehrt werden. Zentrale Aufgabe des Systemhauses war die Einrichtung einer Schnittstelle zwischen VPPS und Autocad, das ebenso wie ein Fakturierungsprogramm zu den DV- Teilloesungen bei Schaefer gehoerte.

Schaefer und Infor erarbeiteten gemeinsam ein Pflichtenheft mit Schwerpunkt im Bereich Variantentechnik.

Es bestanden folgende Vorgaben:

-Integration aller Unternehmensbereiche ueber definierte Schnittstellen (CAD, PPS, BDE, PZE, Buerokommunikation, Fibu, Lohn, Anlagenbuchhaltung, Kostenrechnung etc.),

-die integrierte Weiterverarbeitung von Konstruktionsdaten bei der kaufmaennischen und technischen Auftragsabwicklung (Produktzeichnungen, Stuecklisten und Auftragskalkulationen) auf gemeinsamer Datenbasis,

-eine aktuelle Lagerbestandsfuehrung,

-eine simultane Disposition von Material, Teilen, Baugruppen, Arbeitsplaetzen (Fertigungsinseln) und Maschinen sowie

-die Integration aller Programme unter Windows.

Baugruppen ueber Icons aufrufen

Im Autocad-Bereich liess Schaefer extern eine spezifische Oberflaeche fuer die typischen Ablaeufe der Auftragskonstruktion erstellen. Der Anwender kann im CAD-System die fuer eine Bestellung notwendigen Elemente mausunterstuetzt konfigurieren. Die jeweiligen Baugruppen sind als Zeichnungsbloecke hinterlegt und lassen sich ueber Icons ansprechen.

Mittels sogenannter Reiter erfolgt die Definition (Merkmale und Auspraegungen) einer Variantenbaugruppe. Ist die Definition abgeschlossen, werden die zur Baugruppe gehoerenden Zeichnungsbloecke auf der CAD-Zeichnung plaziert. Diese Bloecke lassen sich beliebig korrigieren, verschieben oder mit geaenderten Spezifikationen versehen.

Jedes Merkmal innerhalb der hierarchisch strukturierten Icons ist mit einer eindeutigen Nummer gekennzeichnet, die sowohl in der Varianten- wie auch in der Entscheidungslogik von VPPS verwendet wird. Komplett spezifizierte CAD-Variantenauftraege werden in einer als Kopplungsrelation bezeichneten Tabelle auf dem von VPPS genutzten Datenbank-Server (Novells "Btrieve") an die Entscheidungslogik des PPS-Systems uebergeben. Somit ist es auch moeglich, von VPPS aus ("Rueckgabe an CAD") die CAD-Daten und - Zeichnungen wieder aufzubauen.

Mit Hilfe der neuen Loesung wird nun zunaechst ein Kundenauftrag ueber ein oder mehrere Tableaus in VPPS angelegt. Darin sind Angaben wie Menge, Termin und Auftragsnummer erfasst. Durch die Funktion "Uebergabe an CAD" werden fuer jeden Datensatz ein Fertigungsauftrag und ein Satz in der Kopplungsrelation erzeugt. Der Fertigungsauftrag wird dabei durch Kopieren der entsprechenden Ressourcenlisten und der in VPPS erfassten Vorgaben generiert.

Alle zur Bearbeitung anstehenden Auftraege werden in Autocad angezeigt. Sie sind mit einem Verwendungskennzeichen versehen, je nachdem, ob es sich um eine Neuanlage, eine Wiedervorlage oder einen fehlerhaften Auftrag handelt.

Ein neues Tableau wird zusammengestellt, indem zuerst Tableau-Typ (Schaefer-interne Klassifizierung), Breite und Felderanzahl gewaehlt werden. Dabei zeigt das CAD-System unter anderem auch Kundenspezifikationen an, die in VPPS zum jeweiligen Auftrag hinterlegt wurden. Der Konstrukteur zeichnet oder konfiguriert das Tableau, indem die einzelnen Bauteile (Taster) ausgewaehlt und die gewuenschten Merkmalsauspraegungen (Material, Farbe, Form, Anzahl) definiert und im Aufriss plaziert werden. Danach ist der Auftrag abgeschlossen und wird zu VPPS zurueckgeleitet.

Das PPS-System uebernimmt die weitere Auftragsbearbeitung und Variantengenerierung, sobald der Anwender die Funktion "Uebernahme aus CAD" in dem anfangs angelegten Kundenauftrag aktiviert. Der darin vorbereitete Fertigungsauftrag wird nun um die vom CAD- Bereich erhaltenen Datensaetze fuer die Baugruppen ergaenzt. Fuer jeden dieser Saetze liest das Programm innerhalb der Kopplungsrelation die dazugehoerige Ressourcenliste (Arbeitsplan und Stueckliste) und bestimmt anhand der Merkmale die Variante.

Nur wenn alle Merkmale korrekt verarbeitet wurden, ist der Datensatz gueltig. Andernfalls wird die Kopplung abgebrochen, der Auftrag erscheint wieder auf der CAD-Seite und kann korrigiert werden.

In der Praxis bedeutet dies, dass die Sachbearbeiter anders als frueher nun in der Lage sind, durch Angabe von Merkmalen und Varianten schnell einen Auftragswert und die Durchlaufzeit eines Tableaus ermitteln zu koennen. Bislang hat es etwa ein Jahr gedauert, bis ein neuer Mitarbeiter das gesamte Variantenumfeld beherrschte. Nun lassen sich schnell klare Aussagen ueber den Liefertermin treffen, die Fertigung erhaelt eindeutige Vorgaben.

Mit der Umstrukturierung der Auftragsabwicklung will Schaefer auch die Fertigung optimieren. Ueber neu organisierte Arbeitsablaeufe sollen Produktionsbereiche entstehen, in denen sich die Gesamtdurchlaufzeiten fuer einen Auftrag klar definieren und um bis zu 30 Prozent reduzieren lassen.

Auch die Kunden werden in die Arbeit mit dem System einbezogen. Schaefer verschickt derzeit Programme, mit denen die Auftraggeber ihr Bestellwesen grafisch und ueber Merkmalsdefinitionen abwickeln koennen. Im Moment werden noch Disketten ausgetauscht, spaeter will man die Auftraege via Modem in VPPS einlesen.

Die ersten Hard- und Software-Installationen zu dem grob geschaetzt 800 000 Mark teuren Projekt begannen Mitte 1993. Neben der Fertigungssteuerung, deren Programmbereich Auftragsablauf derzeit noch modifiziert werden muss, laufen inzwischen die VPPS-Module Einkauf, Lager, Stammdaten, Disposition und Statistik. Bei den Stammdaten sind etwa 3000 Artikel erfasst. Bis zu diesem Sommer soll das System durchgaengig bis zur Fertigungssteuerung laufen, die bisherigen DV-Teilloesungen etwa fuer Faktura und Versandpapiere will Schaefer komplett abloesen.