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21.11.1980 - 

Jahrestagung von SEAS, Share European Association:

Durchs DV-Beet in norwegischen Bergen

BETTO/NORWEGEN (pi) - Im Ferienort Beito, in den norwegischen Bergen gelegen, konnten in der Zeit vom 21. bis 26. September zirka 300 SEAS-Tagungsteilnehmer willkommen geheißen werden. Wanderungen, Jogging, Schwimmen und Sauna standen neben dem normalen Konferenzgeschehen mit auf dem Programm. Die Themen der Vormittagssitzungen waren im wesentlichen ausgerichtet auf "Interactive Computing", "Datensicherheit" und "Moderne Computertechnik", während die Nachmittage der Projektarbeit und dem Workshop "How to Achieve Data Privacy and Data Security" gewidmet waren.

Der Workshop begann mit einer Vorstellung der wachsenden juristischen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. B. Lehmann von Alusuiss wies auf die großen Unterschiede zwischen den gegenwärtigen gesetzlichen Gegebenheiten in den verschiedenen europäischen Ländern hin. H. van Tongeren von IBM berichtete über den Versuch von IBM, diese stark unterschiedlichen Anforderungen zu berücksichtigen und wies auf die Vorteile hin, die durch Selbstdisziplin erreicht werden können, wenn bei den Installationen vorhandene Datensicherheitsmechanismen eingesetzt werden. Am zweiten Nachmittag gab A. McEntee von Lucas Industries eine sehr eingehende Darstellung der technischen Funktionen von RACF und zeigte, daß Datensicherheit im wesentlichen eine Managementverantwortung ist. Die gegenwärtig inhärent vorhandenen technisch bedingten Begrenzungen der Datenverarbeitung seien kein Grund für eine Einschränkung der Sicherheitsspezifika; vorausgesetzt ist allerdings, daß die administrativen Aspekte von erfaßt und verstanden sind. Teile des zweiten und dritten Nachmittags waren Erfahrungsberichten mit RACF und anderen Mechanismen zur Erreichung von Datenintegrität gewidmet. In einem Bericht von Jack Morton IBM, wurden die Techniken in den verfügbaren kryptographischen Produkten vorgestellt.

In der abschließenden Panel Diskussion wurde mehrfach darauf hingewiesen, daß Datenschutzanforderungen einzelner Länder in keinem Falle die ökonomisch besonders wichtigen Interessen eines Datenaustausches über Grenzen hinweg beeinträchtigen dürfen. Besonderen Wert legten die Datenverarbeitungsfachleute darauf, daß in diesen Bereichen die Entscheidung nicht alleine den Politikern überlassen werden dürfe. Insgesamt war der Workshop für die Mitglieder von SEAS eine Einführung in die wichtigen Gebiete von Datenintegrität und Datenschutz.

In den Sitzungen wurde das Thema "Interaktive Datenverarbeitung" mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Die Konferenz begann mit einem Vortrag von Tom Gilb, der als unabhängiger EDV-Berater in Norwegen mit mehreren Computer-Herstellern zusammenarbeitet, über "What is wrong with Todays Computing?" und einem Übersichtsvortrag von Lutz Richter, Universität Dortmund, über "Conceptional Requirements of Resource Sharing Systems". An Hand von Graphiken untermalte Tom Gilb seine Forderung nach "Technoscopes", mit deren Hilfe verfügbare Techniken bewertet werden sollen, um sie in geeigneter Weise für die avantgardistischen Projekte der Informationsverarbeitung einsetzen zu können. Andere Vorträge und eine Panel-Diskussion über dieselbe Themenstellung folgten im Laufe der Woche einschließlich der Aktivitäten der SEAS Interactive Taskforce.

Die SEAS Interactive Taskforce versuchte die Anforderungen an Interaktive Datenverarbeitung für alle an Universalrechnern eingesetzten Systeme - CMS, ICCF, TSO, VSPC- während der kommenden zwei bis drei Jahre zusammenzufassen. Bemerkenswert ist, daß während der Tagung in Beito die bevorstehenden und die notwendigen Entwicklungen an VSPC in informeller Weise diskutiert werden konnten. Die Zukunft von VSPC ist für die Europäer von besonderem Interesse, weil von den 300 weltweit vergebenen Lizenzen 200 auf europäische Installationen entfallen. Den informellen Diskussionen am Rande der Tagung konnte man entnehmen, daß VSCP in Zukunft nur unter MVS unterstützt wird und daß unter Einbeziehung aller MVS-Funktionen ein wesentlich erweitertes Leistungsspektrum - zum Beispiel dynamische Zuweisung (allocation) von Dateien oder autorisierte Ausführung von Nicht-VSPC-Programmen unter VSPC - verfügbar sein wird.

In einem bemerkenswerten Vortrag erklärte D. Franklin von IBM den Aufbau und die strukturellen Komponenten der Rechner 4341 und 4341-2 und erläuterte deren Leistungscharakteristika, die sowohl für nicht-numerische als auch für technisch-wissenschaftliche Anwendungen äußerst attraktiv sind. Wie bei jeder SEAS-Tagung wurden die Aktivitäten für interaktive Datenverarbeitung von einer Vortragsserie von VM- und CMS-Entwicklern der besonders tätigen VM/CMS-Benutzergruppe ergänzt; auffallend viel Interesse fand eine Präsentation über XEDIT von Claude Hans, IBM.

Aktivitäten fürs Interaktive

Das Network und Teleprocessing Projekt hielt einen Mini-Workshop ab, in dem der Einfluß des "Open System Interconnection Model" auf die Entwicklungen der IBM-Datenfernverarbeitungs-Software dargestellt wurde. C. Gno-Mai, IBM, sprach über die Architektur-spezifischen Aspekte von SNA und OSI; er zeigte, daß die Architekturen dieser Systeme zwar weitgehend übereinstimmen, daß die daraus resultierenden Implementierungen allein jedoch noch keinesfalls definiert seien; noch viel Entwicklungsarbeit sei zu tun, bevor die Implementierungen tatsächlich den geforderten Standards entsprechen würden. Andererseits konnte Zarko Cvijan (Bell Canada, Mitarbeit Deutsche Bundespost) über ermutigende Fortschritte berichten, die von dem Share Teleprocessing Standard Projekt erarbeitet worden sind. Die darin enthaltenen Anforderungen für eine verbesserte X.25-Verbindung in SNA sind an IBM weitergegeben worden. Von den sieben Anforderungen, einschließlich der die X.25-Host-to-host-Verbindungen und die X.29-Unterstützung betreffenden, wurden mit einer Ausnahme alle mit "Accepted" beantwortet. Die zurückgewiesene Anforderung, die ein SNA/X.25-lnterface gefordert hatte, wurde mit "Future Objective" beantwortet. Daraus kann de facto abgeleitet werden, daß IBM den Zugriff von SNA zu den öffentlichen Paketnetzwerken unterstützen wird.

In einer General Session gab T. Kristiansen von der gastgebenden Installation IDA in Oslo einen schönen Überblick über die Entwicklung öffentlicher Netzwerke in Skandinavien und in Europa.

Großes Interesse fand in Beito die Vorstellung des "Information Center". Der Nutzeffekt eines gut ausgestatteten Informationszentrums, mit dessen Hilfe dem Endbenutzer schnellere und effektivere Informationen über vorhandene Datenverarbeitungsdienste einer Rechnerinstallation angeboten werden können, wurde in großer Ausführlichkeit und humorvoll überzeugend von Richard Sheradon, IBM, dargestellt. Die Notwendigkeit solcher Organisationsformen wurde ebenfalls in einer Reihe von Vorträgen innerhalb des SAC-Projektes (Statistical Applications and Computing) ausführlich hervorgehoben. Besondere Beachtung fanden die Vorträge und Diskussionen zur Frage der Entwicklung, Anpassung und Betreuung solcher Software durch die Rechenzentren.

Möglichkeiten für Grafik

Die Entwicklung von graphischen Arbeitsmöglichkeiten mit dem Graphik-Attachement des 3277-Bildschirmgerätes und farbiger graphischer Arbeitstechniken an dem 3279-Bildschirmgerät wurde an einer Serie von Vorträgen des Graphik-Projekts erläutert. Diese Vorträge waren wesentlich stärker als erwartet besucht und zeigten, daß gegenwärtig besonders gute Möglichkeiten für die Entwicklung von graphischen Systemen in einem IBM-Computersystem angeboten werden. Der neue Graphik-Projektmanager, Larry Caruthers von der Universität Nijmegen, wird im Laufe der nächsten SEAS-Tagung sein umfangreiches Programm für das Graphik-Projekt vorstellen.

Die OS/VS-Gruppe mußte sich nach dem Weggang von Laurent Halphen, Copenhagen Handelsbank, als Gruppenmanager, und Michael Martin, Den Danske Bank, als JES2-Manager, neu formieren. In Zukunft wird Anders Hagborg von der Universität Göteborg die Gruppe führen. Anders Hagborgs Arbeit wird sich besonders auf die Erarbeitung von Anforderungen und Vorschlägen für Job Entry Subsysteme konzentrieren. Eine aus führliche Präsentation über das neu angekündigte MVS/SP wurde von einer großen Zuhörerzahl mit besonderem Interesse aufgenommen. Die OS/ VS-Gruppe mußte sich mit einer ungewöhnlich hohen Anzahl von Resolutionen auseinandersetzen. Ergebnis davon war, daß ein neues Verfahren zur Abstimmung eingeführt werden mußte. Zur Zeit der Niederschrift waren die Ergebnisse der schriftlichen Wahlprozedur noch nicht bekannt, aber es ist wahrscheinlich, daß etwa 25 Resolutionen an IBM weitergegeben werden. Der größte Anteil davon betrifft RACF. Auch die Resolutionen des Data-Base/Data-Control-Projektes beschäftigen sich im wesentlichen mit RACF (acht von dreizehn).

Das Management Projekt war mit zwei Vorträgen in den allgemeinen Vormittagssitzungen aktiv und hatte drei Nachmittagsvorträge in den Projekt-Sitzungen. Die behandelten Themen waren "Data Processing Cost Control", "Product Evaluation Techniques", "Management of a Data Security System", "Installation Management" und "Central Systems Architecture". Das relativ junge Projekt wird seine Aktivitäten in Zukunft verstärken und sich unter anderem auch der personalspezifischen Arbeitseffizienz im Rechenzentrum widmen.

Das Executive Board von SEAS hat beschlossen, das PL/1-Projekt nicht mehr weiterzuführen, weil in der Vergangenheit zu wenig Interesse an der Projektarbeit bestanden hat. Andererseits war die Tätigkeit im Fortran-Projekt innerhalb der Program Languages Division besonders angeregt nach der Ankündigung von VS-Fortran 77, das wohl auch im kommenden Jahr eines der Hauptthemen sein wird. APL erfreut sich steigenden Interesses und hat sich inzwischen in drei Unterbereiche aufgeteilt: System, Sprache und Anwendung. Das Projekt wird während des kommenden Winters Projekt Meetings in Antwerpen und anläßlich seines zehnjährigen Bestehens mehrere Sonderveranstaltungen neben der eigentlichen Projektarbeit einplanen.

Faszinierender Höhepunkt

Faszinierender Höhepunkt der Tagung war ein Vortrag von George Paul vom IBM-Forschungszentrum in Yorktown Heights über schnelle Vektorrechner. Er stellte ein Computermodell vor, das durch Prozessorerweiterungen innerhalb bestehender Rechnerarchitekturen und avantgardistischer Maskierungstechniken die Arbeitsgeschwindigkeit von Universalrechnern gegenwärtiger Struktur sowohl für skalare als auch vektorisierte Anwendungen ganz erheblich erhöht. Eine Maschine dieser Struktur könnte Matrix-Berechnungen generell mit besonders hoher Effizienz durchführen. Die präsentierten Simulationsstudien lassen auf Arbeitsgeschwindigkeiten von mehr als 200 Mips oder 125 Mflops bei einer 10nsec-Zyklusmaschine schließen. Vorgestellt wurden ebenfalls die Arbeitsmechanismen von Vectran, einer auf Fortran basierenden Sprache für die Verarbeitung von Datenfeldern.

Folgende SEAS-Projekte waren während der Tagung aktiv: VM Projekt; Data-Base Projekt; Network/TP Projekt; Programming Gruppe; APL Projekt; Graphics Projekt; Statistical Applications and Computing Projekt; OS/VS Gruppe; JES2/HASP Projekt; JES3/ASP Projekt; Timesharing Projekt; MVS/VS1 Projekt; Installation Management Projekt.

Ab Januar 1981 wird Jens Lynge von Copenhagen Handelsbank Präsident von SEAS sein, während Robert C. McLatchie von Harwell/England das SEAS Executive Board verläßt, nachdem er über sieben Jahre lang im Board mitgearbeitet hat. Als neues Mitglied wird in Zukunft Michael Martin von Den Danske Bank im Board mitarbeiten, und Kurt Bauknecht von der Universität Zürich, Präsident von SEAS in den Jahren 1979 und 1980, wird seine Arbeit bei SEAS als Immediate Past President fortsetzen. Alle anderen Mitglieder des SEAS Executive Board werden weiterhin aktiv bleiben.

Dr. Hagen Hultzsch ist Leiter des Rechenzentrums der Gesellschaft für Schwerionenforschung mbH, Darmstadt (GSI), und SEAS Program Coordinator.