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29.11.2007

Durchstarten mit dem .NET-Werkzeugkasten

Microsofts .NET-Plattform wächst - und damit auch der Markt für entsprechende Fachkräfte. Vier IT-Profis schildern, was .NET-Entwickler können sollten.

Mit der Vorstellung der .NET-Plattform hatte Microsoft vor sechs Jahren einen Neuanfang in den Basistechnologien rund um Windows gewagt. Die veralteten Client-Server-Konzepte sollten einer verteilten Architektur weichen, und gleichzeitig zielte man auf die in großen Unternehmen geforderte Interoperabilität aller Systeme ab.

Hier lesen Sie ...

warum .NET-Spezialisten nicht nur Microsoft-Themen beherrschen sollten;

wo Anwender die .NET-Praktiker am besten einsetzen können;

welche zusätzlichen Kenntnisse sich Arbeitgeber von diesen Mitarbeitern wünschen.

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www.computerwoche.de/

1851941: Wichtige Skills;

1853988: Gute Bewerber;

1853187: Ausbilden statt jammern.

Anfangs hielt sich die Zahl der .NET-Projekte in überschaubaren Grenzen, und so bestand auch nur geringe Nachfrage nach .NET-Experten. Mittlerweile findet die Plattform der Redmonder jedoch auch in Anwenderunternehmen die nötige Akzeptanz. Das treibt die Zahl der Jobangebote nach oben. Im Zuge des derzeitigen Wirtschaftsbooms kämpfen Unternehmen nun sogar mit einem Fachkräftemangel, wie Sebastian Ullmann, Senior Softwareentwickler und Architekt bei Autoscout 24, feststellt: "Wir haben in unserer Entwicklungsabteilung neun offene Stellen. Der Markt für .NET-Entwickler ist aber leer gefegt, so dass man kaum noch externe Dienstleister, geschweige denn Kandidaten für Festanstellungen bekommt." Autoscout 24, 1998 als Online-Marktplatz für Autos und Zubehör gegründet, zählt zu den wenigen New-Economy-Stars, die den Dotcom-Crash unbeschadet überstanden haben. Heute arbeiten rund 330 Mitarbeiter europaweit für das inzwischen zur Deutschen Telekom gehörende Portal, auf dem pro Monat 300 Millionen virtuelle Fahrzeugbesichtigungen stattfinden und über 300 000 Autos den Besitzer wechseln.

Wie alle großen E-Commerce-Plattformen lebt auch Autoscout 24 von permanenter Verbesserung und Erweiterung. Derzeit stehen im Münchner Rechenzentrum bereits 120 Windows-Web- und Firewall-Server sowie knapp 30 Oracle-Datenbankmaschinen. Vieles davon läuft noch auf klassischer Microsoft-Technik, doch ist die Umstellung auf neue .NET-Techniken in vollem Gange, wie Ullmann erklärt. Als Gründe für die Modernisierung nennt er zum einen die gestiegene Leistungsfähigkeit der neuen Infrastruktur, zum anderen bilde .NET die Basis für den Umstieg auf eine Service-orientierte Architektur (SOA). Nachdem der öffentliche Portalteil bereits auf die neue Technik umgestellt wurde, folgen nun sukzessive weitere Segmente wie der hauseigene Werbe-Server sowie der KFZ-Datenabgleich mit dem externen Marktforschungsdienstleister Eurotax-Schwacke.

Ullmann erwartet sich von zukünftigen Mitarbeitern ein möglichst breites Know-how: "Auf .NET-Seite zählen für uns vor allem Fähigkeiten in C# und ASP.NET, aber auch Kenntnisse in den klassischen Disziplinen Visual Basic, ASP und Javascript." Darüber hinaus rechnet er SOA zu den vorrangigen Einstellungskriterien, weil das Autoportal zukünftig auf wiederverwendbaren Dienstkomponenten basieren wird. Im .NET-Umfeld sind hierfür entsprechende Kenntnisse des Service-Frameworks Windows Communication Foundation (WCF) erforderlich.

Doch Fachwissen allein macht noch keinen idealen Mitarbeiter, wie Ullmann weiß, und daher achtet er bei Personalgesprächen auch auf die menschlichen und sozialen Qualitäten der Bewerber: "Teamfähigkeit ist in diesem Job natürlich wichtig, wobei es aus meiner Sicht auch auf eine gesunde Balance ankommt zwischen der Fähigkeit, sich einzuordnen, und der Freude an der Diskussion." Disziplin sei ebenfalls eine wichtige Eigenschaft, über die ein Entwickler verfügen müsse. Die Qualität seiner Arbeit hänge nicht zuletzt von der Einhaltung von "Coding Guidelines" und dem Erstellen von Dokumentationen ab.

Dass .NET mittlerweile in großen Konzernen angekommen ist, bestätigt Frank Blankertz von der West LB. Der Chief System Engineer des Finanzkonzerns schildert, wie Microsofts Unternehmensplattform in seinem Umfeld allmählich an Bedeutung gewann: "Wie bei vielen Großbanken dominierte auch bei uns eine J2EE-Landschaft, .NET spielte anfänglich nur eine Nebenrolle. Seit etwa zwei Jahren jedoch setzen wir auch größere Projekte auf .NET-Basis im Handel und der Depotbankkontrolle auf." Vor allem die Web-Service-Integration hat die Experten der West LB dazu motiviert, bei Architekturentscheidungen .NET zukünftig gleichwertig mit J2EE zu behandeln. Das Know-how der Mitarbeiter sollte sich dabei aber keinesfalls auf .NET- oder Microsoft-Technologie beschränken, so Blankertz: "Entwickler und IT-Profis müssen auf jeden Fall mit der heterogenen Welt großer IT-Organisationen vertraut sein, damit sie in diesem Umfeld Software erstellen und integrieren können." Der IT-Manager unterstreicht am Beispiel der West LB, was Plattformvielfalt bedeutet. So reiche die Bandbreite der Betriebssysteme im Unternehmen vom Mainframe über Unix und Linux bis zu Windows; die Datenbanken kommen von Oracle, Microsoft, IBM und Sybase, und die Applikations-Server repräsentieren die beiden Säulen J2EE und .NET. Blankertz skizziert die erwarteten Voraussetzungen für Mitarbeiter folgendermaßen: "Sie müssen vor allem Softwarearchitekturen, Implementierungs- und Betriebskonzepte kennen. Wichtig sind aber auch Erfahrungen mit Software- Lifecycle-Management und in der Qualitätssicherung, weil hierin unsere zentralen Differenzierungskriterien gegenüber dem Wettbewerb liegen."

Beim Job- und Karriereportal Jobscout 24 sind ebenfalls .NET-Experten gefragt. Von neuen IT-Mitarbeitern erwartet Sven Schneider eine gesunde Mischung aus fachlicher Spezialisierung und ganzheitlicher Betrachtungsweise. Der Teamleiter Softwareentwicklung erklärt das mit den über die Jahre veränderten Aufgaben in der Unternehmens-IT: Heute ständen nicht mehr die Basissysteme und deren Zuverlässigkeit, Performance und Erweiterbarkeit im Vordergrund, stattdessen sind abstraktere Plattformthemen entscheidend. Und so haben sich die Anforderungen an Entwickler gewandelt, wie Schneider beschreibt: "Die rasante Weiterentwicklung von .NET erfordert eine große Aufmerksamkeit, deshalb kommt es vor allem darauf an, zu wissen, welche Features es gibt und wie man sie richtig einsetzt."

Da .NET nicht nur verschiedene Programmiersprachen umfasse, sondern auch Konzepte, Methoden und Infrastruktur vom Betriebssystem bis zur Anwendung, sei beim Entwurf von Applikationen ein ganzheitliches Denken gefragt. Dem Entwickler wird dabei ein gewisser Spagat abverlangt, gibt Schneider zu: "Aufgrund der steigenden Komplexität des Microsoft-Frameworks ist eine stärkere Spezialisierung auf Kerngebiete unausweichlich. Trotzdem muss der Entwickler bereit sein, immer wieder über seinen Tellerrand hinauszuschauen, um das Gesamtbild zu verstehen."

Auch Lernbereitschaft sollte vorhanden sein, so der IT-Manager des Job-Portals, wobei er der .NET-Technologie eine gute Erlernbarkeit attestiert: "Selbst Quereinsteiger und Anfänger können schnell gute Entwickler werden, da auch Ausbildungsangebote und die .NET-Communities zunehmend Unterstützung bieten."

Derzeit sieht Schneider für Bewerber noch keine Notwendigkeit, sich von vornherein auf ein Spezialgebiet zu beschränken. Stattdessen empfiehlt er Kenntnisse in den Mainstream-Themen ASP.NET, C# und Datenbanken als allgemeine Grundlage. Geht es um die Frage nach vielversprechenden Zukunftstechnologien, so rät er aufgeschlossenen Entwicklern, sich mit WCF, Windows Workflow Foundation (WF) sowie Silverlight zu befassen.

Voraussetzung ist breites Grundlagenwissen

Bei Deutschlands größter Landesbank, der LBBW, zählt man vor allem auf ein möglichst breites Grundlagenwissen, wie Solution Designer Florian Schmidt erklärt. Er beschreibt die Ansprüche seines Hauses an geeignete Bewerber so: "Wir erwarten fundierte technische Grundkenntnisse in Java, Cobol, C, C++ und .NET sowie gute Kenntnisse in den Methoden des Software-Engineering." Von Vorteil seien auch Fachkenntnisse aus der Finanzdienstleistungsbranche, um die Wünsche der Kunden besser verstehen und fundierter darauf eingehen zu können. Nicht zuletzt aus diesem Grund bildet der Finanzdienstleister auch selbst Einsteiger zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung und Wirtschaftsinformatiker an der Berufsakademie aus.

Wie in anderen Großunternehmen bildet .NET auch bei der LBBW eine von mehreren Säulen in einer heterogenen IT-Infrastruktur. Windows spielte darin bisher primär die Rolle der Client-Plattform für bankfachliche und für Office-Lösungen. .NET befindet sich laut Schmidt derzeit im Aufbau und soll als Basis für flexible Kleinlösungen in der Office-Umgebung zum Einsatz kommen. In Zukunft möchte man damit auch geschäftskritische Applikationen wie etwa die Filial-Clients aufbauen, wogegen im Backend vorerst keine .NET-Aktivitäten geplant sind. Aus Schmidts Sicht sprechen insbesondere die Sicherheitsfunktionen zum Schutz von Quellcode für .NET, außerdem führt er die Integration in Prozesse sowie die Interoperabilität mit anderen Technologien als Pluspunkte ins Feld.

Am Arbeitsmarkt sieht Schmidt in den nächsten Jahren .NET, Java und C++ gleichermaßen stark nachgefragt, wobei er in seinem Umfeld .NET als unverzichtbare Basiskompetenz erachtet. Mit .NET seien junge Entwickler auf jeden Fall auf der sicheren Seite, was sich auch in den Angeboten der Bildungsinstitutionen bestätige, so Schmidt: "Die Berufsschule unserer Fachinformatiker lehrt bereits die .NET-Programmiersprache C#, und die Berufsakademie hat Objektorientierung sowie .NET im Fokus."

Einsteigern empfiehlt Schmidt, sich mit den neuen .NET-Techniken Silverlight für grafische Frontends, Workflow für Prozessorientierung sowie der Language Integrated Query (LINQ) zu befassen, da diese Bereiche seiner Einschätzung nach die Softwareentwicklung in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflussen werden. (hk)