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15.07.1983 - 

Personal Computing: Zentrale

DV-Abteilung im Dilemma?

Professor Dr. August-Wilhelm Scheer

Institut für Wirtschaftsinformatik Universität des Saarlandes, Saarbrücken

Der Einzug von Mikrocomputern (Personal Computer) in die Fachabteilungen von Großunternehmen steht bevor. Sie bilden aber nicht die einzige Möglichkeit, um benutzerfreundliche EDV-Leistung den Sachbearbeitern zur selbständigen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Vielmehr können auch Timesharing-Dienste, die Postendienste Teletex und Telefax und Bildschirmtext, dedizierte Rechner der Textverarbeitung und auch die zentrale EDV durch Einsatz von Anfrage- und Planungssprachen genutzt werden. Das Kriterium, daß die Verfügung über die Hardware durch Ein- und Ausschalten des Gerätes Kennzeichen des Personal Computings ist, erscheint zu dünn. Vielmehr sollte sich das Personal Computing an den Anwendungsmöglichkeiten ausrichten, die dem Sacharbeiter zur Verfügung stehen.

Hier gilt es, die genannten, vielfältigen Instrumente richtig miteinander zu kombinieren. Dieses setzt voraus, daß die Anwendungsmöglichkeiten klar erkannt und in einem einheitlichen Konzept festgelegt werden. Anwendungsmöglichkeiten sind neben der Verwaltung von Daten die Auswertung bestehender Datenbestände, Berechnung von Entscheidungsalternativen, Einsatz von statistischen Methoden, Aufbereitung von Datenausgaben in Grafik und Farbe, Textverarbeitung, Kommunikation über Electronic Mail und Electronic Conference sowie Unterstützung von Heimarbeit und bei der Planung persönlicher Ressourcen.

Bei der Gegenüberstellung dieser Anwendungen mit den Instrumenten zeigt sich, daß kein Instrument allein in der Lage ist, diese vielfältigen Anforderungen zu erfüllen. Insbesondere versagt der isolierte Einsatz von Personal Computern bei der Unterstützung der Kommunikationsanwendungen.

Hier ergibt sich übrigens ein Dilemma: Die Einführung eines Electronic Mail-Dienstes setzt eine hohe Durchdringung der Fachabteilungen mit EDV-Endgeräten voraus. Gegenwärtig steht aber die Einführung isolierter Systeme zur Unterstützung dringendster Einzelanforderungen im Vordergrund. Es muß aber beachtet werden, daß gerade die Erfüllung einzelner Forderungen das spätere Zusammenwachsen zu einem integrierten und vernetzten Kommunikationssystem verhindern kann.

Eine abgestimmte Strategie zur Einführung des, Personal Computings in Großunternehmen ist deshalb unabdingbar. Dazu müssen die Anforderungen der Fachabteilungen erhoben werden. Dieses setzt voraus, daß die Fachabteilungen die Möglichkeiten kennen und artikulieren können. Eine vorherige Information ist deshalb unerläßlich.

Auf Grund der Anwendungswünsche und ihrer Gewichtung können dann die adäquaten Instrumente für das Unternehmen bestimmt werden, Hierbei ist darauf zu achten, daß mit einer möglichst geringen Anzahl unterschiedlicher Instrumentenarten und auch unterschiedlicher Herstellerfabrikate ein breites Spektrum der Funktionen abgedeckt werden kann. Hier kommt nun auch die Variabilität der Personal Computer zum Tragen. Nur werden sie nicht mehr als selbständige Systeme betrachtet, sondern gleichzeitig hinsichtlich ihrer Möglichkeit, Terminalfunktion zum Großrechner zu sein, die Postendienste Teletex und Bildschirmtext zu unterstützen und der Integration in Kommunikationsnetze (LAN und Großnetze) bewertet.

Ein wesentlicher Aspekt des Personal Computings ist auch seine Auswirkung auf die zentralen EDV-Anwendungssysteme. Der selbständige von Daten und ihre Tabelle, Aufbereitung durch Anfrage- und Planungssprachen ermöglicht es, die Listenausgaben bestehender Programme zu überprüfen. Listen sind häufig Kompromisse vielfältiger Anwenderwünsche und damit für jeden einzelnen Benutzer nur bedingt geeignet. Wenn aus den zentralen EDV-Systemen lediglich Auswertungsdateien erzeugt werden, auf die im Rahmen des Personal Computing die einzelnen Anwender zugreifen und ihre Informationen aufbereiten kennen so kann dadurch die Akzeptanz auch der zentralen Informationsverarbeitung gesteigert werden. Auch dieses Argument zeigt, wie stark das Personal Computing in das gesamte Informationskonzept der Unternehmung eingreift.

Großunternehmen wird deshalb empfohlen, möglichst schnell eine Projektgruppe, gegebenenfalls auch durch Unterstützung externer Fachleute, zur Gestaltung einer Personal Computing-Strategie einzurichten. Nur ein abgestimmtes Konzept kann sicherstellen, daß die vielfältigen Möglichkeiten des Personal Computing auch vollständig im Unternehmen zum Tragen kommen.

Bis dahin werden die Fachabteilungen um Geduld gebeten!

Eine ausführliche Veröffentlichung zum Thema "Personal Computing" mit Skizzierung einer praktisch erprobten Einführungsstrategie kann angefordert werden bei Prof. Dr. A.-W. Scheer, Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität des Saarlandes, 6600 Saarbrücken, Telefon: 06 81/ 302-3106.

_AU:Dr. August-Wilhelm Scheer