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21.01.1983

DV-Abteilung muß angeschlagenes Image aufpolieren

Der Nimbus der Datenverarbeiter verblaßt. Selbstbewußte Benutzer, für die der Bildschirm am Arbeitsplatz inzwischen selbstverständlich geworden ist, rütteln kräftig am Thron der DV-Halbgötter. Oft sind die Fachabteilungen unzufrieden mit dem, was die DV-Mitarbeiter aus ihren Anforderungen machen. Die Benutzer erwarten übersichtliche und aktuelle Ergebnisse und wollen die Aussagefähigkeit nicht erst "zu Fuß" erarbeiten müssen. Einige Unternehmensleitungen lassen inzwischen sogar nach den Ursachen für die DV-unfreundliche Haltung forschen. Die DV-Leute sind indes nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung: Jahrelang haben sie sich mit einem Hohepriester-Charisma umgeben. Heute bekommen viele die Quittung für dieses Verhalten.

Jürgen C. König, SCS-Personalberatung, Köln

Wunsch des Personalleiters an die EDV: Fehlzeitenquote monatlich pro Abteilung nach Angestellten und Lohnempfängern; möglichst übersichtlich, aussagefähig und aktuell. Das Ergebnis hat mit dem Kundenwunsch nichts mehr gemein:

- der gewünschten Fehlzeitenquote in einer Zahl steht gegenüber die Unterteilung in: Jahresurlaub, Pensionsurlaub, Kuren, Krankheit, Krankheit durch Unfall, Wochenhilfe, Mutterschutz, bezahlte Fehlzeiten und unbezahlte Fehlzeiten,

- dem Wunsch nach Aktualität wurde insofern entsprochen, daß "schon" mit einem time-lag von fünf Wochen die unhandlichen Computerbögen kiloweise eingehen,

- von Übersichtlichkeit kann überhaupt keine Rede mehr sein,

- die Aussagefähigkeit muß erst mühsam "zu Fuß" erarbeitet werden.

Soweit - zugegeben stark "verdeutlicht"- die Wirklichkeit. Ist es da verwunderlich, daß die Nutzer ihre Vorurteile gegen die DV bestätigt sehen?

Eine SCS-Untersuchung über Organisation und Datenverarbeitung Anfang der achtziger Jahre zeigt, daß rund ein Drittel der Org./DV-Leiter in den Widerständen der Fachabteilungen und der Manager die stärksten Restriktionen sehen, denen sie unterworfen sind. Gleichzeitig glauben 20 Prozent von ihnen, daß ihr Bereich von den anderen als nutzloser Kostenverursacher und Störfaktor für - den Betriebsablauf gesehen wird. Allerdings glauben auch über 70 Prozent, daß sie von den Fachabteilungen als Berater und Partner gesehen werden. Gut, daß sie hierfür nicht den Beweis antreten müssen.

In zunehmendem Maße werden wir von Unternehmen angesprochen, die Problemlösungsmaßnahmen durchführen möchten, mit dem Ziel, nach den Ursachen für Widerstände gegen die DV zu forschen und sie durch gezielte Trainingsaktivitäten abzubauen. Sie haben erkannt, daß bei der Kosten/Nutzen-Analyse ein wesentlicher - leider nicht berechenbarer - Kostenfaktor übersehen wurde: die Vorbehalte und Widerstände bei den "Betroffenen"! Denn alles, was der Mensch nicht kennt, von dem er aber irgendwie betroffen ist, macht ihn unsicher und produziert Angst.

Eine Kontrolle dessen, was in der EDV geschieht, ist nicht möglich, weil diese "Geheimwissenschaft" dem Normalverbraucher keinen Zugang läßt. Die Fachleute haben für die Transparenz ihrer Tätigkeit rein gar nichts getan. Fachwissen als Herrschaftswissen? Jetzt zeigt sich die Fragwürdigkeit der vom binären System geliehenen Macht.

Die Verunsicherung beim Nutzer und seine zum Selbstschutz aufgebauten Vorurteile werden verstärkt durch die offensichtliche Notwendigkeit einer staatlichen Kontrolle mit dem Datenschutzgesetz, durch Schlagworte wie "der gläserne Mensch", "der Computer rationalisiert Arbeitsplätze weg" und durch die ach so neue Bio-Denke.

Wichtigste Aufgabe ist es deshalb, endlich die bestehenden Vorbehalte, Vorurteile und Widerstände abzubauen beziehungsweise aufzulösen:

Elektronische Datenverarbeitung darf nicht länger eine Black box für die Nutzer sein. Sie müssen mindestens in Grundzügen informiert werden - möglichst ohne Abkürzungen und Fachenglisch - über das, was in den DV-Abteilungen eigentlich gemacht wird. Sie brauchen das Verständnis der Datenarbeiter und das Gefühl, daß diese den ernsthaften Versuch unternehmen, ihre Bedürfnisse zu verstehen und handhabbare Lösungen für sie zu finden. Die SCS-Projektorganisation beispielsweise sieht vor, daß bei allen Projekten die Fachabteilungen von vornherein und während des Projektablaufes ständig einbezogen sind. Dem Abbau von Vorbehalten ist es sicher auch dienlich, wenn man mit dem Nutzer zum Beispiel nicht über "Output" sondern schlicht über "Ausgabe" spricht.

Konkrete Maßnahmen sollten sein:

-grundsätzlich intensiveres Eingehen auf den Nutzer (DV als Dienstleistung !)

- Informationsveranstaltungen im Rechenzentrum

- Diskussionsrunden "Wie kann DV mir helfen"

- bei jedem Projekt den Auftraggeber intensiv und laufend einbeziehen

- gezieltes Training der Mitarbeiter und Führungskräfte in den Fachabteilungen, um den Widerstand gegen die DV abzubauen.

Wenn die DV-Bereiche erst bereit sind, sich von dem Zauber, mit dem sie sich umgeben haben zu befreien, weicht auch bei den Fachabteilungen das Mißtrauen und der Widerstand einer Akzeptanz, die allen Beteiligten das Miteinanderarbeiten erleichtert.

Franz Obladen, DV-Leiter, Ford Werke AG, Köln

Ein Imageverlust kann nur dann auftreten, wenn man vorher ein Image aufgebaut hat, dem nachher nicht entsprochen wird oder werden kann. Das "Black-box"- und "Besserwisser "- Verhalten seitens einiger EDV-Leute gepaart mit einem zum Teil mangelnden Selbstbewußtsein einiger Fachabteilungsbereiche hat in der Vergangenheit sicherlich zum Aufbau eines negativen EDV-Images geführt. Schuld daran war ein falsches oder nicht vorhandenes Selbstverständnis bestimmter EDV-ler über die Stellung beziehungsweise Funktion der EDV im Unternehmen.

In Firmen, wo diese Situation vorherrschte oder zum Teil heute noch existiert, muß zwangsläufig ein wie oben erwähnt aufgebautes Image mit fortschreitendem Selbstbewußtsein der Benutzer zu einem Imageverlust führen.

Der Computer ist heute keine heilige Kuh mehr die -wenn überhaupt - nur von EDV-Spezialisten gemolken werden darf. Wer die EDV und sich selbst als Berater und gleichrangiger Partner der Fachabteilung versteht beziehungsweise in der Vergangenheit verstanden hat, wird durch kreative und fortschrittliche Problemlösungen mit zum Unternehmenserfolg beitragen und hat dementsprechend einen Imageverlust nicht zu befürchten. Auch eine fortschreitende Dezentralisierung der EDV-Leistung in Fachabteilungsbereiche durch die Implementierungen von Minicomputern, DDP-Konzepten etc., die technologisch bedingt ist und mir teilweise auch sinnvoll und wünschenswert erscheint, sollte nicht zum Imageverlust führen.

Noch ein Wort zum Thema "Technologiefeindlichkeit".

Das Akzeptanzverhalten der Mitarbeiter in Fachabteilungen wird sicherlich nicht dadurch gefördert, in dem man ihnen irgendeine EDV-Lösung und Technologie mit aller Gewalt verkaufen will, sondern der Erfolg ist um so größer, je mehr man gemeinsam und partnerschaftlich unter Beachtung betriebsverfassungsrechtlicher Gesichtspunkte Lösungen erarbeitet, die unternehmenspolitisch notwendig sind.

Sich gegen technologische Neuerungen zu sperren, wenn sie sinnvoll sind, könnte katastrophale Folgen haben.

Dies ist kein blinder Fortschrittsglaube, sondern eine realistische Betrachtungsweise der Gegebenheiten.

Resümee: Ein Imageverlust hat in der Datenverarbeitung nicht stattgefunden.

Professor Dr. Wolfgang Janko, Institut für angewandte Betriebswirtschaftslehre - Unternehmensführung, Universität Karlsruhe

Die Datenverarbeitungsabteilungen der Unternehmen haben im Schnitt in aller Welt unter einem Imageverlust zu leiden. Dieser Imageverlust hat - wie ich glaube - zumindest drei Ursachen:

a) Die zunehmende Verbreitung von Mikro- und Supermikrorechnern in der Erscheinungsform als "Personal Computer" oder als Arbeitsplatzrechner und die zunehmende Verbreitung von Bildschirmen am Arbeitsplatz.

b) Der Mangel an ausreichender Schulung und an aussagekräftiger Information von EDV-Benutzern.

c) Der vielfach beträchtliche Rückstau in der Bewältigung von Problemen durch die EDV-Abteilungen.

Während die erste der angeführten Ursachen zu einer Entzauberung des Charismas der elektronischen Datenverarbeitung in Teilen der Bevölkerung führt, führen die unter b) und c) angeführten Ursachen häufig zu einer EDV-feindlichen Haltung. Diese Haltung führt nun manchmal aufgrund der immer wieder betonten bedeutenden Stellung der Elektronik - und speziell der Datenverarbeitungsindustrie - in der weiteren Entwicklung der Industriestaaten in Verbindung mit dem sozial schmerzhaften und keineswegs friktionslosen Umschuhlungsprozeß in manchen Branchen zur Übertragung dieser ablehnenden Haltung auf andere, technologisch innovative Bereiche. Verstärkt wird diese Einnahme einer ablehnenden Haltung - insbesondere bei jüngeren Mitbürgern in der BRD - noch durch eine in den naturwissenschaftlichen Fächern reduzierte Ausbildungsbreite.

Eine besondere Rolle in dem Abbau der technologiefeindlichen Haltung und in einer Normalisierung der Einstellung zur modernen Technik nimmt die Verbreitung von naturwissenschaftlichem Wissen und von EDV-Wissen in den Schulen, eine Erhöhung der Qualität von Hardware und Software und ein Fortschritt in der Normung von Hardware und Software ein. Ein weiterer Imageverlust der Datenverarbeitungsabteilungen geläufiger Prägung in den Unternehmen erscheint mir trotzdem unabwendbar. Es ist zu erwarten, daß mit der zunehmenden Verbreitung von EDV-Kenntnissen und mit der Verbesserung von EDV-Tools die Datenverarbeitungsabteilungen zunehmend nur mit dem Rechenzentrumsbetrieb, der Datenpflege und der Koordinierung von Anwendungsprojekten befaßt sein werden.