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Selbstentfremdung des Menschen durch die Technik:


18.07.1980 - 

DV als Beispiel für Technologiefolgen

TUTZING (gr) - Die Datenverarbeitung ist nach Ansicht von Professor Dr. Manfred Paul exemplarisch geeignet, die Frage nach der Selbstentfremdung des Menschen durch die Technik zu überlegen. Auf einer Tagung der Evangelischen Akademie -in Tutzing begründete er seine These mit den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Datenverarbeitungsgeräte.

Rund 40 Jahre sind verstrichen, seit Herr Zuse seine erste Rechenmaschine entwickelt hat, die ihn von Routinearbeiten befreien sollte. Doch hatte die Innovation "Rechenknecht" gesellschaftliche Folgewirkungen, die Paul zufolge dem Erfinder 1941 nicht gewärtig waren. Eine breite Öffentlichkeit- als Ausführende die Erbauer der Systeme und als Betroffene diejenigen, die direkt den Apparat bedienen oder mit den Ergebnissen der DV arbeiten - sieht sich mit einer strukturellen Änderung der Lebensumstände konfrontiert.

Als gefährliche Auswirkungen der DV-Anwendung führt Paul die unterschiedliche Bewertung von Aufgaben an. Während Zuse über seinen "Rechenknecht" erleichtert war, muß diese "lästige Arbeit" nicht für alle dieselbe Qualität haben. Gesellschaftlich wurden die Auswirkungen neuer Techniken akzeptiert, wenn der Fortschritt - wie in der Buchhaltung langsam vor sich ging. Ruhige Strukturänderungen vollzogen sich bei einer Einstellung, die Paul apostrophiert mit der Haltung "Jetzt ist die Technik da, jetzt muß ich sie auch benutzen." Im Bankenbereich sei der Wandel geglückt. In der Druckindustrie bei der Einführung von Lichtsatzmaschinen dagegen waren erhebliche Reibungen entstanden. Der Strukturwandel im Satzbereich habe die Setzer weniger wegen der Einkommensverteilung getroffen. Es wäre vielmehr darauf angekommen, die Menschen in einer Art zu beschäftigen, daß ihr Selbstwertgefühl nicht so sehr leide. Qualitativ unterscheide sich das Problem DV nur auf einer Ebene von anderen bahnbrechenden Innovationen, die in der Vergangenheit die Gesellschaft umgekrempelt hatten: Die Geschwindigkeit des technischen Wandels habe sich dergestalt erhöht, daß die Innovationszyklen kleiner seien als die erwartete Lebensarbeitszeit. Diese neue Dimension müsse auch in der Ausbildung berücksichtigt werden.