Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.05.1985

DV-Arbeitszeit: Überstundenproblem bleibt eine harte Nuß

Die Arbeitszeitregelung war und bleibt in vielen Unternehmen ein

Problem, meint Org.-/DV-Leiter Paul Scholten von der Paul Hammelmann GmbH & Co KG, Oelde. Betroffen seien vor allem mittelständische Betriebe, die in ihren DV-Abteilungen meist nicht die erforderliche Personalkapazität bereitstellen können. Auch die Einführung der

38,5-Stunden-Woche schaffe hier keine Abhilfe. Reinhard Pöhlmann

von der VAW Flußspat-Chemie GmbH vertritt demgegenüber die Ansicht, daß die Vereinbarungen zu dieser angestrebten Regelung eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung ermöglichen. Dabei bricht der Org.-/DV-Leiter aus Stulln eine Lanze für die "gleitende Arbeitszeit". Nach wie vor sei allerdings das Überstundenproblem für die Gewerkschaften eine der "härtesten Nüsse". Pöhlmann: "Es gibt viele Forderungen und noch mehr Meinungen. Aber wirksam hat den Arbeitslosen noch keiner geholfen." kul

Reinhard Pelz, Geschäftsführer, Heyde & Partner GmbH, Bad Nauheim

Um das Arbeitszeitthema in den Datenverarbeitungsberufen zu betrachten, ist es sinnvoll, die spezifischen Merkmale dieser Berufe herauszuarbeiten.

Vorweg kann man ohnehin zwei Kategorien innerhalb dieser Berufssparte unterscheiden, die vom Thema Arbeitszeit unterschiedlich betroffen sind. Die eine Kategorie geht einer planbaren, regelmäßigen Tätigkeit nach - das sind Arbeitsvorbereiter und Operator. Sie sind von Mehrarbeit in der Regel weniger betroffen, Verkürzungen von Wochenarbeitszeiten sind hier sicherlich durchsetzbar.

Die zweite Kategorie, in der alle am Softwareherstellungsprozeß Beteiligten versammelt sind - Organisatoren, Systemanalytiker, System- und Anwendungsprogrammierer - hat mit weitaus größeren Problemen zu kämpfen, die je nach Einsatzort beim DV-Anwender oder DV-Anbieter mehr oder weniger starken Schwankungen unterliegen. Drei Merkmale kennzeichnen diese Gruppe: Erstens das intensive Fachwissen, das obendrein ständig aktuell gehalten werden muß. Zweitens die Erfahrung, die unabdingbare Voraussetzung ist, um überhaupt wirksam tätig zu sein. Drittens die Kreativität, die erforderlich ist, um vorhandene Unternehmenssituationen in neue Konzeptionen zu überführen.

Betrachtet man den Zwang der Unternehmungen durch weitere Optimierung des Produktionsfaktors Information in allen Bereichen produktiver zu werden und wie die daraus abzuleitenden Anforderungen an die Berufe im Rahmen der Ausbildungsinfrastruktur in der Bundesrepublik Deutschland abgedeckt sind, so wird deutlich, daß zwischen der Nachfrage in den Unternehmungen und dem Angebot an Ausgebildeten eine große Lücke besteht.

Betrachtet man zusätzlich den Faktor Erfahrung, so wird deutlich, daß diese Lücke nicht mehr zu schließen ist. Dieser latente Engpaß hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Auslastung der im Bereich der Softwareherstellung Beschäftigten und ihre Arbeitszeit. Es führt dazu, daß an Arbeitszeitverkürzungen überhaupt nicht zu denken ist. Die Praxis zeigt im Gegenteil, daß besonders im Rahmen des Termindrucks von Projekten Mehrarbeit an der Tagesordnung ist. Parallele Ad-hoc-Anforderungen der Endbenutzer verstärken vielfach diesen Trend.

Doch ist die Situation nicht so hoffnungslos, wie sie zunächst erscheint. Durch geeignete Maßnahmen zum Thema Arbeitszeitregelung läßt sich die subjektive Situation der Beschäftigten verbessern und über Berechnungszeiträume von mehreren Monaten eventuell sogar der 40- oder 38,5-Stunden-Schnitt erreichen. Eine Maßnahme ist die Aufhebung fester Arbeitzeiten für alle am Software-Erstellungsprozeß Beteiligten, was zu einer wesentlich positiveren Einschätzung der persönlichen Situation führt. Darüber hinaus wird die Arbeitsproduktivität erhöht, was wiederum zur Arbeitszeitverkürzung beiträgt.

Eine zweite Maßnahme ist die Bemessung zu leistender Soll-Stunden über größere Zeiträume als einen Tag oder eine Woche oder einen Monat. Dazu benötigt man Zeiterfassungsorganisationen, wie sie zur Projektsteuerung sowieso sinnvoll sind. Diese Maßnahme führt zu einer teilweisen Anpassung von Arbeitszeit und Freizeit an die Projektphasen, die unterschiedliche Arbeitszeitanforderungen an die im Projekt Beschäftigten haben. In der Projektanlaufphase sind Normalarbeitszeiten die Regel, zum Projektende hin ist fast immer mit Mehrarbeit zu rechnen, die danach durch zusammenhängende Freizeiten wieder ausgeglichen werden können.

Unterschiedliche Problemstellungen bei der Einführung derartiger Maßnahmen ergeben sich sicherlich, je nachdem, ob es sich um ein Unternehmen handelt, in dem überwiegend am Softwareherstellungsprozeß Beteiligte beschäftigt sind, beispielsweise eine Unternehmensberatung oder ein Softwarehaus, oder um ein Unternehmen, das die DV anwendet und in dem die in der DV Beschäftigten zur Minderheit zählen.

Der Technologietrend läßt über die möglichen kurzfristigen Maßnahmen hinaus erkennen, daß Erleichterungen noch aus anderen Richtungen zu erwarten sind. Je mehr bei der Softwareerstellung Software-Engineering-Werkzeuge und -Methoden eingesetzt werden, desto stärker reduziert sich der dafür erforderliche Aufwand mit zunehmendem Übungseffekt, und desto stärker entschärft sich auch die arbeitsintensive Endphase der Projekte. Je weiter sich die Anwendungsentwicklung zum Endbenutzer verlagern läßt, desto stärker werden die Software-Entwickler von unplanbaren Ad-hoc-Aktionen entlastet.

Weder diese kurzfristigen Maßnahmen noch die hier angedeutete mittelfristige Verbesserung der SW-Entwicklungs-Technologie, können darüber hinwegtäuschen, daß langfristig die Quantität qualifizierter DV-Fachleute wachsen muß.

Die Lösung des Arbeitszeitproblems liegt also einerseits in der Weiterentwicklung der Technologie und andererseits in einem Ausbau des Schwerpunkts DV in der Ausbildungsinfrastruktur. Wünschenswert wäre eine konsequentere nationale und internationale Förderung beider Punkte, um diesen Entwicklungsprozeß zu beschleunigen. Vereinzelte Programme des BMFT, des BMWi und des europäische Esprit-Programms können hier nur ein Anfang sein.

Paul Scholten

Leiter Org./DV Paul Hammelmann, Oelde

Die Arbeitszeit und die Arbeitszeitregelung war und bleibt in vielen Unternehmen ein Problem. Aus Kostengründen sind mittelständische Betriebe in den meisten Fällen nicht in der Lage, in ihren DV-Abteilungen die notwendige Personalkapazität bereitzustellen. In der Praxis sieht es so aus, daß der eingesetzte DV-Mitarbeiter die Aufgaben des Organisators, Programmierers und des Operators zu erfüllen hat. Dazu kommt noch besonders im Bereich des Operating der permanente Termindruck.

Es kommt häufig vor, daß außerhalb der normalen Verarbeitung kurzfristig Auswertungen zur Verfügung gestellt werden müssen. Allein aus diesem Grund wird die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden oftmals überschritten. Die so oder aus ähnlichen Gründen entstandenen Überstunden reichen in den meisten Fällen nicht aus, einen zusätzlichen Mitarbeiter einzustellen. Auch die Einführung der 38,5-Stunden-Woche schafft hier keine Abhilfe. Meiner Meinung nach - und so wird es auch in unserem Hause gehandhabt - kann dieses Problem nur mit einer flexibleren Arbeitszeitgestaltung beseitigt werden. Dieses Verfahren ermöglicht es, eine optimale Personaleinteilung vorzunehmen.

Reinhard Pöhlmann

Leiter Org./DV, VAW Flußspat-Chemie GmbH, Stulln

Am 1. April 198S begann eine neue Ära in der Metall- und Druckindustrie. Es hat wenig Sinn, sich in die Kontroversen der Tarifpartner zu vertiefen, ob nun überwiegend flexibel gearbeitet wird oder nicht. Es ist hier viel zu viel Rechthaberei im Spiel. Die Vereinbarungen der 38,5-Stunden-Woche ermöglichen zusätzlich flexiblere Arbeitszeitgestaltungen, dadurch sind nun eine Vielzahl von neuen Arbeitszeitmodellen denkbar. Ein sehr gutes Konzept mit vielen Vorteilen ist die "gleitende Arbeitszeit". Sie wird schon von vielen Unternehmen durchgeführt und ist gerade in der DV-Arbeitswelt sehr zu befürworten. Die "Samstagsarbeitszeit" in hingegen sehr unpraktikabel und nicht empfehlenswert. Sie wird sich auch nur sehr schwer oder überhaupt nicht, hauptsächlich aus familiären Gründen, durchführen lassen. Meist kommt sie nur kurzfristig und in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Ob durch die neue Arbeitszeitregelung zusätzlich neue Arbeitsplätze geschaffen oder ob die geplanten Entlassungen unterbleiben werden, ist abzuwarten. So bringt die 38,5-Stunden-Woche in der Arbeitswelt der DV dem Personal zwar eine Arbeitszeitverkürzung, andererseits jedoch eine Arbeitsmehrbelastung. Denn selbst für das laufende Tagesgeschäft reicht in den meisten Fällen die Manpower nicht aus. Bei mehr vorhandenen Fachleuten könnten die Überstunden, die fast an der Tagesordnung sind, abgebaut werden, und es würde mehr Zeit für neue Ideen und für die Fortbildung frei werden. Bei der DV kann man jedoch heute schon sagen, daß es zu Neueinstellungen wegen der 38,5-Stunden-Woche nur in den wenigsten Fällen kommen wird. Die Personallücke wird also weiterhin mit allen ihren negativen Begleiterscheinungen von Überstunden und Überlastung der Fachleute bestehen bis bin zum Head-hunting. Ist man in dieser Branche tätig, kommt es nicht selten vor, daß man Arbeit mit nach Hause nimmt. Deshalb sollte der Arbeitgeber gerade bei neuen Mitarbeitern nicht vergessen darauf hinzuweisen, daß des öfteren ein unpünktlicher Dienstschluß zu berücksichtigen ist.

Für viele Arbeitnehmer gilt wie bisher die 40-Stunden-Woche. Hier wäre es jetzt für alle an der Zeit, sich zu überlegen ob man den eigenen oder die anderen Arbeitsplätze qualitativ besser ausstatten sollte, beispielsweise durch Tools, um die kostbare Zeit effektiver zu nutzen. Bei den leitenden Angestellten wird sich in der Wochenarbeitszeit demnächst nichts andern: Sie wird nach wie vor mehr als 40 Stunden in der Woche betragen.

Zu bemerken ist noch, daß eine reibungslose Umsetzung der verschiedenen Arbeitszeitmodelle noch ein Problem werden wird. Dies ist jedoch nur noch mit Hilfe von computerunterstützter Arbeitszeiterfassung und -verarbeitung zu realisieren. Das generelle Überstundenproblem ist für die Gewerkschaften nach wie vor eine der härtesten "Nüsse". Es gibt viele Forderungen, noch mehr Meinungen. Aber wirksam hat den Arbeitslosen noch niemand geholfen.