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23.10.1987 - 

Neuer Ansatz der BA-Qualifizierungsoffensive zum Scheitern verurteilt, denn:

DV-Auftragsmaßnahmen bremsen Fortbildungs-Qualität

Enorme Quantitäten bei Aus- und Fortbildung konnte die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg in den vergangenen Jahren schaffen. In diesem Jahr wendet die Nürnberger Behörde über sechs Milliarden Mark zur Qualifizierung von Arbeitnehmern auf. Jetzt soll die Qualität der Maßnahmen verbessert werden, denn bisher fällt kaum ein Bildungs-Anbieter durch das amtliche "Qualitäts"-Raster. Wolfgang Pflanz, Geschäftsführer der Control Data Institut GmbH in München, bezweifelt allerdings, daß jüngste Vorschläge, die die BA zusammen mit dem Bundesinstitut für Berufsausbildung (BIBB) in Berlin erarbeitete, eine qualitätsorientierte Konstante in die bisher praktizierte Nürnberger Stop-and-go-Politik bringen können. Der Münchner Bildungsmanager kontert daher mit Überlegungen zum Thema "Qualität der Fortbildung".

Die Bundesanstalt für Arbeit und das Bundesinstitut für Berufsbildung haben sich keine Kleinigkeit vorgenommen: Im Rahmen der Qualifizierugsoffensive möchten sie mehr Qualität durch Erweiterung und Verbesserung der Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsverfahren nach Paragraph 34 des Arbeitsförderungsgesetzes (AFG) erreichen (siehe auch CW Nr. 39 vom 25. September 1987, Schwerpunktthema DV-Ausbildung, Seite 37, "Kriterien für Qualität bei Fortbildung").

Qualität läßt sich schlicht als "Erfüllung von Anforderungen" definieren. Auf dem Arbeitsmarkt bedeutet dies aber:

"Qualifizierte" Mitarbeiter erfüllen die Anforderungen der Arbeitsplätze . Im angehenden Informationszeitalter werden die Menschen immer mehr durch technische Hilfsmittel in ihrer Arbeit unterstützt und damit ständig produktiver. So bestimmen zunehmend die Mitarbeiterqualifikationen den Unternehmenserfolg. Und deshalb müssen bei stetiger Weiterentwicklung der Anforderungen auch stetig die Mitarbeiter weiterqualifiziert werden beziehungsweise sich weiterqualifizieren.

Für diesen kontinuierlichen Prozeß bilden durchdachte, langfristige Pläne und Verfahren jene Grundlage, die die stete Erfüllung der Arbeitsplatzanforderungen und die Wirtschaftlichkeit der hohen Qualifizierungsaufwendungen sicherstellen kann. Dazu gehört auch die "vertragliche Regelung der betriebswirtschaftlichen Abschreibung" der Qualifizierungskosten.

Zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ist es Aufgabe der Bundesanstalt für Arbeit (BA), die Vermittlung ñ soweit erforderlich ñ durch Qualifizierung bis zur Mindesterfüllung der Arbeitsplatzanforderungen zu unterstützen.

Die Erfüllung der Anforderungen am Arbeitsplatz erfolgt durch Schlüssel- und Fachqualifikationen. Die jeweils erforderlichen Qualifikationen müssen nach Inhalt und Beherrschungsgrad genau definiert werden. Anschließend ist der zeitliche und finanzielle Qualifizierungsweg festzulegen. Schon im Hinblick auf die Begleitkosten muß eine hohe Qualität vorausgesetzt werden, das heißt, es wird erwartet, daß der Mitarbeiter die erforderlichen Qualifikationen mit dem notwendigen Beherrschungsgrad auf möglichst wirtschaftliche Weise in möglichst wenigen Tagen zuverlässig erwirbt. Besonders wenn Qualifizierung innerhalb der Arbeitszeit erfolgt, werden, schon mit Blick auf den Arbeitszeitausfall und die damit verbundenen indirekten Kosten, aber auch wegen der hohen direkten Kosten der Qualifizierung, in der Praxis die wirklich erforderlichen Qualifizierungszeiten kaum in ihrem vollen Umfang dar und bereitgestellt. Qualifizierungsdefizite müssen so durch häufig wenig unterstütztes, in der Kalkulation unberücksichtigtes "Training on the Job" aufgefangen werden.

In diesem Umfeld steigen auch die Anforderungen an die Qualifizierungsträger. Sie können sich kaum mehr darauf beschränken, "Einzelqualifikationen" in zusammenhangloser Form zu vermittlen. Sie müssen systematisch aufgebaute, ballastfreie, flexible und pflegbare Gesamtqualifizierungskonzepte entwickeln, deren einzelne Bausteine sich möglichst nahtlos in die Qualifizierungskonzepte der Unternehmen einfügen lassen.

Die folgenden Ausführungen sind prinzipieller Natur, jedoch auf EDV-Qualifizierung abgestellt.

Die hohe Qualitätserwartung der Unternehmen zwingt den Qualifizierungsträger zu folgendem Kalkulationsschema:

Hierbei ist das Risiko von Verpflichtungs- (Personal, Mieten) und Abschreibungszeiten (Hard-/Software) nicht berücksichtigt.

Um fünf Prozent Gewinn zu erzielen, dürfen Qualifizierungsträger bei den vier Komponenten mit Schwankungsbreiten (Angebotsentwicklung, Raumausstattung, Interessentengewinnung, Instruktionskosten) durchschnittlich nur mit den Mittelwerten kalkulieren. Sie müssen demnach wie High-Tech-Unternehmen mit hohem Aufwand für Forschung und Entwicklung arbeiten, wenn sie die geforderte Qualität bringen wollen.

Ein Zahlenbeispiel mit dem größten und besonders wichtigen Einzelposten "Instruktionskosten" soll dies verdeutlichen: Kalkuliert ein Seminarveranstalter mit täglich acht Seminarstunden zu je 40 Mark Gesamtgebühren sowie durchschnittlich 12,5 Seminarteilnehmern, so erzielt er Einnahmen von 4000 Mark pro Seminartag. 25 bis 30 Prozent hiervon für Instruktionskosten ergeben 1000 Mark bis 1200 Mark pro Tag, ein bei anspruchsvollen Themen erforderlicher Satz, der ja auch die Kosten für eigene Weiterqualifizierung und Vorbereitung des Dozenten enthält.

Der Kunde "Unternehmen" bestimmt also mit seinen Anforderungen sie Qualität, zu deren Erfüllung unter Konkurrenzbedingungen das angegebene Kalkulationsschema mit den beispielhaften Zahlengrößen erforderlich ist.

Heißt der Kunde "Bundesanstalt für Arbeit" und werden angemessene Kalkulationsdaten, wie

þtäglich acht Instruktions- beziehungsweise Computer-Trainingsstunden (beim Ziel EDV-Beruf 50 Prozent, bei Ziel EDV-Benutzer 75 Prozent Trainingsanteil),

þ10 DM je Stunde Gesamtgebühren

þdurchschnittlich 25 Teilnehmer pro Klasse,

zugrunde gelegt, so ergeben sich Einnahmen von 2000 Mark je Unterrichtstag. 25 bis 30 Prozent für Instruktionskosten ergeben 500 Mark bis 600 Mark pro Tag. Dies entspricht bei Anstellung einem monatlichen Instruktorengehalt von 4200 Mark bis 5000 Mark.

Sicherlich wird an dieser Stelle bereits klar, daß bei einem Stundensatz von zum Beispiel 6 Mark nur EDV-Instruktoren mit einem Gehalt von 2500 Mark bis 3000 Mark eingesetzt werden oder aber andere unabdingbare Voraussetzungen nicht erfüllt sein könnten. Da Absolventen mit einem EDV-Berufsziel bereits mit höheren Durchschnittsgehältern einsteigen, kann niemand zu diesen Bedingungen qualifizierte EDV-Instruktoren erwarten. Oder anders ausgedrückt: Nichtsubventionierte Träger mit Stundensätzen unter 7,50 Mark können keinesfalls die Anforderungen erfüllen. Die BA würde also ihre Verpflichtung zur Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verletzen, wenn Stundensätze von unter 7,50 Mark die Hürde der "Maßnahmenüberprüfung nach Paragraph 34 AFG" nehmen könnten. Es kann davon ausgegangen werden, daß angemessene Stundensätze zwischen 8 Mark und 20 Mark liegen müssen.

Die Aufgaben der BA bestehen in Anlehnung an das Kalkulationsschema hauptsächlich darin, folgende zehn Rahmenbedingungen vorzugeben, ihre Einhaltung genauestens zu überprüfen und bei Nichteinhaltung zu reagieren:

þNachweis einer ausreichenden Zahl offener Stellen mit detaillierten Stellenanforderungen in einem regionalen Gebiet

þNachweis der Möglichkeit, eine ausreichende Zahl geeigneter, förderungsfähiger Teilnehmer zu gewinnen

þVorgabe einer realistischen prozentualen Teilnehmer-Erfolgsquote und einer Erfolgs-Mindestgarantie drei beziehungsweise sechs Monate nach Beendigung der Maßnahme sowie einer Bezugsgröße zur Messung des Zusammenhangs von Qualifizierung und Arbeitsplatz, zum Beispiel mit folgender Gewichtung:

Arbeitsplatz unabhängig von der Qualifizierung = 1

Arbeitsplatz begünstigt durch Qualifizierung = 2

Arbeitsplatz überwiegend aufgrund Qualifizierung = 3

Arbeitsplatz ausschließlich aufgrund Qualifizierung = 4

þVorgabe der Struktur für einen Qualifizierungsplan (QP), der ñ erfahrungsgemäß ñ zweckmäßigerweise in zweiwöchige "Bausteine" mit 39 zweistündigen Qualifizierungseinheiten (QE) für Instruktion beziehungsweise Computertraining und eine zweistündige Lernkontroll(Prüfungs-)-einheit aufgeteilt ist.

Der Qualifezierungsträger hat den strukturierten QP auf einer DIN-A4-Seite für die vier täglichen QE mit Zielen, Inhalten und Trainingsaufgaben auszufüllen und intern eine weitere Untergliederung auf 15-Minuten-Ebene (Qualifizierungsschritt) vorzunehmen.

þDer Qualifizierungsträger verpflichtet sich, je Baustein schriftliches Begleitmaterial ñ möglichst im Aufbau linke Seite Grafik, rechte Seite Text ñ im Umfang von zirka 250 DIN A4-Steiten, abgestimmt auf den QP, bereitzustellen.

þNachweis marktgängiger, anforderungsgerechter Hard-/Software und ihrer zeitlichen Verfügbarkeit in erwachsenengerecht ausgestatteten Räumen.

þVorlage von

ñ Instruktorenprofilen je Baustein

ñ Instruktorenverträgen, die zur Einhaltung der QP und zum Arbeiten mit Folien (Grafiken der Bildungsmittel) verpflichten.

þNachweis der Teilnehmerzufriedenheit in jedem Baustein durch einen ausführlichen, vorgegebenen Bewertungsbogen, der von jedem Teilnehmer auszufüllen und kurzfristig maschinell auszuwerten ist. Liegt das Gesamtergebnis unter einem vorgegebenen Wert, ist das Arbeitsamt sofort zu informieren.

þNachweis ausreichender Prüfungsleistungen durch ein aussagefähiges Zeugnis, das alle Prüfungsergebnisse im 100-Punkt-System enthält. Nicht ausreichende Prüfungsleistungen führen zum Ausschluß schon während der Maßnahme, wenn auch zusätzliche Betreuung keine Verbesserung bringt.

þAngemessene Kündigungsbedingungen: Der Teilnehmer kann zu jedem Bausteinende kündigen und trägt dann nur die anteiligen Kosten.

Natürlich sind noch weitere Kriterien, wie zum Beispiel Kapazitätsausnutzung beim Träger, Titelsystematik, wirklich individuelle arbeitsmarktbezogene Gestaltung der Angebote für maßgeschneiderte Qualifizierungsmaßnahmen unter Berücksichtigung der Vorkenntnisse und Ziele etc., zu beachten.

Auf der Basis dieser Sachverhalte ist sodann eine gemäß Schema vorgelegte Kalkulation auch nachzuvollziehen und ein Angebot beurteilbar.

Wenn die BA diese Anforderungen stellt und ihre Erfüllung überprüft, werden sich bei sinkendem wirtschaftlichen Aufwand die Erfolgsquoten erhöhen. Nur auf diesem Weg lassen sich sinnvolle Qualitätsziele erreichen.

Qualität und Qualifizierungsmarkt

Die Hauptaufgaben der BA liegen darin, offene Stellen mit ihren Anforderungen aufzusuchen und zu registrieren und geeignete Teilnehmer zu gewinnen sowie die Einhaltung der von ihr vorgegebenen Rahmenbedingungen zu überprüfen. Die BA benötigt hierzu eine erhöhte Bereitschaft der Betriebe, offene Stellen zu melden.

Der völlig falsche Ansatz und eine unwirtschaftliche Vorgehensweise wäre es, würde die BA die beschriebenen Trägeraufgaben, wie Festlegung von Dauer und Inhalten, übernehmen wollen. Daraus läßt sich auch ableiten, daß die BA zukünftig unter Qualitätsgesichtspunkten auf Auftragsmaßnahmen verzichten muß, damit sich ein freier

Qualifizierugsmarkt qualitätsorientiert weiterentwickeln kann. Wirtschaftliche Qualität entsteht nur unter geordneten Konkurrenzbedingungen.

Als Fazit möchte ich feststellen, daß die in der CW vom 25. September 1987 geschilderten Versuche zur Gütebeschreibung von Qualität schon vom Ansatz her nicht zum gewünschten Ziel führen können. Sie stellen ñ bei allem guten Willen der BA, Auftragsmaßnahmen in den Griff zu bekommen ñ den prinzipiell falschen Weg dar und können höchstens das bisherige ungeeignete Verfahren verbessern. Die Quantitäten sind zum Teil dank Auftragsmaßnahmen ,aufgebaut worden. Heute aber würden Auftragsmaßnahmen Qualitätsfortschritte und Wirtschaftlichkeit behindern. Die BA hat dies selbst erkannt und deshalb bereits acht Tage nach einem einschränkenden Rund-Erlaß (Rd. Erl.) über Qualität und Vergabe von Auftragsmaßnahmen (Rd. Erl. 66/87 vom 8. 7. 1987) in einem weiteren Rd. Erl. 70/87 die Vergabemöglichkeit von Auftragsmaßnahmen nochmals stark reduziert:

þ"Bis auf weiteres sind nur noch Verträge über solche Auftragsmaßnahmen abzuschließen, bei denen zu erwarten ist, daß den Teilnehmern nach Abschluß der Maßnahme Beschäftigungsmöglichkeiten geboten werden können. Soweit wie möglich sind verfügbare personelle Kapazitäten gezielt bei der vermittlerischen Betreuung der Absolventen von Fortbildungs und Umschulungsmaßnahmen einzusetzen.

þIm Hinblick auf die Maßnahmekosten ist darauf zu achten, daß

ñ Auftragsmaßnahmen nur durchgeführt werden, wenn eine wirtschaftliche Teilnehmerzahl für den gesamten Verlauf der Maßnahmen erwartet werden kann;

ñ auf die Durchführung von Auftragsmaßnahmen verzichtet wird, wenn deren Kosten ohne deutlich erkennbaren Qualitätsvorsprung höher liegen als bei vergleichbaren (freien) Maßnahmen."

Deshalb möchte ich anregen: Laßt uns unsere Anforderungen meßbar definieren und ihre Erfüllung überprüfen! Ein freier Markt sorgt dann bei der heutigen Konkurrenz ( im EDV-Bereich zirka 600 Anbieter) kurzfristig für meßbare Qualitätsfortschritte.