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27.08.1993 - 

Zuwaechse von Software und Service schmelzen am schnellsten

DV-Ausgaben der franzoesischen Anwender nahmen 1992 nicht zu

27.08.1993

PARIS - Wie im uebrigen Europa auch halten sich franzoesische Unternehmen bei DV-Ausgaben immer mehr zurueck. Einer Umfrage des Beratungshauses Piere Audoin Conseil (PAC), Paris, zufolge wachsen die IT-Budgets der dortigen Anwender 1993 real nicht mehr. Im Software- und Servicesektor gingen die jaehrlichen Zuwachsraten zwischen 1990 und 1992 von 15 auf fuenf Prozent zurueck.

Nur wenn die europaeische Wirtschaft im kommenden Jahr eine Wiederbelebung erfahre, erklaerte PAC-Generaldirektor Jean-Francois Perret, wuerden auch die DV-Budgets der Anwender wieder hoeher ausfallen. "Eine Rueckkehr zum Klima der 80er Jahre halten wir aber eher fuer unwahrscheinlich", folgerte der Chefberater aus den Ergebnissen der Studie, die sein Unternehmen ueber die DV-Ausgaben franzoesischer Anwender erarbeitete.

Seit 1986 fuehrt PAC jaehrlich Interviews mit rund 150 franzoesischen Grossanwendern. Diese Firmen taetigen etwa 25 Prozent der gesamten franzoesischen DV-Ausgaben. Teils aus anderen Quellen und mit anderen Mitteln erhebt die Beratergruppe zudem aehnliche Daten und Fakten auch bei mittelstaendischen Nutzern und in der oeffentlichen Verwaltung. Da alle Ausgaben auf Jahresbasis analysiert werden, enthaelt der Posten "Hardware" bei PAC zwar die Abschreibungen auf schon installiertes Equipment und den Aufwand fuer Mieten und Leasing, nicht aber die Investitionen.

Pauschal ausgedrueckt, schrumpften die Ausgaben der franzoesischen DV-Nutzer - ohne Investitionen - seit Ende der 80er Jahre von etwa zwoelf Prozent jaehrlichem Zuwachs 1992 auf ein Plus von drei bis vier Prozent. Perret raeumt ein, dass dies fuer 1993 einem realen Nullwachstum gleichkomme. Denn einerseits liegt dieser Zuwachs knapp unter der Inflationsrate, andererseits entfaellt ein Drittel vom Gesamtaufwand auf Loehne und Gehaelter.

Im Hardwarebereich beobachtete die Pariser Beratergruppe bei einer konjunkturbedingt insgesamt schwaecheren Nachfrage ein immer weiteres Auseinanderklaffen von mengen- und wertmaessiger Beschaffung. Dadurch verfiel der Zuwachs dieses Sektors in Frankreich 1992 von neun auf fuenf Prozent; 1993 sind allenfalls noch drei bis vier Prozent Plus zu erwarten.

Die Anwender brauchten nicht einmal besonderen Druck auf die Lieferanten auszuueben, um ihre Budgets nicht ausufern zu lassen. Vielmehr loeste schon der geringste Anstoss, speziell im PC-Bereich, laut Perret einen "frenetischen, ja bisweilen selbstmoerderischen Preiswettbewerb" aus.

Gleichzeitig beobachteten die Interviewer von PAC im Markt eine zunehmende Verlagerung der Ausgaben von der zentralen DV-Abteilung in die Fachbereiche. Die DV-Chefs versuchten damit, die Auflage der Budgetdaempfung zu erfuellen; zudem versprachen sich die Anwenderfirmen von der Verlagerung offenbar eine klarere Feststellung des Return on investment im DV-Wesen.

Am haertesten traf das Nebeneinander von Konjunkturbaisse und Strukturumbruch in der Branche den franzoesischen Software- und Dienstleistungsbereich. Er schrumpfte zwischen 1990 und 1992 von jaehrlich 15 auf zuletzt nur noch fuenf Prozent Ausgabenzuwachs zusammen. Fast in allen Zweigen dieses Marktes war die Entwicklung ruecklaeufig. Ausnahmen bildeten lediglich der Einkauf von Standardsoftware, die Systemintegration und vor allem das Facilities Management, das 1992 wuchs und voraussichtlich auch 1993 nochmals zehn Prozent zulegen wird. Ebenfalls noch nicht gekuerzt sind die Budgets fuer DFUe-Einrichtungen.

Nach Anwendergruppen gegliedert, gibt PAC dem Transportsektor, dem Bankwesen und der Prozessindustrie - wie der chemischen und petrochemischen Industrie - die besten Chancen zum Beibehalt eines relativ hohen Beschaffungsniveaus. Handel, oeffentliche Dienste und verarbeitende Industrie liegen im Mittelfeld;in der Verwaltung und in den High-Tech-Branchen ist dagegen vorlaeufig Schmalhans Kuechenmeister.

Persoenlich zieht Perret aus den Ergebnissen der PAC-Studie folgende Schluesse: Im Softwarebereich koenne der Trend zu offenen Systemen einen Ausgabenzuwachs mit sich bringen. Denn diese Strategie verlangt von den Kunden neue Anlaufinvestitionen, und die Lieferanten liessen sich bei der Installation vorerst noch auf keinerlei Preiskonzessionen ein.

Qualitativ heikel bleibe die Umstellung auf Standardsoftware. Obwohl sich hier auch in Frankreich in den vergangenen drei bis vier Jahren ein "rascher und tiefgreifender Wandel" vollzogen habe, sei den Anwendern sehr wohl bewusst, dass der Trend sich in Richtung auf entscheidungsunterstuetzenden DV-Loesungen bewege. Konventionelle Softwarepakete seien dafuer aber nicht immer geeignet.

Ebenso erweise sich die Verlagerung von Budgets aus der zentralen DV-Abteilung in die Fachbereiche haeufig nur als "buchhalterischer Notbehelf". Gewiss sei in vier bis fuenf Jahren ein von 75 auf 35 Prozent gesunkener Ausgabenteil der zentralen DV-Abteilung "durchaus vorstellbar", fuehrte Perret weiter aus. Allerdings werde das "Duopol" Hersteller und DV-Chef, "das unsere Branche nunmehr seit 25 Jahren beherrscht, auch kuenftig nicht so rasch von der Bildflaeche verschwinden".

Bis Ende 1993 werden den Beratern zufolge deutsche, franzoesische und italienische Anwender ihre DV-Ausgaben weiter verringern. Dagegen duerfte es in den Benelux-Laendern und in Skandinavien zu einer Stabilisierung kommen. In Grossbritannien rechnen die PAC- Auguren nach langer Durststrecke mit einem leichten Anstieg der IT-bezogenen Ausgaben.