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04.06.1982 - 

Probleme mit konventioneller DV verhindern Akzeptanz neuer Medien:

DV-Benutzer mit Bürokommunikation überfordert

MÜNCHEN - Neue Bürokommunikations- und Informationstechnologien sind heute in den meisten Unternehmen noch Zukunftsmusik. Und diese wird nach Ansicht von Marktstrategen bisher ausschließlich im "Orchester" der Hersteller gespielt. Insbesondere der Reifegrad der Fachbereiche - die häufig erst gerade den Schritt von Batch auf Online gemacht hätten - werde von den Kommunikationsaposteln maßlos überschätzt. Zudem stoße das derzeitige Produkt-Wirrwarr sowie die Vielzahl der angebotenen Lösungsmöglichkeiten inzwischen auch auf erhebliche Skepsis bei den DV-Managern.

"Die Welt der neuen Kommunikationstechnologien existiert momentan nur in den Köpfen der Hardware-Verkäufer und auf den Reißbrettern der Entwickler", konstatiert Dr. Hannes Hopmann, Chef der A.G.U. Arbeitsgruppe für Unternehmensberatung in Düsseldorf. Zwischen diesen beiden Standpunkten klaffe jedoch eine erhebliche Lücke. Zwar seien heute bereits einige theoretisch akzeptable Lösungen vorhanden, aber es fehlten noch die hierzu erforderlichen Produkte.

Die mangelnde Akzeptanz bei den existierenden Kommunikationsmöglichkeiten erklärt Professor Dr. Joachim Niedereichholz vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Frankfurt vor allem durch die noch immer nicht beseitigten Probleme in der konventionellen Datenverarbeitung. Solange diese nicht bewältigt seien, könnten die Hersteller nicht auf den Zuspruch der Benutzer hoffen. Niedereichholz sieht die DV als Basislösung für den Einsatz neuer Technologien. Eine Investition in weitere Kommunikationsmedien hält der Frankfurter Informatik-Wissenschaftler aber erst dann für sinnvoll, wenn die bestehenden Anwendungen absolut perfekt funktionieren.

"Wir leben heute mit einer sehr schnellen Innovation", erklärt der Geschäftsführer der Diebold Deutschland GmbH, Dr. Gerhard Adler. Wenn jetzt ein Unternehmen in neue Kommunikationsmittel investiere, sei es leicht möglich, daß diese ein Jahr später bereits wieder veraltet seien. Besonders verhängnisvoll könnten sich diese Tendenzen, so der Frankfurter Beratungsprofi, für die Organisatoren erweisen.

Wenn sie mit immer neuen "Allheilmitteln" aufwarteten, würden sie relativ schnell ihre Glaubwürdigkeit beim Endbenutzer verlieren.

Produkt-Zirkus hemmt Benutzerakzeptanz

Daß die Unternehmensplaner mit dem augenblicklichen "Produkt-Zirkus" reichlich überfordert sind, geben die Anbieter freilich nur ungern zu. Um eine Akzeptanz der neuen Medien beim Benutzer zu erreichen, müßten bei den Organisatoren zunächst einige Barrieren abgebaut werden, räumt aber auch Heinz Jurak ein, Netzwerkexperte bei der Wang GmbH, die momentan mit am lautesten die Kommunikationstrommel rührt.

Glaubt man Marktbeobachtern, so sind es jedoch nicht nur Organisatoren, die mit voreiligen Entscheidungen ins Zwielicht geraten. Auch die DV-Manager könnten mit den schnell wechselnden Technologietrends kaum noch mithalten. DV-Chefs, die in den Unternehmen bisher als Vorreiter für neue Entwicklungen galten und damit den Herstellern den Weg in neue Märkte ebneten, verhalten sich nach Ansicht von Paul G. Dolan, Boß der gleichnamigen Frankfurter Unternehmensberatung, erstmals massiv "investitionsbremsend". Viele würden von den Angeboten der Hersteller regelrecht überrolt und seien kaum noch fähig zu prognostizieren, in welche Richtung der Trend geht. Selbst in Großunternehmen konnte Dolan bereits beobachten, daß die DV-Verantwortlichen Vorschläge für Investitionen unterbreitet hätten, die nach wenigen Monaten hinfällig waren, weil sich der Markt bereits wieder um 180 Grad gedreht hatte.

Der Frankfurter Branchenkenner ist überzeugt, einige Hersteller würden sich ihre eigenen Märkte verderben, indem sie versuchten, sich mit immer neuen Produkten und Lösungen gegenseitig auszutricksen.

In die gleiche Kerbe wie Dolan haut auch der Geschäftsführende Gesellschafter der Kölner GUS-Unternehmensberatung, Heinz Paul Bonn: "Die DV-Anbieter würden gut daran tun, die neuen Medien etwas ehrlicher zu verkaufen und dem Anwender nicht etwas anzudrehen, was er unter Kosten-/Nutzenaspekten noch gar nicht braucht". Die Benutzer seien hoch längst nicht reif für komplexe Netzwerke oder komplizierte Kommunikationssysteme. Vielmehr wünschten sich die Unternehmen eine gut funktionierende, wirtschaftliche DV-Lösung.

Daß die DV-Verantwortlichen im derzeitigen "Kommunikations-Tohuwabohu" häufig die Übersicht verlieren, bestätigt auch der Hamburger DV-Berater Rudolf Barckhausen, der noch unlängst als Ausbildungsleiter bei Philips Akzeptanzseminare zu diesem Thema durchführte. Dies gelte besonders für DV-Manager, so Barckhausen, die nach wie vor in der Datenverarbeitungshistorie" verhaftet seien und dem Zentralisierungsgedanken nachhingen.

Niemand blickt noch durch

Mit einer fortschrittlichen Anwendung kann zwar die Salzburger Sparkasse aufwarten, aber dennoch gibt DV-Chef Helfried Plenk, unverblümt zu: "Unser Problem ist, daß wir selbst nicht mehr wissen, in welche Informationstechnologien wir eigentlich investieren sollen." Plenk, der gleichzeitig als Vorsitzender der Honeywell Bull-Benutzergruppe fungiert, meint, die meisten DV-Leiter fühlten sich deutlich überfordert von den Möglichkeiten, die heute im Markt angeboten würden. Die Hersteller sollten nach Meinung Plenks berücksichtigen, daß die DV-Welt trotz aller Kommunikationsmöglichkeiten noch immer in großen Teilen eine Batch-Welt" sei.

Von der derzeitigen "Konfusion" um neue Medien sind nach Ansicht von Friedrich Hartmann, Chef des KGRZ Starkenburg und Präsident der neu gegründeten NAS-Benutzergruppe "AS-Forum", nicht nur in besonderem Maße DV-Manager und Anwender berührt. Das augenblickliche "Trend-Hickhack" beweise, daß selbst die Hersteller sowie ein Großteil der Kommunikationsexperten noch nicht genau wüßten, wo es überhaupt lang gehe. Akzeptanz mit der Brechstange, die viele Hersteller heute versuchten, um neue Bürokommunikationsmittel loszuwerden, hält Hartmann sogar für "äußerst gefährlich".

Zunächst Standards abwarten

Gleiche Bedenken wie der KGRZ-Chef hegt auch Dr. Tom Sommerlate, Geschäftsführer der Wiesbadener Beraterfirma Arthur D. Little. Ein Unternehmen wäre leichtsinnig, heute im großen Stil in neue Technologien zu investieren. Ob man von Inhouse-Netzen oder Telekommunikation spreche - die meisten Themen seien noch längst nicht ausgegoren.

Sommerlate empfiehlt daher den Benutzern, den Markt zunächst gezielt auf Standards hin zu beobachten und sich erst dann zu entscheiden, wenn sich eine klare Linie abzeichne.