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05.09.1986

DV-Berater brauchen psychologisches Einfühlungsvermögen

Die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Unternehmensberatern sind zwiespältig. Aus der Sicht von Tilo Hildebrandt von der Gesellschaft für Informations- und Kommunikationssysteme mbH Omikron, Köln, gibt es insbesondere im Personalcomputerbereich oft auch negative Fälle, in denen der Berater sich vom Systemhaus informieren läßt und sein neu erworbenes Wissen an den Kunden verkauft. Besonders unerfreulich seien die Situationen, in denen der DV-Berater selbst die Realisierung anbietet, nachdem er im Vorfeld alle wichtigen Informationen bis hin zum erzielbaren Preis für die gewünschte Lösung in Erfahrung gebracht hatte. Volker Vanduch, Geschäftsführer beim Zentrum Wertanalyse des Verbandes Deutscher Ingenieure (VDI) hebt im Zusammenhang mit dem Einsatz von externen Unternehmensberatern hervor, daß es besonders auf eine psychologische Schulung ankommt, um "Berührungsängste" in den Firmen abzubauen. Für Jörg Walter schließlich, der aus Anwenderperspektive über die Thematik berichtet, "gibt es trotz vieler, oft sehr mühsamer Einzelschritte, die in zahlreichen Programmodifikationen und -ergänzungen dokumentiert sind, auf dem Weg zu einer eigenen, maßgeschneiderten Lösung keine Alternative." Auf diese Weise habe man kein unnötiges Lehrgeld zahlen müssen.

Tilo Hildebrandt Geschäftsführer bei der Gesellschaft für Informations- und Kommunikationssysteme mbH Omikron, Köln

Unsere Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Unternehmensberatern beim Kunden sind zwiespältig und hängen im wesentlichen von der Qualifikation und Seriosität des beratenden Unternehmens ab.

Im positiven Fall bereitet das Beratungsunternehmen den Boden für eine unkomplizierte und zügige Einführung der EDV beim Kunden. Die Projektphasen der Problemfindung, der Erstellung des Anforderungsprofils und der Formulierung eines Pflichtenheftes sind in den Händen eines EDV-Experten einer Beratungsgesellschaft gut aufgehoben. Falls ihm die Möglichkeiten und vor allem die Grenzen des empfohlenen Systems bestens vertraut sind, so hat der Berater eine wichtige Vermittlerposition zwischen dem Anwender und dem letztendlich verantwortlichen Systemhaus als Entwickler und Lieferant der Komplettlösung. Eine solchermaßen funktionierende Arbeitsteilung ist für beide Kooperationspartner fruchtbar und nützt letztendlich dem Endanwender am meisten.

Leider gibt es jedoch insbesondere im Personalcomputerbereich auch die negativen Fälle, in denen der Berater sich vom Systemhaus beraten läßt und sein neu erworbenes Wissen an den Kunden verkauft. Spätestens dann, wenn der direkte Kontakt zwischen Anwender und Systemhaus hergestellt ist, ist jedoch diese Art der Beratung naturgemäß beendet.

Besonders unerfreulich sind die sogenannten Beratungen, bei denen der EDV-Berater selbst die Realisierung anbietet, nachdem er im Vorfeld alle wichtigen Informationen bis hin zum erzielbaren Preis für die gewünschte Lösung in Erfahrung gebracht hat.

Es ist aber sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis die durch die stürmische Nachfrage nach EDV-Leistung begünstigten Pseudoberater wieder vom Markt verschwunden sein werden.

Die von Systemhäusern selbst durchgeführten Beratungen haben den Vorteil, daß die vorgeschlagenen Lösungen auch praktikabel sind und mit angemessenem Kostenaufwand realisiert werden können - unabhängig davon, ob das Systemhaus anschließend auch mit der Realisierung beauftragt wird.

Der Grund mag darin zu suchen sein, daß es keine speziellen PC-Berater gibt und die Lösungskonzepte der Groß-EDV für die Arbeitsplatzcomputer normalerweise untauglich sind. Da Systemhäuser die bevorzugten Partner der Hardwarehersteller sind, laufen auch die Informationen über Entwicklungen und Neuerungen zuerst in diese Richtung. Hier werden die Anwendungen entwickelt, die zur Vermarktung von Hardware dringend erforderlich sind.

Arbeitet der Ratsuchende also mit einem Systemhaus seines Vertrauens bei der Konzeption einer EDV-Lösung zusammen, so ist die Einschaltung eines weiteren Beratungsunternehmen nicht zwingend notwendig. Es sei denn, daß im Vorfeld zum Beispiel die Ablauforganisation neu strukturiert werden soll oder Kosten-Nutzen-Analysen für das EDV-Projekt zu erarbeiten sind. In diesem fall kam ein leistungsfähiger Berater eine wertvolle Ergänzung sein.

Jörg Walter Geschäftsführer des "autoanzeigers" (d.a.z.), Hamburg

Am Anfang stand wie so oft nur eine Idee: Wir wollten einen aktuellen und systematisch geordneten Überblick über den norddeutschen Gebrauchtwagen-Markt exklusiv für unsere daz-Vertragshändler schaffen. Dabei galten folgende Bedingungen: kein zusätzlicher personeller Aufwand, keine nennenswerte Investition. Die Lösung mußte technisch zuverlässig, einfach zu handhaben und preisgünstig sein.

Die Suche nach einem geeigneten Partner für die Realisierung dieses neuen Konzeptes war nicht so einfach. Denn wir wollten von Beginn an alle Fehler auf dem Weg von der Installation der immer komplexeren EDV-Hardware zur erfolgreichen Anwendung ausschalten. Den entscheidenden Schwachpunkt sehen wir in der Entwicklungs- und Einführungsphase. Um unnötiges Lehrgeld zu vermeiden, brauchten wir dazu einen "Brückenbauer", einen Mittler zwischen Technik und Anwendung, der unsere ganz speziellen Bedürfnisse und einen hohen technischen Standard optimal miteinander verknüpfte.

Wir beauftragten dann Ende 1985 eine Hamburger Beratungsgesellschaft, die in vielen Gesprächen mit uns ein speziell auf den Gebrauchtwagen-Markt ausgerichtetes EDV-Programm entwickelte. Über einen externen Rechner Hewlett-Packard HP 3000 werden jetzt unseren Vertragskunden von Bildschirm-Terminals die täglich aktuellen Daten des norddeutschen Marktes über das Telefonnetz der Post direkt auf den Schreibtisch gebracht.

Für die schnelle Umsetzung unserer Idee in die Verlags-Praxis waren zwei Dinge ausschlaggebend: Das von dem Beratungsunternehmen eingekaufte Know-how über anspruchsvolle Dialoglösungen und die Teilnahme an dem Btx-Service-Rechnezentrum der Beratungsfirma im Time-Sharing-Modell. Der Einsatz von externen Beratern hat sich für uns ausgezahlt. Trotz der vielen, oft sehr mühsamen Einzelschritte, die in zahlreichen Programmodifikationen und -ergänzungen dokumentiert sind, gibt es auf dem Weg zu einer eigenen, maßgeschneiderten Lösung keine Alternative. Es sei denn, um den Preis, nicht voll auf der technischen Höhe zu sein und "eigengestrickte" Halb-Lösungen später teuer bezahlen zu müssen.

Volker Vanduch Geschäftsführer beim Zentrum Wertanalyse des Verbandes Deutscher Ingenieure, Düsseldorf

Es gibt keine allgemeingültige Empfehlung, ob es für ein Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen besser ist, sich eines externen Unternehmensberaters zu bedienen oder selbst einen internen Berater ausbilden zu lassen. Auf jeden Fall sollte sich jedes Unternehmen, unabhängig von seiner Struktur und Größe, der Unterstützung eines qualifizierten Beraters versichern, der nach Möglichkeit auch in der Lage ist, eine Wertanalyse vorzunehmen. Ein solches System ist bei der Einführung und Optimierung von DV-, CAD- und CIM-Anlagen ein effizientes und schnell realisierbares Verfahren, das die tatsächlichen Bedürfnisse offenlegt und beratend eingesetzt Lösungen liefert, die mit den eigenen Ressourcen im Einklang stehen.

Es besteht aus den Komponenten Methode, Verhaltensweise und Qualifikation der Teammitglieder des beratenden Unternehmens und dessen Management. Kennzeichnend für die Methode ist die Vorgehensweise nach in DIN 69 910 festgelegten Verfahrensschritten, die Durchführung in kleinen interdisziplinär zusammengesetzten Teams, die Denkweise in Funktionen, die Trennung der schöpferischen Phase bei der Lösungssuche von der Bewertung der ermittelten Lösungen und der Entscheidung für eine Lösung. Die Aufgabe des Wertanalyse-Beraters ist es, das anwendungsneutrale System Wertanalyse unter Berücksichtigung aller spezifischen organisatorischen, sozialen, strategischen und operationalen Verhältnisse optimal zum Einsatz zu bringen und entsprechende Ergebnisse zu erzielen.

Im Zusammenhang mit der Ausbildung von Unternehmensberatern ist es aus unserer Sicht wichtig, daß auch eine entsprechende psychologische Schulung inbegriffen ist, um etwaige Hemmschwellen in den Firmen abzubauen. Dies gilt besonders für Projekte, bei denen Schwierigkeiten aus dem Bereich des menschlichen Verhaltens (Organisationsstruktur) zu überwinden sind. So sollte beispielsweise das Engagement und die Veränderungsbereitschaft bei den Führungskräften gefördert werden.