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08.01.1988 - 

Soziale Komponenten künftig mit im Kalkül der Informations-Manager:

DV-Branche auch 1988 auf Weiterbildungstrip

MÜNCHEN - Immer noch ist der DV-Personalmarkt überhitzt. Nach wie vor besitzen also Anwendungs- und Systemprogrammierer gute Chancen. Für eine vernetzte Technik indes sind künftig mehrdimensionale Kenntnisse nötig: Der Informatiker als Fach- und Führungskraft hat sich deshalb dem Thema Integration zu stellen.

In der Computerbranche ist nach wie vor alles anders. "Zwar sind die Quoten gesunken, doch reden wir noch immer über eine Wachstumsbranche", stellt Wolfgang Lichius von der Kienbaum Personalberatung in Gummersbach für 1988 fest. Qualitativ exzellente neun bis elf Prozent mehr pro Jahr, schätzt Diebold-Chef Gerhard Adler, soll die Datenverarbeitungsbranche bis 1992 umsetzen. Und deshalb halte auch die Tendenz zur Fachkraft "Informatiker" an, akzentuiert Werner Dostal von der Bundesanstalt für Arbeit. Allerdings weise der Trend auf ein rundum fundiertes Leistungsprofil. Die zunehmende Vernetzung der Kommunikations- mit der Datentechnik nämlich bringt neue Arbeitsgebiete und Anwendungsmöglichkeiten. In Industrie und Dienstleistungssektoren reicht der in langen Jahren gewachsene DV-Praktiker nicht mehr aus. Seinen Weg macht, wer zusätzliches Fachwissen über Controlling, Vertrieb oder Fertigungstechnik besitzt. In den technischen Berufen verschärft sich deshalb die Situation für ältere Do-it-yourself-Profis. Ingenieure wie Informatiker sind davon gleichermaßen betroffen. "Zur Disposition stehen" laut Lichius auch in der anwendenden Industrie jene Kräfte, denen anwendungsbezogenes Zusatzwissen fehle. Die Alarmglocke schrillt besonders bei Fusionen oder Umstrukturierungen. Denn im Zuge von Abteilungsab- und -aufbau, kann der Nürnberger Analytiker Dostal beobachten, entledigen sich die Unternehmen häufig ihrer älteren Mitarbeiter.

In aller Regel aber trennen sich die DV-Abteilungen nur schweren Herzens von Know-how-Trägern. Nennenswerte Entlassungsquoten in der Computerbranche befürchtet der BA-Experte nur dort, wo die Personaldecke nach dem "Rasenmäher-Prinzip" bearbeitet wird.

Für den Kienbaum-Experten Lichius herrscht 1988 auf einem noch überhitzten Markt hohe Nachfrage nach DV-Fach- und Führungskräften. Das Thema Integration klingt bei Offerten für System-Vernetzung und -Engineering an. Weiterhin gesucht sind Qualifikationen für Datenbankdesign sowie Fachkräfte für Anwendungs- und Systemprogrammierung und für DV-Service. Die süddeutsche Automobilindustrie beispielsweise sucht Systemprogrammierer und Fachleute für das Rechenzentrum. Gleichzeitig hält auch der Trend zur Individualisierung der DV weiter an. Gefragt sind Koordinatoren zwischen DV und Fachabteilung. Sichere Arbeitsplätze sieht der Gummersbacher auch bei DV- und Elektronik- Herstellern.

Zwar rückt eine besser ausgebildete Generation nach - allerdings nicht in ausreichendem Maße: Eine "Systemfirma", wie zum Beispiel die MBB-Flugzeugbau Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB) in München, benötigt Doppelqualifikationen, etwa den Ingenieur mit Informatik-Kenntnissen. Doch an derartigen Experten mangele es, weiß Personalmanager Wolf Ottmann. Denn es werde immer noch hauptsächlich eingleisig gelehrt. Künftig sei aber die Verknüpfung der technischen Betrachtungsweise mit wirtschaftlichen Komponenten wichtig. Indes sei natürlich nicht das kleine Einmaleins der Buchhaltung gefragt, sondern der Blick für die volkswirtschaftlichen Dimensionen von Produktentwicklungen.

Für den multifunktional versierten Informatiker scheint mittlerweile auch die für zum Management aufgestoßen zu sein. Auf den Technik-Spezialisten warten dort bereichsübergreifende Aufgaben. Allerdings markieren noch etliche Stolpersteine den Weg des traditionellen DV-Chefs nach ganz oben - so zum Beispiel sein technokratisches Denken. Marktbeobachter Dostal: "Der Techniker vernachlässigt, beginnt er unternehmerisch zu denken, soziale Bezüge."

Deshalb muß er nicht selten nach Verbündeten suchen. Externe Hilfe erwächst ihm durch den Berater. Dieser Zunft winken rosige Zeiten. Denn Mitarbeiter, die passende Problemlösungen erarbeiten können, seien ihr Geld wert. Zur DV-Beratung und Software-Entwicklung setzen deshalb die Consultants zunehmend auf Kundenschulung. Sichern sich diese Dienstleister mit 16,5 Milliarden Mark derzeit bereits die Hälfte des gesamten DV-Marktkuchens von gut 33 Milliarden, schätzt Diebold ihren Umsatz 1990 auf reichlich 24 Milliarden Mark.

Auch in Unternehmen der DV-Branche selbst bleibt Fortbildung und Entwicklung der Mitarbeiter ein aktuelles Thema. Den Unterschied zu anderen Branchen bezeichnet Werner Dostal als markant, liefen doch dort häufig einmal angestoßene Qualifizierungsaktivitäten einfach nur weiter. "Die Ausgaben für Ausbildung insgesamt bleiben im Vergleich zum Vorjahr konstant", heißt es beispielsweise bei Süddeutschlands Automobilherstellern. Im Marktsegment DV dagegen sind, formuliert der BA-Experte, "die Unternehmen auf dem Weiterbildungstrip": Sie bringen einen hohen Anteil für Fortbildung auf. Zusammen mit der Bundesanstalt für Arbeit läßt sich für DV-Kernberufe ein Betrag von etwa 1,8 Milliarden Mark ausmachen. Ein Drittel davon trägt die Nürnberger Behörde, den Rest die Wirtschaft. Hinzu kommen Ausgaben für Randberufe, bei denen rund die Hälfte aller Fortbildungsaktivitäten einen DV-Bezug aufweisen.