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16.04.1982 - 

Konkurrenten graben sich gegenseitig das Wasser ab:

DV-Branche segelt mit halber Kraft voraus

16.04.1982

MÜNCHEN - Preisverfall und Importdruck belasten die Ertragssituation bei vielen DV-Unternehmen. Ein noch recht flottes Auslandsgeschäft kann die Konjunkturschwäche auf dem heimischen Markt nicht ausgleichen. So stieg der Inlandsabsatz der bundesdeutschen Computerfirmen nach Angaben des Zentralverbandes der Elektrotechnischen Industrie (ZVEI) 1981 nur noch um sieben Prozent. Daß sich die Rentabilität bei einigen Herstellern drastisch verschlechtert hat, ermittelte die COMPUTERWOCHE aus den Geschäftsberichten der Branchenleader (Seiten 6 bis 8).

Auch aus bundesdeutschen DV-Kreisen verlautet wenig Erfreuliches über das abgelaufene Geschäftsjahr. Mit positiv konsolidiert" und "bittere Strecke" charakterisieren die Hersteller die zwölf Monate des Jahres. Zwar wachsen die Umsatzzahlen weiter, doch Einnahmen allein garantieren noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse.

So müssen sich in der Bundesrepublik-Unternehmen wie Kienzle, Hewlett-Packard, Triumph-Adler und Siemens mit gesunkenen Umsatzrenditen abfinden. Von Raten, die Tandem mit 12,7 Prozent oder Datapoint (12,3) erzielten, träumt die DV-Industrie hierzulande nur.

Dennoch, so düster sind die Prognosen nicht. Beobachtungen des Zentralverbandes der Elektrotechnischen Industrie e. V. (ZVEI), Frankfurt, zufolge kann die Branche optimistisch in das Jahr 1982 blicken. Grund dafür biete -ein hoher Auftragsbestand, der ein gewisses Polster darstelle. Beunruhigend gestalte sich nur die Entwicklung der Aufträge. Denn diese begännen, sich rar zu machen. Sie nahmen im vergangenen Jahr nur noch um nominal 2,6 Prozent zu. Dabei mußten die Unternehmen einen Auftragsrückgang aus dem Inland von zehn Prozent erst einmal verdauen.

Diesen Einbruch haben indessen die Bestellzugänge aus dem Ausland wettgemacht. Sie lagen um fast 20 Prozent höher als noch im Jahr zuvor. Insgesamt jedoch befürchtet der Verband, daß die Zuwachsraten heuer geringer ausfallen. Der zunehmende Preiswettbewerb zwischen den Anbietern sowie der steigende Importdruck werde die Erträge der Unternehmen noch stärker als bisher belasten.

Magerer Inlandsabsatz

Im vergangenen Jahr stieg der Produktionswert der Geräte und Einrichtungen für die DV dem ZVEI zufolge um 17,2 Prozent auf 8,0144 Milliarden Mark. Dabei legten die Ausfuhren von DV-Anlagen um knapp 30 Prozent zu, während die Einfuhren mit 17,7 Prozent Zuwachs deutlich geringer ausfielen.

Immerhin konnten die auf bundesdeutschem Boden produzierenden DV-Hersteller den Umsatz noch einmal kräftig steigern: Mit 8,4 Milliarden Mark erzielten sie Einnahmen, die um 19 Prozent über denen von 1980 lagen. Motor des guten Geschäfts war der Auslandsumsatz, der um rund 34 Prozent wuchs. Der Inlandsabsatz nimmt sich dagegen mit mageren sieben Prozent Zuwachs bescheiden aus.

Insgesamt gibt dies Anlaß zur Sorge. Denn nach Meinung des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, wird sich die überraschend gute Entwicklung der bundesdeutschen Ausfuhren insgesamt im laufenden Jahr nicht weiter fortsetzen. Eine Abschwächung der Wach-Stumsraten zeige sich bereits seit Oktober 1981.

Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr schauen indes nicht schlecht aus. So wurden nur drei von den in der Tabelle aufgeführten Unternehmen mit Sicherheit ihrer Umsatzzahlen nicht froh: Bei Intel ging's um 7,7 Prozent, bei MAI Deutschland um 1,4 Prozent und bei ICL um 0,6 Prozent zurück. Alle anderen verbuchten zum Teil erstaunliche Zuwächse.

Als absoluter Spitzenreiter präsentiert sich dabei STC in Deutschland mit 21 prozentigem Anstieg und bei Apple kann man sich mit 184,5 Prozent brüsten. Aber auch bei Tandem gab's Anlaß zur Freude: 91 Prozent weltweit und 129,5 in der Bundesrepublik. Nicht weniger zufrieden zeigen sich auch DEC, Wang, Ericsson und Prime mit ihren Einnahmen.

Weniger rosig sieht es jedoch bei den Umsatzrenditen aus. Diese sanken bei mehr als der Hälfte der aufgeführten Unternehmen. Besonders betroffen waren dabei AEG (-7,6 Prozent), Intel (von 11,3 auf 3,5), Cii und ICL, wobei die letzten zwei tief in den Keller rutschten (-5,8 beziehungsweise - 18,7 Prozent).

Besonders dramatisch gestaltet sich der Vergleich zwischen den Umsatzzahlen Pro Beschäftigten der jeweiligen Unternehmen. Während die Arbeitsproduktivität in der Bundesrepublik nach Berechnungen der Bundesbank real um 0,6 Prozent wuchs, stieg der Umsatz pro Beschäftigten bei dem rentabelsten der hier aufgeführten Unternehmen, der Triumph-Adler AG, um nominal 41,2 Prozent. Ander erseits schneidet Amdahl mit nominal 19,7 Prozent recht schlecht ab. - Doch der Vergleich hinkt, denn einmal sind die Zahlen nicht preisbereinigt (die Bundesrepublik rechnet auf der Basis von 1970), zum anderen müssen die Veränderungen in den Beschäftigtenzahlen Berücksichtigung finden: So entließ TA beispielsweise mehr als 18 Prozent der Belegschaft, während Amdahl im gleichen Zeitraum um knapp 40 Prozent aufstockte.

Insgesamt bauten im Berichtsjahr mehr Unternehmen ihren Personalbestand aus als ab, Diejenigen, die Mitarbeiter entließen, wie ICL, NatSemi, TI und Siemens, konnten allesamt ihren Umsatz pro Beschäftigten steigern. Es fiel dagegen pro Beschäftigten bei den Unternehmen, die weitere Mitarbeiter einstellten. Bei Forschungsaufwendungen war man sich in DV-Kreisen wohl einig. So tanzt nur ein Hersteller aus dir Reihe, die ICL Ltd., alle anderen steigerten 1981 zum Teil wie Tandem, STC und Wang kräftig ihre Ausgaben für die Forschung und Entwicklung.

Hier richtet der Bundesverband Bürowirtschaft e.V., Köln, dringende Appelle an die deutsche Bürotechnik und Computerindustrie, sich verstärkt anzustrengen. Denn ausländische Hersteller seien finanzkräftiger, hätten einen überragenden Innovationsstandard und eine konsequent angelegte Produktpolitik. Die deutsche DV-Industrie müsse daher vorhandene Innovationsdefizite abbauen. Anderenfalls würden vornehmlich Hersteller aus den USA und Japan die deutschen Produzenten vom Markt verdrängen.

_AU:Nicole Winkler