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19.06.1981

DV-Chefs fordern kürzere und exakte Lieferfristen

Keine Unternehmensführung könne es sich leisten, Investitionsentscheidungen ohne eine mittelfristige, organisatorische und finanzielle Vorausplanung zu treffen, bemerkt der DV-Chef der Schwäbisch Gmünder Ersatzkasse, Helmut Maier. Diesem Grundsatz stünden jedoch noch immer die langen Lieferfristen der DV-Anbieter entgegen. Meist stelle man schon unmittelbar nach Vertragsabschluß über ein neues System fest, daß die gleiche Maschine bereits sehr viel früher von einem Leasing-Unternehmen angeboten werde. "Bei derartigen Praktiken", ärgert sich Maier, "kann nicht mehr von einem soliden, kaufmännischen Gebaren gesprochen werden." Ein Ausweg aus diesem Dilemma könne nur die Angabe von verbindlichen Lieferterminen seitens der Hersteller sein. Auch Peter Staiger von der Alfred Kunz GmbH & Co. in München meint, daß die langen Lieferfristen für die DV-Leiter nach wie vor problematisch seien. Ein System, daß erst ein oder zwei Jahre nach der Bestellung ausgeliefert werde, sei häufig schon bei der Installierung wieder veraltet.

Helmut Maier, DV-Leiter, Schwäbisch Gmünder Ersatzkasse, Schwäbisch-Gmünd

(IBM 3031, DOS/VSE)

Keine Unternehmensführung kann es sich leisten, Investitionsentscheidungen ohne eine mittelfristige, organisatorische und finanzielle Vorausplanung zu treffen.

Die Disposition des EDV-Systems wird unter Beachtung des künftigen Kapazitätsbedarfs und der zu realisierenden EDV-Vorhaben vorgenommen. Produktankündigungen der Hersteller müssen nach Prüfung des Preis-/Leistungsverhältnisses mit in diesen Planungs- und Entscheidungsprozeß einbezogen werden. Zu diesem Zeitpunkt beginnt bereits die Software: Von den Vertriebsbeauftragten werden neuen EDV-Maschinen mit vielen Vorschuß-Lorbeeren vorgestellt. Nach Details befragt, sind die Auskünfte und die ausgehändigten Unterlagen wenig erschöpfend und enthalten magere Informationen über das angekündigte Produkt.

Eine Leistungsmessung zur Absicherung der Entscheidungsfindung kann nicht durchgeführt werden, da allenfalls ein Prototyp in einem amerikanischen Labor existiert. Um einen einigermaßen absehbaren Lierfertermin zu sichern, ist der sofortige Vertragsabschluß nötig. Ein Zeitpunkt für die Lieferung wird erst gar nicht angegeben, sondern lediglich eine Zeitspanne von zirka einem halben Jahr genannt. Einigermaßen exakte Liefertermine sind nicht in Erfahrung zu bringen. Unter diesen Gegebenheiten sind Investitionsentscheidungen und Organisationsplanungen überaus erschwert.

Nach Vertragsabschluß stellt man meist fest, daß die gleiche Maschine in der Regel sehr viel früher von einem Leasing-Unternehmen angeboten wird. Bei derartigen Praktiken kann nicht mehr von einem soliden, kaufmännischen Gebaren gesprochen werden, da es sich um die Anschaffung von Investitionsgütern in Millionenhöhe handelt.

Problematisch wird es, wenn der nach längerer Zeit endlich mitgeteilte Liefertermin nicht eingehalten werden kann. Eine solche Lieferverzögerung gefährdet die Einführung von neuen EDV-Verfahren sowie die gesamte Organisationsplanung. Außerdem droht gegenüber den Fachbereichen ein erheblicher Imageverlust.

Um größere Schäden abzuwenden, greift man zu Notlösungen, wie zum Beispiel die Einführung einer zusätzlichen Schicht im Rechenzentrum. Dies ist jedoch immer mit großen personellen und finanziellen Mehraufwendungen verbunden.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma kann nur die Angabe vernünftiger und einigermaßen verbindlicher Liefertermine seitens der Hersteller bei Produktankündigungen sein. Dies würde zum beiderseitigen Nutzen und zur Zufriedenheit des Kunden beitragen.

Karl Albert Sietz,

Abteilungsdirektor DV, Victoria Versicherungsgesellschaften, Düsseldorf

(2 x IBM 3031, MVS)

Lange Lieferzeiten machen bei manchen Hardware-Herstellern aus der Not eine Tugend, nämlich Geld.

Neue Technologie entsteht nicht nur im asiatischen Raum, sie ist auch den westlichen Großanbietern bekannt und sicherlich schon in Produktion.

Die Not der "Großen" ist, daß sie nach der Ankündigung in möglichst kurzer Zeit ihren riesigen Kundenstamm mit billigeren und leistungsfähigeren Maschinen versorgen müssen, was manchmal wegen fehlender Kapazitäten etwas länger dauert. Auf dem Wege dahin müssen die Anwender halt mit teureren, weniger leistungsfähigeren Maschinen auskommen. Dies ist für die großen Produzenten so lange eine sichere Einnahmequelle, wie der "Kleine", der schneller liefern kann, nicht in ihr Geschäft einbricht.

Wie aber sieht das Ganze aus der Sicht des EDV-Leiters aus?

Er bekommt mit jedem neuen System gleich eine Vielfalt von Hauptspeicher und Performance fressenden Softwareprodukten in Form von Betriebssystemerweiterungen, Onlinesystemen und weiteren "unverzichtbaren" Tools gegen saftige Preise mitgeliefert.

Damit ist der nächste Engpaß bereits vorprogrammiert. Nach kurzer Zeit werden die Antwortzeiten im TP-Betrieb länger. Es wird laufend gemessen und getunt. Man sucht nach neuen Tools zur besseren Ausnutzung und Verfügbarkeit von Rechner und Peripherie. Also muß ein neues System her - mit neuer Lieferzeit.

Peter Staiger, DV-Leiter, Alfred Kunz GmbH & Co., München (IBM 4331, DOS/VSE)

Die langen Lieferfristen der DV-Anbieter stellen manchen EDV-Leiter vor große Probleme. Ein bestelltes System, das meist erst nach ein oder zwei Jahren zur Auslieferung kommt, kann bis dahin in einzelnen Teilen bereits wieder technisch veraltet sein - oder die gestellten Anforderungen und Vorstellungen einzelner Peripheriegeräte erfüllen nicht die gestellten Erwartungen. In der Regel wurde vor der Bestellung eine Planung mit bestimmten Kapazitätsbedarfsvorstellungen erstellt, die bei Eintreffen des Systems überholt sein kann. Hinzu kommt, daß bei Bestellung einer kompletten DV-Anlage die Komponente mit der längsten Lieferzeit die Lieferzeit des gesamten Systems bestimmt und somit verlängern kann. Es sei denn, man gibt sich mit Überbrückungskonfigurationen zufrieden.

Die Personalplanung für Umstellungsarbeiten, die weit in der Zukunft liegen, sind mit nicht zu unterschätzenden Unsicherheitsfaktoren behaftet.

Das Betriebssystem, das bei Lieferung der bestellten Anlage zur Verfügung gestellt wird, entspricht unter Umständen nicht mehr den Vorstellungen des Benutzers oder erfüllt die zum Bestellzeitpunkt genannten Leistungen unzureichend. Ebenso ist denkbar, daß die Zugriffs- oder Dateiverwaltungsmethode inzwischen hinfällig ist oder andere Plattenlaufwerke sinnvoller einsetzbar wären.

Auch die Erweiterung oder Änderung von Systemkonfigurationen ist durch lange Lieferzeiten meist problematisch. Hier entsteht der Markt für Mixed-Hardware-Lieferanten. Hinzu kommen bei vielen Anwendern mit Installation einer neuen (leistungsfähigeren) Anlage meist auch neue oder "erneuerte" Anwendungen, die wegen des langen in der Zukunft liegenden Liefertermins der Hardware gut vorbereitet werden können. Aber seitens der Benutzer wird manchmal der Realisierungspunkt der Anwendung oft mit der Installation der Hardware gleichgesetzt. Mehr Flexibilität der DV-Lieferanten, auch mit Überbrückungslösungen, scheint mir daher in der Zukunft äußerst notwendig.

Die Lieferzeiten für Betriebssysteme, Mikroprogramm-Änderungen und Systemfehlerbearbeitungen müssen seitens der DV-Anbieter unbedingt reduziert werden. Der Kunde zahlt schließlich dafür!

Mancher Kleincomputer wird heute nur deshalb installiert, weil die EDV-Anlage voll und die Antwortzeiten zu lang sind. Die Erweiterung ist zwar bestellt, kann aber erst in X-Monaten geliefert werden. Vom Anwender geplante Konzepte werden durch solche betriebsinternen Ausweichlösungen leider zum Teil zunichte gemacht, oder es wird gar nicht erst mit der Realisierung begonnen. Nicht unproblematisch erscheint mir in diesem Zusammenhang die zwar preislich günstigeren, aber in der Flexibilität doch sehr "langfristigen" Verträge mancher Hersteller oder Leasing-Firmen.