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30.03.1984 - 

Desktop-Einsatz in den Fachbereichen weder blockieren noch überbewerten

DV-Chefs in der Klemme: Kummer mit den Mikros

FRANKFURT - Im Zuge der Einführung von Mikrocomputern in Großunternehmen und der organisatorischen Einbettung bestehender Standalone-Lösungen in Hostumgebungen geraten DV-Verantwortliche zunehmend unter den Beschuß der Fachbereiche. DV-Leiter, die sich nicht vom zeitintensiven Tagesgeschäft lösen und in ihrer Funktion als Informationsmanager den Mikro-Einzug konzeptionell, strategisch und betriebswirtschaftlich vorbereiten. werden über kurz oder lang auf der Strecke bleiben. Zu diesem Urteil kam ein aus DV- und Organisationsentscheidern zusammengesetzter Arbeitskreis, der jetzt in Frankfurt das Ergebnis monatelangen Wirkens zum Thema "Mikros in Großunternehmen" präsentierte.

Harte Kritik am heutigen DV-Establishment übte Professor Manfred Bues, der in der vom Bundesverband Vertriebsunternehmen Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik e.V. (BVB) initiierten Arbeitsgruppe den Vorsitz innehatte: "Die Wünsche. des Benutzers werden noch immer abgeblockt oder geschickt verzögert, womit die positiv zu wertende Eigeninitiative der Sachbearbeiter geradezu drastisch abgebaut wird."

Der Leiter des Informatiklehrstuhls an der Fachhochschule Furtwangen schreibt es zu einem nicht geringen Teil dem Verhalten der DV-Verantwortlichen zu, daß in den Unternehmen heute ein unüberschaubarer Mikro-Wildwuchs herrsche. Der Endbenutzer, der sich inzwischen mehr mit seiner autonomen Kleinrechner-Anwendung identifiziere als mit der zentralistisch ausgelegten Datenverarbeitung, sei in der Vergangenheit quasi zur Selbsthilfe gezwungen worden.

Mit der unkoordinierten Bestellung und Einführung der Rechnerzwerge sind nach Ansicht von Bues in den Großunternehmen "Mikro-Zoos" von einer technologischen Vielfalt entstanden, die es den DV-Managern heute erschwere, bestehende Anwendungen in übergeordnete Informations- und Kommunikationskonzepte einzugliedern. Ihr größtes Problem liege dabei in der übermäßigen Belastung durch das Tagesgeschäft. Dadurch würde der Spielraum für Planungsaufgaben stark eingeschränkt.

Der Furtwanger Informatik-Professor appelliert an die DV-Verantwortlichen, in der jetzt angelaufenen "Bereinigungsphase" einen "subtilen Weg" zu finden, bei dem ein dosierter Zentralismus gewahrt bleibe, bestehende Mikro-Anwendungen aber nicht zerschlagen würden. "Der DV-Manager", so Bues, "muß jetzt eine Marschrichtung für geordnete dezentrale Konzepte finden, ohne dabei Kleinholz zu machen."

Eine zum Teil konträre Auffassung vertrat Lutz Ockert, DV-Chef bei der Thyssen GmbH in Duisburg. Es fehle nicht nur an Konzepten oder Strategien, um die Mikros in das Informations- und Kommunikationsgefüge der Unternehmen einzuordnen, sondern vor allem an technischen und organisatorischen Möglichkeiten. Vor diesem Hintergrund sei es falsch, den DV-Leiter als Buhmann hinzustellen. "Die heutigen Mikro-/ Mainframe-Koppelungen sind nichts anderes als Krampflösungen", wettert Ockert. Den Grund für die Zurückhaltung der DV-Verantwortlichen gegenüber größeren Mikrocomputer-Installationen sieht der Thyssengas-Manager in der ,mangelnden Ausgereiftheit verfügbarer Hard- und Softwareprodukte.

Heftig diskutiert wurde in Frankfurt die von Ockert vorgeschlagene Gangart, Mikros und Mainframes von ein und demselben Hersteller zu beziehen. Die Wahrscheinlichkeit, eine optimale Lösung zu finden, sei am größten, wenn Mainframe-Kompetenz und Mikro-Know-how aus einer Hand kämen. Anbieter, die sowohl Großrechner oder Minis als auch Mikros vertreiben, seien in dem Bestreben, eine Koppelung zwischen diesen Gerategruppen herzustellen, bisher am weitesten fortgeschritten.

Während die Arbeitsgruppe um Professor Bues in ihren Kernaussagen zwei unterschiedliche Tendenzen aufzeigte, die sich vor allem in den Aussagen der Befürworter des DV-Zentralismus und den Anhängern des dezentralen Gedankens manifestierten, kommt der Organisationsdirektor der Braun AG in Kronberg/Taunus, Olaf Rauhof, zu einer gänzlich anderen Auffassung.

Er hält den Rummel um die Einführung von Mikrocomputern in die Fachbereiche für "leicht überbewertet". Konstatiert Rauhof, der nach eigenen Worten auf eine rund 30jährige DV-Erfahrung zurückblicken kann: "Für mich ist der Mikro ein ganz normales Organisationsmittel wie ein Formular oder eine Schreibmaschine." Die Verantwortlichen sollten die derzeitige Entwicklung zwar keinesfalls treiben lassen, aber langfristig auch nicht überbewerten. Falsch sei vor allem, daß der DV-Leiter momentan in vielen Unternehmen als "Voodoo-Master" gesehen werde, der stets die "100-Prozent-Lösung parat haben müsse".

(Lesen Sie zum Thema "Mikro-Einsatz in Großunternehmen" auch die Ergebnisse des Arbeitskreises auf den Seiten 95 bis 98.)