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03.03.1989 - 

Neue Epoche der Informationsverarbeitung für DVer und Controller zeichnet sich ab

DV-Controlling: Vertrauen statt Kontrolle

MÜNCHEN (CW) - Controller wie auch Informationsmanager spielen auf der Klaviatur der Information: Der Konflikt ist vorprogrammiert. Denn der eine intoniert die Kosten, der andere den Nutzen. Disharmonien und verschenkten Synergien kann indes nur das Management entgegenwirken, lautet der Kommentar von Informationsmanagern und Controllern auf einem IDG-CSE-Seminar.

Die Informationstechnik ist Managementsache. Als Unternehmens-Infrastruktur-Potential darf sie nicht mehr nur dem DV-Organisator zur Rationalisierung überlassen werden, forderte Ragnar Nilsson, Direktor Organisation und Informationstechnik der Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Köln, auf dem IDG-CSE-Seminar "Informations-Controlling - Synergien zwischen Informationsmanagement und Controlling" in München.

Dabei scheint sich ein neues Selbstverständnis zu etablieren: "Controlling ist gut, aber Vertrauen ist besser." Der Teufel liegt indes für Helmut Krcmar besonders im Detail. Konflikte entstehen nach Meinung des Lehrstuhlinhabers Betriebswirtschaftslehre der Universität Hohenheim, bislang immer dann, wenn es darum geht, Anforderungen an Informationssystemstrukturen zu bestimmen und sich über Möglichkeiten zur Realisierung zu einigen. Dabei besteht Dissens darüber, ob sich typische Controllingaufgaben mit Aufgaben der strategischen Planung vereinbaren lassen. DVer sähen Informationssysteme eben mit anderen Augen an als "Zahlenjongleure".

Informationstechnik hat dabei die fachliche Aufsicht über die Technologie; sie stellt das Equipment bereit und treibt Strukturen sowie Anwendungen wettbewerbsfördernd voran. Controlling befaßt sich mit Verfahrensfragen der Interpretation von Informationen; der funktionale Wert der Information steht im Mittel punkt. Nur Teamarbeit bringt erst den "Erfolgsfaktor Information" zustande.

Eine alte Epoche der Informationsverarbeitung geht deshalb sowohl für den Org./DV-Leiter wie auch den Controller zu Ende, so Joachim Griese, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern. Das Chaos etwa in der Software-Entwicklung sei deshalb auch kein unternehmensspezifischer Unglücksfall. Die Verantwortung für die Informationssysteme wandere von der zentralen DV mehr und mehr zu den Benutzern. Darauf hätten sich Informationsdienstleister wie DV und Controlling mit einem neuen Qualitätsbewußtsein einzustellen. Bislang sei Fehlerfreiheit noch eine Illusion.

Wie auch Griese vermuten weitere Referenten gute Chancen für Synergien der beiden "Dienstleister-Kompagnons": Es gibt keinen Erfolgsfaktor Information, ohne daß Management und Management-Service eng zusammenwirken, postuliert Controlling-Altmeister Karlheinz Vellmann. Doch das Informatik-Technologie-Verständnis-Gap im Management ist erheblich, weiß der langjährige Henkel-Manager.

Das liegt nicht unerheblich am traditionellen Kostendenken. Zwar seien Aufwendungen für neue Technik leicht zu belegen . Bislang sei jedoch noch keine Methodik vorhanden, berichtet Zbynek Sokolovsky, Direktor Kostenkontrolle der Dresdner Bank in Frankfurt, mit der strategische Nutzenpotentiale gültig zu bewerten seien. Traditionelle Wirtschaftlichkeitsrechnungen allein aber versagen, muß Joachim Niemeier, Leiter der Abteilung Management von Informations- und Komunikationssystemen des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswissenschaft, feststellen. Bei der Einführung neuer Techniken sinke beispielsweise die Wirtschaftlichkeit zunächst zwangsläufig. Mitarbeiter müßten geschult und auf gewandelte Arbeitsabläufe eingestellt werden, ganz zu schweigen von kostspieligen "Kinderkrankheiten" der Systeme.

Doch gehe es um weit mehr als Mark und Pfennig: Das Gut Information sei ein wettbewerbsbestimmender Faktor. Die Analyse und Planung von Informationstechnik erfordere eine prozeßorientierte Betrachtung. Noch aber, so Niemeier, sei es eine ungelöste Aufgabe, die Produktivität geistiger Arbeit auch zu bewerten.

Beim Informatikplan und dessen Integration in die strategische Unternehmensplanung, argumentierte Beratungsexperte Hartmann Knorr von Arthur Andersen, habe der Informationsmanager deshalb auch ein Wörtchen mitzureden und aktiv den Bezug zur Unternehmensplanung herzustellen.

Wenn Systemintegration ein Schlüssel zur Rationalisierung sei, besitze der Org./DV-Leiter einen beachtlichen Teil der Schlüsselgewalt. Aufwind geben dem Informatiker zudem die vermehrten Vernetzungen von Unternehmen sowie der Wettbewerbsdruck bei informationsintensiven Dienstleistungen. Er habe künftig eine neue Führungsrolle anzunehmen.

Sähe das Management in ihm indes weiterhin nur den DV-Organisator mit der Aufgabe zu rationalisieren, lautet Knorrs Karrieretip zumindest für den Org./DVer: "Er sollte nur dann den Wunsch haben, bei seinem Arbeitgeber zu bleiben, wenn dieser auch fähig ist, einen Kurs festzulegen und Ziele zu erreichen".