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Geschäftsbericht des Bundesrates 1986 deckt viele Schwachstellen auf:


22.05.1987 - 

DV-Einsatz beim Bund teurer als erwartet

BERN (CWS) - Weit kostenintensiver als geplant erweist sich der DV-Einsatz beim Bund. Der Bundesrat stellt in seinem Geschäftsbericht 1988 fest, daß eine Verdoppelung der in früheren Plänen vorgesehenen finanziellen Mittel erforderlich

Als Grund für die DV-Kostenexplosion sieht der Bundesrat die zusätzlichen Bedürfnisse für die Ausbildung von Studenten im Haupt- und Nebenfach Informatik, die umfassende Verwendung von Computern in Lehre und Forschung, die benötigten Großrechnerleistungen, den Einsatz für Verwaltung und Führung. In der Verwaltung selbst führten die Ansprüche nach zeitgemäßen Leistungen des Staates sowie neue technische und wirtschaftliche Gegebenheiten bei den Anlagen, Geräten und Programmen ebenfalls zu einer Zunahme der Anträge auf neue und modernisierte DV-Anwendungen.

Der bundesrätliche Bericht stellt jedoch fest, daß für 1987 und die folgenden Jahre erhöhte finanzielle Mittel und insbesondere das Fachpersonal nicht ausreichen, um allen Anträgen zu entsprechen. DV-Mittel inklusive externe Dienstleistungen müßten daher möglichst wirtschaftlich und effektiv beschafft und eingesetzt werden. Ausgerichtet auf dieses Ziel, habe das Bundesamt für Organisation Schritte zu umfassenderen Planungen eingeleitet.

Bemerkenswert ist, daß sich teilweise wortwörtlich gleiche Formulierungen über die EDV-Lage beim Bund auch im Geschäftsbericht des Bundesrates von 1985 finden. Der Bericht 1986 erweckt nach wie vor den Eindruck einer heillosen Zersplitterung im Bereich der "Koordination der elektronischen Datenverarbeitung". Die wenigen Informatiker, die im Solde des Bunde dienen, scheinen von Koordinationssitzung zu Koordinationssitzung zu hetzen.

Eine Erkenntnis immerhin hat das Jahr 1986 dem Bundesamt für Organisation gebracht: "Zukünftig müssen DV-Anwendungen in der bisherigen Form spezifischer Problemlösungen in der neuen Form allgemein verwendbarer Werkzeuge(Büroautomation) und leistungsfähiger Kommunikationssysteme koordiniert werden." Darüber hinaus ist von einem Entwurf für ein Informatik-Leitbild der Bundesverwaltung die Rede, der gerade sorgfältig überprüft wird. Bislang sind freilich weder über den Leitbild-Entwurf noch über seine Überprüfung Informationen für die Öffentlichkeit abgefallen.

Informatik-Dienst wird jetzt zentral gelenkt

Weiter verlautet aus dem Bundesrats-Bericht, daß Fragen eines allgemeinen Telekommunikationskonzeptes, das über einzelne Anwendungen hinausgehende Lösungen für die Verbindungen zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden sichern soll, derzeit im Rahmen der Schweizerischen Informatikkonferenz bearbeitet werden.

1986 ist auch in der Bundeskanzlei und den Parlamentsdiensten das Jahr der Neuorganisation in den Datenverarbeitungsbelangen gewesen. Die beiden Zentralen Midonas (Militärisches Dokumentations-Nachweis-System), bisher der Direktion der Eidgenössischen Militärverwaltung unterstellt, und Resolina (Rechts- und Sozialwissenschaftliches Literatur-Nachweis-System) für die Bibliotheken und Dokumentationsstellen der zivilen Verwaltung wurden mit Wirkung ab 1. August 1986 zur Abim-Zentrale (Allgemeines Bundes-Informationssystem unter Mumps) zusammengefaßt und einem "Chef Informatik" unterstellt. Der neu geschaffene Informatik-Dienst ist für alle Belange der elektronischen Datenverarbeitung in Parlament und Bundeskanzlei zuständig.

Im neu definierten Projekt Cunidas (Computerunterstütztes Informations- und Datenverarbeitungs-System der Bundeskanzlei) werden die Vorarbeiten von Midonas, Resolina, Ispad und Tedat zu einem Gesamtkonzept verarbeitet. Für die in diesem Rahmen geplanten Anwendungen sei man jetzt dabei, Detailkonzepte auszuarbeiten. Dies betreffe insbesondere die Geschäftsdatei (lückenlose Erfassung des Ablaufs der Ratsgeschäfte inklusive dokumentarische Erschließung) und die parlamentarischen Vorstöße, die seit 1983 bereits im Dokumentationsdienst der Bundesversammlung im Volltext erfaßt und erschlossen würden.

Die Nachfrage nach Anschlüssen an das System hat dem Geschäftsbericht zufolge im Laufe des Jahres 1986 stark zugenommen. Der Informatik-Dienst der Bundeskanzlei habe deshalb im Sommer ein Evaluationsverfahren für ein Großsystem mit einem Anschaffungswert von rund 1,5 Millionen Franken in die Wege geleitet. Die neue Anlage ist Ende 1986 geliefert worden. Zusammen mit dem Ausbau der Anschlüsse der Bibliotheks- und Dokumentationsstellen der Bundesverwaltung wächst laut Bericht des Bundesrates immer mehr das Bedürfnis nach einem gemeinsamen begrifflichen Ordnungssystem (Thesaurus). Um dieses Abfragesystems ausbauen und koordinieren zu können, befinde sich im Informatik-Dienst vorläufig eine halbe Hilfsstelle im Einsatz.