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13.04.1984 - 

Dialog-Computer im Stadtkrankenhaus Offenbach:

DV-Einsatz macht Klinikbetrieb effizienter

Datenverarbeitung im Krankenhaus ist ein seit Jahren heiß diskutiertes Thema. Von der Minimallösung, nämlich Datenerfassung im Krankenhaus und Verarbeitung im Rechenzentrum, bis hin zur von autonomen Lösung mit einem modernen Dialog-Computer im Krankenhaus findet jede Anwendungsart ihre Befürworter. Die Voraussetzungen sind dabei von Fall zu Fall so unterschiedlich, daß jede Klinik nach Ihren speziellen Voraussetzungen und Bedürfnissen eine Wahl treffen muß. Günther Schmidt, Leiter der Haupt- und Organisationsabteilung im Stadtkrankenhaus Offenbach am Main, möchte Anregungen und Hinweise zur Lösung dieser Probleme geben.

Das Stadtkrankenhaus Offenbach verfügt über 1132 Betten. Es gliedert sich in 15 Fachabteilungen und Institute. Das Einzugsgebiet umfaßt im wesentlichen Stadt und Kreis Offenbach am Main mit einer Einwohnerzahl von über 400 000 Bürgern. Einige Einrichtungen wie die Abteilung für Schwerverbrannte, die Neurochirurgische Klinik und die Versorgungsklinik für Strahlengeschädigte sind zur überregionalen Versorgung vorgesehen. Über 1800 Menschen sind direkt oder indirekt im Interesse der Patienten tätig.

Bereits im Jahre 1976 beschäftigten sich der Verwaltungsdirektor, Reinhold Latzke, und sein Mitarbeiterstab mit dem Problem "Datenverarbeitung im Krankenhaus". Nach gründlichen Untersuchungen kam man zu dem Schluß, den Weg zur autonomen Datenverarbeitung im eigenen Hause zu beschreiten. Diese Entscheidung fiel insbesondere auch vor dem Hintergrund der gesetzlich festgelegten Einführung der kaufmännischen Buchführung zum 1. Januar 1978.

Veränderungsprozessen Rechnung tragen

Den Verantwortlichen war zu jedem Zeitpunkt bereits klar, daß sich mit der Einführung der kaufmännischen Buchführung zwangsläufig ein Veränderungsprozeß in der Führung eines Krankenhauses vollziehen würde. Um dieser Entwicklung Rechnung tragen zu können, wurde beschlossen, einen Computer anzuschaffen. Damit waren die Voraussetzungen eingeleitet, das Krankenhaus-Management schnell mit den notwendigen wirtschaftlich relevanten Daten zu versorgen. Entscheidend für die Systemauswahl war, daß der Hersteller zum damaligen Zeitpunkt bereits mehrere Krankenhäuser in der Bundesrepublik ausgestattet hatte. Dazu lieferte ein Softwarehaus ein Programmpaket für verschiedene Anwendungsgebiete im Krankenhaus.

Die Programme waren in Business Basic erstellt. Hierbei handelt es sich um eine Programmiersprache, die für den Anwender relativ leicht zu handhaben ist, wenn er außer den zur Verfügung stehenden Programmen eine eigene Programmierkapazität schaffen will. Diese Absicht verfolgte auch die Verwaltungsleitung des Stadtkrankenhauses Offenbach, die erkannt hatte, daß der Einsatz von eigenen Programmierern den Computereinsatz im Stadtkrankenhaus Offenbach erheblich flexibler und effizienter gestaltet.

Zuerst wurde ein Programmpaket für die Materialwirtschaft, Apotheke und das Zentralmagazin entwickelt und fertiggestellt. Dieses konnte nach einer zweimonatigen Testdauer in Betrieb genommen werden. Inzwischen war man in die "heiße Phase" der Vorbereitungen zur Einführung der kaufmännischen Buchführung gekommen. Das Softwarehaus übergab das Programmpaket "Finanzbuchhaltung", das die Umstellung zum 1. Januar 1978 wesentlich erleichterte.

In dieser Zeit brachte der Hessische Sozialminister einen Erlaß heraus, der sich auf die Beschaffung von DV-Anlagen für kommunale Krankenhäuser bezog. Hierin wurde betont, daß DV-Anlagen kurzfristige Anlagegüter des Krankenhaus-Finanzierungsgesetzes seien, deren Beschaffung oder Miete demzufolge aus den Pauschalzuweisungen gemäß Paragraph 10 KHG zu bestreiten sei. Diese Anlagen müßten gemäß Paragraph 13 des Hessischen Krankenhausgesetzes in einen möglichen Datenverbund eingegliedert werden.

Daten müssen schnell verfügbar sein

Ferner seien die Krankenhäuser verpflichtet, die notwendigen medizinischen und wirtschaftlichen Daten gegebenenfalls weiterzuleiten und sich dem Datenverbundsystem anzuschließen, soweit die erforderlichen technischen Voraussetzungen dies erlaubten. Weiter heißt es wörtlich:

"Die Errichtung des Verbundsystems zu einem späteren Zeitpunkt wird voraussichtlich wesentliche Erleichterungen für die wirtschaftliche und sparsame Betriebsführung der Krankenhäuser zur Folge haben. Um zu vermeiden, daß durch die unkoordinierte Anschaffung von DV-Anlagen sowie der erforderlichen DV-Programme die Errichtung eines Verbundsystems mit erheblichen technischen und organisatorischen Schwierigkeiten vorbelastet wird, bitte ich, vor Anschaffung der DV-Anlagen zum Zwecke der koordinierten Anschaffung untereinander kompatibler DV-Systeme die beabsichtigte Anschaffung dem Sozialminister zu melden und mit ihm abzustimmen."

Die wirtschaftliche Verselbständigung der kommunalen Krankenhäuser versetzte die Verwaltungsleitung in die Lage, schnelle Entscheidungen eigenmächtig treffen zu müssen. Hierzu waren besonders betriebswirtschaftliche Daten kurzfristig dringend nötig. Diese wiederum konnten nur dann sofort zur Verfügung stehen, wenn ein unmittelbarer Zugriff auf die Ergebnisdaten in der Finanzbuchhaltung möglich war. Diese Daten stellte der Computer über Bildschirmabfrage praktisch per Knopfdruck zur Verfügung. Dadurch konnten im Stadtkrankenhaus Offenbach Steuerungselemente entwickelt werden, die nach betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Gesichtspunkten wirksam wurden.

An dieser Stelle muß erwähnt werden, daß wegen einer trägerpolitischen Entscheidung die stationäre Leistungsabrechnung des Stadtkrankenhauses Offenbach in einem kommunalen Gebietsrechenzentrum (KGRZ) erstellt wurde. Dies hatte zur Folge, daß sofort nach der Umstellung auf die kaufmännische Buchführung in zunehmendem Maße Liquiditätsengpässe auftraten, da zwischen der Entlassung eines Patienten und der Fakturierung der Leistungen ein erheblicher Zeitverzug entstand. Hinzu kamen programmtechnische Probleme im KGRZ, die dieses Verfahren für das Krankenhaus unkomfortabel machten.

Deshalb beschloß die Verwaltungsleitung zu Beginn des Jahres 1979, die stationäre Leistungsabrechnung ebenfalls auf den eigenen Rechner zu übernehmen. Am 1. Juli 1979 war es dann soweit, daß die gesamte Patientenverwaltung und die stationäre Leistungsabrechnung durchgeführt wurde.

Im Laufe des Jahres 1980 begann das Stadtkrankenhaus Offenbach eine eigene Liquiditätsreserve zu bilden. Dieser Erfolg war die Bestätigung der vorangegangenen Entscheidungen.

Aus dieser Erkenntnis heraus beschloß man, sukzessive weitere Anwendungsgebiete auf den eigenen Computer zu übernehmen, um möglichst schnell Zahlen für kurzfristige Entscheidungen aus dem Computer zu erhalten.

Eigenarbeit erwies sich als sinnvoll

Sehr bald stellte sich heraus, daß zu diesem Zeitpunkt nicht alle gewünschten Programme beim Softwareanbieter verfügbar waren. Die vorangegangene Entscheidung, eigene Programmierkapazitäten zu schaffen, erwies sich nun mehr als sehr nützlich, denn man beschloß, in Zusammenarbeit mit dem Softwarehaus hinsichtlich der Programmentwicklung eine Aufgabenteilung vorzunehmen.

So lieferte zum Beispiel das Softwarehaus die Programmpakete für Anlagenbuchhaltung und Personalverwaltung, während die Programme Abrechnung von Telefongebühren und Kreditorenbuchhaltung im eigenen Haus entwickelt wurden.

Inzwischen gibt es innerhalb der Verwaltung nur noch wenige Sachgebiete, die manuell bearbeitet werden müssen. Zur Zeit sind 28 Bildschirmeinheiten im Haus verteilt installiert. Ob Verwaltungsdirektor, Abteilungsleiter oder Sachbearbeiter - alle mit administrativen Aufgaben betrauten Mitarbeiter nutzen den direkten Zugriff auf die aktuellen Daten im Dialog-Computer.

Als nächstes Projekt soll der medizinische Bereich in Angriff genommen werden. Zunächst ist beabsichtigt, das Labor komplett unter Einsatz eines umfangreichen Programmpaketes auf den dafür vorgesehenen Dialog-Computer zu übernehmen, als nächstes soll die Röntgenabteilung folgen. So hat sich mit der Zeit aus der ehemals computergestützten Datenverarbeitung im Stadtkrankenhaus Offenbach ein integriertes Verarbeitungs- und Informationssystem entwickelt, das im Laufe der nächsten Jahre Zug um Zug weitere Anwendungsbereiche in sich vereinigen wird.

Krankenhausleitung ist jederzeit informiert

Bei der Arbeit mit dem Dialog-Computer werden alle Daten nur einmal erfaßt und stehen in direktem Zugriff dem jeweiligen Bediener über eines der 28 angeschlossenen Bildschirmterminals jederzeit zur Verfügung. Voraussetzung hierfür ist, daß der jeweilige Bediener sich dem Computer identifiziert und berechtigt ist, die für sein Zuständigkeitsgebiet verfügbaren Programme abzurufen. Die Ergebnisse stehen ebenfalls dem Bediener nach der sofortigen Verarbeitung direkt zur Verfügung.

Die Krankenhausleitung als Betriebsleitung im Sinne des "Eigenbetriebsgesetzes für das Land Hessen" kann jederzeit über aktuelle Zahlen verfügen, um eine gesicherte Grundlage für zukunftsweisende Entscheidungen zu haben.

Ein Sachgebiet, nämlich die Lohn- und Gehaltsabrechnung für die Mitarbeiter des Stadtkrankenhauses Offenbach, ist im kommunalen Gebietsrechenzentrum zur monatlichen Verarbeitung verblieben. Das Stadtkrankenhaus Offenbach liefert seit Jahren monatlich ein Magnetband mit den jeweils erfaßten Lohndaten an das zuständige kommunale Gebietsrechenzentrum. Nach der jeweiligen Verarbeitung und Abrechnung erhält das Stadtkrankenhaus Offenbach ein Magnetband mit den Ergebnissen zurück, das dann zur in den hauseigenen Dialog-Computer benutzt wird und die notwendigen Zahlen für Finanzbuchhaltung und Betriebsabrechnung liefert. Damit ist eigentlich schon bewiesen, daß die Schnittstelle zum Bund-/Länderverfahren in der benutzten Software von Anfang an existent ist.

Nach Anfangsdiskussionen Akzeptanz erreicht

Die notwendigen Änderungen von Organisationsabläufen und die Umstrukturierung von Arbeitsplätzen führten anfangs zu Diskussionen mit den betroffenen Beschäftigten selbst und zwangsläufig auch mit dem Personalrat. Durch die moderne Gestaltung ergonomischer Bildschirmarbeitsplätze sowie durch die systematische Einarbeitung der Betroffenen konnte inzwischen bei Mitarbeitern und Personalrat eine Akzeptanz erreicht werden, die einen zielstrebigen weiteren Ausbau der angestrebten Projekte ermöglicht.

Bei der Absicht, den Forderungen nach Wirtschaftlichkeit und sparsamer Betriebsführung gerecht zu werden, waren auch störende Einflüsse von außen zu spüren. Der Hessische Sozialminister beauftragte ein namhaftes Wirtschaftsprüfungsunternehmen, die auf dem Markt angebotenen Computer mit Krankenhaus-Software (Programmpakete) eingehend zu überprüfen und ein Gutachten zu erstellen. Dieses Gutachten lag dann auch Mitte 1981 beim Hessischen Sozialminister vor. Danach wurde seitens des Hessischen Sozialministers bei dem gleichen Wirtschaftsprüfungsunternehmen ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben, das die Wirtschaftlichkeit der im ersten Gutachten ausgewählten Systeme darstellen sollte. Beide Gutachten wurden unter Verschluß gehalten und den meisten kommunalen Krankenhäusern nicht zugänglich gemacht. So bemühte sich auch das Stadtkrankenhaus Offenbach sehr intensiv darum, Einblick in diese Gutachten zu erhalten, was jedoch vergeblich war.

Das Stadtkrankenhaus Offenbach, zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits langjähriger Anwender eines DV-Systems, wurde in keiner Weise durch den Gutachter befragt oder um einen Erfahrungsbericht gebeten. Dies verwunderte die Verwaltungsleitung um so mehr, zumal das Stadtkrankenhaus Offenbach eines von wenigen Krankenhäusern in Hessen ist, das mit einem autonomen Dialog-Computer arbeitet und somit ein beträchtliches Erfahrungspotential auf diesem Gebiet besitzt, das dem Gutachter zur Verfügung gestanden hätte.

Erstaunen über das Gutachten

Obwohl zur Verschlußsache erklärt, wurden die Ergebnisse beider Gutachten doch bald bekannt. Im Stadtkrankenhaus Offenbach war das Erstaunen über den Inhalt und die Empfehlungen in den beiden Gutachten groß: Der Gutachter empfahl nämlich im Wirtschaftlichkeitsgutachten ein System von einem relativ kleinen Softwarehaus, das im ersten Gutachten noch mit einem Fragezeichen versehen war.

Nach langem Drängen wurden schließlich beide Gutachten der Verwaltungsleitung leihweise zur Verfügung gestellt. Nach eingehendem Studium der Gutachten stellte sich heraus, daß die Hardware- und Softwarelieferanten des hauseigenen Systems keine Berücksichtigung gefunden hatten. Damit war kein Vergleich zu dem vom Gutachten empfohlenen System möglich, da sich eine finanzielle Sonderförderung für diejenigen Krankenhäuser abzeichnete, die sich für das vom Hessischen Sozialminister empfohlene System entscheiden würden.

Die Verwaltungsleitung des Stadtkrankenhauses Offenbach machte daraufhin den Hessischen Sozialminister auf einen entscheidenden Mangel in den Gutachten aufmerksam:

Der Gutachter hatte - ganz gleich aus welchem Grunde auch immer - die Offenbacher Lösung ignoriert, obwohl diese zum Zeitpunkt der Untersuchungen über die Landesgrenzen Hessens in Krankenhauskreisen als praxisbewährtes System bekannt war. Wenn, so argumentierten die Verantwortlichen im Stadtkrankenhaus Offenbach, der Hessische Sozialminister das von ihm empfohlene und softwareseitig bereits erworbene halbautonome System finanzielle Vorteile für den jeweiligen Anwender bringt, so könne das Stadtkrankenhaus Offenbach auf keinen Fall gegenüber diesen Anwendern benachteiligt werden. Zumal im Stadtkrankenhaus Offenbach zu einem Zeitpunkt, als der Hessische Sozialminister noch das Projekt Dominig II förderte, bereits ein praxisgerechtes und wirtschaftliches System entwickelt wurde, das dem empfohlenen System aufgrund der langjährigen permanenten Weiterentwicklung um einiges überlegen ist und deshalb für die kommunalen Häuser des Landes Hessen durchaus als Alternative angeboten werden könnte. Die Software enthält die Schnittstelle zum Bund-/Länderverfahren und ist bereits in über 100 Krankenhäusern im Bundesgebiet eingesetzt. Bleibt nur noch zu hoffen, daß der Hessische Sozialminister diesen gutgemeinten Vorschlag aufgreift und nachträglich in eventuelle Überlegungen miteinbezieht.