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17.05.1985

DV-Establishment und IBM: Heilige Allianz

Man wird nicht sagen können, daß die IBM Personalentscheidungen aus dem hohlen Bauch heraus trifft. Die Managementkrise war nie ein Thema für Mitarbeiter und Kunden aber es gibt sie und sie schwelt weiter.

Die Ernennung Hans-Olaf Henkels zum Geschäftsführer der IBM Deutschland GmbH und Stellvertreter des IBM-Chefs Lothar F. W. Sparberg war überfällig. Armonk hat bei der Entmachtung Sparbergs, darauf läuft die Henkel-Wahl hinaus, zweifellos Stallregie geführt. Der neue Kronprinz ist ja kein unbeschriebenes Blatt. Konzernerfahrung (zuletzt Paris) ist reichlich vorhanden. CW-Lesern muß Henkel überdies nicht vorgestellt werden: "Mit Hans-Olaf Henkel, schrieben wir anläßlich der Kandidaten-Kür für die Bösenberg-Nachfolge, "kam gar ein neuer Mann ins Gespräch" (CW Nr. 16 vom 15. April 1983). Bereits Ende 1982 hieß es in der CW. "Mit der Ernennung des, so ein Zitat in "DER SPIEGEL", "ehrenwerten Oberbuchhalters" Sparberg zum Unternehmensleiter wurde die IBM Deutschland konsequent auf Mittelmaß programmiert." (CW vom 26.11. 82)

Jetzt assistiert der reinrassige Vertriebsmann Henkel dem Finanzmann Sparberg. Mit einer durchschlagenden Wirkung wird man kurzfristig indes nicht rechnen dürfen. Die IBM macht gerade ein stabiles Formtief durch. Welche Spielräume die IBM-Oberen für ihre künftige Geschäftspolitik haben, hängt wesentlich von den Kunden ab.

Ohne Konflikt wird es etwa in der Frage der Mikro-Mainframe-Kommunikation nicht abgehen. Auch mit dem "Personal Computer" verfolgt nämlich der Marktführer sein Ziel, Informationsverarbeitung streng zentralistisch zu realisieren, um die Anwendungen - und damit die Anwender - im Griff zu behalten. Der Bazillus der Emanzipation soll nicht auf die Benutzer übergreifen. Und so konspiriert Big Blue mit dem Establishment in den DV-Abteilungen großer Anwenderfirmen.

Auch bei den Dickschiffen muß der Rechnerriese Spannungen befürchten. Die Sierra-Ankündigung (3090/200, 3090/400) ist alles andere als glatt verlaufen. Nicht, weil die neuen Jumbos Verspätung haben: Das gehört zum Marketing-Mix, soll die Kunden veranlassen, vorhandene 308X-Systeme zu kaufen. Doch der Mainframe-Marktführer hat die Patt-Situation gekriegt, die er nicht haben wollte: Die Großkunden warten ab. AIlen "Drohungen" der Kunden zum Trotz, sich nun näher mit PCM-Alternativen zu beschäftigen, wird Big Blue auch dieses Problem lösen. Eine "heilige Allianz" verbindet die IBM und das DV-Establishment. Grundkonsens besteht, wie man weiß, in dem Punkt, daß "große" Datenverarbeitung nur mit der "großen" lBM verwirklicht werden kann.

Ganz anders die Intentionen mittelgroßer Anwender, die mit Systemen der 43XX-Klasse arbeiten. Als logische Folge von DOS/VS, CICS und DL/1 sind Komplexitäten entstanden, die mit der eigentlichen Anwendung nichts zu tun haben. Als Alternative bietet sich das System /38 an. Vorteile: wesentlich geringere DV-Kosten (Personal!), höhere Systemqualität für den Endbenutzer. Nun ist zwar bislang kein Fall bekannt, daß ein 43XX-Anwender auf eine /38 umgestellt hätte. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Dazu müßten die Anwender freilich die Allianz aufkündigen. Das ist, zugegeben, eine scheinbar utopische Vorstellung. Keine Frage: Die IBM hätte daran zu knabbern. Ist es das, was Sparberg und Henkel fürchten müssen?